Gianrico Carofiglio

 4 Sterne bei 336 Bewertungen
Autor von Reise in die Nacht, In freiem Fall und weiteren Büchern.
Autorenbild von Gianrico Carofiglio (© Ingo Kniest)

Lebenslauf von Gianrico Carofiglio

Hochspannung aus Italien: Gianrico Carofiglio wird im Mai 1961 in Bari geboren, wo er auch heute noch mit seiner Frau und seinen beiden Kindern lebt. Er arbeitet hauptsächlich in der Justiz als Richter und Staatsanwalt, bis er sich im Jahr 2000 seinen Lebenstraum erfüllt und einen Roman schreibt. Bei seiner Veröffentlichung 2002 wird sein Debüt „Reise in die Nacht“ sofort ein Erfolg und erscheint 2006 auch in Deutschland. Das Buch bildet gleichzeitig den Auftakt zur Reihe um den Anwalt Guido Guerrieri, die bis heute die bekannteste Reihe Carofiglios ist. Was die Bücher besonders macht, ist die jahrelange Berufserfahrung des Autors als Staatsanwalt, die er in sein Schreiben miteinfließen lässt. Inzwischen ist Carofiglio ein gefeierter Schriftsteller, der mit mehreren Preisen ausgezeichnet wurde, darunter der Premio Bancarella im Jahr 2005.

Alle Bücher von Gianrico Carofiglio

Cover des Buches Reise in die Nacht (ISBN: 9783641023874)

Reise in die Nacht

 (84)
Erschienen am 11.03.2009
Cover des Buches In freiem Fall (ISBN: 9783641185299)

In freiem Fall

 (61)
Erschienen am 30.09.2015
Cover des Buches Das Gesetz der Ehre (ISBN: 9783442467921)

Das Gesetz der Ehre

 (48)
Erschienen am 12.10.2009
Cover des Buches In ihrer dunkelsten Stunde (ISBN: 9783442473557)

In ihrer dunkelsten Stunde

 (31)
Erschienen am 15.04.2013
Cover des Buches Die Vergangenheit ist ein gefährliches Land (ISBN: 9783442473847)

Die Vergangenheit ist ein gefährliches Land

 (23)
Erschienen am 14.12.2010
Cover des Buches Drei Uhr morgens (ISBN: 9783852567693)

Drei Uhr morgens

 (15)
Erschienen am 20.08.2019
Cover des Buches In der Brandung (ISBN: 9783442473564)

In der Brandung

 (12)
Erschienen am 17.11.2014
Cover des Buches Am Abgrund aller Dinge (ISBN: 9783442473571)

Am Abgrund aller Dinge

 (11)
Erschienen am 17.10.2016

Neue Rezensionen zu Gianrico Carofiglio

Cover des Buches Das Gesetz der Ehre (ISBN: 9783442467921)
Josseles avatar

Rezension zu "Das Gesetz der Ehre" von Gianrico Carofiglio

Ein Mix aus ausgesprochen starken und schwachen Teilen
Josselevor 6 Tagen

Das Buch ist der dritte Band des italienischen Juristen Gianrico Carofiglio mit dem Strafverteidiger Guido Guerrieri als Protagonisten. Das Original erschien 2006 unter dem Titel „Ragionevoli dubbi“, was „Berechtigte Zweifel“ bedeutet. Guido Guerrieri übernimmt die Verteidigung eines Mannes, gegen den er Racheabsichten hegt, weil der in seiner Jugend daran beteiligt war, ihn zu verprügeln. Angeklagt ist der Mann wegen Schmuggels von 40 kg Kokain. Zu allem Überfluss beginnt Guido dann auch noch ein Verhältnis mit dessen Frau.

Schlecht gewählt finde ich den deutschen Titel. Hätte man den Originaltitel einfach wörtlich übersetzt, wäre das die deutlich bessere Wahl gewesen, denn darum geht es eigentlich in dem ganzen Roman. Der Verteidiger versucht, berechtigte Zweifel an der Schuld des Angeklagten zu wecken, so dass eine Verurteilung wegen dieser Zweifel nicht erfolgen kann. Gewöhnungsbedürftig fand ich, dass im italienischen Rechtssystem der Staatsanwalt während eines Prozesses von Tag zu Tag wechseln kann. Dafür kann der Autor aber natürlich nichts, ich gehe davon aus, dass das einfach so geregelt ist, auch wenn es aus meiner Sicht sehr seltsam erscheint.

Was mich gestört hat, sind die im Buch enthaltenen Belanglosigkeiten, wie z.B. die Schilderung des Gesprächs mit den beiden Damen, die ihre Nachbarn verklagen wollen (Goldmann Verlag, gebunden, 1. Aufl. 2007, S. 121 ff). Der Sinn dieser Anekdote erschließt sich mir überhaupt nicht. Auch die Darstellung des Privatlebens des Protagonisten finde ich insgesamt nicht besonders gut gelungen. Auf mich macht das den Eindruck, einer Figur mit Gewalt Leben einhauchen zu wollen, ohne wirklich einen echten Charakter herauszuarbeiten. Ich finde den Rechtsanwalt nach wie vor ziemlich oberflächlich beschrieben, da die Eigenschaften der Figur nach meinem Eindruck nicht so richtig zusammenpassen. Von der japanischen Affäre erst gar nicht zu reden.

Sehr gut gelungen sind dem Autor wieder einmal die Szenen vor Gericht, insbesondere die beiden Plädoyers. Da merkt man deutlich, dass Carofiglio ein ausgebildeter Jurist ist, der genau weiß, wie er rechtliche Sachverhalte zu formulieren hat.

Die bestechend guten Passagen stehen somit Passagen gegenüber, die ich für misslungen befunden habe. Das macht den Roman nicht zu einem schlechten Buch, aber bei etwas mehr Sorgfalt bei der Ausarbeitung der Personen, wäre mehr drin gewesen. Drei Sterne.

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Cover des Buches Drei Uhr morgens (ISBN: 9783293209367)
Bea_Kondas avatar

Rezension zu "Drei Uhr morgens" von Gianrico Carofiglio

Leseleicht und tiefsinnig
Bea_Kondavor einem Monat

Mehr als eine Vater-Sohn-Geschichte, mehr als eine Erzählung über das Erwachsenwerden, über Mathematik, Epilepsie, Jazz, den ersten Sex und Marseille. Eine angenehme Lektüre; es hat mich von einem zum nächsten Kapitel weitergetragen und ich wollte nicht aufhören zu lesen.

 „Freiheit bedeutet, sich auf wackeligem Grund zu bewegen, nicht ganz in der Spur zu sein.“ (Seite 119) – nur einer von ganz vielen Sätzen, die mich berührt haben. 

„Und es gibt Momente, in denen man schweigen muss, weil etwas Hauchzartes und Kostbares in der Luft liegt, das sich beim kleinsten Wort verflüchtigen könnte“ (Seite 177). 

Und ganz viel Unausgesprochenes, das angedeutet ist, mitschwingt, das noch hätte gesagt werden sollen und wollen – aber das Leben macht einem einen Strich durch die Rechnung und hinterlässt den Leser bzw. mich auf jeden Fall mit einem Hauch von Wehmut. Ein wunderbares Buch, ein Lesegeschenk.

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Cover des Buches Drei Uhr morgens (ISBN: 9783293209367)
aus-erlesens avatar

Rezension zu "Drei Uhr morgens" von Gianrico Carofiglio

Nachts sind nicht alle Katzen grau
aus-erlesenvor 7 Monaten

 Kein Fußball, keine Kontaktsportarten, kein Kaffee, kein Alkohol, ja nicht einmal Mineralwasser mit Sprudel – für einen Jungen, der die neunte Klasse besucht nicht das, was man sich als Paradies vorstellt. Doch Antonio muss sich fügen. Schon als er jünger war, nahm er ab und zu die Geräusche, die ihn umgaben extrem nachhaltig wahr. Nun hat er die Diagnose: Epilepsie. 

Papa wohnt nicht mehr mit Mama und Antonio zusammen. Doch nach dem letzten Anfall und dem anschließenden Krankenhausaufenthalt legt sich der Erzeuger mächtig ins Zeug. In Marseille soll es einen Arzt geben, Professor Henri Gastaut, der auf dem Gebiet der Epilepsie-Forschung bahnbrechende Erkenntnisse verzeichnen kann. Durch Zufall ist sogar in wenigen Tagen ein Termin bei ihm frei. Zum ersten Mal nach zig Jahren reisen Antonio, Mama und Papa gemeinsam. Ein einmaliges Unternehmen. Die Untersuchungen stören Antonio kaum, sie führen sogar zu einem Ergebnis. Nur eine leichte Epilepsie. In drei Jahren sollen sie wiederkommen. Und Gastaut hat sogar noch mehr gute Nachrichten. Antonio scheint künstlerisch begabt zu sein. So wie van Gogh, Dostojewski und Poe. Und er darf wieder Getränke mit Sprudel zu sich nehmen. Und Fußball spielen. 

Die Jahre vergehen. Antonio lebt weiterhin mit Mama zusammen. Papa woanders. Schneller als gedacht, vergehen die drei Jahre. Statt vier sind es nur zwei Tabletten pro Tag. Als der Termin bei Professor Gastaut steht, ist die Krankheit Normalität, die man eh nicht ändern kann. Antonio verzieht das Gesicht als er dieses Mal allein mit Papa nach Marseille reisen soll. Und so einmalig der erste Trip zu Dritt gen Marseille war, so ungewöhnlich ist Professor Gastauts Methode, um festzustellen, ob Antonios Epilepsie bald schon der Vergangenheit angehören wird: Er soll zwei Tage und zwei Nächte wach bleiben – dafür gibt er ihm Tabletten. Die bisherigen Tabletten bleiben in der Verpackung. 

Und nun soll der achtzehnjährige Antonio, der sein halbes Leben mit Tabletten und ohne Vater verbracht hat, achtundvierzig Stunden mit dem Mann, der ihm fremd und nah zugleich ist, in einer Stadt am Leben teilhaben, die ihm nicht minder fremd ist?! 

Antonio staunt nicht schlecht wie nah sich zwei Menschen sein können, die sich kaum kennen. Ohne Scheu wechseln Fragen und Antworten den Besitzer. Er lernt seinen Vater kennen, erfährt mehr über sich und das Leben im Allgemeinen als er sich je vorstellen konnte. Unter die Restaurantbesuche, Jazzkonzerte (inklusive einer Einlage seines Vaters), nächtlichen Streifzügen durch das finstere Marseille der Achtzigerjahre mischt sich die Normalität. Wenn der Vater mit dem Sohne …

Gianrico Carofiglio lässt zwei Menschen zwei Tage miteinander leben, um für ihr gesamtes folgendes Leben miteinander verbunden zu sein. Der eigentliche Grund – der Krankheit Herr zu werden – tritt allmählich in den Hintergrund bis das unvermeidliche Ende immer näher rückt. Das ist der traurigste Moment beim Lesen.

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Gianrico Carofiglio wurde am 30. Mai 1961 in Bari (Italien) geboren.

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