Rezension zu "Alchemistin wider Willen (Die unglaublichen Fälle der Zoe Faust 1): Roman" von Gigi Pandian
Jill1Die Grundidee dieses Buches war wirklich vielversprechend: Eine unsterbliche Alchemistin, die sich in Portland ein neues Leben aufbaut, trifft auf einen Gargoyle, der dringend ihre Hilfe braucht – dazu noch ein mysteriöser Mordfall. Eine spannende Mischung aus Magie, Krimi und Fantasy klang nach genau der richtigen Lektüre für mich.
Leider konnte das Buch diese Erwartungen nicht erfüllen. Anstelle einer faszinierenden Auseinandersetzung mit Alchemie oder einer raffinierten Kriminalgeschichte wurde man eher mit einem Kochbuch überrascht. Die ausführlichen Rezept- und Küchenszenen nehmen so viel Raum ein, dass die eigentliche Handlung in den Hintergrund gerät. Außerdem wird das Thema Veganismus über die gesamte Geschichte hinweg mehrfach ausdrücklich betont. Ich selbst lebe vegetarisch und habe damit grundsätzlich kein Problem – aber wenn immer wieder darauf hingewiesen wird, wie abwechslungsreich und vorteilhaft die vegane Küche ist, wirkt es schnell belehrend. Ein- oder zweimal hätte vollkommen gereicht.
Auch die Krimihandlung war enttäuschend. Die Rätsel wirkten konstruiert, die Lösungen willkürlich und wenig durchdacht. Statt Aha-Momenten blieb bei mir eher Augenrollen zurück. Besonders am Ende, als mehrere Rätsel in kürzester Zeit „abgefrühstückt“ wurden, fehlte jegliche Spannung und Logik.
Die Alchemie selbst, die eigentlich das Herzstück sein sollte, bleibt erstaunlich blass. Zoe übt sie lange nicht mehr aus und geht nur zögerlich daran – ihre Gründe dafür werden zwar genannt, sind aber schwer nachvollziehbar. Und wenn sie die Alchemie schließlich einsetzt, wirkt es unausgereift: erst scheitert sie, dann klappt plötzlich alles ohne nachvollziehbare Entwicklung. Der Hintergrund, warum Alchemie in dieser Welt nicht weit verbreitet ist, ist zwar nachvollziehbar erklärt, die Umsetzung aber flach und wenig fesselnd.
Zusätzlich fällt auf, dass Zoe, obwohl sie seit Jahrhunderten lebt, erstaunlich naiv und geradezu blauäugig wirkt. Eine Figur mit so viel Lebenserfahrung sollte deutlich reflektierter und souveräner handeln – und vor allem mehr Tiefe aufweisen. Stattdessen reduziert sich ihr Charakter letztlich auf drei Punkte: Veganismus, Alchemie und Kräuterkunde.
Alles in allem ist „Alchemistin wider Willen“ für mich ein Buch voller verschenkter Chancen. Die Mischung aus Alchemie, Krimi und Magie hätte viel Potential gehabt, stattdessen dominieren kulinarische Ausschweifungen, ein überbetontes Veganismus-Thema und eine willkürlich wirkende Auflösung. Für mich bietet das Buch keinen Anreiz, die Reihe weiterzuverfolgen.























