Ghislaine Dunant

 4.3 Sterne bei 4 Bewertungen

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Ein Zusammenbruch

Ein Zusammenbruch

 (4)
Erschienen am 15.03.2011
Unersättlich

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Erschienen am 01.11.1993

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Rezension zu "Ein Zusammenbruch" von Ghislaine Dunant

Eine Auszeit aus der Gesellschaft
Katrina76vor 5 Jahren

Ohne dass es dafür einen Anlass gegeben hätte, erleidet eine junge Frau einen psychischen Zusammenbruch und wird darauf hin in eine Klinik eingeliefert.Trotz ihrer Erschöpfung und Ängste beobachtet sie genau, was um sie herum vor sich geht.Die medizinische Behandlung empfindet sie eher als Belastung denn als Hilfe. Niemand erklärt ihr , was genau mit ihr los ist.Erst als sie sich mit einem anderen Patienten anfreundet, bekommt ihr Leben für sie langsam einen Sinn.

Die Geschichte  dieser Frau ist  das Erlebte der Autorin selbst und spielt im Jahre 1973. Es ist ein leises Buch das in der Beschreibung des Seelenzustandes der Ich- Erzählerin weder pathetisch noch larmoyant wirkt. Die französische Autorin Ghislaine Dunant entführt uns in eine Welt die etwas Abseits der Gesellschaft liegt. Hinter den Mauern einer Klinik in der Menschen für eine bestimmte Zeit aus ihrem Leben aussteigen um  Ruhe vom Alltagsgeschehen zu bekommen. Nüchtern und absolut nicht wertend wird man als Leser langsam in das Leben hinter den Mauern geführt.
Ich fand es interessant sich in die Protagonistin hineinzuversetzen und mit ihr an diesen besonderen Ort zu gehen . Ich konnte mich sehr gut in die Geschichte reinversetzen und auch nachvollziehen, dass es jedem Menschen passieren kann egal ob reich,arm angesehen in der Gesellschaft oder auch nicht. Zum Ende beschreibt die junge Frau nocheinmal ihren psychischen Zustand, den man nicht treffender schreiben könnte : " Ich war ganz unten, im Keller, zusammengebrochen. Ich war durch die Falltür gestürzt."

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Rezension zu "Ein Zusammenbruch" von Ghislaine Dunant

Rezension zu "Ein Zusammenbruch" von Ghislaine Dunant
WinfriedStanzickvor 7 Jahren

Wir schreiben das Jahr 1973, wie man aus einem Nebensatz gegen Ende des vorliegenden Buches entnehmen kann. Eine junge Frau wird nach einem Zusammenbruch in die Psychiatrie eingeliefert, ein Vorgang, der jeden Tag in unserer allernächsten Umgebung geschieht, ohne dass wir Kenntnis davon erhalten. Weil sich die Menschen und mit ihnen ihre Angehörigen schämen über die psychische Krankheit, die Depression oder die Psychose, wird alles unter den Teppich gekehrt, was die Einsamkeit der Betroffenen noch steigert.

All das weiß die Autorin dieses sensibel und authentisch geschriebenen Romans aus eigener Erfahrung. Doch lange Zeit hat sie es regelrecht vergessen. Erst als sie eine Freundin in einer Klinik besucht und die zu ihr sagt: „Ich schäme mich dafür, Depressionen zu haben“, entschließt sie sich dieses Buch zu schreiben. Mit sanfter Stimme beschreibt sie einen Zusammenbruch, ohne Getöse. Sie erzählt vom Vergehen der Tage, Tage, während derer sie alles verloren hatte, ohne auch nur irgendetwas zu verstehen.

Dabei bleibt das Autobiographische ganz im Hintergrund, sie beschreibt auch nicht die Krankheit an sich oder ihre Ursachen und ihre Therapie. Sie schreibt darüber, wie die Frau, ihr Alter Ego, die Tage erlebt, wie sie die Orte erfährt, an die sie kommt, sich selbst und die anderen wahrnimmt. Sie lotet die Momente aus, in denen sich diese unsagbare Leere ausbreitet, die jeder kennt, der von dieser Krankheit einmal betroffen war, diese Leere, die geradezu ins Unerträgliche geht und die bei vielen den Gedanken an Selbstmord aufkommen lässt. Und sie geht den Gedanken nach an das Leben, auf das die Frau wartet, von dem sie nicht weiß, wie sie es einfangen soll, ein Leben, von dem sie sich ein Zeichen erhofft, irgendein Zeichen, wie es weitergehen kann.

Und sie beschreibt die Menschen, die mit der Frau dort in der Klinik sind, Menschen, die sie genau beobachtet, die sie verzweifeln lassen, die sie nicht versteht oder nach denen sie sich auf die Suche macht, weil in ihrer Nähe plötzlich so etwas wie Öffnung möglich ist.

Ghislaine Dunant schildert ihren eigenen Zusammenbruch ohne Pathos, man hört keine Klage, auch deshalb, weil, wie sie sagt, ihr eigene Erfahrung der Not sie bereichert hat. Eine Erfahrung, die nicht nur sie gemacht hat. Mit ihrem eindrucksvollen Buch, das nicht nur bei Menschen unter die Haut geht, die das kennen aus der eigenen Lebensgeschichte, hat sie versucht, sich selbst und, so hoffe ich, auch anderen, diese Not lebendig zu machen, mit Worten und mit Sätzen langsam den Weg zu ertasten, der aus der Dunkelheit herausführt.

Erstaunlich dabei ihre Erinnerung, erstaunlich die Klarheit der Bilder nach so langer Zeit. In eine einfache Sprache gefasst, lässt sie ihre Leser und Leserinnen teilhaben an ihrer eigenen Geschichte der Befreiung, der schrittweisen Rückkehr ins Leben.

Menschen, die das erlebt haben, „ein Zusammenbruch“ mit anschließendem langen und besonders zu Beginn hoffnungslosem Klinikaufenthalt werden sich wieder finden in diesem kleinen Buch, in dem jeder einzelne der sparsamen Sätze trifft. Menschen, die akut unter einer Depression oder starken psychischen Störung leiden, sollten dieses Buch nicht lesen. Denn die Erkenntnis dessen, dass die Not einen bereichert, die kommt erst später, oft viele Jahre später, wenn das Leben einen anderen Verlauf genommen hat und man rückblickend sogar beschreiben kann, warum „ein Zusammenbruch“ nötig war, um dorthin zu gelangen.

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Rezension zu "Ein Zusammenbruch" von Ghislaine Dunant

Rezension zu "Ein Zusammenbruch" von Ghislaine Dunant
Clarivor 8 Jahren

Psychose, dargestellt am Beispiel einer Depression und Angststörung.

Schwer lastet jeder Tag auf einer jungen Frau, der wir in diesem Roman zuerst am Meer und später in einer psychiatrischen Klinik begegnen.

Nach dem Film "Million Dollar Baby" erlebte sie die totale Niederlage der Heldin, als sei es ihre eigene.

Wirr sind ihre Eindrücke von Menschen, dem Wind, der Sonne und dem Meer. Hier war sie zu einem kurzen Urlaub, bevor sie zurück zur Behandlung in die psychiatrische Klinik musste. Dort sah sie sich erneut unerklärlichen medizinischen Schikanen ausgesetzt. Sie erlebt konfuse Augenblicke und ist bei allem doch von überwacher Intelligenz, mit der sie sich und das Tun um sie herum infrage stellt. Warum muss sie bis mittags im Bett liegen? Warum bekommt sie Spritzen, Medikamente und wird mit Konfitüre gefüttert, ja vollgestopft, angeblich um zu besserem Appetit zu kommen?
Entfernt denkt sie an die Tage, als alles begann. Wie fremd sie sich allem und jedem ausgeliefert fühlte, bevor ihr die Autonomie über den eigenen Willen abhanden gekommen war!

Die Autorin Ghislaine Dunant ist mitten im Geschehen. Sie behandelt die Leere und die Sinnlosigkeit, die ein Mensch in einem krankhaft bedingten Versagen der seelischen Kräfte erlebt. Niemand beantwortet die Fragen, die sich der Kranken täglich aufdrängen. Sie ist einsam und leidet unter dem allgemeinen Schweigen, das sie in der Klinik überall spürt. Die Umwelt sieht sie wie durch eine gläserne Wand.
Das Schlimmste ist ihre Ratlosigkeit, mit der sie von Bildern verfolgt wird, die ihr Angst machen und zugleich ihr Bewusstsein schärfen, dass sie "anders" als alle anderen ist. Vater, Schwester und Tante bleiben Schemen, von denen sie sich getrennt fühlt.
Deutlicher kann man das Gefühl der "Entfremdung", wie sie Psychotiker erleiden, nicht beschreiben. Konspirative Versuche, dem Desaster des Klinikalltags zu entkommen, scheitern an den eisernen Regeln des Pflegepersonals.
Zuletzt löst sich die symbolische Gefangenschaft dargestellt am Beispiel der Klinikmauern und durch das Eingeschlossensein in sich selbst. Die Befreiung erfolgt langsam von innen wie außen.

Ghislaine Dunant ist eine glänzende Studie über den Zustand des "Verrücktseins" gelungen. Vergleichbar sensible und eindrucksvolle Bilder psychotischer Zustände im Kleid der Poesie findet man kaum.

Für diesen Roman wurde die Autorin mit dem Prix Michel Dentant ausgezeichnet. Sie lebt in Paris.

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