Gioconda Belli Die Republik der Frauen

(12)

Lovelybooks Bewertung

  • 13 Bibliotheken
  • 0 Follower
  • 0 Leser
  • 6 Rezensionen
(5)
(5)
(2)
(0)
(0)

Inhaltsangabe zu „Die Republik der Frauen“ von Gioconda Belli

Was wäre, wenn sämtliche Männer von jetzt
auf gleich aus dem öffentlichen Leben verbannt
würden? Und die Frauen übernähmen das
Regiment?
In Gioconda Bellis fiktivem kleinen Land
Faguas ist genau das geschehen – mit ungeahnten Folgen …

Der neue Roman der großen lateinamerikanischen Poetin und Revolutionärin: eine
spritzige, spannende, kuriose und ungemein
weibliche Utopie, die zu denken gibt.

Ausgezeichnet mit dem lateinamerikanischen Literaturpreis La otra orilla

Schlagfertig, provokativ!

— Kerstin_Westerbeck

Stöbern in Romane

Lennart Malmkvist und der ganz und gar wunderliche Gast aus Trindemossen

Fantasy-Krimi mit viel Spannung und Humor. Fesselnd, skurril, einfach klasse!

elafisch

Lied der Weite

Zeit für romantische Emotionen und Empfindlichkeiten gibt es wenig, Pragmatismus, Realismus – das ist es, was das Leben fordert.

AenHen

Menschenwerk

Was bleibt, wenn die Menschlichkeit abhanden kommt?Schmerzhaft und grausam, eindringliche Lektüre.

ulrikerabe

Der Frauenchor von Chilbury

Tolle Geschichte, mitreißend und berührend

Wuestentraum

Highway to heaven

Eine ziemlich verrückte ganz normale Liebesgeschichte

loly6ify

Sonntags in Trondheim

WE are Family :-)

Ivonne_Gerhard

  • Rezensionen
  • Leserunden
  • Buchverlosungen
  • Themen
  • Utopisch? – Den Frauen das Zepter!

    Die Republik der Frauen

    Kerstin_Westerbeck

    Gerade noch stand Viviana Sansón, Präsidentin von Faguas auf der Bühne und hielt eine flammende Rede, als ein unerwarteter Schuss aus der Menge ihren Kopf durchbohrt. Doch die plötzlich um sie eintretende Stille, schafft es nicht Viviana vollkommen aus dem Leben zu verbannen. Ganz im Gegenteil. Erstaunlich leicht fühlt sich der neue Zustand an. Aufgeräumt ist der Ort, an dem man sie jetzt aufbewahrt – eine Abstellkammer. Auf einfachen Regalbrettern findet sie sich umringt von Gegenständen, die sich im Laufe ihres Lebens angesammelt haben. Kaffeekanne, Sonnenbrille, Wecker, Briefbeschwerer, Schal, Notizbuch. Nicht greifbar für sie im Zustand ihres Komas. Jedoch auf eine Art präsent, bei der sie gar nicht anders kann, als sich an die damit verbundenen Erlebnisse und Begegnungen zu erinnern. So beginnt der Roman „Die Republik der Frauen“ von Giaconda Belli aus Nicaragua. Die Story wird rückwärts aufgerollt. Unter dem Motto „Ich segne mein Geschlecht“ stürzen Viviana und politische Gespielinnen sich auf den Machísmo. Ihre Partei der Erotische Linken (PIE) verfolgt ehrgeizige Ziele. Allen voran das eine: Der Mann muss weg! Verbannt aus allen öffentlichen Ämtern und am besten gleich an den Herd. Natürlich klappt das nicht ganz ohne weibliche Raffinesse, und dem Umstand des glücklichen Zufalls. Ein Vulkanausbruch. Beim Austritt der Lava werden Vulkangase freigesetzt, welche die Wirkung des männlichen Hormons Testosteron reduzieren. Was für ein Glück für die Frauen, dass die Männer plötzlich handzahm in ihre untergeordnete neue Rolle schlüpfen und in einen Zustand von lustloser Lethargie verfallen. Und was für ein Glück, dass José de Arthmética, ein einfacher Mann aus der Masse, Eva Salvatierra (Vivianas kurzfristig einberufener Stellvertreterin) zum Ablauf des Attentats Rede und Antwort steht. Dank all dieser Umstände und dank der Tatsache, dass Viviana mit ihrer vergeistigten Präsenz auch weiterhin das heimliche Sagen hat, hält sich die Regierung über Wasser. Wäre da nicht das allmähliche Nachlassen der Wirkung der Vulkangase … Mit viel Fantasie und Humor erzählt Giaconda Belli von den Frauen in ihrem fiktiven Land Faguas. Faguas liegt vermutlich in Nicaragua, der Heimat der Autorin. Politik, soziales Elend und die Geschlechterfrage sind Bellis persönliche Themen. In den 70er Jahren beteiligte sie sich am Widerstand der Sandinisten gegen die Diktatur. Zeitgleich rüttelte sie mit ihrer erotischen Lyrik an einem Tabu im erzkonservativen Nicaragua. Wie viel Persönliches oder Utopisches steckt in „Die Republik der Frauen"? Die PIE ist keine Erfindung der Autorin. In den 80er Jahren gab es sie tatsächlich. Giaconda Belli war aktives Mitglied. Regiert hat sie jedoch nie. Aktuell ziert der Name Partido de la Izquierda Erótica einen Blog der Autorin. Bellis Politikerinnen regieren im Team. Jede hat ihren Schwerpunkt und bringt besondere Kompetenzen mit in ihr Amt. Jede Frau hat auch ihre ganz persönliche Geschichte. Besonders tragisch ist die von Juana de Arco (Jeanne d´Arc?). Auffallend häufig thematisiert Belli (sexuelle) Gewalt in der Familie. In „Die Republik der Frauen“ wird Weiblichkeit exponiert und Erotik als Mittel zum Zweck eingesetzt. Dass Viviana und ihre politischen Mitspielerinnen überzogen sexy und attraktiv daherkommen, ist vermutlich provokativ zu deuten. Frau wird in Lateinamerika durch die Medien gern als makellos dargestellt. Schönheitswettbewerbe und Telenovelas „produzieren“ weibliche Vorbilder. Belli ist außerdem eine Vertreterin des Magischen Realismus. Vielleicht ja eine der letzten? Zumindest behauptet „Die Zeit“ in einem Artikel vom 30.12.2014: Die Zeit des Magischen Realismus ist vorbei. Tatsächlich? … Gut, es musste irgendwann so kommen. Nichts ist für die Ewigkeit. Schade ist es trotzdem, denn gerade die magischen Elemente in „Die Republik der Frauen“ (der Vulkan, der Schwebezustand der Protagonistin) machen für mich den künstlerisch-wertvollen Teil des Romans aus und faszinieren mich, nach wie vor.

    Mehr
    • 3
  • Rezension zu "Die Republik der Frauen" von Gioconda Belli

    Die Republik der Frauen

    WilmaWitch

    30. September 2012 um 22:10

    Eine verlockende Utopie... In einem südamerikanischem Land, das von Männern regiert wird, gründet sich die Frauenpartei PIE und während des Wahlkampfes bricht der Vulkan aus. Die giftigen Gase stören den Testosteronspiegel der Männer, die Frauenpartei wird gewählt und strukturiert das Land ganz unkonventionell und pragmatisch neu. Ob das alles von den wirtschaftlichen Zahlen klappen kann - keine Ahnung, aber bei vielen der einfachen Lösungen dachte ich mir oft, ja warum denn eigentlich nicht so? Dennoch gibt es wenige Männer, die ihre verlorenen Macht wiedergewinnen wollen, und es wird ein Attentat verübt...

    Mehr
  • Rezension zu "Die Republik der Frauen" von Gioconda Belli

    Die Republik der Frauen

    Wolkenatlas

    12. September 2012 um 11:23

    Was passiert, wenn ein Vulkan für das männliche Geschlecht ungünstige Gase absondert ... Ein Land, in dem alle Männer von staatlichen Positionen ausgeschlossen sind, sogar vom Sicherheitsdienst der Präsidentin, ist der Schauplatz des Romans der nicaraguanischen Lyrikerin und Autorin Gioconda Belli. Ausgelöst durch einen Vulkanausbruch, der gewisse giftige Gase freigesetzt hat, die bei Männern einen Rückgang des Testosterons bewirken und sie harmlos und träge machen, hat die "Partei der erotischen Linken (PIE)" die Wahl gewonnen und die Macht im fiktiven drei Millionen Einwohner Staat Farges in Südamerika übernommen. Im Zuge der Veränderungen im Land übernehmen die Frauen alle Positionen, Männer verschwinden völlig aus der Verwaltung des Landes, sogar die Polizei und der Sicherheitsdienst werden von Frauen geführt und geleitet. Die entlassenen Männer dürfen sich eine Zeit lang bei vollem Bezug als Hausmänner betätigen. Eine ebenso große Herausforderung also für die Frauen und die Männer. Durch diese Verdrehung der Realität schafft Gioconda Belli einen idealen Ausgangspunkt für einen pfiffigen und klugen Roman über die möglichen Auswirkungen einer solchen Situation. Eine Situation, auf die die meisten Männer, überzeugt durch die positiven Veränderungen, wohlwollend und unterstützend reagieren. Da das giftige Gas mit der Zeit nachlässt, gibt es bald aber auch Gegner der Präsidentin und ihrer Partei. Mit einem Attentat auf die Präsidentin, das sie ins Koma versetzt, beginnt der Roman. Aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet Gioconda Belli gekonnt und überzeugend, wie es zu dieser politischen Lage gekommen ist, welche Vorteile dieses System mit sich gebracht hat, aber auch, welche Nachteile diese Politik des Ausschließens gezeitigt hat. Gioconda Belli lässt den Leser an den Gedanken der sich im Koma befindenden Präsidentin teilhaben, die sich in einem Raum mit Dingen wähnt, die sie im Laufe ihres Lebens verloren hat. Das ist ein besonderer Kunstgriff, welcher der Autorin eine wirkliche interessante Möglichkeit gibt, das Leben Vivianas aus immer dichter werdenden Puzzlefeldern zusammenzusetzen. Die männlichen Figuren kommen leider etwas unausgereift und etwas holzschnittartig daher, eindeutig auf persönliche Vorteile pochend, ich-bezogen, aggressiv und fordernd, was aber, wie sich bald herausstellt, von der Autorin bewusst so gewählt ist, um die Erkenntnisse der Männer besser darstellen zu können, die nun elementare tägliche Erledigungen der Frauen als einschneidende Veränderung erleben. Die Autorin spielt durchgehend auch mit symbolischen Situationen, wie der lesbischen Ministerin, die das Ministerium für unbegrenzte Freiheiten leitet. Während sich die unverbesserlichen Männer darüber echauffieren, wie mühsam es ist, täglich über das Familienmenü zu entscheiden und dieses auch noch zu kochen, Wäsche zu waschen und andere Tätigkeiten zu verrichten, die bisher ohne wirkliche Anerkennung von den Frauen verrichtet wurde, beginnen einige einsichtige Exemplare der Gattung Mann zu verstehen, dass das Problem in der täglichen Routine zu finden ist, welche die Energie nimmt, etwas für sich selbst zu tun. Da Gioconda Belli aber eine wirklich große Schriftstellerin ist, gelingt ihr diese Satire um veränderte Macht- und Familien- und Sozialverhältnisse ausgezeichnet. Machtverhältnisse, die doch darauf hinauszielen, dass am Ende das Gemeinsame, das Freie und von Vorurteilen losgelöste Gemeinschaftliche im Mittelpunkt steht. Sie sucht für ihre Protagonisten eigene Stimmen, zeichnet kluge Charakterstudien und fügt am Ende alle funkelnden Ideen in ein sehr überzeugendes Ganzes zusammen. Auch wenn die Maßnahmen drastisch erscheinen, also quasi Vergeltung der Unterdrückung mit einer gespiegelten Unterdrückung, zeigt Gioconda Belli Möglichkeiten auf, die, auch wenn sie bewusst utopisch erscheinen, unter geringfügigen Veränderungen und Auslegungen für eine Verbesserung gewisser politischer Strukturen tauglich sein könnten. Gioconda Bellis Roman "Die Republik der Frauen" stellt ein perfektes Beispiel für Literatur aus Lateinamerika dar, funkelnde Gedanken und eine sehr überzeugende Variante des "Magischen Realismus". Absolute Empfehlung, speziell auch, aber nicht nur, für jene Männer, die noch immer der Meinung sind, dass Windeln wechseln, Wäschewaschen und Kochen Tätigkeiten sind, die aus der Tradition heraus einfach von ihren Frauen verrichtet werden sollen. (Roland Freisitzer; 06/2012) (erstveröffentlicht auf www.sandammeer.at)

    Mehr
  • Rezension zu "Die Republik der Frauen" von Gioconda Belli

    Die Republik der Frauen

    tedesca

    06. June 2012 um 15:02

    Belli bündelt in ihrem neuen Roman viele Ideen und Projekte der Frauenbewegung zu einer durchaus glaubwürdigen Utopie. Klarerweise mutet vieles etwas naiv an, weil sie nur bedingt auf die wirtschaftlichen Grundlagen des fiktiven Staates Faguas eingeht, alles läuft eine Spur zu glatt. Aber im Prinzip könnte es so funktionieren, wenn man den Frauen eine Chance gäbe, ihre Vorstellungen eines gemeinschaftlichen Lebens umzusetzen, die letztendlich ein harmonisches und gleichberechtigtes Leben für alle Bürger des Landes zum Ziel haben. Besonders gut gefallen hat mir die Idee, in welcher Form das Leben an Viviana, die ja im Koma liegt, revue passiert. Es geschieht anhand verloren gegangener Gegenstände, die in einem Lagerraum darauf warten, von ihr berührt zu werden, um ihre Geschichte zu erzählen. Geschichten von Liebe, Verlust, Freundschaft und den Mut, eigene Ideen zu formulieren, zu verbreiten und letztendlich auch umzusetzen. Es geht um starke schöne Frauen, die Erotik und Selbstbewusstsein propagieren und so überhaupt nicht dem Vorurteil der Emanze im grauen Hosenanzug entsprechen, die ihre Weiblichkeit verleugnen und im Grunde nur die Rollen der Männer übernehmen wollen. Alles in allem greifbarer sanfter Feminismus, der sich trotzdem durchzusetzen vermag, ein Leseerlebnis, das zum Nachdenken anregt. Ein Buch, das eigentlich von Männern gelesen werden sollte, denn wir Frauen wissen ja bereits, dass wir viele Dinge anders anpacken und damit Erfolg haben würden.

    Mehr
  • Rezension zu "Die Republik der Frauen" von Gioconda Belli

    Die Republik der Frauen

    michael_lehmann-pape

    10. May 2012 um 10:40

    Eine literarische Reflektion Testosteronmangel, das war die Chance in diesem fiktiven kleinen südamerikanischen Land Faguas mit seinen (ebenso fiktiven) drei Millionen Einwohnern. Ein Vulkanausbruch setzte giftige Gase frei, welche konsequent auf Männer sehr, sehr verharmlosend, träge machend wirkten. Testosteron wurde abgebaut im männlichen Körper. Die Chance für die Frauen des Landes, die Chance für die „Partei der erotischen Linken“ (PIE), auf deren Fahne als Symbol ein Frauenfuß mit rot lackierten Nägeln prangt. Sie gewinnt die Wahlen und macht sich daran, das gesamte Land umzukrempeln. Weg von der Korruption, weg davon, dass Gesetze immer nur zur Beugung durch die Mächtigen vorhanden waren, weg von Ungleichheit und Unfreiheit. Polizei und Sicherheitskräfte, alles wird angeführt von Frauen. In der gesamten Verwaltung ist kein Platz mehr für Männer. Ein „stiller Staatstreich“ sondergleichen, an der Spitze Viviana Sanson, die neue Präsidentin und ihre Ministerinnen, jede mit ausgeprägtem Charakter und ganz eigener Geschichte. Und durchaus auch viele der Männer lassen sich im Lauf der Zeit überzeugen, dass diese Frauen Regierung vieles zum Besseren gewendet hat. Viele, aber nicht alle Männer. Und so langsam lässt auch die Wirkung des Gases nach, das „Männliche“ regt sich wieder hier und da und regt sich durchaus auf. Was schon zu Beginn des Buches deutlich im Raume steht. Ein Attentat auf die Präsidentin findet statt und von dieser Ausgangslage aus rollt Belli das gesamte Projekt der „neuen Regierung“, der „weiblichen Werte“ vor den Augen des Lesers aus. Schildert aus diversen Perspektiven, beginnend bei der Präsidentin, die im Zwischenstadium zwischen Tod und Leben ihr Leben Revue passieren lässt über ihre Wegbegleiterinnen und anderen Figuren des Landes. In hochwertiger Sprache stellt Belli ihr Thema dar. Sie, die selbst Befreiungskämpferin war, die selbst für die Ideale und die Werte der Freiheit und der Demokratie angetreten ist, lässt anhand der Polung zwischen männlichen und weiblichen Herangehensweisen das ständige Scheitern wirklicher Demokratie, die ständige Beschneidung der breiten Freiheit durch Eigensinn , Machtanspruch und Korruption Revue passieren. Vor allem die energische und vorantreibende lesbische Ministerin Martina steht hier als Symbol für absolute bürgerliche Freiheiten, die in ihrer eigenen Geschichte lange genug ihre Neigung hat verbergen müssen. Sie leitet nun das „Ministerium für unbegrenzte Freiheiten“. Aber nicht nur in dieser Hinsicht, in so vielem versuchen die Frauen einen ganz anderen Anfang zu setzten. Ob sich diese Utopie an den Realitäten bricht oder durchsetzt, zumindest im Roman? Ein wenig platt wirkt es schon zunächst, die beiden Pole, die Belli aufbaut. Dennoch gelingt dieser Kunstgriff, das Männliche als fordernd, aggressiv, individuell, nur auf den eigenen Vorteil bezogen zu charakterisieren und demgegenüber die Fiktion einer Führung aufzubauen, die das Gemeinschaftliche, das „Aufgeräumte“, das Freie in den Mittelpunkt rückt. So bietet das Buch sowohl vordergründig ausgereifte psychologische Charakterstudien der Protagonisten und im Gesamten eine literarische Form der freien, der möglichen Gesellschaftsform. „Ordnung schaffen in diesem schmutzigen Haus“, das ist das Ziel der Frauen und das ist sicherlich auch der tiefe Wunsch der Giaconda Belli. Eine Illusion? Belli selbst hat das ja alles miterlebt, die Hoffnungen, die Enttäuschungen, das Abgleiten wieder in althergebrachte Strukturen und das Wagnis immer wieder eines neuen Anfangs. Spannung findet sich in diesem Roman nicht, wohl aber eine kluge Überlegung über das, was dieser Welt an Demokratie und Freiheit helfen könnte, woher dies wohl nicht kommen wird (aus Erfahrung) und woher dies zu beziehen wäre (als Experiment), in einer nur auf den ersten Blick „merkwürdigen“ dann aber im Buch durchaus funktionierenden „Machtkonstellation“. Die nicht aus Einsicht heraus entsteht oder aus Mehrheiten heraus, sondern für die es schon ein Naturereignis braucht, um ihr eine Chance zu geben. Durchaus lesenswert.

    Mehr
  • Rezension zu "Die Republik der Frauen" von Gioconda Belli

    Die Republik der Frauen

    Gospelsinger

    04. May 2012 um 02:57

    Nach Lektüre dieses Buches finde ich es schade, dass Berlin keinen Vulkan hat, denn ein Vulkanausbruch kann durchaus etwas Gutes haben, wie die Ereignisse in dem fiktiven lateinamerikanischen Land Faguas zeigen. Dort sind die Männer durch den Kontakt mit dem Rauch des Vulkans so träge geworden, dass die Frauen ganz problemlos die vollständige Macht über das Land übernehmen konnten. Eine Entwicklung, die dem Land erwartungsgemäß sehr gut tut. Endlich werden die Ungerechtigkeiten, die Frauen überall auf der Welt erleiden müssen, weil sie diejenigen sind, deren Lebensentscheidungen durch die Geburt von Kindern behindert werden, ausgeglichen. Denn bisher galt: „Wir sind zwar Teil der Arbeitswelt, doch die Arbeitswelt hat sich uns nicht angepasst, sie ist für Männer gemacht, die zu Hause Ehefrauen haben. Wenn wir Frauen die Welt organisiert hätten, dann wären Arbeit und Familie nicht getrennt.“ Konsequent werden nun die Männer aus dem öffentlichen Leben verdrängt und dürfen Geschmack daran finden, zu Hause zu bleiben und zu kochen. Endlich wird eine Gesellschaft der Gleichen und Gleichwertigen möglich. Sehr schnell kommen die Männer zu ungewohnten Einsichten: „Sie begannen zu verstehen, dass das eigentliche Problem in der immer gleichen tagtäglichen Routine bestand, die ihnen die Energie nahm, noch etwas für sich selbst zu tun. Da hat man doch nichts mehr vom Leben, sagte Adolfo am Schluss im Interview, man kommt nicht einmal mehr zum Nachdenken. Diese Arbeit müsste bezahlt werden, meinte Jaime, Tag für Tag entscheiden zu müssen, was gekocht werden sollte, das hat mich echt fertig gemacht, ich sag´s euch. Das ist nichts für mich.“ Weitere wesentliche Punkte der Frauenregierung sind die Einführung des Pro-Kopf-Glücks anstelle des Bruttosozialprodukts als Maßstab der Entwicklung und die Verschönerung des öffentlichen Raumes, weil dies auch Auswirkungen auf das Verhalten der Menschen hat. Das alles klappt sehr gut, bis die Vorsitzende der Partei der Erotischen Linken, die das Land regiert, angeschossen wird und ins Koma fällt. Nun droht die gerade etablierte neue Ordnung, ins Wanken zu geraten. Aber die Präsidentin Viviana lässt sich auch von einem Koma nicht erschüttern… Ich habe seit über 20 Jahren nichts mehr von Gioconda Belli gelesen, und das war ein Fehler, denn sie schreibt einfach unglaublich gut, voller Humor und Wärme. Die Art, wie Belli mehr über die Vergangenheit ihrer Protagonistin mitteilt, ist äußerst ungewöhnlich und geschickt. Während ihres Komas wähnt Viviana sich in einem Raum mit Dingen, die sie irgendwann verloren hat. Und jedes Teil hat eine Geschichte, die nun erzählt wird. Wie ein Puzzle setzt sich so das Leben Vivianas zusammen. Das liest sich genauso gut wie die Handlung selbst, in der die Geschlechterverhältnisse einmal ganz anders sortiert werden. Sympathische Charaktere und eine herrliche satirische Geschichte runden dieses wunderbare Buch ab, dem ich viele Leserinnen und Leser wünsche und das auf meinem Lieblingsbuchregal landet.

    Mehr
  • Was ist LovelyBooks?

    Über Bücher redet man gerne, empfiehlt sie seinen Freunden und Bekannten oder kritisiert sie, wenn sie einem nicht gefallen haben. LovelyBooks ist der Ort im Internet, an dem all das möglich ist - die Heimat für Buchliebhaber und Lesebegeisterte. Schön, dass du hier bist! Mehr Infos

    Buchliebe für dein Mailpostfach!

    Hol dir mehr von LovelyBooks