In "Into that Darkness" spricht die Journalistin Gitta Sereny mit Franz Stangl, der unter anderem Lagerkommandant von Treblinka und involviert in T4 war. Neben Stangl interviewt sie auch noch seine Familie, insbesondere seine Frau, ehemalige Kollegen, Häftlinge und weitere Weggefährten. Beeindruckend ist nicht nur die Fülle an Interviews, sondern auch, wie ehrlich teilweise die Menschen und Täter mit ihr sind. Dies trifft insbesondere auf Franz Stangl zu. Sereny erzählt vom ersten Treffen mit ihm im Gefängnis und wie er erst die bekannte Masche erzählte, aber sie ihm dann von ihrem geplanten Projekt erzählte, mehr über ihn und seinen Hintergrund zu erfahren und wie es dazu kam, dass all diese Verbrechen begangen wurden. Stangls Einordnungen sind über das ganze Buch hinweg sehr interessant. Er scheint an vielen Stellen sehr reflektiert zu sein, und die Autorin stellt gute Fragen, auf die er (meist) eingeht. Beispielweise geht es darum, inwiefern er das Gefühl hatte, dass es sich bei den Juden im Vernichtungslager um Menschen handelt und wie er sie mehr als Masse denn als Individuen wahrgenommen hat. Sehr interessant ist auch die Rolle der Religion und wie es für ihn als religiösen Menschen und sein Umfeld zumindest anfangs nicht im Einklang war, gleichzeitig Nationalsozialist und Christ zu sein. Stangl ist insofern ein gutes Beispiel, weil er nicht von Anfang an offener, überzeugter Nationalsozialist war, sondern ein normaler Polizeibeamter, der durch verschiedene Möglichkeiten und eigenes Geschick es geschafft hat, vom Anschluss zu profitieren. Auch sehr spannend sind die Gespräche mit Stangls Frau, die einerseits ihren Mann liebt und verteidigen möchte, andererseits nicht verstehen kann, was er getan hat.
Into that Darkness ist ein sehr, sehr gutes Buch, bei dem man sehr eindrucksvoll das Innenleben und das Umfeld eines Mannes kennenlernt, der für den Tod von knapp einer Millionen Menschen mitverantwortlich war.











