Gisela Friedrichsen

 4,3 Sterne bei 7 Bewertungen
Autor*in von Der Prozess, Im Zweifel gegen die Angeklagten und weiteren Büchern.

Lebenslauf

Gisela Friedrichsen ist die bekannteste Gerichtsreporterin Deutschlands. Sie arbeitete 16 Jahre lang als Redakteurin bei der »Frankfurter Allgemeinen Zeitung« und berichtete danach von 1989 bis 2016 für den »Spiegel«. Seit 2016 schreibt sie für die »Welt«. Sie veröffentlichte mehrere Bücher, darunter eine Sammlung von Gerichtsreportagen, »Ich bin doch kein Mörder« (DVA, 2004) und ein Buch über den Prozess im Fall Pascal, »Im Zweifel gegen die Angeklagten« (DVA, 2008). Gisela Friedrichsen wurde für ihre Gerichtsreportagen mehrfach ausgezeichnet.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Gisela Friedrichsen

Cover des Buches Der Prozess (ISBN: 9783328600183)

Der Prozess

(3)
Erschienen am 10.06.2019
Cover des Buches Ich bin doch kein Mörder (ISBN: 9783421057815)

Ich bin doch kein Mörder

(2)
Erschienen am 07.09.2004
Cover des Buches Im Zweifel gegen die Angeklagten (ISBN: 9783421043344)

Im Zweifel gegen die Angeklagten

(2)
Erschienen am 02.10.2008
Cover des Buches »Ich bin doch kein Mörder« (ISBN: 9783866745896)

»Ich bin doch kein Mörder«

(0)
Erschienen am 01.03.2019

Neue Rezensionen zu Gisela Friedrichsen

Cover des Buches Im Zweifel gegen die Angeklagten (ISBN: 9783421043344)
Holdens avatar

Rezension zu "Im Zweifel gegen die Angeklagten" von Gisela Friedrichsen

Holden
Justizkatastrophe bis Justizdebakel

Das angebliche "Megaverbrechen" um die Tosa-Klause in Saarbrücken, ein fast beispielloses Stück Justiz- und Polizeiversagen. Es bleibt einem einfach die Spucke weg, wie mit den vermeintlichen Verbrechern (alles Leute vom Gesellschaftsrand und häufig nicht besonders intelligent) umgegangen wurde, wie ihnen Worte in den Mund gelegt wurden und die Wahrheit verdreht wurde. Daß noch nicht einmal Vorgesetzte und Staatsanwälte eingegriffen haben und der Farce ein Ende gesetzt haben, ist unverzeihlich. Das Leben der Justizopfer wurde zerstört, und ganz zu oberst kommt noch der "Freispruch zweiter Klasse" durch Richter Chuboda. Wenigstens werden hier mit den Namen der Richter und des Oberstaatsanwalts Roß und Reiter genannt, Konsequenzen hatte das Ganze für die handelnden Beamten (!) sicher nicht, Annegret Kramp-Karrenbauer hat die vernehmenden Beamten hinter her zum Grillen eingeladen. Ein Skandal erster Güte, man wüßte nicht, ob man in der Rolle der Angeklagten das so überstanden hätte.

Cover des Buches Der Prozess (ISBN: 9783328600183)
Trishen77s avatar

Rezension zu "Der Prozess" von Gisela Friedrichsen

Trishen77
Gelungene Zusammenfassung

„Die Erwartungen waren übergroß. Es sollte ein historischer Prozess werden, einer von außergewöhnlicher Dimension, ein Mahnmal. Denn erstmals seit dem Ende des NS-Regimes standen wieder Nazis vor Gericht unter dem Vorwurf, allein aus rassistischen Gründen gemordet zu haben oder in solche Mordtaten verwickelt gewesen zu sein. Die Abgründe und das Ausmaß der modernen Hitlerei sollten nun endlich ans Licht der Öffentlichkeit kommen.“

So beschreibt Gisela Friedrichsen im Vorwort die Erwartungen der Medien und gibt gleichsam die (überzogene) Vorstellung der Mehrheit der Bevölkerung, den Prozess betreffend, wieder.

Natürlich will auch sie die Symbolkraft und Bedeutung des Prozesses und seiner Thematik nicht kleinreden, aber ihrer Darstellung ist von Anfang an klar anzumerken, dass sie, als erfahrene Berichterstatterin, schon weiß, dass ein Prozess in manchen Momenten zwar einem Schauspiel gleichen mag, bei dem viel offenbart wird, nicht bloß im Bereich des Verhandelten, aber dennoch ein Gericht kein Verhandlungsort der moralischen oder gesellschaftlichen Debatte ist, sondern der Ort, an dem Beweisführung und Rechtsauslegung stattfinden, mit dem Ziel, einige klar umrissene Anklagen zu be- oder zu widerlegen.

Dies führt sie in ihrem Vorwort aus und schließt nüchtern und bestimmt mit der ebenso klar umrissenen Absicht des Buches:

„Es soll gezeigt werden, anhand welcher Indizien und Aussagen das Gericht zu der Überzeugung gelangte, der Kern des NSU habe aus nicht mehr als drei Personen bestanden, die, zwar nicht ohne Mithilfe, aber doch ohne konkretes Mitwissen anderer, die Verbrechen begingen.“

Nach Eva Menasses Bericht über den Prozess David Irving gegen Deborah Lipstadt (dem sogenannten Holocaust-Prozess), war dies erst meine zweite Lektüre eines Gerichtsprotokolls. Wobei die Bezeichnung Protokoll irreführend ist – wäre das Buch ein Protokoll des Prozesses im engeren Sinne, hätte es wohl nie in Buchform erscheinen können; allein Friedrichsen hatte am Ende der 5 Prozessjahre 80 DinA4 Hefte mit Notizen vollgeschrieben.

Auf den dreihundert Seiten von „Der Prozess“ findet sich mehr so etwas wie die Quintessenz, ein geschilderter Ablauf des Verfahrens, gegliedert nach Jahren und untergliedert in einzelne zentrale Verfahrenspunkte. Zeug*innenaussagen, Stellungnahmen, Einwürfe und Plädoyers werden zwar durchaus wörtlich zitiert, oft werden Aussagen aber subsummiert, Entwicklungen zusammengefasst.

Friedrichsen gelingt ein durchaus anschauliches Portrait des Prozesses und seiner Charaktere, angefangen beim Vorsitzenden Manfred Götzl, den sie vielleicht einmal zu oft lobt und in Szene setzt (der aber wohl ein dankbarer Kandidat für derlei ist), über die Ankläger*innen und Verteidiger*innen bis zu den Zeug*innen. Auch die wichtigen Momente, Umbrüche und Wendungen, hebt sie gut hervor, wobei sie manchen, teils aberwitzigen, aber auch sehr bedenklichen Zeug*innenaussagen vielleicht etwas viel Raum einräumt (wobei gerade derlei natürlich Unterhaltungswert hat).

Auch die Beschreibungen der Schwierigkeiten des Verfahrens – Zschäpes Zerwürfnis mit ihren Verteidiger*innen, die Befangenheitsanträge en masse, die vielen Anträge der Anwält*innen der Nebenkläger*innen – kommen nicht zu kurz. Zusätzlich übernimmt Friedrichsen noch eine reflektierende Funktion, in dem sie immer wieder Fragen zu den gerade gemachten Aussagen aufwirft und auch auf die unbeantworteten von ihnen hinweist.

Wer sich mit dem NSU auseinandersetzen will, den Verbrechen und den Hintergründen, der Entstehung und dem Umfeld, für den wird das Buch wohl eher nicht genug bereithalten, wobei durchaus einiges zutage tritt, vieles kann aber im Prozess nicht genug verfolgt werden. Wer sich aber tatsächlich über den Prozess und seine Hintergründe, seine Ausläufer und die darin angestellten Überlegungen und festgestellten Tatsachen gesammelt informieren will, der wird wohl kein besseres Buch als dieses finden.

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