Neuer Beitrag

mixtapemaedchen

vor 11 Monaten

(81)

Der Krieg ist zu Ende. Düsseldorf in Schutt und Asche. Düsseldorf ist zerbombt. Da ist Käthe, von Beruf Hebamme, die auf sich allein gestellt ist, weil ihr Mann als vermisst gilt. Käthe schlägt sich mit Entbindungen durch. Manchmal wird sie bezahlt, meistens nicht. Käthes Berufung ist es, Kindern auf die Welt zu helfen, doch dann steht plötzlich Ingrid vor ihr. Die junge Frau bittet sie, ihr Kind wegzumachen. Dafür bietet sie Käthe einen Pelzmantel an. Käthe könnte ihn auf dem Schwarzmarkt eintauschen gegen Lebensmittel. Käthe will das nicht, doch sie hat Hunger, erbärmlichen Hunger. Schließlich willigt sie ein. Es soll jedoch bei diesem einen Mal bleiben, doch die Information spricht sich herum. Es kommen weitere Frauen und auch junge Mädchen.
In den Trümmern der Stadt tritt Käthe ihre frühere Kollegin Lilo wieder. Lilo, die früher als Krankenschwester gearbeitet hat und nun eine Trümmerfrau ist. Lilo, die mit Hambach verheiratet ist. Hambach, der nicht sprechen kann, weil ihn ein Kriegserlebnis derart belastet, dass er verstummt ist. Käthe will keine weiteren Abtreibungen mehr vornehmen, doch Lilo ist mehr Geschäftsfrau, denkt an den Hunger und weiß nicht, wie sie sonst ihre Familie satt bekommen soll. Sie überredet Käthe weiterzumachen und gemeinsam betreiben sie eine illegale Abtreibungspraxis – immer die Angst im Nacken, erwischt und angezeigt zu werden. Eine Praxis im Keller von Schimanek. Schimanek, ein Jude, der das KZ überlebt hat.
Eines Tages steht Ingrid wieder vor der Tür – wieder schwanger. Käthe weigert sich, eine erneute Abtreibung vorzunehmen, doch Ingrid erpresst die Hebamme.

Ein Roman, so ausdrucksstark geschrieben, dass sich der Leser ins zerbombte Düsseldorf katapultiert fühlt. Wie auch schon im Roman „Das Lied meiner Schwester“ lief bei mir beim Lesen regelrecht ein Film ab. Ich konnte die einzelnen Szenen sehen, Käthes Hunger, ihre Zweifel, ihre Not förmlich spüren. Ihre Zerrissenheit, tue ich es oder stille ich lieber meinen Hunger.
Ein Roman, der beim Leser auch nicht Halt macht vor den Themen Rassengesetze der Nazis, Zwangssterilisationen, Gewalt, Einschüchterung. Verbunden sind diese Themen mit persönlichen Schicksalen und Kriegsfolgen. Mich hat das Buch sehr berührt.

Autor: Gina Mayer
Buch: Das Maikäfermädchen

Floh

vor 11 Monaten

Ausdrucksstarke Romane könne mich immer wieder sehr intensiv bewegen. merke ich mir!

mixtapemaedchen

vor 11 Monaten

Es ist wirklich ein tolles Buch, aber auch hart... weil es wirklich einmal so war! Bin auf deine Meinung gespannt.

Kerstin_KeJasBlog

vor 11 Monaten

Wow, tolle Rezi und sehr interessantes Buch, muss auf meine Wuli

danielamariaursula

vor 11 Monaten

Oh, ich kannte sie bisher nur als Kinderbuchautorin!

Neuer Beitrag