Gilles Leroy

 3.5 Sterne bei 50 Bewertungen
Autor von Alabama Song, Zola Jackson und weiteren Büchern.

Alle Bücher von Gilles Leroy

Alabama Song

Alabama Song

 (41)
Erschienen am 01.04.2010
Zola Jackson

Zola Jackson

 (6)
Erschienen am 26.01.2011
Dormir avec ceux qu'on aime

Dormir avec ceux qu'on aime

 (1)
Erschienen am 21.03.2013
Alabama Song, französische Ausgabe

Alabama Song, französische Ausgabe

 (1)
Erschienen am 13.03.2009
Les jardins publics

Les jardins publics

 (1)
Erschienen am 04.05.2010
Zola Jackson, französische Ausgabe

Zola Jackson, französische Ausgabe

 (0)
Erschienen am 01.09.2011

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Beusts avatar

Rezension zu "Alabama Song" von Gilles Leroy

Vom Krieg schreiben, vom Krieg zu zweit
Beustvor 7 Monaten

Gilles Leroy schreibt einen Roman, eine Romanbiographie, keine Biographie. Zum Glück? Weil man Zelda Fitzgeralds, der Frau des Schriftstellers F. Scott Fitzgerald, dieses Leben nicht gewünscht hätte?

Zelda und Scott Fitzgerald haben einander nicht gut getan. Geheiratet, weil sie berühmt werden wollten, weniger aus Liebe, zusammengeblieben aus Gewohnheit und weil es sich so gehörte, herabgerissen vom Alkohol und dem Leben im Exzess, vereint im „Krieg zu zweit“ (S. 149). Sie starben beide, noch ehe sie 50 wurden, er dem Vergessen entgegentaumelnd als versoffener Versager, sie eingesperrt in ein brennendes Irrenhaus. 

Daraus entwickelt Leroy die Lebensbeichte Zeldas, ihren Schrei nach Leben - einem anderen nämlich, als sie es geführt hat. „Welch ein Glück, ein Mann zu sein! Wie traurig, eine Frau zu sein“ (S. 214), vor allem wenn diese Frau so selbstbestimmt ihr Leben als Abenteuer gestalten will und dabei an die Grenzen stößt, die von der Gesellschaft, der Konvention, ihrem Gatten und - hier wird es tragisch - den eigenen Beschränktheiten gesetzt werden. Die Liebe ihre Lebens nennt Zelda den Monat mit dem französischen Flieger Jozan; hier nämlich durfte sie Frau sein, ohne Ehefrau sein zu müssen; Künstlerin, ohne gekünstelt zu sein, exaltiert, ohne eine Publikumserwartung auf den nächsten Skandal erfüllen zu müssen.

Zeldas Wahnsinn ist - in Leroys Roman - ihre Antwort auf das Scheitern ihrer Träume und den Widerstand von außen: Sie zieht sich zurück in eine andere Wirklichkeit und nimmt dorthin mit, was immer sie benötigt. Die Dialoge mit den wechselnden Psychiatern sind brillante Schaufensterblicke in Zeldas Version ihrer Vergangenheit, auch der Vergangenheit ihrer Zukunft.

Man wünscht Zelda, dass ihr Leben besser war als Leroys Interpretation; und man hofft, dass Scott Fitzgerald ein nicht ganz so verkommenes Scheusal gewesen ist, wie Zeldas Anklage ihn dastehen lässt.

Ein gutes Buch, das sich Seite für Seite entblättert.

 

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HibiscusFlowers avatar

Rezension zu "Zola Jackson" von Gilles Leroy

"Ich könnte fliehen, wenn ich nur Lust dazu verspürte."
HibiscusFlowervor 2 Jahren

Klappentext des Verlages:
New Orleans, August 2005: Der Hurrikan Katrina versetzt die Menschen in Angst und Schrecken. Wer irgend kann, verlässt die Stadt und bringt sich andernorts in Sicherheit. Nur die pensionierte Lehrerin Zola Jackson ist fest entschlossen, der Gefahr zu trotzen und in ihrem Haus auszuharren. Als dann die Deiche brechen und riesige Wassermassen die Stadt überschwemmen, droht auch Zolas Haus von der Flut mitgerissen zu werden. Doch während der Pegel von Stunde zu Stunde steigt und die letzten Nachbarn über Rettungsboote die Flucht ergreifen, bleibt Zola standhaft: Ohne ihren geliebten Hund, den sie von ihrem verstorbenen Sohn Caryl geschenkt bekam, wird sie ihr Haus nicht verlassen. Aber wird sie tatsächlich bis zum Schluss durchhalten? Wird sie ihren Entschluss am Ende gar mit dem eigenen Leben bezahlen? Oder wird sie in letzter Sekunde doch noch nachgeben?

"New Orleans verlässt man nicht. Man wird dort geboren, und krepiert dort. So ist das." (S.23)

Zola Jackson hat die Warnungen vernommen und dennoch schaut sie den Nachbarn und Freunden nur dabei zu, wie sie hastig aus ihren Häuser und das Viertel flüchten, um sich in Sicherheit zu bringen.

"Wer oder was bewirkt, dass die Dinge, die materielle Welt, die Macht über meinen Geist und auch darüber übernehmen, wie ich die Zeit in den wenigen mir verbleibenden Tagen verbringe." (S.36)

Zola Jackson hängt nicht nur an ihrem Haus, sondern für sie gibt es keinen Menschen mehr, zu dem sie gehen kann.

"Ich könnte fliehen, wenn ich nur Lust dazu verspürte." (S.65)

Zola Jackson verharrt der Dinge an diesem mit Erinnerungen verbunden Ort. Erinnerungen, die in ihrem alkoholgeschwängerten Zustand eine Lebendigkeit erfahren, denen sich Zola und aber auch die LeserInnen nicht entziehen können. Und dennoch ist es nicht nur die Geschichte einer einzelnen Person, die einen schonungslosen Blick auf das entsetzliche Geschehen wirft, auf das, was war...auf das, was ist...auf das, was bevorsteht.

"Es gibt Menschen, die in einer solchen Lage beten. Ich kann es nicht. Ich kann es nicht mehr...worum sollte ich denn den Himmel bitten ? Der Himmel, das ist doch genau das, was uns auf die Fresse fliegt." (S.96)

Zola Jackson sitzt in der Falle, obgleich einer Falle, die ihr gehört, aus der sie sich und ihre geliebte Hündin Lady nicht vertreiben lassen mag. Nicht von Menschen und schon gar nicht von einem Hurrikan.

Chaos, Panik, Müll und Leichen umspülen Zolas Haus. Alles festgehalten in Bildern der Kameras, die über dem Geschehen schweben. Es kommt Hilfe, ja sogar berühmte Hilfe und doch bleibt Zola in ihrem Haus, bei ihrer Hündin; gemeinsam mit ihr in die letzte, trockene Ecke des Hauses getrieben, bis es heißt, loszulassen.

"Man hatte es uns versichert. Hoch und heilig geschworen. Dass die neuen Befestigungen niemals nachgeben würden. Felsenfest seien... Man hatte es uns versichert, und ich war so dumm gewesen, es zu glauben. Zola ! Sei verflucht !" (S.122)

Gilles Leroy geht es nicht um ein einzelnes Schicksal, auch wenn er sich ganz offensichtlich bewusst für eine afroamerikanische Protagonistin entschieden hat, die auf ein dreiundsechzigjähriges Leben zurückblickt, das schon durch ganz andere Stürme aufgewirbelt wurde und bei dem kleine Details dafür sorgen, dass Zolas Abgestumpftheit die Härte genommen wird.
Eine fast schon lakonische Wortkargheit verhindert die dramatische Effekthascherei, fängt jedoch gekonnt das Schicksal in all seinen Facetten ein und wirft einen kritischen Blick auf Themen wie Rasse, Klasse und das Versagen (der Gesellschaft).

Der Jahrhundertsturm Katrina - ein Hurrikan mit Stärke fünf - war einer der größten Naturkatastrophen in der Geschichte der USA. Betroffen waren mehrere Bundesstaaten an der Golfküste, doch New Orleans traf es durch zwei Brüche im Deichsystem am stärksten. In jenem August 2005 standen ca. 80 Prozent des Stadtgebietes unter Wasser. Mehr als 1500 Menschen starben

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winter-chills avatar

Rezension zu "Alabama Song" von Gilles Leroy

Rezension zu "Alabama Song" von Gilles Leroy
winter-chillvor 6 Jahren

Dieses Buch zu lesen, ist wirklich ein Genuss, vor allem sprachlich hat der (leider) kurze Roman einiges zu bieten. Feinfühlig und emotional erzählt Leroy in „Alabama Song“ die Geschichte von Zelda Fitzgerald – und zwar aus der Sicht von Zelda. Dabei vermischt er biografische und fiktive Elemente. Der Erzählstil ist rasant und folgt keiner Linearität. So springt Leroy immer wieder zwischen verschiedenen Etappen in Zeldas Leben hin und her oder lässt ihre Gedanken abschweifen. Diese Erzählweise fängt auch sehr gut ein, wie Zelda ihr Leben wohl gelebt hat: turbulent und keinen Regeln folgend. Ein richtig tolles Buch, das einen sehr gefangen nimmt, einen tief in die 20er Jahre eintauchen lässt und in dem man (trotz fiktiver Elemente) einiges über das Leben einer interessanten Frau erfährt.

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