Gila Lustiger Woran denkst du jetzt

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Inhaltsangabe zu „Woran denkst du jetzt“ von Gila Lustiger

Die Geschichte beginnt mit ihrem Ende. Onkel Paul war lange krank gewesen, sein Tod war keine Überraschung, und doch ist da erst mal Stille, Wut und Ratlosigkeit. Belangloses, Erinnerungen und Alltägliches mischen sich in das Gespräch der Schwestern. Aufgewühlt von der Trauer, für die sie noch keine Worte haben, erzählen sich Lisa und Tanja von Onkel Paul. Er war an die Stelle des Vaters getreten, als sich die Eltern scheiden ließen.Er übernahm die Rolle der Mutter, als sie sich nach der Trennung nicht um die heranwachsenden Töchter kümmern konnte. Heute ist Tanja eine erfolgreiche Wirtschaftsexpertin, hat Familie, einen soliden Mann und eine niedliche Tochter. Lisas Schauspielerkarriere ist zwar gescheitert, doch sie hat sich ein Leben als Therapeutin aufgebaut. Paul, selbst ein Mann der Kunst, des guten Geschmacks, hatte sich mehr gewünscht, denn seine beiden Nichten sollten alles werden, nur nicht gewöhnlich. Die Trauer macht uns erst sprachlos, dann empfänglich für das, was wir nicht wahrhaben wollen, und gibt uns schließlich eine Sprache für die eigene Geschichte zurück. Diesen Moment nutzt Gila Lustiger in ihrem neuen Roman, entlarvt die Gewissheiten und falschen Wahrheiten, um dorthin zu gelangen, wo auch Trost wieder möglich ist. Mit leichter Hand gelingt es ihr, ein Kammerspiel über den Tod zu schreiben und dabei über das Leben zu reden. Gila Lustiger ist eine kraftvolle und kompromisslose Erzählerin, der wir gern in diese Nacht der Trauer folgen, behält sie sich doch vor, auch das Komische im Allzumenschlichen zu sehen. (Quelle:'E-Buch Text/08.10.2012')
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  • Rezension zu "Woran denkst du jetzt" von Gila Lustiger

    Woran denkst du jetzt
    WinfriedStanzick

    WinfriedStanzick

    22. August 2012 um 08:42

    Der neue Roman von Gila Lustiger erzählt von zwei sehr ungleichen Schwestern und ihrer schwierigen Beziehung. Aber es ist viel mehr als eine reine Frauengeschichte. Gila Lustiger gelingt es, auf eine sehr feinfühlige und dennoch sich von ihren Hauptpersonen auch distanzierenden Weise zu beschreiben, was geschieht, wenn plötzlich und unvorbereitet ein ganzes Leben auf dem Prüfstand steht. Ein Leben mit all seinen enttäuschten Hoffnungen, all seinen Verletzungen und Traumata, ein Leben mit dem schmerzhaften, nicht auf Dauer verdrängbaren Unterschied zwischen der Fiktion vom eigenen Leben und der nackten Realität. Es braucht nur eine einzige Nacht, um den beiden Schwestern Tanja und Lisa all dies nachdrücklich zu verdeutlichen. Die beiden Frauen, die unterschiedlicher nicht sein könnten, haben sich seit langer Zeit nicht gesehen, geschweige denn ernsthaft miteinander kommuniziert. Nun ist nach langer Krankheit ihr Onkel Paul gestorben und beide eilen an sein Sterbebett. Tanja, die tatkräftige und ehrgeizige Wirtschaftsexpertin, die es kaum aushält, mal nichts zu tun, und Lisa, die eher Sensible und Zurückhaltende, die nach einer erfolglosen Karriere als Schauspielerin Therapeutin geworden ist, und entsprechend für jedes Problem eine Lösung anbietet. Lisa und Tanja müssen nach dem Tod des Onkels vieles regeln. Die Beerdigung muss organisiert werden, der Nachlass verwaltet. Doch immer wieder kommt in ihrem auch von längerem Schweigen unterbrochenen, eine ganze Nacht dauernden Gespräch etwas hoch, was lange verdrängt und unausgesprochen geblieben ist und nun mit Macht und voller Schmerz an die Oberfläche der Seele der beiden Frauen drängt. Es wird deutlich, wie sehr der tot neben ihnen liegende Onkel ihr Leben bestimmt hat, wie wichtig er als Ersatzvater gewesen ist für die beiden Mädchen nach der Scheidung der Eltern. Und es kommt bei beiden Frauen eine Menge Wut und Ärger hoch im Laufe des nächtlichen Gespräches, wie die Mutter, der Vater, aber auch der geliebte Onkel sie immer wieder enttäuscht haben. Nicht immer schwesterlich solidarisch, sondern in einer immer ehrlicher werdenden harten Auseinandersetzung machen sich Lisa und Tanja gegenseitig auf ihre eigenen Anteile aufmerksam daran, wie ihr jeweiliges Leben bisher gelaufen ist. Und während der Morgen schon langsam dämmert, kommen sie ihrem jeweils eigenen Schmerz immer näher. In die Trauer um den toten Onkel neben ihnen mischt sich zunehmend aufrichtige Trauer um die gescheiterten und „toten“ Anteile im eigenen Leben. Indem sie ihren Schmerz zulassen, kommen sie sich auch gegenseitig näher und der Leser wird mit hineingenommen in eine glänzend erzählte Lebensbilanz, deren Ausgang hier offen bleiben soll. Der Roman „Woran denkst du“ erzählt in einer Art Kammerspiel vom Tod, vom verpassten Leben und von immer möglichen Neuanfängen.

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  • Rezension zu "Woran denkst du jetzt" von Gila Lustiger

    Woran denkst du jetzt
    Clari

    Clari

    23. September 2011 um 16:54

    Eine Geschichte von Liebe, Hass, Geborgenheit, Zuversicht und Trauer. Tanja und Lisa sind zwei ungleiche Schwestern. Die eine ist tatkräftig, unternehmend und hochfahrend; die andere Schwester, Lisa, ist eher sensibel, zögerlich und nachdenklich. Beide finden sich nach Jahren anlässlich des Todes von Onkel Paul in einer Nacht der Trauer vereint. Die Trauerfeier und der Nachlass müssen geregelt werden, aber auch der Erinnerung muss Raum gegeben werden. Sporadisch sinnieren die Schwestern über ihr Leben nach und vieles kommt ans Tageslicht, was bisher verborgen war. Onkel Paul war eine überragende väterliche Ersatzfigur für die beiden Mädchen, nachdem sich die Eltern hatten scheiden lassen. Pauls Schwester, die Mutter von Tanja und Lisa, ist eher ängstlich und realitätsfern wie sich beim nahenden Tod des Bruders zeigte. Es gab im Leben der Schwestern nicht immer nur Freude und eitel Wohlgefallen. Lisa ist nach gescheiterter Schauspielkarriere Therapeutin geworden, und Tanja hat sich als Wirtschaftsexpertin einen Namen gemacht. Sie ist verheiratet und hat ein Kind. Beide könnten zufrieden sein. Doch wie das Leben so spielt: jede von ihnen hatte Träume und Ziele im Leben, die sich nicht erfüllt haben. Neben der eigenen Unzufriedenheit und ihren jeweiligen Eskapaden sind es die Ärgernisse über Mutter, Vater und Onkel, denen sie in ihren Erinnerungen nachgehen. Tod und Trauer sind Eckpunkte in unserem Leben. Hier bietet sich Gelegenheit, eigenes Leben zu überdenken. Und Gila Lustiger zeigt einmal mehr ihre Kunst des reflektierenden Denkens. Reines Glück ist selten, und Träume werden gelegentlich zu Schäumen. Eigene Erwartungen decken sich nicht mit dem Erreichten, und Leben scheitern an der Diskrepanz zwischen Fiktion und Wirklichkeit. In der langen Nacht, von der hier die Rede ist, wird der Leser zum beobachtenden Teilnehmer einer Familiengeschichte, die wie so häufig den Wechselfällen des Lebens im Übermaß ausgesetzt war. „Woran denkst du jetzt“, das ist die Frage in jedem Augenblick. Hass und Zuwendung, Liebe, Gelassenheit und Enttäuschung zeigen das wahre Ausmaß der Gefühlswelten, in denen wir uns bewegen. Glück ist keine einmalige Größe, sondern wird aus wechselnden Perspektiven erst zu dem, was wir darin sehen wollen. Ein Lob der feinfühligen und fantasiebegabten Autorin, die mit differenzierten Wahrnehmungen und mit ironisierendem Blick der Wahrheit auf der Spur ist. Sie wird mit diesem Roman einmal mehr die Herzen ihrer Leser erobern!

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