Giorgio Fontana

 4,5 Sterne bei 4 Bewertungen

Lebenslauf von Giorgio Fontana

Giorgio Fontana, geboren 1981 in Saronno in der Lombardei, studierte Philosophie und arbeitet als Journalist und Buchautor. Er veröffentlichte bereits zahlreiche Essays. Sein Debütroman "Im Namen der Gerechtigkeit" war sein erster auch ins Deutsche übersetzte Roman, wofür er mehrere Preise erhielt.

Alle Bücher von Giorgio Fontana

Cover des Buches Tod eines glücklichen Menschen (ISBN: 9783312006649)

Tod eines glücklichen Menschen

 (4)
Erschienen am 27.07.2015
Cover des Buches Im Namen der Gerechtigkeit (ISBN: 9783312005734)

Im Namen der Gerechtigkeit

 (0)
Erschienen am 29.07.2013

Neue Rezensionen zu Giorgio Fontana

Cover des Buches Tod eines glücklichen Menschen (ISBN: 9783312006649)M

Rezension zu "Tod eines glücklichen Menschen" von Giorgio Fontana

Ein Staatsanwalt - die Terrorgruppe Brigate Rosse - der Glaube - die Justiz
Maselivor einem Jahr

Es sind die Jahre der „Brigate Rosse“, einer linksextremen Terrorgruppe, die auch in der Lombardei Angst und Schrecken verbreitet. Der junge Staatsanwalt Colnaghi, Katholik und politisch der Democrazia cristiana zuzuordnen, soll den Mörder eines Politikers finden und ihm den Prozess machen.

Die berufliche Karriere bringt das Familienleben durcheinander, worunter seine Familie, am meisten aber sein älterer sensibler Sohn, leidet.

Mit der Verhaftung des jungen Topterroristen Gianni Meraviglia ändert sich sein Leben. In den Gesprächen mit Meraviglia versucht er zu verstehen, warum es diese große und ungebrochene Gewaltbereitschaft gibt. Zugleich sieht er die Justiz am Scheideweg, die nicht nur einfach verurteilen soll  sondern sich aktiv der Lösung des Problems stellen muss.

Meine persönlichen Eindrücke

Es ist dies durchaus kein unterhaltender Roman und ein paar Kenntnisse der jüngeren italienischen Geschichte unabdingbar, um ihn zu verstehen. Die Beschreibung der Lebensverhältnisse in der Lombardei, der Einfluss der katholischen Kirche auf Gesellschaft und Familie und der Stellenwert der Familie selbst lassen den Leser, der sich mit der Thematik Partisanen und Entwicklung der Republik nach dem 2. Weltkrieg nicht beschäftigt (hat), schwer verständlich erscheinen. Zu groß ist der Unterschied zur heutigen Zeit.

Die Romanfigur des Staatsanwalts wird geteilt in zwei Welten.

In einer ist er Vater seines sensiblen Sohnes, Sohn seiner Mutter und Ehemann seiner Ehefrau. In der anderen steht er einem kleinen Team vor, steht vor einer großen Karriere, ist gezeichnet von seinem unerschütterlichen Glauben. Die beiden Welten treffen sich in einem filigranen Zusammenspiel, das der junge Schriftsteller mit sehr großem Einfühlvermögen beschreibt. Begleitet wird die Geschichte von Lebensabschnitten des Vaters, die immer wieder eingeblendet werden und das Gesamtbild vervollständigen. Fontana schreibt über ein Zeitfenster, das gezeichnet war von Terror, Toten und dem Verlangen nach Vergeltung.

Fazit

Giorgio Fontanas Roman „Tod eines glücklichen Menschen“ ist ein überzeugender Roman über die Terrorjahre der Brigate Rosse, erzählt am Leben des Staatsanwaltes Colnaghi, der verstehen will und damit eine Lösung herbeizuführen versucht. Die Beschreibung der letzten Lebensaugenblicke haben mich ins Knochenmark getroffen. 

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Cover des Buches Tod eines glücklichen Menschen (ISBN: 9783312006649)W

Rezension zu "Tod eines glücklichen Menschen" von Giorgio Fontana

Ein intensiver Roman, der ein ganz anderes Italien zeigt, eines, das Hoffnung macht
WinfriedStanzickvor 6 Jahren



Giorgio Fontana, ein junger 1981 geborener italienischer Schriftsteller aus Mailand, gehört seit seinem Debütroman  "Im Namen der Gerechtigkeit" zu der glücklicherweise immer größer werdenden Zahl italienischer Schriftsteller und Intellektueller, die den moralischen Zustand und Verfall ihres Heimatlandes nicht länger hinnehmen wollen und mit ihren Büchern und öffentlichen Auftritten dem etwas entgegen setzen, das für Italien hoffen lässt.

In seinem hier vorliegenden Roman geht es zum einen um die Aufarbeitung der Zeit des Terrors der Roten Brigaden in Mailand und zum anderen um das Streben nach Gerechtigkeit und wie schnell es geschehen kann, dass sich ein Staatsanwalt in seinen Prinzipien denen annähert, die er aus moralisch und juristischen absolut lauteren Gründen verfolgt.

Staatsanwalt Colnaghi, die Hauptperson seines neuen, wieder bei Nagel & Kimche erschienenen Romans, hat  dieses Engagement von seinem Vater geerbt, der im Krieg im Widerstand gegen die Nazis kämpfte und dabei seine Familie und seinen Sohn im Stich ließ.

In schraffiert gedruckten Rückblicken beschreibt Fontana diese Widerstandsgeschichte des Vaters und stellt sie immer wieder  dem im Jahr 1981 angesiedelten Handeln seines Sohnes gegenüber.

Der ist mit missionarischem Eifer damit beschäftigt, den Roten Brigaden auf die Spur zu kommen. Dabei will er beim unermüdlichen Studium von deren aufgeblasenen Manifesten herausfinden, was diese Terroristen bewegt. Welche Vorstellung von einer gerechten Gesellschaft haben sie und wie unterscheidet sie sich von seiner eigenen? Als er in einer spektakulären Aktion den Top-Terroristen Gianni Meraviglia fassen kann, ist Colnaghi nicht wirklich zufrieden. In unzähligen Gesprächen versucht er zu verstehen, welche Ideale und Werte es rechtfertigen, ein Menschenleben zu vernichten und in der Folge noch mehrere andere von Familienmitgliedern dazu, was Tanja Kinkel in ihrem neuen Roman „Schlaf der Vernunft“   auf beeindruckende Weise gezeigt hat.

Auch Meraviglia träumt von Gleichheit und Gerechtigkeit, aber er wählt einen komplett anderen Weg. An diesen Gegensätzen leidet der Leser, gerade wenn er diese bleiernen Zeiten in Italien und in Deutschland miterlebt hat, mit. Bei Colnaghi kommt noch dazu, dass er sich immer wieder mit seinem  Vater vergleicht, dessen Widerstands- und Lebensgeschichte Fontana parallel erzählt und dabei manches entdeckt, was ihm gar nicht gefallen will.

Ein intensiver Roman, der ein ganz anderes Italien zeigt, eines, das Hoffnung macht.

Dass es in unserer Welt nicht erst seit kurzem eine Form von Gewalt und Terror gibt, für die die Frage nach Gerechtigkeit gar keine Bedeutung mehr hat, steht auf einem anderen Blatt.

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Giorgio Fontana wurde am 22. April 1981 in Saronno (Italien) geboren.

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