Giuseppe Tomasi di Lampedusa

 4.2 Sterne bei 53 Bewertungen
Autor von Der Leopard, Der Gattopardo und weiteren Büchern.

Lebenslauf von Giuseppe Tomasi di Lampedusa

Giuseppe Tomasi, Herzog von Palma und Fürst von Lampedusa, wurde am 23. Dezember 1896 in Palermo geboren und starb am 23. Juli 1957 in Rom. Neben Erzählungen schrieb er innerhalb weniger Monate seinen einzigen Roman: »Der Leopard«. Ein Jahr nach seinem Tod veröffentlicht, wurde er zum Welterfolg und machte Lampedusa zu einem der bedeutendsten italienischen Autoren der Moderne.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Giuseppe Tomasi di Lampedusa

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Cover des Buches Der Leopard (ISBN:9783492203203)

Der Leopard

 (29)
Erschienen am 01.03.1984
Cover des Buches Der Gattopardo (ISBN:9783492973809)

Der Gattopardo

 (17)
Erschienen am 01.09.2016
Cover des Buches Der Leopard (ISBN:9783492059848)

Der Leopard

 (2)
Erschienen am 02.09.2019
Cover des Buches Die Sirene (ISBN:9783492315517)

Die Sirene

 (2)
Erschienen am 02.05.2019
Cover des Buches Ein Literat auf Reisen (ISBN:9783492263689)

Ein Literat auf Reisen

 (1)
Erschienen am 11.01.2011
Cover des Buches Der Leopard (ISBN:9783844922257)

Der Leopard

 (1)
Erschienen am 02.09.2019

Neue Rezensionen zu Giuseppe Tomasi di Lampedusa

Neu

Rezension zu "Der Leopard" von Giuseppe Tomasi di Lampedusa

Il gattopardo im risorgimento
Buecherschmausvor 19 Tagen

Ein italienischer Klassiker, ja ein „Jahrhundertroman“ ist das 1958, ein Jahr nach dem Tod des Autors erschienene erste und einzige Buch von Giuseppe Tomasi di Lampedusa, „Der Leopard“. Und das, obwohl es zuvor von den bedeutenden Verlagshäusern Italiens abgelehnt wurde und erst der Schriftsteller und damalige Lektor von Feltrinelli Giorgio Bassani seinen Wert erkannte.


Es waren die tief im 19. Jahrhundert verankerte Thematik und Erzählweise, die zu einer Zeit, in der man eher von der Avantgarde fasziniert war, von der Moderne, dem Experimentellen, wenig Interesse weckte. Beim Publikum wurde der Roman allerdings gleich ein großer Erfolg und 1963 von Luchini Visconti legendär mit Burt Lancaster, Claudia Cardinale und Alain Delon verfilmt.


Episch und vordergründig konventionell, wird die Erzählperspektive in „Der Leopard“ von Giuseppe Tamoasi di Lampedusa doch an etlichen Stellen gebrochen und gehen die Passagen eines allwissenden Erzählers fließend in innere Monologe über. Darin ist der Roman alles andere als altmodisch oder betulich.


Erzählt wird vom Fürsten Fabrizio Cobera von Salina, dessen Figur von des Autors Urgroßvater inspiriert wurde. Beide entstammen einer jener alten sizilianischen Adelsfamilien, die in herrschaftlichen Palazzi in Palermo und Umgebung ein weitgehend müßiges, wahrhaft fürstliches Leben führten. Jagden, ein wenig Literatur, Essenseinladungen und abendliche Bälle bestimmten das recht beschauliche Leben im von den Bourbonen regierten Königreich beider Sizilien.


Doch nun schreiben wir den Mai 1860 und nach Volksaufständen auf der Insel gegen die bourbonische Regentschaft landet der „Zug der Tausend“ mit rund 1000 freiwilligen Kämpfern unter Giuseppe Garibaldi auf Sizilien, um die Insel und später auch Neapel dem neugegründeten italienischen Einheitsstaat anzuschließen. Es ist eine Zeit des Umbruchs.


Was der Fürst zunächst nicht wahrhaben mag. Glaubt er doch zu sehr an den Verharrungswillen der Sizilianer.


„In Sizilien ist es nicht von Belang, richtig oder falsch zu handeln: die Sünde, die wir Sizilianer niemals verzeihen, ist schlicht und einfach die, überhaupt ‚zu handeln‘.“


Auch am Reformwillen seiner Landsleute zweifelt er:


„Lieber Chevalley: die Sizilianer werden nie den Wunsch haben, sich zu verbessern, aus dem einfach Grund, weil sie glauben, vollkommen zu sein: ihre Eitelkeit ist stärker als ihr Elend; jede fremde Einmischung, sei es wegen der fremden Herkunft, sei es aus Unabhängigkeitsgeist, bringt ihre Träume von einer erreichten Vollkommenheit durcheinander, ja sie könnte ihr selbstzufriedenes Warten auf das Nichts in Frage stellen; von Dutzenden verschiedenen Völkern mit Füßen getreten, glauben sie, eine kaiserliche Vergangenheit zu haben, die ihnen Anrecht auf pompöse Bestattungen gibt.“


Und doch haben sich die Zeiten geändert. Das merkt als Erster sein mittelloser Neffe Tancredi, dessen sich Fürst Fabrizio an Vatersstatt angenommen hat. Sein Ausspruch:


„Wenn wir wollen, dass alles bleibt, wie es ist“, dann ist nötig, dass sich alles verändert.“


ist eine der berühmtesten Szenen des Romans und wurde in Italien zum geflügelten Wort. Gattopardismo nennt man in Anlehnung an den Romantitel das passive Beharren auf den Gegebenheiten bei oberflächlichem Aktionismus.


Tancredi verkörpert dieses Beharren und gleichzeitige Anerkennen des Neuen. Er knüpft zarte Bande zu Angelica Sedára, der bildschönen Tochter des reichen Bürgermeisters von Donnafugata, Don Calogero. Dieser ist der typische Vertreter eines neuen Typus Mensch, des bürgerlichen Aufsteigers. Tüchtig, clever, skrupellos, aber ungehobelt und ungebildet, hat er mit seinen Ländereien viel Geld gemacht und ist zu Ansehen, Amt und Würden gekommen. Donnafugata, wohin sich die fürstliche Familie in der heißen Jahreszeit zurückzieht, ist dem Sommersitz der Fürstenfamilie Tomasi, einem Palast mit dreihundert Zimmern und drei Innenhöfen, nachempfunden.


In sinnlichen Tableaus, mit viel psychologischem Einfühlungsvermögen und vor allem einer großartigen Portion feiner Ironie erzählt Giuseppe Tomasi die Lampedusa von diesem Epochenbruch, vom Untergang eines quasi noch feudalen Zeitalters, von den politischen Veränderungen des Risorgimentos. Es schwenkt eine ganze Menge nostalgische Melancholie mit, wenn er, wenn auch immer leicht ironisch gebrochen, vom Verschwinden eines ganzen Lebensstils erzählt. Mit viel Zuneigung begleitet der Autor seine Protagonisten, besonders den einst mächtigen, kraftvollen Fürsten, der in seinem Wappen stolz den Leoparden trägt.


Im vorletzten Teil des Buches wohnen wir dann auch dem berührend erzählten Tod des Patriarchen im Jahre 1883 bei. Und am Ende macht das Buch dann sogar einen Sprung ins Jahr 1910. Da ist vom einstigen Glanz der Fürstenfamilie wenig übriggeblieben.


„Der Leopard“ liegt in einer glänzenden neuen Übersetzung von Burkhart Kroeber vor, dem ein ausführliches Nachwort und zahlreiche Anmerkungen beigefügt sind.



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Rezension zu "Der Leopard" von Giuseppe Tomasi di Lampedusa

„Wenn wir wollen, dass alles bleibt, wie es ist, dann ist es nötig, dass alles sich verändert.“
10past12vor 6 Monaten

Man taucht ein, nicht nur in ein sizilianisches Adelsgeschlecht, welches sich im Niedergang befindet, sondern auch in die sie umgebende Gesellschaft, gerade der abhängigen Pächter. Gestört wird dies, indem Italien vereinigt wird und ein Neffe eine Bürgerliche heiratet.

„Wenn wir wollen, dass alles bleibt, wie es ist, dann ist es nötig, dass alles sich verändert.“ ist der zentrale Satz des Romans. Das große
Thema des Romans ist die Vergänglichkeit: *Wieviele Jahre hat man am Ende wirklich gelebt? Wäre es möglich gewesen, den Geliebten doch zu gewinnen? Wie lebt es sich in Zeiten den Umbruchs? Wie, wenn die Gesellschaftsordnung zertrümmert wird?* Auch in den Reden über die sizilianischen Geschichte ist am Ende die Essenz: Der Herrscher kommen und gehen, die Sozialsysteme ändern sich entsprechend – letztendlich werden alle hinweggefegt. Eine wahrlich zeitlose Erkenntnis.

Fazit


Man muss sich auf das gemächliche Erzähltempo einlassen, denn ganz am Ende ist sogar ein Hund wichtig. Betont wird die Handlung hervorragend durch den Vorleser Thomas Loibl, der, ganz ungewohnt, nicht überakzetuiert, wie dies oft bei Hörbüchern üblich ist.

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Rezension zu "Der Leopard" von Giuseppe Tomasi di Lampedusa

Kein Leoprint - ein Klassiker im neuen Gewand
aus-erlesenvor 6 Monaten

Ein angeschossenes Reh wird seinen Häschern niemals entkommen. So geht es auch dem Haus Salina. Der Hausvorstand, Don Fabrizio, gibt sich der Astronomie hin – seine mathematischen Berechnungen sind hier angebracht. Wenn es allerdings um die Familienfinanzen geht, versagten schon seine Vorfahren. Man pflegt die katholischen Traditionen. Das Gebet, der Rosenkranz, gehört zum Alltag wie der Sonnenaufgang.

Der Zahn der Zeit, der Fortlauf der Geschichte – ob man es sehen oder gar wahrhaben will oder nicht – wird auch vor dem Landsitz des Fürsten nicht halt machen. Ob er weiß, dass er den Untergang seines Hauses noch erleben wird? 

Garibaldi steht vor der Landung auf Sizilien. Nicht wird mehr so sein wie es einmal war. Italien wird geeint werden. Eine Revolution wie es sie noch nie gegeben hat. Und auch in der traditionsbewussten Familie Salina gibt es Sympathisanten mit den Aufständischen. Tancredi, der Neffe des Dons, hat nichts zu verlieren. Adelig, ja, das ist er. Doch ohne Mittel und Einfluss. Garibaldi und seine Ideen sind für Tancredi wie ein Fanal für die leuchtende Zukunft. Auch für die Salinas. 

Tancredi liebt Angelica. Sie ist nicht blauen Geblütes, noch nicht (wissentlich). Eine Hochzeit mit einer Bürgerlichen, einer, die Garibaldi von Hause aus zugetan sein muss, unmöglich! Was die Revolution in Italien im Großen, setzt sich im Kleinen im Hause Salina fort. Tancredi steigt in der Revolutionsarmee auf. Der Don hingegen bekommt die Möglichkeit seine Würde zu wahren, seine Familie samt Einfluss zu retten, an der Erneuerung aktiv mitzuwirken. Er lehnt ab. Ein Salina wird niemals das Zugpferd einer progressiven Bewegung sein! …

Giuseppe Tomasi di Lampedusa hat den Erfolg seines einzigen Romans nicht mehr erlebt. Er starb ohne das Wissen, dass „Il Gattopardo“ so der Originaltitel, jemals veröffentlicht werden könnte. Die Neuübersetzung von Burkhart Kroeber – es ist die dritte Übersetzung ins Deutsche – hält sich an den Originaltext, versucht aber die sizilianischen Begrifflichkeiten so denn überhaupt möglich, so relevant wie möglich dem deutschen Lesefluss anzupassen. Keine einfache Aufgabe, denn schon der Titel gattopardo, bedeutet nicht zwangsläufig Leopard. Ein Serval trifft es wohl eher. Vielleicht hat der Autor aber auch mit der Verkleinerung des Tiernamens die Entwicklung und Bedeutung der Fürstenfamilie vorwegnehmen wollen. Ein Geheimnis, das er wohl mit ins Grab genommen hat.

„Der Leopard“ ist den meisten sicherlich aus der gleichnamigen Verfilmung von Luchino Visconti bekannt. Eine der besten – weil nahe am Original – Literaturverfilmungen, wenn nicht sogar die beste überhaupt. Burt Lancaster als desillusionierter Don Fabrizio, Alain Delon als heißblütiger Tancredi und die perfekte Besetzung der Angelica mit Claudia Cardinale. Im Falle des Leoparden ist es ausnahmsweise mal kein Frevel zuerst den Film zu schauen und dann das Buch zu lesen. Buch und Film sind in ihrer Gattung unbestritten auf den ersten Plätzen der Charts zu finden. Und das schon seit über einem halben Jahrhundert!


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