Gilles Kepel

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Autor von Terror in Frankreich, Die neuen Kreuzzüge und weiteren Büchern.

Alle Bücher von Gilles Kepel

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Gilles KepelTerror in Frankreich
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Terror in Frankreich
Terror in Frankreich
 (3)
Erschienen am 14.09.2016
Gilles KepelDie neuen Kreuzzüge
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Die neuen Kreuzzüge
Die neuen Kreuzzüge
 (3)
Erschienen am 01.01.2005
Gilles KepelDer Bruch
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Der Bruch
Der Bruch
 (2)
Erschienen am 08.03.2017
Gilles KepelAl-Qaida
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Al-Qaida
Al-Qaida
 (1)
Erschienen am 01.03.2006
Gilles KepelDie Spirale des Terrors
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Die Spirale des Terrors
Die Spirale des Terrors
 (0)
Erschienen am 23.02.2009
Gilles KepelDie Rache Gottes
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Die Rache Gottes
Die Rache Gottes
 (0)
Erschienen am 01.01.1994
Gilles KepelDas Schwarzbuch des Dschihad
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Das Schwarzbuch des Dschihad
Gilles KepelBeyond Terror and Martyrdom
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Beyond Terror and Martyrdom
Beyond Terror and Martyrdom
 (0)
Erschienen am 01.10.2010

Neue Rezensionen zu Gilles Kepel

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Rezension zu "Der Bruch" von Gilles Kepel

Der gewollte Bürgerkrieg. Analysen von Gilles Kepel
Buecherspiegelvor einem Jahr

Auch dieses Buch ist nicht so schnell zu lesen, wie auch das Buch des Autors, das er mit seinem Co-Autor Antoine Jardin geschrieben hat: „Terror in Frankreich, der neue Dschihad in Europa“. Natürlich behandelt dieses Buch wieder das Thema der unsäglichen Terroranschläge in Frankreich, aber eben nicht nur. Kepel versucht mit seinem intensiven für die deutsche Leserschaft geschriebenen Vorwort und dem Prolog zu erläutern, wie diese auch mit den auf deutschem Boden erfolgten Terroranschlägen zusammengehören. Und das tun sie in der Tat. Die wichtigsten Aussagen aus diesem Buch lassen sich in meinen einfachen Worten so zusammenfassen: Es gibt keine Einzelkämpfer, es wird bewusst auf die Zerstörung der Demokratien unserer Länder hingewirkt, wir werden bewusst gegeneinander ausgespielt, wir sollen in einen Bürgerkrieg getrieben werden; die im Hintergrund wirkenden Lenker, die mithilfe der sozialen Medien die Willigen zu terroristischen Angriffen überzeugen wollen, wollen bewusst auch solche Personen dazu bringen, die bereits von Ärzten attestierte psychologische Auffälligkeiten besitzen, um die Politik und die Bürger zu täuschen. Mit jeder Untätigkeit unserer Regierungen in ganz Europa streben diese Leute an, das „weiche Europa“ in einen Islamischen Staat zu verwandeln.

Die tiefgründige Analyse der Überfälle ist für Kepel überaus wichtig. Er zeigt auf, wer die Attentäter sind, wie sie handeln, warum vor allem ausgerechnet bei ihnen, die schon seit mehreren Generationen in Frankreich leben, die Videos, Schriften und Predigten des Islamischen Staates greifen. Wie die dritte Generation von Attentätern agieren. Und natürlich legt er die Finger auf die Wunden der nicht erfüllten Versprechungen der Politiker, ihre Versäumnisse, ihr nicht gewolltes verstehen wollen ob der Gründe der Terroranschläge. Der Keil, der Bruch in der Gesellschaft, hier ist in erster Linie Frankreich gemeint, diesen zu sehen, zu begreifen, die Analysen anzunehmen und mit diesen zu arbeiten, damit der IS nicht noch mehr Boden gut macht, das muss unser aller Wille sein, sonst haben wir schon verloren. Die Erkenntnis darüber, dass das alles Absicht des Islamischen Staates ist, diese sich über die Uneinigkeit in Europa freuen, ist bei uns noch nicht recht angekommen. Das Buch versucht auch angesichts der bevorstehenden Wahlen nochmals eindringlich auf die Notwendigkeit tiefgreifender Analysen aufmerksam zu machen, um die Probleme, die die Menschen zum Islamischen Staat treiben, endlich anzupacken.

Kepels neues Buch ist in mehrere Teile gegliedert. Schon das Vorwort zur deutschen Ausgabe umfasst mehrere Seiten und steht für sich. Es erklärt die Zusammenhänge zwischen den Taten in Deutschland und Frankreich, räumt mit der Erkenntnis des angeblich allein agierenden Täters auf. Entsprechend lang ist auch der Prolog, der nochmal die Erkenntnisse aus dem vorhergehenden Buch erläutert, auch zum Beispiel auf das Problem eingeht, dass bisher nicht im Zusammenhang mit Terrorismus auffällige Personen gerade im Gefängnis die Schule des Dschihad durchlaufen. Die nun folgende Chronik ist eine überarbeitete Zusammenfassung von Interviews einer wöchentlichen Radiokolumne vom Sommer 2015 bis Sommer 2016 des Senders France Culture mit Gilles Kepel. In dieser Zeit geschehen furchtbare Verbrechen, die Kepel anhand der ihm gestellten Fragen so gut es geht analysiert und die Zusammenhänge erklärt. Es endet mit einer Sendung einen Tag nach dem Angriff in Nizza. Im Epilog nun greift Kepel unter anderem den Begriff Islamophobie auf und erklärt, wie der Islamische Staat damit die Menschen täuscht.

Wieder ein eindringliches und nicht leicht zu lesendes Buch. Wer sich tiefer mit der Thematik befassen will, kommt um den Namen Kepel nicht herum.

Weiterführende Informationen zum Beispiel unter https://de.wikipedia.org/wiki/Gilles_Kepel.



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Rezension zu "Der Bruch" von Gilles Kepel

Frankreichs Gesellschaft vor dem Bürgerkrieg?
WinfriedStanzickvor einem Jahr



Schon in dem in Frankreich schon 2015 erschienenen und 2016 bei Kunstmann verlegten Buch „Terror in Frankreich“ hat der bekannte Soziologe Gilles Kepel vor einer Spaltung der französischen Gesellschaft gewarnt. In einer nüchternen Analyse zeigte er, dass es das erklärte Ziel der Dschihadisten ist, die Gesellschaft zu spalten und die bisher noch loyale Mehrheit der Muslime zu radikalisieren. Dies führe dann dazu, dass auch Menschen, die bisher dem Islam wohlwollend bis gleichgültig gegenüber standen, zu Gegner bzw. Feinden dieser Religion werden, rechte Bewegungen wie den Front National in Frankreich oder die AfD in Deutschland immer stärker machen und so wiederum die Begründung für immer neue Attentate und Attentäter schaffen. Ein bürgerkriegsähnliches Szenario wurde da an die Wand gemalt, das mir schon im letzten Jahr große Angst machte.

In seinem neuen Buch, in dem er nach einem langen Prolog und einem Vorwort für die deutsche Ausgabe Radiointerviews dokumentiert, die er , jeweils vier oder fünf an der Zahl, in den Monaten von September 2015 bis Juli 2016 gegeben hat, verschärft er seine Analyse noch und beschreibt einen „identitären Bruch in der Gesellschaft“, ein Bruch zwischen denen die Wohlstand haben und denen, die draußen sind, den „Outsidern“. Die schlüsselt er auf:
"Es gibt zwei Typen dieser Outsider: Zum einen Jugendliche mit Migrationshintergrund in den Banlieues der Großstädte, zum anderen das "weiße Frankreich" vom Land oder in den Kleinstädten. Die einen verfallen der Logik einer islamischen Parallelgesellschaft, die anderen den Rechtsextremen."

Seine Thesen in "Terror in Frankreich" noch radikaler formulierend,  führt Gilles Kepel aus, wie der dschihadistische Terror diese Spaltung gezielt vorantreibt. Der Aufstieg rechtsextremer islamfeindlicher Parteien gehört zum Kalkül dieses Terrors. Deren islamfeindliche Propaganda macht auch bisher unauffällige Muslime  empfänglich für islamistische Propaganda.

Noch mehr als im vergangenen Jahr scheint der einst so besonnene Soziologe selbst zu spalten, wenn er eine "Verschleierung des Dschihadismus in Europa (konstatiert) unter dem Vorwand, Islamophobie sei das bedeutendere soziale Phänomen".  
Gilles Kepel steht mittlerweile selbst auf der Todesliste des IS. Das hat ihn meiner Meinung nach zu einem werden lassen, der nicht mehr nur wissenschaftlich analysiert sondern auch ungeduldig wird:
"Man wartet auf die politische Vision, die der Versuchung des Bruchs zu widerstehen vermag."  Doch er will sich von den Dschihadisten nicht den Mund verbieten lassen:

"Ich habe das Buch geschrieben, während die Attentate Frankreich erschütterten und ich selbst zum Tode verurteilt war. Für mich war das eine Art auf die Todesdrohung zu antworten. Weil man mich mit dem Tod bedroht, werde ich nicht schweigen. Im Gegenteil: Ich schreibe erst recht noch ein Buch."

Wenn man es liest, bekommt man zunehmend den Eindruck, dass unserem Nachbarland noch sehr schwierige Zeiten bevorstehen. Entwicklungen, die ganz Europa mit nach unten ziehen könnten.









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Rezension zu "Terror in Frankreich" von Gilles Kepel

Islamistischer Terror im Namen einer Religion? Dieses Buch gibt Auskunft darüber
Buecherspiegelvor 2 Jahren

Nicht mal ebenso zum schnell lesen geeignet, aber wer sich intensiv mit dem Thema Terror, Dschihad, Salafismus und so weiter beschäftigen will, kommt an folgendem Buch wohl nicht vorbei: Gilles Kepel mit Antoine Jardin „Terror in Frankreich, der neue Dschihad in Europa“. Nachdem ich es gelesen habe, wünsche ich mir, es wäre vor dem Buch von Michel Houellebecq „Unterwerfung“ erschienen oder zumindest zeitnah. So intensiv, wie sich der Wissenschaftler und Professor am Institut d'Études Politiques de Paris, Kepel, mit dem Thema beschäftigt, so sehr wünscht er sich das selbst von viel mehr Kolleginnen und Kollegen in Frankreich. Leider ist das dort in den vergangenen Jahren seiner Meinung nach stark vernachlässigt worden und führte in der Folge zu vermehrt auftretenden Pseudo-Experten.

Das Buch ist in zwei großen Abschnitten unterteilt. Zuerst einmal in die Inkubationszeit (2005 – 2012), hier wird das Schlüsseljahr 2005 analysiert und das Wahlrecht der Muslime zum muslimischen Abstimmungsverhalten behandelt sowie die Affäre Merah durchleuchtet. Im zweiten Teil, die Eruption betitelt, geht es um den französischen Dschihad und den syrischen Dschihad swie um die Kehrtwende im Wahlverhalten der Muslime. Der letzte Abschnitt des zweiten Teils ist mit #CharlieCoulibaly überschrieben und geht dem Überfall auf die Redaktion von Charlie Hebdo auf den Grund.

Der Autor hat sich nicht nur die Terroranschläge der vergangenen zwei Jahre genauer angeschaut sondern sieht weit zurück in die Vergangenheit. Das hat auch etwas mit der geschichtlichen Entwicklung Frankreichs zu tun, mit ihrer kolonialen Ausbreitungen und den daraus entstandenen politischen Entscheidungen. Und da die Terroristen sowie auch kleinere und größere Parteien sich auf bedeutende Geschichtsdaten beziehen, erklärt Kepel dessen Entstehungsgeschichten. Nicht zu vergessen sind auch die Verbindungen und Geschehnisse in der restlichen Welt.

Kepel untersucht intensiv die Werdegänge der Verbrecher der jüngsten Untaten in Frankreich, zum Beispiel die Angreifer auf die Redaktionsräume von Charlie Hebdo oder dem Überfall auf einen Supermarkt mit Geiselnahme und Tötungen. Es werden auch andere jüngeren Datums erwähnt und behandelt, alle werde ich hier nicht aufführen. Wie, wo, wann, wodurch wurden die Täter radikalisiert und warum konnte es nicht verhindert werden? Es gab eine Zeitlang keinerlei Terrorangriffe an Frankreich, führende Köpfe waren zum Beispiel im Gefängnis. Aber nicht tatenlos. Die Gefängnisse werden als Brutstätte angesehen, in der sich junge Menschen von den älteren radikalisieren lassen.
Wir werden bis zu den Anfängen des Terrors zurückgeführt, lernen die ersten zwei Generationen kennen, unter der dritten leidet zurzeit die Welt. Waren es am Anfang hierarchische Strukturen, die den Kampf geführt haben, von oben herab bis zur kleinsten Zelle, so wird nun jeder der sich dazu bekennt dazu aufgefordert loszuschlagen. Aber wie funktioniert das, was sind Beweggründe für die zumeist jungen Menschen sich selbst für eine Sache zu opfern? Vor allem, da es sich meist um Nachkommen postkolonialer Immigranten handelt, die den französischen Pass inne haben.

Dafür muss man sich die Politische Entwicklung in Frankreich genauer ansehen. Der Autor erläutert uns die Zusammenhänge anhand verschiedener Wahlen beziehungsweise das Wahlverhalten verschiedener Gruppierungen. Haben sich in früheren Zeiten Muslime nicht so stark an Wahlen beteiligt, so hat sich das, vor allem seit der Wirtschaftskrise, verändert. Das gegenseitige Ausspielen von Themen der Parteien gerade vor Wahlen führte zu den bekannten Ergebnissen.

Aber das ist nicht alles. Kepel führt die vernachlässigten Randbezirke der Städte an, die nicht genug eingebunden sind, um die Arbeitsplätze zu erreichen. Wer nicht genug Geld hat, hat kein Auto, ist auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen, und sind diese nicht in ausreichender Möglichkeit vorhanden, so kann sich jeder ausrechnen, was das für Konsequenzen nach sich zieht. Und das ist nicht erst in den letzten Jahren so, sondern das Problem ist seit Jahrzehnten bekannt und hat sich durch die Wirtschaftskrise nur noch verstärkt. Allerdings sind es nicht nur unter schlechten Bedingungen aufgewachsene Muslime, die sich haben radikalisieren lassen sondern auch gut behütete. Kepel führt hierzu Beispiele auf.

Charismatische Köpfe haben seit der Erfindung der sozialen Netzwerke alles genutzt, um hier den Weg zum Dschihad aufzuzeigen. Mit welchen Tricks dies geschieht, erklärt der Autor, indem er die gezeigten Videos auf youtube analysiert. Sprache, Wortwahl, Hintergrundgeräusche, Bilder. Wie unglaublich oft diese Filme heruntergeladen werden, lassen erahnen, welche Möglichkeiten und Wege der Terror gefunden hat, um sich so massenhaft zu vergrößern.Komme zu uns, lass dich ausbilden, und so weiter und so fort. So kommt es, dass teilweise große Gruppen aus den Randbezirken sich aufmachen, um für den Dschihad zu kämpfen oder um zurückzukehren, um in ihren Ursprungsländern Unheil anzurichten.

Natürlich gibt es nicht nur eine Strömung des Islam in Frankreich, sondern sehr viele, auch konkurrierende Verbindungen. Und hier gelingt es durch die perfide – bist du nicht für uns, so bist du gegen uns und unser Feind – Methode die Gemeinschaft der Muslime zu verunsichern und der Versuch, Schuldgefühle zu verstärken, gelingt durch die zerstrittenen führenden Politiker, was zu tun ist, leider gut. Die Gesellschaften, Demokratien, zu entzweien, Bürgerkriege auszulösen, um dann einen islamischen Staat zu errichten, ist das Ziel des Terrors.

Ich habe nur Kepel erwähnt, doch auch Antoine Jardin hat großen Anteil an dem Buch, Kapitel 2 sowie die Seiten 199 bis 2015 von Kapitel 5. Als politischer Soziologe forscht er am Centre National de la Recherche Scientifique. Außerdem hat er bereits mehrere Bücher zu diesem Thema geschrieben, forscht er doch bereits seit mehr als 30 Jahren dazu. Weiterführende Informationen zum Beispiel unter https://de.wikipedia.org/wiki/Gilles_Kepel.

Nicht alles kann in diesem Rahmen aufgezählt und erläutert werden. Es ist eines der wichtigsten Bücher wenn nicht gar das wichtigste Buch, um ein tiefes Verständnis für die Entwicklung der Ereignisse der letzten sechzig bis siebzig Jahren in Frankreich und Weltweit zu bekommen.

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