Gisela lebt bis zu ihrem vierten Lebensjahr glücklich mit ihren Eltern zusammen. Dann bricht der Krieg aus und sie wird sehr bald in die Fremde evakuiert, wo sie zusammen mit ihrem Cousin und der gemeinsamen Oma sehr beengt untergebracht ist. Nach Kriegsende muss sie mit sämtlichen Reichsdeutschen zurück in ihre Heimat. Das mag harmlos oder gar erleichtert klingen, doch in Wirklichkeit bedeutet es einen Fußmarsch in einem Treck verzweifelter Menschen über acht unglaublich lange entbehrungsreiche Monate. Sie lernt Hunger und katastrophale hygienische Zustände kennen und fürchtet sich vor den allgegenwärtigen bewaffneten und lauten Russen.
Dieser sehr gut erzählte Tatsachenbericht liest sich wie ein spannender Roman und oft bleibt dem Leser nahezu das Herz stehen vor Mitgefühl. Angenehm empfand ich zudem die Großschrift.
Als ich das Buch zur Seite legte, musste ich an meine Eltern denken. Meine Mutter ist nur ein Jahr älter als die Autorin und mein Vater wurde mit seiner Familie aus seiner Heimat Pommern vertrieben.
Besonders nahe ging mir, dass die Autorin heute noch – nach mehr als sechzig (60!) Jahren beim Ertönen von Alarmsirenen vor Schreck erstarrt; so tief sitzt die Erinnerung an die Kriegsschrecken im Körper fest.
Gestohlene Kindheit ist eine treffende Bezeichnung, doch das tatsächliche Ausmaß der Kriegsschäden hat die kleine Gisela erst Jahre später begriffen.







