Gisela Kleine Ninon und Hermann Hesse

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Inhaltsangabe zu „Ninon und Hermann Hesse“ von Gisela Kleine

Ninon war vierzehn Jahre alt, als sie 1910 an den berühmten Autor des Peter Camenzind schrieb – zwanzig Jahre später wurde sie seine Frau.Nach Jahren der Korrespondenz besucht Ninon – inzwischen von ihrem ersten Mann, dem Wiener Künstler Benedikt Fred Dolbin, getrennt – Hermann Hesse erstmals 1922 im Tessin. Fünf Jahre später bricht sie alle Brücken hinter sich ab, verkauft ihr Elternhaus, löst ihren Wiener Hausstand auf, um Hesse aus einer lebensbedrohenden Krise zu retten. Sie wird zu seiner Vertrauten und ist ihm besonders in der krisenhaften Zeit des Steppenwolfs so unentbehrlich, dass der Schriftsteller das Wagnis einer dritten Ehe eingeht. Es wird eine harmonische Ehe, die über drei Jahrzehnte bis zu Hesses Tod währt. Doch wer war diese außergewöhnliche Frau, die Hesse von der Zerrissenheit des mittleren Lebensjahrzehnts zur inneren Stabilisierung und Ausgewogenheit seines Spätwerks führte? Und dabei auch ihre eigenen kunsthistorischen Interessen nicht vernachlässigte? Gisela Kleine erzählt fesselnd und einfühlsam die Geschichte dieser Ehe und zeigt, wie die dialogische Gemeinschaft mit Ninon auch das Werk Hermann Hesses geprägt hat.

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  • Biographie einer wechselvolle, aber intensiven Ehe

    Ninon und Hermann Hesse

    michael_lehmann-pape

    10. February 2017 um 13:53

    Biographie einer wechselvolle, aber intensiven Ehe „Nicht mit Dir und nicht ohne Dich“, das könnte man für lange Zeit als das äußere Motto, die Überschrift über die Ehe zwischen dem damals langsam berühmt werdenden und psychisch labilen, wechselhaften Schriftsteller und seiner durchaus starken, aber auch stark in sich und mit sich beschäftigten Ehefrau und Mutter seiner Kinder setzen. „Zur Unterordnung des Lebens unter seine Kunst“, dazu war Hesse zumindest nach außen auftretend fest entschlossen. Wobei man, nicht nur nach der Lektüre dieser umfassenden Betrachtung des Ehelebens, eben auch konstatieren muss, dass Hesse teilweise einfach der Unfähigkeit, eigenen Impulsen zu widerstehen, damit eine Argumentation nach außen auch gegeben hat. „Als Einsamer und Außenseiter“ lebte Hesse nicht nur, sondern stilisierte sich ebenso durchaus mit Leidenschaft. Was auch gegenüber seiner Frau durch Launenhaftigkeit und häufige Flucht (auch in Krankheiten) in Richtung „Kur in Italien“ sich bemerkbar machte und damit die Beziehung mehr und mehr mit unter Druck setzte. Andererseits, der nach außen strikt beherrschte Hesse fand, wie auch seine Frau, im Privaten jenen Ort, und das arbeitet Kleine hervorragend heraus, ein Leben „jenseits von Rolle und Maske“. Je mehr somit Kleine in das Private eindringt, desto klarer wird auch, wie sich damit die autobiographische Darstellung und vom biographischen Hintergrund und der wirklichen Lebensform löst. Und darin war Ninon Hesse kein „Opfer“, auch wenn sie Opfer brachte, was vor allem ihre eigenen, für die damaligen Zeiten außerordentlichen beruflichen Möglichkeiten und Interessen anging. So fand Ninon Hesse keine Zeit, ihre Forschungsarbeit über die griechische Mythologie zu vollenden, hat das ein oder andere Mal ihren Missmut über die Unterordnung unter Herrmann Hesses „Qualen“ geäußert, hat aber dennoch mit sich im Reinen das „hilfsbereite Mittragen des Lebens“ des Schriftstellers bis hin zur „Türwächterin“ der späten Jahre für sich angenommen. Eine grundlegende Verbindung und meist unausgesprochene Übereinkunft zwischen den Eheleuten, die Kleine akribisch herausarbeitet und fein erzählt vor die Augen des Lesers führt, der damit noch einmal aus anderer Perspektive als in den bisherigen Biographien Hesses in dessen privates Leben eintauchen kann. „Er hasste den Betrieb, in dem er steckte“, so formuliert Ninon den Wendepunkt im gemeinsamen Leben, die Entscheidung Hesses, den „Brot und Butter Beruf“ zu verlassen. Mit den Folgen, zumindest in Teilen, die mangelnde Sicherheit und die persönliche Reizbarkeit auch körperlich (u.U. psychosomatisch) abzuarbeiten. Wobei auch Ninon selbst verändernd auf ihren Mann wirkte, was Kleine anregend durch Querverbindungen zum Werk (z.B. der Bedeutungswandel der „Schlange“ bei Hesse) zumindest in interessanten Thesen belegt. Erfahrungen aus der Partnerschaft und Ehe, die sich im Spätwerk dann stark niedergeschlagen wiederfinden. Chronologisch legt Kleine diese Ehegeschichte gut lesbar vor und bietet lebendige Eindrücke in das Alltagsleben und die Wirkung des gemeinsamen Lebens in beider persönliche Prägungen und Ausrichtungen hinein. Und dokumentiert damit, wie sehr Ninon einerseits auf das Werk Hesses eingewirkt hat und wie sehr Hesse „lebensverändernd“ in Ninons Leben schon in frühen Jahren getreten ist. Eine interessante Lektüre.

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