Gila Lustiger Die Schuld der anderen

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Inhaltsangabe zu „Die Schuld der anderen“ von Gila Lustiger

Ein Jahrhundertsommer über dem ganzen Land, ein Mordfall, dessen Lösung zu viele Fragen offen lässt, und ein hartnäckiger Journalist, der den Zweifel zum Prinzip erhebt: In unnachahmlichem Ton entwirft die Wahl-Pariserin Gila Lustiger ein Bild der »Grande Nation«, das Land und Leute lebendig werden lässt und einen der empörendsten Wirtschaftsskandale Frankreichs als packenden Ermittlungsfall präsentiert. Die Geschichte einer unfassbaren Verstrickung, atmosphärisch, spannend und klug – ein großer Gesellschaftsroman.

Krimi? Auch. Nostalgische Großvater-Sohn-Geschichte, Frankreich-Porträt, Globalisierungsstudie, Philosophieexkurs, Wendungen. 4,5 Sterne

— StefanieFreigericht
StefanieFreigericht

Ein großer Gesellschaftsroman, viel mehr als ein Politthriller, sprachlich auf hohem Niveau.

— SalanderLisbeth
SalanderLisbeth

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    Ginevra

    Ginevra

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  • Die Suche danach, was Frankreich, vielleicht unser aller globalisiertes Leben, ausmacht

    Die Schuld der anderen
    StefanieFreigericht

    StefanieFreigericht

    28. May 2017 um 22:22

    „Wir brauchen keine Gerechtigkeit. Ein Kompromiss ist uns lieber als der gerechte Krieg.“ S. 328 Eine ernüchternde Aussage ernüchterter Menschen, die nicht zu den Gewinnern gehören, aber einmal nicht zu den Verlieren zählen wollen. Und dann gibt es andere, Menschen wie Marc Rappaport und wie Emilie Thevenin, die nicht nachgeben wollen. Das wenig begüterte Provinz-Mädchen Emilie geht nach Paris zum Geschichts-Studium, lässt sich ein auf das schnelle Geld für die schnelle Nummer und wird ermordet, 1984. Nur eine weitere tote Prostituierte – doch DNA-Spuren führen jetzt, dreißig Jahre später, weiter. Marc  wittert eine Geschichte dahinter und beginnt, zu graben, er ist „Einer, der noch nicht gelernt hatte, sich mit Kompromissen herumzuschlagen wie jedermann.“ S. 24 Er wird tief graben in diesem Buch, das die französische Geschichte der Gegenwart darstellt, ohne dass man sich dafür großartig anstrengen muss, in einem Frankreich, das gewaltige Umbrüche erfahren musste, den Niedergang der traditionellen Industrien, der ganze Regionen veränderte. Einige Gymnasien erlauben neben dem Erwerb des Abiturs parallel den Abschluss einer Berufsausbildung, strikt auf die Bedürfnisse der lokalen Konzerne ausgerichtet. „Die Erfahrung der Arbeitslosigkeit saß der Provinz zu tief in den Knochen, hatte zu sehr die Erbsubstanz verändert, als dass einem eingefallen wäre, diese Kinder etwas lernen zu lassen, das kein sicheres Einkommen gewährte.“ S. 191Eine Umverteilung der Macht und der Freiheit hat längst stattgefunden – die Konzerne entscheiden. Warum musste Emilie sterben? Welche Rolle spielt ihr Geburtsort? Im Verlauf der Recherche wird Marc von Prinzipien abweichen, in die Schusslinie geraten, unerwartete Wendungen erleben, Erschütterung. „Der ganze Trick…ist, die Welt mit den Augen deiner Personen zu sehen.“ S. 304 so erklärt Marc, wie er es schafft, bei der Recherche die winzigen Details nicht zu übersehen. Wie ein Süchtiger taucht er in seine Recherche ein – und der Leser mit, in die Abgründe von Reise- und Zwangsprostitution, gesellschaftlichem Wandel, von Konzernen ohne Gewissen, von der Angst um den Arbeitsplatz, von Lücken in der Gesetzgebung, der Bündelung von Macht, den sinnlosen Gewaltexzessen, der Islamisierung. „Die gesamte journalistische und politische Elite nahm schon lange nicht mehr am gesellschaftlichen Leben ihres Landes teil. Sie war so isoliert wie Strafgefangene, nur dass sie sich selber ausgeschlossen hatte.“ S. 302. Emilies Vater war einer der Verlierer dieser Entwicklung. Lustiger vertraut darauf, den Leser die Welt mit den Augen Marcs sehen zu lassen, aber nicht durchgängig. Zwischendurch kommen erklärende Absätze, lässt sie Marc philosophische Erwägungen anstellen. Das hebt das Buch weit über das Krimigenre, wenngleich es spannend bleibt, kommt jedoch nicht ganz ohne den erhobenen Zeigefinger aus. Und auch jüdische Identität muss erörtert werden, fast schon „Attack“-ähnliche Schlüsse müssen gezogen werden „Der Produktionsfaktor Mensch ist schon lange ersetzbar.“ S. 381. Ich mag dafür nur einen halben Stern Abzug geben, weil sie es so grandios schreibt, auch wenn sie gar viele Themen bedient und häufig glauben macht, die Komma-Taste der Tastatur am liebsten bedienen zu wollen: „Und obwohl es als Lob gedacht war, als Anerkennung seiner Fähigkeiten, diese Frau ergattert zu haben, hätte er den Eindringling, der unbefugt an etwas teilgenommen hatte, was er, Marc, alleine hatte genießen wollen, am liebsten zusammengestaucht.“ S. 144 „Französische Verhältnisse“ überschreibt der Verlag den Text auf der Rückseite. Das heißt statt StayFriends „Copain d’avant“ oder RTT Réduction du temps de Travail, das System der französischen Bildung – aber das wenige, was Lustiger nicht sofort erklärt, lässt sich fix nachschlagen. Was mich ernüchtert zurückließ war, wie stark sich bestimmte Muster auch bei uns finden. Da bemühen sich Menschen, sich nicht die Mißgunst anderer zuzuziehen, während die Nivellierung sozialer Unterschieder zweitrangig ist „Gleichheit war schon seit Jahrzehnten ein Synonym für Neid geworden.“ S. 70. Überhaupt, die Bilder, die Sätze, die Gila Lustiger erschafft. Unverzichtbar für jeden, der sich für das aktuelle Frankreich interessiert – ein Gewinn, falls man zu aktuellen Themen angeregt werden möchte. Eine passende Lektüre (vor oder nach diesem Buch) ist Karine Tuil: Die Zeit der Ruhelosen https://www.lovelybooks.de/autor/Karine-Tuil/Die-Zeit-der-Ruhelosen-1409147396-w/rezension/1447175972/1447177221/ (Dîner du Siècle, Judentum, Banlieues, Aufstieg, französische Eliten, Islamismus, Macht), wobei die in Frankfurt geborene und seit 1978 in Paris lebende Lustiger dem deutschsprachigen Leser das Hintergrundwissen (dadurch zugänglicher) mitliefert und sich dieses Buch hier wohl besser als erstes von beiden Büchern für nicht sehr tief mit Frankreich vertraute Leser eignen dürfte.

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    • 2
  • „Ein grandioses Gesellschaftspanorama unserer Zeit“

    Die Zeit der Ruhelosen
    StefanieFreigericht

    StefanieFreigericht

    10. April 2017 um 21:38

    Der Klappentext nennt das Buch „ein grandioses Gesellschaftspanorama unserer Zeit“ – und das passt. Der Rest vom Klappentext verrät etwas viel, wobei das hier nicht einmal schadet, weil es mehr darauf ankommt, WIE elegant Karine Tuil das tut – und welche eigenen Überlegungen das auslösen kann. Der Roman wechselt die Perspektiven zwischen drei Männern, die unterschiedlicher kaum sein könnten: Reich geboren oder aus dem Problemviertel, als Kind von afrikanischen Einwanderern oder mit rein französischer Ahnenreihe, mit Hintergrund im Islam, im Katholizismus, im Judentum (oder sogar mit Kombinationen davon), erfolgreich, aufstrebend oder gebrochen. Überhaupt, gebrochen – alle von ihnen werden in diesem Roman in der einen oder anderen Weise zu Verlierern werden; der Text lebt davon, ihnen dabei zuzusehen. Ihr Scheitern ist dabei teils zutiefst menschlich – sie verlieben sich und Partnerschaften zerbrechen, Karrieren gehen kaputt, angebliche Freunde werden zu Verrätern - zur wirklichen Identifikationsfigur taugt mir keiner von ihnen: zu sehr finden sie ihre Identifikation in der Selbst-Zelebrierung als „Alpha-Männchen“; selbst die Frauen um sie herum sind kaum besser in ihrem Streben nach Durchsetzung eigener Machtbedürfnisse. Die Sprache ist eine Freude: gut verständlich, treffsicher, situativ changierend – ob von den Schrecken des Krieges handelnd: „Könnte der Übersetzer, der euch seine Dienste anbietet, nicht ein von den Taliban ferngesteuerter Spion sein, eine Geisel, die unter Zwang handelt? Es ist ein Leichtes, ihn zu erpressen, indem sie damit drohen, seine Familie zu töten, sie wissen, wo sie wohnt, sie kennen den Namen seines Vaters und seiner Schwester, du weißt, was wir deiner Schwester antun können, ja, er weiß es, sie werden ihr eine Kugel in den Kopf jagen oder sie mit Säure bespritzen, ein Strahl ins Gesicht, und sie ist für immer entstellt, als abschreckendes Beispiel.“ S. 20oder ob es um oft ernüchternde Schlussfolgerungen geht: „Er hatte die Liebe verschmäht. Nun musste er sich mit der Zuneigung seiner Familie begnügen, dem Trostpreis.“ S. 278 Mich hat der Text sehr zum Nachdenken angeregt – hinaus über das altbekannte Erwägen, wo Diskriminierung beginnt, inwieweit viele Förderungen verkappte Demütigungen beinhalten, wo die Zensur im Kopf stattfindet, hin dazu, wo die Demütigung geflissentlich ignoriert wird, um nicht als „Spielverderber“ dazustehen. Das ist kein rein französisches Thema, das lässt sich auch in deutschsprachigen Ländern exemplifizieren; ich war teils erschreckt, wie viele dumme (rassistische, sexistische, antisemitische,…) Sprüche aus dem Buch ich bereits im gesellschaftlichen Umgang gehört hatte, oft „natürlich“ ganz „harmlos“ gemeint. Das ist schon „ganz großes Kino“ von Karine Tuil. Andere Hintergründe im Roman wird man nur verstehen, wenn man sich ein wenig mit Frankreich auskennt, so die „Grandes Écoles“ unter den Universitäten, die quasi als Automatismus eine Karriere in Politik und Wirtschaft versprechen, und das spezielle Schulsystem mit den stark konkurrierenden vorbereitenden Gymnasien – aber andererseits werfen internationale Studien Deutschland vor, unterdurchschnittlich wenige Studenten hervorzubringen, die aus Nicht-Akademiker-Familien stammen (stimmt, das ist schon insgesamt etwas anderes, „normale“ Universitäten haben die Franzosen auch noch – und diese „besonderen“ Universitäten haben wir hier nicht, die Bedeutung von Rankings ist geringer, die Privat-Unis finden den Vergleich eher mit dem US-System). Lässt man das außen vor, liest sich das Buch nicht nur als „französische“ Gesellschaftsstudie, sondern durchaus als eine der westlichen Gesellschaftssysteme, bei der vielleicht die Eltern von Osman bei einem britischen Autor aus Indien kämen, bei einem deutschen Autor aus der Türkei, etc. Immer noch fasziniert mich das Ende – sehr geschickt, bei allen zwischendurch oft sehr ernüchternden Aussagen. Es bleibt, über einige von ihnen nachzudenken: „Die meisten Menschen ziehen die Bequemlichkeit dem Risiko vor, … weil sie Angst vor einer Veränderung oder einem Scheitern haben, dabei müssten sie am meisten Angst vor einem vergeudeten Leben haben.“ S. 496 Meine Empfehlung als Folgebuch:James Finn Garner: Politically Correct Bedtime-Stories (Märchen in „politisch-korrekt-Sprech“ – da sind „Zwerge“ stattdessen „vertically handicapped“ – sehr entlarvend und damit durchaus adäquat zu einem Zitat aus Tuil: „In unserer Gesellschaft ist etwas sehr Ungesundes im Gange, alles wird durch den Blickwinkel der Identität betrachtet.“ S. 285  Nachtrag 29.5.2017: Gila Lustiger: Die Schuld der anderen - die seit 1987 in Paris lebende und in Frankfurt/Main geborene Autorin schreibt "kompatibler" für deutschsprachige Leser, da sie einiges erklärt (damit aber das Dilemma verursacht, dadurch etwas belehrender zu wirken). Vordergründig als Krimi angelegt, spiegelt auch dieses Buch die Zerrissenheit der französischen Gesellschaft wieder. Ich würde es beschreiben als "gleiche Hintergründe, aber ein ganz anderes Buch". https://www.lovelybooks.de/autor/Gila-Lustiger/Die-Schuld-der-anderen-1130715931-w/rezension/1459433064/ alternativ werde ich selbst in den Büchern stöbern, die Paul Vély zum Trauern empfiehlt:Rainer Maria Rilke „Du musst das Leben nicht verstehen“Joan Didion „Das Jahr magischen Denkens“Roland Barthes „Tagebuch der Trauer“Jorge Semprún „Schreiben oder Leben“ mit dem schönen Zitat „Das Leben war noch lebbar. Es genügte zu vergessen, es mit Bestimmtheit, brutal zu beschließen.“ S. 487

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    • 3
  • beeindruckend

    Die Schuld der anderen
    KarinFranke

    KarinFranke

    07. January 2017 um 18:59

    Der Journalist Marc Rappaport zweifelt an der Schuld eines Verdächtigen, dem ein fast dreißig Jahre zurückliegender Mord angelastet wird. Er versucht, den wahren Täter zu finden.Die hervorstechendste Eigenschaft Marcs ist die verbissene Suche nach der Wahrheit, die ihn schließlich in jene Kleinstadt führt, in der das Opfer aufwuchs und wo die wahre Geschichte ihren Anfang nahm. Doch der Skandal, den er aufdeckt und zu einem befriedigenden Abschluss bringt, ist noch lange nicht die Antwort auf die eigentliche Fragestellung. Marc recherchiert weiter - bis zum bitteren Ende.Eine Mischung aus Krimi und politischem Gesellschaftsroman, der in Frankreich, vornehmlich in Paris spielt und tiefe Einblicke in das Machtgefüge der französischen Gesellschaft bietet.Gila Lustigers Schreibstil ist mitreißend, ihre Charaktere gut ausgearbeitet, die Thematik hervorragend recherchiert - ich gebe eine eindeutige Leseempfehlung.

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    • 2
  • Die Grenzen der Schuld sind fließend

    Die Schuld der anderen
    SalanderLisbeth

    SalanderLisbeth

    25. September 2016 um 21:33

    Nun war er wieder da. Unter Strom. Mitten im Geschehen. Das gnadenlose Raubtier Rappaport, das ungesehen den endlosen Flur entlangstreifte, flink Treppen hinunterhuschte und, die Gunst des Augenblicks nutzend, die Halle durchquerte, als alle gerade damit beschäftigt waren, eine Gruppe Jugendlicher in die Ausnüchterungszelle zu verfrachten. Die fünf Kids randalierten und wollten sich nicht bändigen lassen? Umso besser. Auszug Seite 67 Der brutale Mord an der jungen Prostituierten Emilie Thevenin vor fast 30 Jahren in Paris wurde nie aufgeklärt. Als man jetzt im Jahrhundertsommer mit Hilfe einer DNA-Analyse den vermeintlichen Täter überführt, kommen dem engagiertem Journalisten Marc Rappaport Zweifel an der Schuld des Verdächtigen. Nach Rücksprache mit seinem Chefredakteur fährt der ehrgeizige Reporter zwecks Recherche nach Charfeuil, die Kleinstadt, in der Emilie aufwuchs. Wieso schlitterte die junge Frau, die mit 18 Jahren aus der Enge der Kleinstadt floh, um in Paris zu studieren, in die Prostitution? Hier in der Provinz deckt unser Held nach und nach einen Skandal viel größeren Ausmaßes auf. Emilies an Krebs verstorbener Vater arbeitete bei dem Chemiekonzern Nutrissor. Dieser hatte jahrelang wissentlich die Gesundheit seiner Arbeiter aufs Spiel gesetzt, in dem er krebserzeugende Stoffe kostengünstig einsetzte. Das alles mit der Rückendeckung der Politiker, denn schließlich ging es um Arbeitsplätze. Diese Begebenheit geht auf einen realen Fall zurück, der sich Anfang der 80er Jahre bei dem Futtermittelhersteller Adisseo ereignet hatte. Das Provinzunternehmen wurde der groben Fahrlässigkeit bezichtigt und für den Nierenkrebs mehrerer Mitarbeiter verantwortlich zu Schadensersatzzahlungen verurteilt. Der komplexe, intelligente Plot ist sehr spannend und weiß absolut zu fesseln, dient aber genau genommen auch als Mittel für die Schriftstellerin, um zahlreiche gesellschaftliche Probleme Frankreichs aufzudecken. Wie sie in einem Interview bekannte, war die Struktur des Krimis für sie ein Korsett, an das sie sich halten konnte, wenn ihre Beschreibungen zu ausufernd wurden und sie zur Handlung zurück trieb. Die in Frankfurt geborene Autorin und studierte Germanistin weiß wovon sie spricht, denn sie lebt seit fast 30 Jahren in ihrer Wahlheimat in Paris. Sie verfügt über eine gute Beobachtungsgabe und legt den Finger in die Wunde. Indem sie das Leben in den Industrie-Kleinstädten und Vororten mit Immigrationshintergrund und hoher Arbeitslosigkeit perfekt beschreibt, die Zustände in den Banlieues, die wachsende Jugendkriminalität, die Prostitution und die Korruption in der Politik, taucht sie schonungslos in die Abgründe der französischen Gesellschaft ein und versteht es die Kluft, die die Gesellschaft immer weiter spaltet, aufzuzeigen. Wie der Titel schon verrät, geht es viel um die Schuldfrage in der Geschichte. Die Hauptfigur Marc ist ein melancholischer Einzelgänger um die 40. Er wirkt irgendwie zerrissen, da er zwischen allen Stühlen sitzt. Sein verstorbener Großvater, an dem er sehr gehangen hat, war ein gerissener Großindustrieller, der seinen Reichtum zum Teil aus Kriegsgewinnen in Afrika erwirtschaftet hat. Der angesehene Arnaud Delorme hatte ein gespanntes Verhältnis zu Marcs Vater, einem jüdischen Intellektuellen aus einer armen Akademiker-Familie. Unser Held ist als integrer Journalist mit hohen Idealen auf Enthüllungsgeschichten spezialisiert und macht Jagd auf die „bösen Jungs“. Andererseits möchte er aber auch nicht auf die ererbten Annehmlichkeiten verzichten. Trotz seiner handfesten Prinzipien wird er im Laufe der Geschichte um der Gerechtigkeit Willen einen der wenigen Politiker, die er achtet, in den Schmutz ziehen, seinen besten Freund belügen und sich seiner Zeitung bedienen. Grade diese Widersprüche lassen den Protagonisten aber sehr authentisch, menschlich und auch sympathisch erscheinen. Er, Marc ging nicht nur zur Arbeit. Er hatte sich vom System schlucken und umkrempeln lassen. Sein Beruf hatte ihn so verändert, dass er sich gar nicht mehr richtig erinnern konnte, je anders auf die Wirklichkeit geblickt zu haben, als mit den abgefeimten Augen eines abgefeimten Zeitungsfritzen. Auszug Seite 105 Gila Lustiger wirft mit viel literarischem Können und sprachlich auf hohem Niveau einen entlarvenden Blick auf die Verhältnisse der 'Grande Nation'. Dadurch ist ihr ein großer Gesellschaftsroman gelungen, der viel mehr ist als ein normaler Politthriller. Die tragische Wendung zum Schluss lässt den Titel 'Die Schuld der anderen' noch mal in seiner ganzen Bedeutung erschließen. Ein rund herum gelungenes Leseerlebnis, das aufzeigt, dass die Grenzen der Schuld fließend sind.

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    • 3
  • Mord verjährt nicht

    Die Schuld der anderen
    franzzi

    franzzi

    Vor 30 Jahren wird die 19 Jahre junge Prostituierte Emilie Thevenin brutal ermordet. Dank neuer Analysetechnik glaubt die Pariser Polizei, jetzt den Mörder überführt zu haben. Doch Marc Rappaport, ein geschätzter wie gefüchteter investigativer Journalist, kann das nicht glauben. Aus einem Bauchgefühl heraus wühlt er los, in die Vergangenheit, in die Provinz und wieder zurück in die Hauptstadt. Schnell ist klar: Das Mädchen ist nur ein kleines Puzzleteil. Es geht um einen Industrieskandal, um Krankheit und Tod - und Korruption bis in die höchsten Kreise.Gila Lustiger hat einen hochspannenden wie hochphilosophischen Roman geschrieben. Er ist nur vordergründig ein Krimi. Dahinter geht es um Seilschaften und die Politik im Verborgenen, um das aus den Fugen geratene Machtverhältnis von Politik und Wirtschaft; darum, wie oft die Angst die Wissenden eine große Wahrheit verbuddeln lässt - und was man selbst bereit ist, an Idealen zu opfern, um letztlich etwas Gutes zu tun. Brillant in seiner Sprache, logisch in seiner Auflösung und sehr, sehr denkanstoßend. Und auch der Titel bekommt immer neue Bedeutungen.Literature at its best.

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    • 2
  • Sehr spannendes Frankreich-Panorama

    Die Schuld der anderen
    Ein LovelyBooks-Nutzer

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    30. January 2016 um 19:27

    Im Januar 2015 hörte ich zum ersten Mal von Gila Lustigers Roman im NDR Podcast. Drei Monate später gab es eine dicke Empfehlung im ARD Buffet. Seither waberte der Titel immer wieder durch meinen Hinterkopf, aber es letzten Endes fast ein Jahr gedauert, bis ich das Buch tatsächlich in den Händen hielt. Mit so viel Vorschusslorbeeren versehen war die Erwartungshaltung entsprechend. Und ich habe 120 Seiten lang am NDR und Karla Paul gezweifelt, weil sie mir die Story über einen Journalisten empfohlen hatten, der am liebsten per Selbstzweifel über sich selbst nachdenkt, die Beziehung zu seiner Deborah reflektiert und sich an seienn Großvater erinnert. 120 Seiten. Da steht eine Dominique Manotti mitunter schon knapp vor dem Finale und dieses Buch hier hatte noch nicht mal richtig angefangen. Ich war genervt. Richtig los geht es tatsächlich erst, wenn man diesen ersten Teil durchgehalten hat. Dann erst ist der Roman das, was alle versprochen haben. Marc Rappaport ist ein Kind aus bestem Haus, mit einem Großindustriellen als Großvater, Absolvent erstklassiger Ausbildungszentren. Aber er hat es sich zur Aufgabe gemacht, als Journalist gegen die großen und kleinen Skandale des Landes anzuschreiben und dem selbstverständlichen heimischen Wohlstand wenigstens halbwegs den Rücken zu kehren. Er schreibt unter anderem über Verfahren und Gerichtsprozesse und lernt dadurch den Fall Emilie kennen. Dieser 30 Jahre alte Mordfall wird auf Grund moderner DNA-Analytik neu aufgerollt und unter Verdacht gerät ein Mann, dem Rappaport beim besten Willen nicht einmal so recht den Besuch einer Prostituierten zutrauen mag. Er spürt viel mehr Angst bei den Menschen, die er dazu interviewt und will herausfinden, was diese Angst auslöst. In Emilies Geburtsort Charfeuil wird er fündig. Rappaport reist im Buch quer durch die französische Realität. Politik und Industrie sind eng verflochten, Fehler der Wirtschaftspolitik ziehen eine Spur der Desillusionierung durch das Land und wer aufmuckt, wird mit Leichtigkeit kaltgestellt. Aufmucken lohnt also nicht und in Charfeuil ziehen die Menschen einen sicheren Arbeitsplatz anständigen Arbeitsbedingungen vor. Die Kinder werden früh darauf eingestellt, dass der Konzern am Ort Brot und Nahrung gibt und größere Ambitionen wenig bringen. Das offene und vielseitige Paris ist in jeder Hinsischt weit weg und es gilt, mit dem seine Existenz zu sichern, was da ist. Und das gilt nicht nur für Charfeuil; Rappaport wird klar, dass diese Rahmenbedingungen im Prinzip überall im Land herrschen. Was die Abhängigkeiten auslösen, wird an dem Industrieskandal offensichtlich, dem Rappaport in Charfeuil auf die Spur kommt. Eine Lehrstunde darüber, wie wenig man juristisch ausrichten kann, wenn sich die Industrie ihren Handlungsspielraum von der Politik hübsch einrichten lässt. So offenbar die Rücksichtslosigkeit der Industrie- und Politikelite ist, so klar die eklatanten Aufreger festgelegt sind, so raffiniert zeigt Gila Lustiger aber auch, dass die Grenzen fließen. Die Schuld der "Anderen" lässt am Ende viele Interpretationsmöglichkeiten zu. Lustiger verklebt sehr geschickt Kriminalfall und Korruption mit französischen, gut recherchierten und illustrierten Milieus. Dazu gehört zum Beispiel der reale Mord an Ilan Halimi, der sich in der Story wiederfindet und der Konzern Nutrissor hat das reale Vorbild Adisseo. Lustiger thematisiert die französische Wirtschaftspolitik der letzten dreißig Jahre und deren fatale Auswirkungen, sie schreibt über Eliten, die den Bodenkontakt längst verloren haben und über aggressive Jugendliche in der Vorstadt. Gesellschaftlichen Leim sucht man in dieser Realität vergebens. Und so ist es wenig verwunderlich, dass die Geschichte auf der Suche nach einem Möder peu à peu noch andere Abgründe, Skandale und Dramen zutage fördert. Nachdem die Länge zu Beginn überstanden war, folgte —wie man merkt— ein praller Roman, der viele Aspekte thematisiert ohne je überladen zu werden. Das alles regt zum Nachdenken an über Werteskalen und die Frage, was passieren muss, um Änderungen voranzutreiben, persönliche Grenzen ebenso wie gesellschaftliche Grenzen. Insgesamt eine sehr komplexe Struktur, die aber nie bleischwer und bedeutungsschwanger erdrückt. Gesellschaftsroman? Krimi? Oder vielleicht besser Panorama? Gila Lustigers Buch ist jedenfalls vieles davon.

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  • ein rundherum gelungenes Leseerlebnis

    Die Schuld der anderen
    robbylesegern

    robbylesegern

    23. October 2015 um 21:24

    Das Buch " Die Schuld der anderen " von Gila Lustiger ist für mich ein rundherum gelungenes Leseerlebnis , weil es viele mir wichtige Dinge beinhaltet. Eine anspruchsvolle und gut zu lesende Sprache, Spannung und viel Informationen über Politik und Gesellschaft der französische Bevölkerung. Da die Schriftstellerin selbst zur Hälfte jüdischen Ursprungs ist, werden dem Leser auch von dieser Seite Informationen vermittelt. Spielen tut dieser Roman in Frankreich, zu großen Teilen in Paris. Der Journalist Marc Rappaport, selbst Jude aus einer angesehenen und wohlhabenden Familie großväterlicherseits stammend, macht trotzdem vor brisanten Themen nicht Halt. In diesem Buch versucht er einen fast dreizig Jahre zurückliegenden Mord an einer jungen Prostituierten, die als Studentin nach Paris kam und ihren Lebensunterhalt aufbessern wollte, aufzuklären. Dabei stößt er auf einen Wirtschafts,- und Politskandal, der weit in die Vergangenheit zurückgeht und dessen Aufdeckung gewisse Leute auch nicht vor Mord zurückschrecken lassen. Am Anfang dieses Buches war ich mir noch unsicher , ob ich dieses Buch mag oder zur Seite legen sollte, denn den Anfang habe ich schon als etwas zäh empfunden. Doch der ausgesprochen ansprechende Schreibstil hat mich durchhalten lassen und ich wurde mehr als belohnt. Krimi und Gesellschaftsroman in einem sehr spannend und atmosphärisch in Szene gesetzt haben mich das Buch genießen lassen. Der Journalist Rappaport hat mir gut gefallen , obwohl seine Einstellung Frauen gegenüber sich erst am Ende relativiert und die Ausflüge in die vergangene Politik Frankreichs und ihre Wirtschaftsstrukturen fand ich spannend und an keiner Stelle langweilig. Aber auch eine gewisse Dekadenz der einfachen Bevölkerung gegenüber war zu spüren, was mich aber nicht überrascht, da diese fast in allen Ländern anzutreffen ist. Die Franzosen als Feinschmecker fanden auch ihren Platz in dieser Geschichte, was für mich auch nicht fehlen durfte, da Frankreich ja auch dafür bekannt ist. Alles zusammen genommen war ein abgerundete Sache, die von Inhalt, Sprache und Spannung ein befriedigendes Leseerlebnis für mich darstellte.

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  • Gelungene Gesellschaftskritik in Krimi-/Thriller-Elemente verpackt!

    Die Schuld der anderen
    Janosch79

    Janosch79

    Gila Lustiger legt hier ein bemerkenswertes Buch vor. Ausgangspunkt ist ein 27 Jahre zurückliegender Mord an einer Prostituierten. Der Enthüllungsjournalist Marc Rappaport möchte diesen Fall wieder neu aufrollen, da er Zweifel am überführten Täter hat. Dabei beschäftigt er sich intensiv mit dem Vorleben der ermorderten Prostituierten. Seine intensive Recherche fördert nicht nur wichtige Erkenntnisse zum Mordfall zutage, sondern enthüllt einen Skandal, bei dem aus reiner Profitgier unheilbare Krankheiten bei Menschen in Kauf genommen werden. Besonders bemerkenswert ist, dass Marc´s Familie ebenfalls in diesen Fall verstrickt ist. Die Autorin Gila Lustiger entwickelt zunächst eine Geschichte mit Krimi-und Thrillerelementen, die später zu einem gesellschaftskritischen Roman wird. Dabei beleuchtet Lustiger die politischen und wirtschaftlichen Ungereihmtheiten in Frankreich. Dieser Umstand macht dieses Buch zu einem besonderen Erlebnis, da diese Hintergrundinformationen der Spannung nicht schaden. Die Stadt Paris, die Verhältnisse in Marseille (Jugendkriminalität) und das Leben in der französischen Provinz zeichnet die Autorin hervorragend nach.  Die Sprache von Gila Lustiger hat mich sofort begeistert. Ihr gelingt es mit einem höchst brisanten Thema den Leser zu fesseln. Besonders zu erwähnen ist, dass sie die verschiedenen Orte, die Marc Rappaport bei seiner Recherche besucht, sprachlich sehr intensiv in Szene setzt. Dabei greift sie verschiedene Themen (Profitgier, Jugendkriminalität, Korruption, das trostlose Leben von Senioren im Altenheim) auf, die dieses Buch erst zu einem besonderen Werk machen. Mir fiel es schwer, das Buch überhaupt aus der Hand zu legen.

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    • 2
    Nisnis

    Nisnis

    06. October 2015 um 09:05
  • Rezension zu Die Schuld der anderen

    Die Schuld der anderen
    KruemelGizmo

    KruemelGizmo

    Der Journalist Marc Rappaport hat einem 27-jährigen Mordfall, der nun durch einen DNA-Abgleich gelöst scheint, eigentlich nur ein paar Zeilen zugedacht. Aber die Geschichte der jungen Frau, die aus einer kleinen französischen Industriestadt nach Paris floh um zu studieren und in die Prostitution abschlitterte, lässt Marc keine Ruhe. Bei seinen Recherchen stößt er auf einen schockierenden Skandal in dem Wirtschaft, Geld und Politik eine Rolle spielen.  Das Buch beginnt wie ein normaler Krimi, eine junge Prostituierte wird ermordet,  der Fall nicht gelöst, erst 30 Jahre später durch eine DNA-Analyse steht ein Verdächtiger fest. Marc Rappaport fängt an zu recherchieren und deckt dabei einen Skandal auf der sich um Wirtschaft, Politik und natürlich Geld dreht. Aus der klassischen Ermittlungsgeschichte über Mord wird ein Polit- und Wirtschaftskrimi mit einer guten Portion Gesellschaftskritik.  Marc Rappaport, der Hauptprotagonist,  Sohn aus reichem Haus, der sich als Journalist gegen das Establishment auflehnt, kommt sympathisch rüber, hat mir persönlich aber zu viele klischeehafte Eigenschaften,  die ich anderen Romanen/Filmen über einen Ermittler schon gelesen/gesehen habe. Es hatte für mich etwas von einem alten Bekannten wieder zu treffen. Hier fehlte mir einfach was eigenes oder neues um mich wirklich für diesen Protagonisten einzunehmen.  Die Geschichte selbst war gut geschrieben, aber auch nicht wirklich was neues - Mord an einer Prostituierten und die Ermittlungen führen zu einem Chemieskandal. Punkten kann dieses Buch bei mir durch den Einblick den es mir auf die französische Gesellschaft, Wirtschaft und Politik von den 80igern bis heute gewährte. Mein Fazit: Spannung kam bei mir leider nicht wirklich auf, die Geschichte plätscherte für mich so dahin und fütterte mich mit neuen Informationen.  Für mich ein netter Gesellschaftsroman verpackt in einer Ermittlungsgeschichte aus Mord und Wirtschaftskriminalität, gewürzt mit einem Chemieskandal. 

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    • 11
  • Ein französicher Gesellschaftsroman mit spannendem Hintergrund

    Die Schuld der anderen
    UteSeiberth

    UteSeiberth

    04. July 2015 um 16:43

    Die Wahlpariserin Gila Lustiger schildert sehr anschaulich das pulsierende Leben in der französischen Hauptstadt. Im Mittelpunkt steht der junge investigative Journalist Marc Rapaport,der durch Zufall auf einen alten Prostituiertenmord stößt,den man damals nicht eindeutig lösen konnte,weil die DNA-Analyse noch nicht so weit entwickelt war wie heute. Bei seinen Recherchen stößt er auch auf einen chemischen Industrie-Skandal ,der mit diesem Mord in Zusammenhhang stehen könnte.In diesem Skandal ging un eine größere Firma,die mit einer gefährlich Chemikalie gearbeitet hat,,die bei den Arbeitern Krebs erzeugen konnte.Der Vater der jungen Prostituierten gehörte offenbar auch zu den Männern die durch diese Arbeit mit Krebs infiziert wurden.Dieser Skandal wurde natürlich totgeschwiegen,nur diese junge Frau wollte ihn offenbar ans Licht bringen und musste dafür sterben damit dieser Skandal nicht öffentlich bekannt wurde. Mir gefällt die anschauliche Beschreibung der Situation sehr gut und auch der Journalist Marc und seine Freunde haben mir sehr gut gefallen und ich bin überrascht,wie viele Stränge in diesem Gesellschaftsroman verwoben wurden! Ich kann ihn nur zur Lektüre empfehlen!

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  • Das hätte ein gutes Buch werden können ...

    Die Schuld der anderen
    Monsignore

    Monsignore

    01. July 2015 um 22:04

    Nicht nur der Anfang ist vielversprechend und gut geschrieben - nach 27 Jahren rollt ein Journalist mit Unterstützung eines Polizeioberen einen Prostituiertenmord neu auf und landet in einem Politskandal großen Ausmaßes. Korrupte französische Verhältnisse zur Mitterand-Ära werden aufgerollt, der Leser erfährt viel über menschenverachtende Machenschaften in der Grand Nation. So weit, so gut und spannend. Doch dann stockt die Story, ab ca. Seite 250 ist alles gesagt, es dümpelt nur noch vor sicht hin. Es bleibt dann nur noch eine fade Kriminalstory, deren Fortgang absehbar ist. Das Lesen wird zum Kaugummikauen - endlose Rückblenden in das Leben des Journalisten und anderer Personen wechseln sich ab mit platten Betrachtungen über das Leben als solches. Anstatt die Story weiter zu entwickeln, muss noch eine gescheiterte Liebesgeschichte vor Pariser Hintergrund her und dann kommen immer wieder Stories über das jüdische Leben in Europa - warum? Ich hatten den Mord an der Prostituierten fast vergessen, so sehr verzettelte sich die Autorin. Und auf Seite 381 brach ich ab, weil ich nichts mehr erwartete.

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  • EIn absolut gelungener Roman

    Die Schuld der anderen
    Celena

    Celena

    24. June 2015 um 21:50

    Die Handlung: Dem Journalist Marc Rappaport lässt der nun scheinbar nach 27Jahren gelöste Mord an Emilie Thevenin keine Ruhe. Er will weiterforschen, in Erfahrung bringen was es für einen Grund hätte haben können eine gerade mal 19jährige Prostituierte umzubringen. Er hat im Gefühl, dass dahinter viel mehr stecken könnte und beginnt nach Absprache mit Pierre, seinem Freund und Chef, für diese Geschichte genauere Nachforschungen anzustellen, worunter vor allem seine Beziehung leidet. Die Recherchen jedoch bringen reichlich Schockierendes ans Licht und damit auch einige Schwierigkeiten, womit nicht mal Marc hätte rechnen können. Meine Meinung: Ein Roman, der uns einen Blick auf die französische Gesellschaft gewehrt. Eine Autorin, deren gute Recherchen einfach nur überzeugen und Charaktere, die authentischer und interessanter nicht sein könnten. Zusammen ergibt es ein tolles, informatives Buch, das mich am Ende sprachlos zurück gelassen hat. Gila Lustiger hat einen Schreibstil bei dem es trotz der vielen Informationen nicht langweilig wird, außerdem erklärt sie selbst die komplexeren Passagen wunderbar, sodass keine Verständnisprobleme aufkommen. Besonders positiv ist mir auch die Schilderung der Umgebung, der Orte aufgefallen sowie die Gabe der Autorin dem Leser die Atmosphäre näher zu bringen. Obwohl der Mord an Emilie Thevenin im Vordergrund steht wird im Zusammenhang ebenso viel von der Politik und der Wirtschaft Frankreichs erzählt und auch kritisiert. Dieser Roman ist tatsächlich nicht nur ein Krimi, sondern gleichermaßen ein Polit- und Wirtschaftsthriller. Es werden gewiss auch einige Unterschiede zu Deutschland bewusst. Mich hat vor allem die Sicht auf Affären und generell Beziehungen, Sexualität verblüfft. In ‚Die Schuld der anderen’ werden so unglaublich viele Themen und Bereiche angesprochen, dass es für manche vielleicht überladen wirken könnte, doch Gila Lustiger weiß gekonnt die eigentliche Geschichte nicht aus den Augen zu lassen und hat ein besonderes Talent dafür alles logisch miteinander zu verknüpfen und stetig Spannung aufzubauen. Keine Seite ist zu viel. Es bereitet Vergnügen mehr zu erfahren, ob es nun um das Leben der Reichen geht, Prostitution, Bandenkriege, Korruption, Ungerechtigkeit gegenüber Arbeitern, Jugendkriminalität oder das Leben im Altenheim, man bekommt einen glaubhaften Blick auf die Zustände und ich kann wahrlich behaupten, dass ich einiges dazu gelernt habe. Der Fall rund um Emilies Tod ist nicht einfach und so lernen wir mit Marc, wegen des häufigen Reisens, viel über Frankreich kennen und auch Personen, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Und jeder von ihnen bringt Marc mit neuen Hinweisen ein Stück näher an sein Ziel. Mit Marc Rappaport bekommt man einen vielschichtigen Charakter aus dem ich nur schwer schlau wurde. Jedes Mal wenn ich der Meinung war ich hätte ihn endlich durchschaut, machte er mir ein Strich durch die Rechnung und lehrte mich eines Besseren. Er ist kein einfacher Protagonist, das bekommt auch seine Freundin Deborah des Öfteren zu spüren, und doch ist er interessant und sympathisch. Außerdem mag ich seine Art zu denken, es gab immer wieder Sätze, die für mich herausgestochen sind. Er lebt für seine Arbeit als Journalist, auch wenn seine Familie der Meinung ist er hätte viel mehr erreichen und sogar das Unternehmen seines verstorbenen Großvaters übernehmen können. Doch ist er wirklich gut in dem was er tut und weiß wie er sich in seinem Beruf den Menschen gegenüber verhalten muss um an die wichtigen Informationen für seine Schlagzeilen zu kommen. Er gibt nicht auf und setzt alles daran die Machenschaften in diesem Fall aufzudecken. In diesem Roman gibt es viele Rückblenden mit dessen Hilfe man mehr über Marc, seine Sicht auf die Dinge und seine Familie erfährt. Besonders im Fokus steht dabei seine Beziehung zum verstorbenen Großvater und auch dass er Jude ist spielt eine gewisse Rolle, wobei vor allem das Thema Religion meiner Meinung nach etwas vertieft hätte werden können. Aber auch so kann man sich ohne Probleme aus der Sicht von Marc ein Bild von dem Ganzen machen. Ein Roman der unterhält und einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen hat. Fazit: Ein rundum gut ausgearbeiteter, informativer und überzeugender Roman, der uns einen Blick auf Frankreich gewährt. Mit Charakteren aus allen Schichten, schönen Schilderungen und Sätzen voller Aussagekraft lässt ‚Die Schuld der anderen’ keine Langeweile zu. Kann ich nur weiterempfehlen!

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  • Die eigene Ohnmacht

    Die Schuld der anderen
    rallus

    rallus

    04. May 2015 um 17:41

    Eigentlich ist der Fall klar. Nach über 30 Jahren wird der Mord an der jungen Gelegenheitsprostituierten Emilie Thevenin durch eine DNA Probe aufgeklärt. Der biedere Familienvater Gilles Neuhart soll der Täter sein. Doch kann dieser Mann eine junge Studentin aus einer Industrievorstadt von Paris, die ihr Studium durch Prostitution finanzierte, brutal vergewaltigt, geschlagen und dann erdrosselt haben? Der Journalist Marc Rappaport, aus gehobenen Verhältnissen, Lieblingsenkel eines Großindustriellen und Konzernleiters, kann das nicht glauben. Und so rollt er diesen Fall mit Hilfe seines Polizeifreundes Stefanaggi und seines cleveren Parktikanten Alex noch einmal auf. Die Reise in die Vergangenheit und die Provinz gerät auch für Marc in eine Reise in seine eigene Herkunft und Kindheit. "Für Marc aber, der nun auf das Haus zuging, in dem Sebastian Ferrer lebte, verkündete diese Stadt mit ihren Großwohnanlagen, die die Shopping-Mall umzäunten, die ganze Misere der Vororte: das Verschwinden der Natur und der Wirklichkeit in der Simulation. Evry, das war für ihn nicht mehr und nicht weniger als die Agonie des Realen." Auf seinem Weg zur Wahrheit erlebt der investigative Journalist die brutale Realität, den krassen Gegensatz zu seinem eigenen behaglich eingerichteten Leben. "Angesichts dieser Kinder, die mit fünfzehn, sechzehn, siebzehn nicht mehr in der Lage waren, Mitgefühl mit ihren Opfern zu empfinden und denen die emotionale Fähigkeit abhandengekommen war, die Folgen ihres Handelns zu begreifen, kamen ihm die philosophischen Aussagesätze, mit denen er aufgewachsen war, wie leere Worthülsen vor." Mark verbeißt sich in den Fall, und je tiefer er kommt, desto korrupter wird gehandelt. Die Mächtigen haben genug Mittel und Macht, das Leben zu richten und es bequem für ihre Helfershelfer einzurichten. "Wie dem auch sei, von einem roten Plüschsessel in der Lobby des Royal aus betrachtet, nahm sich das Leben der Ärzte in Frankreich weiterhin äußerst angenehm aus. Alles ging beschaulich zu, ganz in den Grenzen der gesitteten Korruption." Marc ist so einiges gewohnt, doch die Brutalität des Mordes, das Ausnutzen der Macht der Mächtigen über die Ohnmacht der Unterschicht erschrecken ihn zutiefst. "Waren Sie wirklich dabei, sich eine Gesellschaft ohne Gewissen heranzuziehen, in der der archaische Impuls zu töten nicht mehr durch den verbietenden Gegenimpuls des Gewissens aufgehoben wurde? Waren sie wirklich in der Spaßkultur gelandet, vor der sein erzkonservativer Vater immer warnte, die einzig und allein auf Triebbefriedigung ausgerichtet war?" Schnell erkennt er auch, dass sich Politiker und Konzerne ein Netz der Sicherheit gebaut haben, worin man sie nicht mehr angreifen kann. Die Wahrheit ist längst nicht mehr das probate Mittel, um Druck aufzubauen. "Weißt Du was passiert, wenn es, wie du sagst, 'Wogen der Empörung' geben sollte? Dann schließen die den Laden und ziehen an ein anderes Fleckchen. Nach Polen, Rumänien, Italien. So einfach geht das. Der Produktionsfaktor Mensch ist schon lange ersetzbar." Klug webt Gila Lustiger den derzeitigen Zustand Frankreichs in ihr Buch ein. Es entfaltet sich vor unseren Augen ein zerrissenes Land, ein Land, in dem die Beamten ein undurchdringliches Netz von Gesetzen, Hierarchien und Behörden geschaffen haben. Durch Doppelbelegung der Verantwortlichkeiten ist der Korruption Tür und Tor geöffnet. Fast erinnert die sachliche und distanzierte Beschreibung der Gesellschaft an Houellebecq. Der Protagonist zum Glück nicht. Marc ist zwar von seiner Herkunft der Oberschicht zuzuordnen, sitzt als Enkel eines Konzernsgründers auch im Aufsichtsrat eines Familienkonzerns, versucht aber nicht nur eine gute Story herauszuholen, sondern sieht auch die Menschen hinter dem Fall. Im Gegensatz zu Houellebecq 'menschelt' er und ist nicht nur unterleibsgesteuert. Dabei ist Marc oft nahe daran, an seiner eigenen Ohnmacht zu scheitern. Die Schuld der anderen ist mehr als ein Krimi, oder ein Suchen nach einem Schuldigen, nach einem Mörder. Die Einzeltat entpuppt sich als gezielte Methode. Der Mörder wird zu einem gesichtslosen Konzern, auch wenn der Einzelne der Ausübende war. Doch ist dies die ganze Wahrheit? Gila Lustiger treibt den Spannungsbogen bis auf die letzte Seite, den letzten Satz! Ein großer Roman, den man sich dieses Jahr nicht entgehen lassen darf.

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  • Gesellschaftskritisch, provokant und politisch. Ein 4,5 Sterne Werk!

    Die Schuld der anderen
    Floh

    Floh

    Autorin Gila Lustiger ist für mich bisher noch völlig unbekannt gewesen, es waren die vielen positiven Lesermeinungen, der Titel und der beklemmende Klapptext, der mich auf dieses Buch aufmerksam gemacht hat. In "Die Schuld der anderen" begibt sich die Autorin Gila Lustiger mit ihrem Werk, in eine korrupte und ausschweifende Welt der Wirtschaft und der Politik. Ermittlungen in der Gegenwart, und vor allem in der Vergangenheit decken unglaubliche Fakten auf.... Erschienen im berlin Verlag (http://www.berlinverlag.de/) Inhalt: „Zehn Zeilen – mehr hat Marc Rappaport einem 27 Jahre zurückliegenden Prostituiertenmord, der jetzt durch DNA-Abgleich gelöst sein soll, nicht zu widmen gedacht. Und doch will er mehr über die Geschichte der jungen Frau erfahren, die mit 18 aus der Enge ihrer Industriekleinstadt nach Paris floh, um zu studieren, und dort in die Prostitution schlitterte. Dabei stößt er bald auf einen Skandal von schockierendem Ausmaß, der die unlösbaren Verstrickungen von Wirtschaft, Geld und Politik durchscheinen lässt. Was als klassische Ermittlungsgeschichte beginnt, entpuppt sich bald als ein atmosphärisch dichter und mit souveräner Leichtigkeit erzählter Gesellschaftsroman über ein ganzes Land und unsere Gegenwart.“ Die Handlung: Hauptprotagonist Marc Rappaport. Der Sohn und Spross einer reichen und angesehenen französischen Unternehmerfamilie. Bei seinen Recherchen für einen Artikel über die aktuellen Entwicklungen und Ereignisse eines knapp 30 Jahre zurückliegenden Mordes an einer bedeutungslosen Prostituierten, macht Marc unglaubliche Entdeckungen und gräbt immer tiefer in einem Sumpf aus Vertuschung, Korruption, Stillschweigen und begegnet skrupelloser Niederträchtigkeit, die von Geld, Macht und Wirtschaft genährt wird. Der eigentliche Prostituierten Mordfall liegt knapp 30 Jahre zurück und blieb bis dato ungeklärt. Ein zufälliger Gentest hat nun einen Schuldigen hervorgebracht, an dessen Schuld Marc jedoch nicht glaubt, und je tiefer er in der Vergangenheit gräbt, umso grausamer erscheint ihm die Gegenwart. Dekadenz, Affären, Machtgier, Verwicklungen, Vertuschungen und hohe Politiker, die nicht nur korrupt, sondern auch brutal sind. Zwischen den normalen Bürgern, den Arbeitern, der Unternehmen, der Politiker und der Macht des Landes entfacht ein Feuer über Schuld und Unschuld. Als Journalist sieht Marc sich in der Pflicht nicht nur die Wahrheit ans Licht zu bringen, sondern auch den normalen Menschen zu helfen, nichts ahnend, dass er damit sein eigenes Weltbild und sein Dasein und seine Wurzeln selbst in Frage stellen muss. Schreibstil: Der Schreibstil der Autorin Gila Lustiger ist wirklich überraschend klar und sachlich. Neben dieser politischen Klarheit, den faktischen Denkens und der nüchternen Darbietung der Sachverhalte, besitzt sie zudem einen ganz eigenen beißenden und beklemmenden Stil, die die moralische und betroffene Ebene im Handlungsverlauf präsentiert. Ganz neu, spannend und anders zu lesen. Wirklich gut und mit Wiedererkennungswert. So intensiv habe ich eher selten eine Ermittlung als Leserin begleitet und so nah wurde ich selten an die Posten der Politik, der Wirtschaft und der Gesellschaft eines Landes gebracht. Gila Lustiger schafft es, viele raumnehmende Themen und Fakten in ihrem Roman zu behandeln und zu einem runden und schockierenden Gesellschaftsroman zu verweben. Die Recherchen von Journalist Marc Rappaport gleichen einem typischen Kriminalroman, dies gepaart mit einer ordentlichen Portion Gesellschaftskritik und Politroman sorgt für einen kurzweiligen Lesegenuß zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Der eigentliche Mordfall erschüttert, trifft Mark und Seele...kurz, knackig, tief! In diesem Buch behandelt die Autorin eine ganz finstere Thematik, sie provoziert, erregt, erschüttert, gibt aber dennoch Stoff für Spekulationen und Mutmaßungen, die sich auf aktuelle politische Zustände adaptieren lassen. Das ist spannend und sehr abwechslungsreich. Bei den zermürbenden Ermittlungen in der Gegenwart und der Vergangenheit beweist Autorin G. Lustiger eine gekonnte schriftstellerische Routine. Ermittlungsarbeit und Privatleben werden ausgewogen balanciert und mischen die Tragödie auf. Meinung: Zu diesem Buch habe ich durch mehrere Empfehlungen, begeisterte Leserstimmen und Lobeshymnen und einer Radiomoderation gefunden. Obwohl ich Frankreich als Schauplatz eher nicht bevorzuge, war ich doch sehr neugierig geworden. Der Klapptext macht auf jeden Fall aufmerksam und der Titel verleitet zu ersten Assoziationen. Trotz aller anfänglicher Skepsis wurde ich vom Buch, und vom Schauplatz Frankreich, nicht enttäuscht. In diesem mörderischen und trügerisch-politischen Fall ist es der Autorin erstaunlich gut gelungen, durch was auch immer sie es schafft, den Leser in ihre Welt zu versetzen, sie an die Schauplätze zu bringen, sich mit den Charakteren zu identifizieren und zu schockieren. Der Leser hat bis zum Schluss das Gefühl, unter ständiger Spannung und Anspannung zu stehen und eingreifen zu wollen. Sehr bedacht und detailliert, mit Spuren, Mutmaßungen, Wendungen und intensiven Überlegungen. Dieses Buch regt zum Nachdenken, Umdenken und Sinnieren an. Gesellschaftskritisch, Politisch und mit wirtschaftlichen Nuancen. Charaktere: Die Charaktere sind das Kernstück dieses Werks. Nicht nur, dass der Protagonist und Journalist Marc Rappaport unglaublich facettenreich und vielschichtig gezeichnet ist, allein durch seine Herkunft mit entsprechender Erziehung und finanziellem Rückhalt des Familienunternehmens. Marc Rappaport ist Jude. Dieser Glaube und diese Kultur und Weltansicht lässt Marc Dinge ganz anders sehen und wahrnehmen, er blickt aus einem ganz besonderen Winkel auf die Geschehnisse und kann sich selbst nicht daraus lösen. Mosaikartig setzt sich bei seinen Recherchen ein unglaubliches Bild und Puzzle zusammen. Seine Beziehungen sind schwierig und genau dies wird ebenfalls äußert differenziert dargestellt durch immer wiederkehrende Rückblicke und Episoden seiner Kindheit. Doch diese dominieren die Charakterzüge nicht, eher sind es die grauenhaften und verschleierten Umstände auf der Suche nach den Antworten, die Marc in dem Fall sucht. Rappaport stößt an seine Grenzen. Körperlich, seelisch und emotional. Verdiente 5 Sterne vergebe ich für die raffinierte Auswahl der Charaktere, die in ihren Rollen voll aufgehen und einen Platz in der Story finden, der nicht wegzudenken ist! Manche davon nehmen im Verlauf der Handlung eine ganz andere Seite ein, diese gekonnten und raffinierten Wendungen zeugen von großem Talent und Geschick der Autorin Gila Lustiger, die sich sehr intensiv mit der Thematik auseinandergesetzt zu haben scheint. Hier ist "Schubladendenken" sicherlich nicht angebracht, denn hier erlebt der Leser einige Überraschungen. Autorin Gila Lustiger besticht hier mit sehr detailliert beschriebenen Charakteren, auch jene Nebendarsteller werden mit einer ganz besonderen Macke oder Eigenschaft in dem Geschehen platziert. Die Darstellung der handelnden Personen ist authentisch und personifiziert geschildert. Schauplätze: Frankreich. Damals und Heute. Die Schauplätze sind jedoch eher nebensächlich, dennoch entführt Gila Lustiger ihre Leserschaft an unterschiedlichste Schauplätze und Begebenheiten und in die dunklen Winkel der menschlichen Abgründe. Das bürgerliche Leben, das Nachtleben, die Exzesse der Reichen, die Firmenmogule, das Imperium, der Verlag, die Politik, das biedere Privatleben… Das was an Orten und Begebenheiten dargestellt wird, sind Orte, tiefe Abgründe, neue Welten, entsetzliche Kulissen, aber auch die gute biedere Gemütlichkeit und Geborgenheit einer scheinbar heilen Familie kommen nicht zu kurz. Pressestimme: „»Gila Lustigers neuer Roman 'Die Schuld der Anderen' spielt virtuos mit Versatzstücken des Kriminalromans - und erweist sich dabei als großer analytischer Gesellschaftsroman französischer Verhältnisse.«“ (WDR 5) Die Autorin: "Gila Lustiger wurde 1963 in Frankfurt am Main geboren. Sie studierte Germanistik und Komparatistik an der Hebräischen Universität in Jerusalem. Seit 1987 lebt sie als freie Autorin in Paris. Ihr erster Roman, »Die Bestandsaufnahme«, erschien 1995, dann 1997 »Aus einer schönen Welt«. Mit »So sind wir «(2005), einem Familienroman über die Geschichte der europäischen Juden, stand sie 2005 auf der Shortlist für den Deutschen Buchpreis. 2011 erschien »Woran denkst Du jetzt« und 2015 ihr neuer Roman »Die Schuld der anderen«.“ Cover / Buch: Das Cover, so besonders wie das ganze Buch. Sehr speziell, einfach anders, aber gekonnt abgestimmt. Blasse Farben, ein Grauton, etwas schleierhaft und nebulös. Das Schriftbild ermöglicht ein einfaches Lesen, auch bei Dämmerung, das Buch liegt gut in der Hand und wirkt absolut edel. Fazit: Da mir der Roman überraschend gut gefallen hat und durchweg begeistern konnte, kann ich das Buch mit bestem Gewissen weiter empfehlen.

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