Gisela Graichen Die neuen Hexen

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Inhaltsangabe zu „Die neuen Hexen“ von Gisela Graichen

Die Hexen sind wieder da, und sie sind unter uns. Frauen und Männer, die sich bewusst "Hexe" nennen: "hagazussa", die auf dem Zaun zwischen den Welten reitet, der rational-logischen und der emotional-intuitiven Welt. Für dieses Buch waren sie bereit zu sprechen, die Grenzgänger und Hexen von heute.

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  • Rezension zu "Die neuen Hexen" von Gisela Graichen

    Die neuen Hexen

    rumble-bee

    04. April 2012 um 15:58

    Zugegeben, ein wenig merkt man dem Buch sein Alter schon an. Es erschien 1986, und die Autorin, die Diplom-Volkswirtin und Publizistin Gisela Graichen, hat die Recherche weitestgehend im Verborgenen führen müssen, was heute sicher nicht mehr so dramatisch wäre. Über verschlüsselte Zeitungsanzeigen und Treffen unter Decknamen an geheimen Orten lief sie seit 1979 (!), seit dem phänomenalen Erfolg einer volkskundlichen Ausstellung zum Thema "Hexen" in Hamburg, quer durch Deutschland, um Interessierte für diese Veröffentlichung zu gewinnen. Am Ende sind es - sinnigerweise - 13 (!) Gespräche geworden, die Eingang in dieses Buch gefunden haben. Auch der Autorin selber merkt man ihre grundsätzliche Verunsicherung dem Thema gegenüber durchaus an. So schreibt sie ein ausführliches, einleitendes Kapitel, in dem sie sich nach allen Seiten absichert - es liest sich fast wie eine sozialwissenschaftliche Abhandlung. Nur kein falsches Interesse demonstrieren. Sie betont ausdrücklich die zahlreichen Querverbindungen, die sich zu Bereichen wie Frauenbewegung, Eso-Szene oder Ökologie ergeben. Erfreulicherweise unterstreicht sie aber auch schon in dieser Einleitung die zahlreichen Vorurteile und Missverständnisse, denen teils noch gestandene Politiker aufsitzen, falls es einmal um das Thema "Hexen" in der Öffentlichkeit geht. Nur zu gerne wurden und werden Hexen nämlich mit Okkultismus und Satanismus in einen Topf geworfen, was aber falscher gar nicht sein könnte. Ein wenig gestört hat mich an diesem Vorwort die Tatsache, dass sie - teilweise wörtlich - ausführliche Passagen aus den späteren Gesprächen einfügt, die sich dann eben wiederholen. Das war ein wenig einfallslos. Dann hätte man dieses einleitende Kapitel kürzen können. Oder war es gar ursprünglich als einzelne Veröffentlichung geplant...? Mag sein. Die Einleitung schließt jedenfalls mit einem recht unentschlossenen Vergleich: welche Kerze nun "besser" geweiht sei, die mit einem Zauberspruch belegte von einer Hexe, oder die vom Priester gesegnete... Meiner Ansicht nach hätte die Autorin, gerade (!) bei einem solch emotionalen Thema, deutlicher Stellung beziehen dürfen. Aber das hat sie sich zu jener Zeit wohl nicht getraut. Die einzelnen Gespräche sind jedoch durch die Bank weg faszinierend! Teilweise sind es Frauen, die ihren bürgerlichen Beruf aufgegeben haben, und nun "nur noch" Hexen-Seminare veranstalten. Frauen, die in einer "magischen" WG leben. Frauen, die Beamtinnen sind oder sonstige öffentliche Funktionen bekleiden, ja, sogar zwei Männer in gehobener Stellung. Viele möchten nur unter ihrem religiösen Pseudonym genannt werden, weil sie sonst berufliche Nachteile befürchten. Und manche machen eindeutige Vorgaben: sie seien nur unter der Bedingung zu dem Gespräch bereit, dass das Buch am Ende ein zumindest neutraler, oder Mut machender Bericht wird. Die Motivation, Hexe zu werden, war jeweils ganz unterschiedlich, und wird auch unterschiedlich von den Beteiligten gelebt. Deutlich wird aber in jedem Falle, dass hier eine ernsthafte Religion (!) gemeint ist, kein "Budenzauber", keine Taschenspielerei. Leider ist das Wort "Hexe" in der deutschen Sprache so negativ besetzt, und es lässt sich kaum wertneutral darüber diskutieren, ohne auf verminte Felder zu stoßen. Mir wurde durch dieses Buch jedoch klar, dass die Magie, die Zauberei, eigentlich eher ein Nebenprodukt (!!) dieser Religion ist, der es im Wesentlichen um Balance mit der Natur und um die Entwicklung des eigenen Selbst geht. Was ich zu 100 % begrüße! Angenehm fand ich, dass die Autorin in den einzelnen Abschnitten nur sehr sparsam Fragen gestellt hat, nur manchmal dezent provozierend. Sie lässt die Beteiligten eher für sich selber sprechen; manchmal bleiben die Fragen, die sie gestellt haben mag, gleich ganz weg. So entstehen sehr lebendige Texte, die dem Leser zeigen, was für ein reiches Kulturgut mit dem Hexenglauben am Wiedererstarken ist. Schön auch die Tatsache, dass reichlich auf hilfreiche Literatur (wie Starhawk, Gerald Gardner, Margaret Murray, Alex Sanders, usw.) hingewiesen wird. Ich habe dieses Buch in kürzester Zeit verschlungen, und kann es nur jedem empfehlen, der sich auch nur im entferntesten für das Thema interessiert - und der lernen möchte, dass "Hexen" auch nur normale Menschen sind. Nun ja - normal in dem Sinne, dass sie Achtung für die Schöpfung und das Leben empfinden.

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