Alabama Song

von Gilles Leroy 
3,4 Sterne bei41 Bewertungen
Alabama Song
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Beusts avatar

vom Krieg schreiben, vom Krieg zu zweit. Ein großartiges Buch über zwei, die sich kaputt gemacht haben

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Obwohl ich sowohl Sprache als auch die Geschichte sehr mochte, konnte mich das Buch letztendlich nicht erreichen.

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Inhaltsangabe zu "Alabama Song"

Montgomery, Alabama im Juni 1918: Inmitten der Scharen von lärmenden Soldaten verliebt sich die selbstbewusste Zelda, Tochter des Richters Anthony Sayre, in einen gutaussehenden Leutnant aus dem Norden: F. Scott Fitzgerald. Dieser kennt nur ein Ziel: Er will der berühmteste Schriftsteller Amerikas werden. Kein Jahr später sind die beiden verheiratet und beginnen ein rastloses, exzessives Leben. Sie werden wie kein anderes Paar zu Ikonen der Goldenen Zwanziger. Umgeben und bewundert von den großen Künstlern ihrer Zeit feiern sie in New York, Paris und an der Côte d’ Azur und geben sich dem Lebensrausch einer Epoche hin. Doch während Scott hier den Stoff für seine berühmten Romane findet, muss sich Zelda verstecken, um zu schreiben. In seinem preisgekrönten Roman zeichnet Gilles Leroy das faszinierende Bild einer außergewöhnlich talentierten, willensstarken Frau – Schriftstellerin, Tänzerin, Malerin –, der ihr Lebenshunger zum Verhängnis wird. »Die Fitzgeralds waren so etwas wie Amy Winehouse, Paris Hilton, Brad Pitt und Angelina Jolie in einem. Gilles Leroy entwirft ein plausibles Bild dieser tragischen Beziehung – und rehabilitiert gleichzeitig seine Heldin.« Sonntagszeitung

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783036955841
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Flexibler Einband
Umfang:235 Seiten
Verlag:Kein & Aber
Erscheinungsdatum:01.04.2010

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    Beusts avatar
    Beustvor 5 Monaten
    Kurzmeinung: vom Krieg schreiben, vom Krieg zu zweit. Ein großartiges Buch über zwei, die sich kaputt gemacht haben
    Vom Krieg schreiben, vom Krieg zu zweit

    Gilles Leroy schreibt einen Roman, eine Romanbiographie, keine Biographie. Zum Glück? Weil man Zelda Fitzgeralds, der Frau des Schriftstellers F. Scott Fitzgerald, dieses Leben nicht gewünscht hätte?

    Zelda und Scott Fitzgerald haben einander nicht gut getan. Geheiratet, weil sie berühmt werden wollten, weniger aus Liebe, zusammengeblieben aus Gewohnheit und weil es sich so gehörte, herabgerissen vom Alkohol und dem Leben im Exzess, vereint im „Krieg zu zweit“ (S. 149). Sie starben beide, noch ehe sie 50 wurden, er dem Vergessen entgegentaumelnd als versoffener Versager, sie eingesperrt in ein brennendes Irrenhaus. 

    Daraus entwickelt Leroy die Lebensbeichte Zeldas, ihren Schrei nach Leben - einem anderen nämlich, als sie es geführt hat. „Welch ein Glück, ein Mann zu sein! Wie traurig, eine Frau zu sein“ (S. 214), vor allem wenn diese Frau so selbstbestimmt ihr Leben als Abenteuer gestalten will und dabei an die Grenzen stößt, die von der Gesellschaft, der Konvention, ihrem Gatten und - hier wird es tragisch - den eigenen Beschränktheiten gesetzt werden. Die Liebe ihre Lebens nennt Zelda den Monat mit dem französischen Flieger Jozan; hier nämlich durfte sie Frau sein, ohne Ehefrau sein zu müssen; Künstlerin, ohne gekünstelt zu sein, exaltiert, ohne eine Publikumserwartung auf den nächsten Skandal erfüllen zu müssen.

    Zeldas Wahnsinn ist - in Leroys Roman - ihre Antwort auf das Scheitern ihrer Träume und den Widerstand von außen: Sie zieht sich zurück in eine andere Wirklichkeit und nimmt dorthin mit, was immer sie benötigt. Die Dialoge mit den wechselnden Psychiatern sind brillante Schaufensterblicke in Zeldas Version ihrer Vergangenheit, auch der Vergangenheit ihrer Zukunft.

    Man wünscht Zelda, dass ihr Leben besser war als Leroys Interpretation; und man hofft, dass Scott Fitzgerald ein nicht ganz so verkommenes Scheusal gewesen ist, wie Zeldas Anklage ihn dastehen lässt.

    Ein gutes Buch, das sich Seite für Seite entblättert.

     

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    winter-chills avatar
    winter-chillvor 5 Jahren
    Rezension zu "Alabama Song" von Gilles Leroy

    Dieses Buch zu lesen, ist wirklich ein Genuss, vor allem sprachlich hat der (leider) kurze Roman einiges zu bieten. Feinfühlig und emotional erzählt Leroy in „Alabama Song“ die Geschichte von Zelda Fitzgerald – und zwar aus der Sicht von Zelda. Dabei vermischt er biografische und fiktive Elemente. Der Erzählstil ist rasant und folgt keiner Linearität. So springt Leroy immer wieder zwischen verschiedenen Etappen in Zeldas Leben hin und her oder lässt ihre Gedanken abschweifen. Diese Erzählweise fängt auch sehr gut ein, wie Zelda ihr Leben wohl gelebt hat: turbulent und keinen Regeln folgend. Ein richtig tolles Buch, das einen sehr gefangen nimmt, einen tief in die 20er Jahre eintauchen lässt und in dem man (trotz fiktiver Elemente) einiges über das Leben einer interessanten Frau erfährt.

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    thursdaynexts avatar
    thursdaynextvor 6 Jahren
    Rezension zu "Alabama Song" von Gilles Leroy

    Traurig
    Eine verschwendetes Leben, sinnfreier Hedonismus. Alabama Song ein sprachlich wunderbarer Roman der mir auf die Nerven ging. Zuviel Bedauern, distanziertes Mitgefühl, löst die verwirrte Ich - Erzählerin aus, als das ein Lesegenuss sich verfestigen könnte. Flüchtige, schwebende kostbare Sätze verlieren sich in Bedeutungslosigkeit angesichts dieser verschwendeten Existenz.
    Ein lehrreiches Buch für alle Cinderellas die ihr Glück noch in der heutigen Zeit von einem Menschen abhängig machen.
    Glücklicherweise könne Frauen heute frei wählen wie sie leben möchten. Wenn sie die Kraft dazu haben.......

    Kommentare: 1
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    Nils avatar
    Nilvor 8 Jahren
    Rezension zu "Alabama Song" von Gilles Leroy

    Gilles Leroy (französischer Schriftsteller) hat mit 'Alabama Song' eine sehr emotionale, aber fiktive (!) Lebensgeschichte von Zelda und Scott Fitzgerald gezeichnet. Es zeigt eher das Leben von Zelda Sayr, einem Südstaatenmädchen welches sich aller damaligen Konfessionen widersetzt. Der Roman ist aus ihrer Ich-Perspektive geschrieben.
    Der Roman beschreibt ihr Leben mit DEM Schriftsteller der 20er Jahre und wie sie als Paar die 'Roaring Tweenties' verkörperten. Ausbrechen aus den starren Rollen, auffallen, seinen Gefühlen freien Lauf lassen und ein Alkohol Exzess nach dem anderen. Pure Lebensfreude und so viele erdrückende Emotionen, dass man die Last der beiden förmlich spüren kann.
    Dies ist zwar eine fiktive Geschichte, aber wenn man Scott Fitzgerald's 'Great Gatsby' gelesen hat, dann kann man sich das Gelesene gut vorstellen. Man möchte fast, dass viel Wahres dran ist. Dieser Roman hat definitiv mein Interesse an Zelda verstärkt und an den Romanen von Gilles Leroy.

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    Bris avatar
    Brivor 8 Jahren
    Rezension zu "Alabama Song" von Gilles Leroy

    F. Scott und Zelda Fitzgerald – DAS PAAR der Roaring Twenties, des Jazz Age, der Lost Generation ... DAS PAAR, das die Vermarktung der eigenen Person zugunsten des Erfolges „erfunden“ hat ... ein Liebespaar, das kurz nach der Hochzeit bemerkt, dass es das gar nicht ist?

    Keiner weiß genau, was in dieser Ehe wirklich passiert ist, keiner weiß, wie es zu Goofos (Zeldas Spitzname für Scott in Alabama Song) Alkoholsucht kam – aber süchtig waren damals viele. Nach Alkohol, nach Drogen, nach Ruhm – und nach dem Gefühl, etwas ewig Währendes geschaffen zu haben. Es gab kurze Momente, in denen die beiden glaubten, es zusammen zu schaffen, doch die Wahrheit war wohl eine andere.

    Alabama Song ist reine Fiktion – so schreibt es der Autor in seinem Nachwort. Er zählt auf, welche Szenen er frei erfunden hat, welche Personen eventuell Ähnlichkeiten mit tatsächlich existierenden Personen im Umfeld der Fitzgeralds haben könnten. Und so ist dieser Roman auch zu lesen. Nicht als Biographie, sondern als mögliche Spielart eines Lebens, einer Ehe, einer Liebesbeziehung. Wer sich Aufschlüsse über das Leben eines der begabtesten Schriftsteller des 20. Jahrhunderts erhofft, wird sie nicht finden. Immer ist es Zelda, die ihre Geschichte erzählt, niemals Scott. Eine einseitige Betrachtungsweise, die aber nicht zwingend nur weither geholt sein muss.

    Hat F. Scott Fitzgerald nur von Zelda abgeschrieben und war gar nicht das sprachliche, literarische Genie, für das ihn alle hielten? Schwer zu glauben für diejenigen, die seine Romane und Kurzgeschichten gelesen haben. Fakt ist wohl, dass einige ihrer Kurzgeschichten unter seinem Namen veröffentlicht wurden. Fakt ist auch, dass das Leben mit Zelda die Vorlage verschiedener großer Romane bildet. Ist Zelda die Muse, die aus Langeweile die Arbeit des großen Schriftstellers unterbricht oder ist sie die Ehefrau, deren eigenes Talent durch den Ehemann vor Furcht vor Erfolg unterdrückt wird? Vielleicht liegt die Wahrheit zwischen diesen beiden Extremen, Gilles Leroy hat sich jedenfalls ganz eindeutig auf Zeldas Seite geschlagen und zeigt sie als wildes unbezähmbares junges Mädchen, mit Hang zu Glamour und Sehnsucht nach Einzigartigkeit und göttlichem Dasein. Unterdrückt von einem Mann, der immer mehr dem Alkohol verfällt und die gemeinsame Tochter aus Zeldas Leben verbannt, wogegen sich Zelda nicht wehrt, da sie erkannt hat, dass sie Patricia Francis nicht wirklich eine Mutter sein kann.

    Sprachlich ist das Buch ein Kleinod und kann durchaus neben den großen Geschichten Fitzgeralds bestehen. Ein dichter Roman, in dem man versinken kann ... und zuweilen das Gefühl hat, die Sehnsucht nach der Ewigkeit wurde doch manchmal gestillt.

    " ...Wenn wir nachts von den Spelunken, in denen wir uns herumtreiben, nach Hause gehen, müssen wir häufig die furchteinflößenden Pariser Armenviertel durchqueren, schwarze Straßen, deren Pflaster von einer Mischung aus Schmutzwasser und Ruß schmierig ist, wo hinter leprösen Fassaden auf finsteren Fluren und Stiegen mit losem Geländer der Gestank von Kohl und elendem Fraß mit dem Muff aus den Etagenaborten wetteifert. Heute Morgen, als wir, aus La Cigale kommend, ein Taxi suchten, irrten wir durch Gässchen, in denen die Mülltonnen umgefallen waren. (Ein unsäglich öder Abend: Wir hatten lauwarmen Champagner getrunken und eingeklemmt zwischen dem verächtlich tuenden Picasso, dem unaufhörlich quasselnden Cocteau und dem geistesabwesenden, hübschen Radiguet gesessen, und dann waren da noch drei mit Federn herausgeputzte Prinzessinnen, die sich als Musen aufspielten, obwohl sie nichts weiter als Bankkonten waren.) Fleischer schleppten rotweiße Tierkörper auf der Schulter, deren kalter Geruch mich irritierte, in den Bistros bestreute man für den anbrechenden Tag den Boden mit Sägemehl, und die Portierfrauen, die mit großem Schwung ihre nach Teer riechenden Putzeimer leerten, schienen es auf die Füße der Passanten und die Hinterteile der Hunde abgesehen zu haben. Da lallte Scott: "Elende Vorstadt ... mit Unheil gesalbt." Er hatte es so gut getroffen - ich musste ihn einfach an mich drücken. Ich küsste ihn auf den Mund und vergaß den widerlichen Geruch. Zuweilen liebe ich ihn so sehr.
    In solchen Momenten leben wir in einer Lichtkugel, in einer Aura, die sich mit uns fortbewegt. In solchen Momenten sind wir ewig. ..."

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    Ein LovelyBooks-Nutzervor 9 Jahren
    Rezension zu "Alabama Song" von Gilles Leroy

    Eines der wohl schönsten Bücher. Es hat mich so in seine Geschichte hineingezogen das ich es auf einmal durchgelesen habe :)

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    Pankrazs avatar
    Pankrazvor 10 Jahren
    Rezension zu "Alabama Song" von Gilles Leroy

    „Einige Wochen lang habe ich tatsächlich geglaubt, dass für Scott und mich vielleicht doch noch nicht alles verloren sein könnte.“

    Gilles Leroy beschreibt das Leben einer Getriebenen, Zelda, der Frau an der Seite von Scott Fitzgerald. Und er beschreibt aus EINER Sicht, kritiklos sollte man dem Buch also nicht gegenüberstehen. Thesen werden mit Tatsachen vermischt, da wird literarisch aufgearbeitet, da bleibt das Buch über die gesamte Zeit spannend, amüsant, unterhaltsam und anspruchsvoll. Scott wird als Charmeur beschrieben, gleichzeitig als schwacher Zeitgenosse, die Kämpfe des Paares sind nicht zu gewinnen, und so ist für den Leser dieses Buches einiges klar, was nicht klar sein dürfte.
    Hat Zelda eigentlich die Bücher des fabelhaften Scott Fitzgerald geschrieben? Hmnnn… Zumindest nicht als Tatsache hinzunehmen.
    War Zelda die treibende Kraft am Erfolg des Autors? In „Alabama Song“ wird die Frage mit „Ja“ beantwortet, richtiger scheint aber – meiner Meinung – zu sein, dass Zelda mit ihrem „schwierigen Wesen“ auch tatsächlich „schreib-hindernd“ gewirkt haben muss.

    Viele Thesen werden aufgestellt, alles HÄTTE so sein können, man sollte dieses – wie der Autor selbst schreibt – „fiktive Werk“ nicht hinnehmen, ohne sich über diverse andere Blickwinkel schlau zu machen.

    Jedenfalls: hervorragende Literatur, die allerdings fast schmunzelnde Zweifel aufkommen lässt. Und…, ja…, um zu diskutieren gibt das Buch schier endlos Stoff.

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    HeikeGs avatar
    HeikeGvor 10 Jahren
    Rezension zu "Alabama Song" von Gilles Leroy

    Die Salamanderfrau oder Der Krieg zu zweit

    Gilles Leroy erzählt die Geschichte von Zelda Sayr Fitzgerald, der Frau des berühmten F. Scott Fitzgerald, der mit "Der große Gatsby" in die Literaturgeschichte eingegangen ist.

    "Ich weiß nicht, was für ein Buch ich da in einem Rutsch, mit einer einzigen Tintenfüllung, geschrieben habe. Ich weiß nicht, was daran gefallen könnte - es gibt keine Liebesaffäre, keine Verwicklungen, keine Gefühlsverwirrungen -, doch etwas Wichtiges spüre ich: eine Spannung, die das Ganze vom ersten bis zum letzten Satz zusammenhält. Eine vibrierende Saite ... kurz vor dem Zerreißen?" So lässt Gilles Leroy seine Protagonistin sinnieren, die, eingesperrt in einer psychiatrischen Klinik, zwischen Elektroschocks und Kaltwasserbehandlungen zur "Reinigung" ihres verworrenen Geistes, heimlich einen Roman schreibt. Sie ist niemand geringeres als die Frau des "großen Gatsby", des "letzten Tycoons", des Urgroßneffen des Dichters der amerikanischen Nationalhymne - sein Name: Francis Scott Fitzgerald.

    Virtuos zeichnet der Autor Zelda Sayr Fitzgeralds Leben nach, von der lebenshungrigen, flippigen femme fatale aus Alabama, bis zur gebrochenen Frau, die zuletzt an zu viel Leben "verhungerte" und ihren alkoholkranken Mann nur um acht Jahre überlebte.
    Die zwei zuvor zitierten Sätze offenbaren eine Schlüsselfunktion. Zum einen können sie auf Zeldas Leben, zum anderen auf den Roman und dessen Lektüregenuss angewandt werden.

    'In einem Rutsch' wurde aus der lebenshungrigen, sich nach Freiheit sehnenden Südstaatenschönheit, der jüngsten Tochter eines Richters und Enkelin eines Gouverneurs und Senators aus dem Provinznest Montgomery, an der Seite ihres Jazz-Age Wunderkindes und dessen literarischem Erfolges, die Glamourlady der Hautevolee der "Roaring Twenties" in New York, Paris und der Côte d'Azur: "Ich rauche, ich trinke, ich tanze und ich treibe es, mit wem ich will".

    Nervenzusammenbrüche, Hysterie und Depressione

    'Es gibt keine Liebesaffäre, keine Verwicklungen, keine Gefühlsverwirrungen...', schreibt sie über ihren Roman. Oh nein, dieser Satz trifft wahrhaft nicht auf ihr Leben und das ihres Mannes zu. Hier muss das Wörtchen 'keine' einfach aus dem Satz gestrichen werden, denn Liebesaffären, Verwicklungen und Gefühlsverwirrungen gibt es bei beiden en masse.
    Durch Scotts zunehmende literarische Schaffenskrise Ende der Zwanziger und den damit einhergehenden vermehrt exzessiven Alkoholkonsum sowie Zeldas Langeweile am Jet-Set-Leben, das sie trotz eigener künstlerischer Aktivitäten - sie schreibt, tanzt und malt - nicht erfüllt, kommt es bei beiden zu tiefen partnerschaftlichen Beziehungsproblemen, verstärkt noch durch finanzielle Schwierigkeiten.

    Nach einer intensiven Liebesaffäre mit einem französischen Piloten und der von ihrem Mann erzwungenen Abtreibung der daraus gewachsenen Liebesfrucht, ist ihre Ehe endgültig zerrüttet und wird zum Martyrium. Gegenseitige Kränkungen, Eifersuchtsszenen und Vorwürfe begleiten ihren banalen Alltag. Sie wirft ihm vor, er würde ihre Ideen und Manuskripte stehlen und unter eigenem Namen veröffentlichen, "Ich war einmal seine Modellpuppe, nun bin ich sein Meerschweinchen. Seine Versuchsvogelscheuche. Ich bin in seinen Augen mittlerweile ein solches Nichts, dass er sich kaum die Mühe gemacht hat, meine Formulierungen zu ändern." Auch Hemingway (der im Roman einen anderen Namen erhält) und seine (angebliche) Affäre mit Scott werden an die Öffentlichkeit gezerrt.

    Nervenzusammenbrüche, Hysterie und Depressionen lassen Zelda die letzten siebzehn Jahre ihres Lebens zu einem großen Teil in Nervenheilanstalten zubringen. Im Jahr 1948 kommt die nunmehr verwelkte "Muse" ihres "Goofos" - wie sie Scott zärtlich nennt -, bei einem Klinikbrand ums Leben. Die Salamanderfrau, deren Leben einst lichterloh in Flammen stand, konnte ihr Feuer zeitlebens nicht löschen und die 'vibrierende Saite', die letztendlich der Spannung nicht gewachsen war, zerriss.

    Eine Wiedergutmachung

    'Eine Spannung, die das Ganze vom ersten bis zum letzten Satz zusammenhält. Eine vibrierende Saite ... kurz vor dem Zerreißen', so kann man auch den Duktus des Buches bezeichnen, welches 2007 den "Prix Goncourt", die höchste Auszeichnung der Literaturwelt Frankreichs, erhielt. Der 1958 geborene Autor, der sich bei den Lesern seiner Generation einer immer größer werdenden Beliebtheit erfreut, und schon mehrere Preise einheimste, begreift den Prozess des Buch-Schreibens als "Zitat des Zitats des Zitats". Mit einem einfachen und klaren Stil in der Ich-Form, mit kurzen Sätzen wie in Stein gemeißelt, ohne irgendwelche literarische Ausschmückungen - jedes Mehr wäre zuviel gewesen -, beleuchtet der Franzose das Leben aus der Perspektive von Zelda neu. Auch wenn er sich von einer biografischen Lesart seines schmalen Buches distanziert, spielt er virtuos mit den Vorwürfen der authentischen Miss Fitzgerald und lässt seine literarische als ihre eigene Wahrheit verkünden.

    Dabei geht er nicht chronologisch vor, sondern springt in verschiedenen Zeitebenen vor und wieder zurück; eine Geschichte in Rückblicken, deren Stil an Tagebuchaufzeichnungen erinnert. Wunderschöne Sätze wie - "... Wie die Treppen der Metro glitzern, (…) schwarzer Teer mit Glimmersteinchen, so dass aus jedem Schritt, aus jeder Stufe ein langsamer Abstieg in den umgekehrten Himmel wird, in die schwarze Tunnelnacht, wo du vergeblich eine bekannte Konstellation am Gewölbe suchst." - wechseln mit nüchternen Feststellungen ab - "Ich habe einen ehrgeizigen Künstler geheiratet, und jetzt, zwölf Jahre später, finde ich mich als alte Schachtel an der Seite eines Säufers mit einem Berg von Schulden wieder." - und wurden von Xenia Osthelder ohne Abstriche harmonisch ins Deutsche übertragen.
    Leroy versteht es virtuos, magische Momente mit schockierenden zu alternieren, spitzt manchmal zu und übertreibt, um im nächsten Satz zärtliche, hoch emotionale, aber niemals weinselige Töne anzuschlagen und somit das Bild dieser zerrissenen Frau großartig wiederzugeben.

    Leicht ist das Buch jedoch nicht zu lesen. Aber wenn man sich in dem ungewöhnlichen Stil "eingerichtet" hat, nimmt es gefangen, fasziniert und erzeugt "eine Spannung, die das Ganze vom ersten bis zum letzten Satz zusammenhält. Eine vibrierende Saite ... kurz vor dem Zerreißen". "Alabama Song" ist selbst, was die Protagonisten verkörperten: Literatur - auf keinen Fall leichte Unterhaltung.
    Und: Es ist eine Wiedergutmachung: "Adieu, Zelda. Es war mir eine Ehre.", schließt der Autor in seinem letzten Satz.

    Fazit:
    Gilles Leroy erzählt mit einem großartigen, kunstvollen Duktus von zwei Menschen, die an zu viel Leben zerbrechen. Atemberaubend gelingt ihm vor allem die glaubhafte Darstellung einer Frau, die einst keine Grenzen kannte und glaubte, durchs Feuer gehen zu können, ohne sich zu verbrennen: Zelda Sayr Fitzgerald - die Amy Winehouse der Zwanziger.

    "Trennt euch, das ist das Einzige, was man tun kann."
    "Aber wie sollen wir leben?"
    "Wie Menschen."
    (Juan Rulfo: "Pedro Páramo")

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    metalmels avatar
    metalmelvor 10 Jahren
    Rezension zu "Alabama Song" von Gilles Leroy

    Sie waren das Glamourpaar der Roaring Twenties: Zelda und F. Scott Fitzgerald. Reich, berühmt, exzentrisch, rastlos und exaltiert. Sie lebten ein wildes Leben, das sie beide auf die eine oder andere Weise ruiniert hat. Er wurde zum Trinker, fett, aufgedunsen und erfolglos, sie fristete einen großen Teil ihres Lebens in Anstalten.

    In Gilles Leroys Roman kommt nun Zelda erstmals zu Wort. Die Frau, die an der Seite des großen Egomanen Fitzgerald verblasste und beinahe verschwand. Der Roman springt von einer Lebensstation Zeldas zur nächsten, dann wieder zurück, er folgt keinerlei Stringenz. So wie Zeldas Leben wohl auch war. Er vermischt Wahrheit und Fiktion, aber er zeigt uns ganz deutlich eine Frau, maßlos wütend, enttäuscht von ihrem Mann, den sie dennoch liebt, von dem sie nicht loskommt, die ihrer großen Liebe Joz hinterhertrauert, die seltsam distanziert gegenüber ihrer Tochter bleibt, die immer etwas eigenes auf die Beine stellen will, es aber nie schafft. Sie schreibt, behauptet aber, Scott stehle ihre Worte, um sie selber zu veröffentlichen, sie malt, verkauft aber nichts. Ihre große Liebe gilt dem Tanz, doch auch da schafft sie es nicht auf die großen Bühnen. Sie nimmt Tabletten, trinkt, verzweifelt am Leben und verachtet die ganzen Psychiater, die Scott ihr an die Seite stellt. Als er stirbt ist sie fassungslos. Sie empfindet es so, als habe er sie dazu verdammt, ihn auch noch zu überleben.
    Zelda selbst stirbt 1947 bei einem Brand in der Irrenanstalt, in der sie gerade untergebracht ist. Das traurige Ende einer Frau, die einmal als die Schönste in den Südstaaten galt.

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    Snordbruchs avatar
    Snordbruchvor 3 Jahren
    Kurzmeinung: Obwohl ich sowohl Sprache als auch die Geschichte sehr mochte, konnte mich das Buch letztendlich nicht erreichen.
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