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melanie_reichert

vor 4 Jahren

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Die berührende, vielschichtige und erschreckend realistische Geschichte zweier Frauen im Nachkriegsdeutschland – eine klare Leseempfehlung für alle, die damit umgehen können.

“Das Maikäfermädchen” war das erste Buch von Gina Mayer, das ich gelesen habe. Ich bin vom Schreibstil der Autorin mehr als begeistert, weil sie es versteht, durch kurze und klare Sätze zu bestechen. Auch die Recherche-Arbeit ist garantiert nicht zu unterschätzen. Von der ersten bis zur letzten Seite habe ich mich tatsächlich nach Düsseldorf im Jahr 1945 versetzt gefühlt. Die Kulissen und besonders die Stimmung haben mich sofort ergriffen und das Szenario mehr als realistisch erscheinen lassen.

Wir bekommen diese dramatische Geschichte aus der Er-Perspektive erzählt, weil die Protagonisten bzw. deren Sichtweise sich immer mal wieder ändert. Mit Käthe und Lilo als Hauptcharaktere haben wir zwar zwei vollkommen verschiedene Schicksale vor Augen, aber dennoch kreuzen sich ihre Wege. Schon alleine um einen gewissen Abstand zu dieser grausamen Zeit zu bekommen, war die Wahl der Erzählperspektive nötig.

Insgesamt haben mich die Charaktere angesprochen. Ich habe ihnen ihre persönlichen Geschichten abgenommen und konnte ihre Motive und Beweggründe nachvollziehen. Egal ob sie nur einen kleinen Auftritt hatten oder ein Hauptcharakter waren: Frau Mayer hat ihnen das nötige Leben eingehaucht. Auch haben wir es hier mit absoluten Individualisten zu tun und nicht mit den üblichen Stereotypen, sodass ich sie gerne auf ihrem (schweren) Weg begleitet habe.

Mein einziger kleiner Kritikpunkt geht an den Aufbau des Buches bzw. an den Spannungsverlauf. Die Geschichte wird nicht nur linear erzählt, sondern immer wieder von Rückblenden unterbrochen. Eigentlich bin ich ein Fan solcher Rückblenden, aber in diesem Buch war mir das dann doch ein bisschen zu viel. Manchmal haben wurden wir 14 Jahre zurückversetzt, dann wieder nur ein paar Monate. Jedes Mal musste man sich wieder neu zurechtfinden, wo man denn nun gerade zeitlich war. Für mich hat das den Lesefluss ein bisschen zu oft unterbrochen.

Wer mit dem Thema “Abtreibung” nur schwer umgehen kann, sollte die Finger von diesem Buch lassen. Mehr als ein Mal bekommen wir sehr realistisch vor Augen geführt, wie ein solcher Schwangerschaftsabbruch von statten geht und was im Anschluss mit der Psyche der Frauen, Angehörigen und Protagonistinnen selbst geschieht.

Abschließend kann ich sagen, dass mich das Schicksal von Käthe und Lilo wirklich berührt und mir die Geschichte ein paar nachdenkliche Lesestunden beschert hat. Ich werde ganz sicher noch mehr Bücher der Autorin lesen.

Autor: Gina Mayer
Buch: Das Maikäfermädchen
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