Was haben Österreich und Brasilien gemeinsam? Die Antwort ist einfach - Dona Leopoldina, eine Erzherzogin, eine der zahlreichen verkauften Tochter Habsburgs.
Maria Leopoldina Josepha Carolina (1797-1826), Tochter von Kaiser Franz II./I. ist eine der zahlreichen Töchter aus dem Hause Habsburg, die aus Staatsräson verheiratet worden sind. Leopoldina teilt ihr Schicksal mit Tante Marie Antoinette (verheiratet mit Frankreichs König, hingerichtet 1793) und Schwester Marie Louise, die man Napoleon Bonaparte zur Frau gegeben hat.
Wie schon zuvor bei Marie Louise hat auch bei dieser scheinbar so vorteilhaften Heirat mit Dom Pedro, dem portugiesischen Thronfolger, Fürst Metternich die Fäden gezogen. Am Hof von Kaiser Franz II./I. hat der eine oder andere zwar Bedenken, die junge Frau ins weit entfernte Brasilien ziehen zu lassen, aber das dynastische Denken siegt. Es dauert nicht lange und alle Hoffnungen auf eine gelungene Verbindung lösen sich auf. Man hat Leopoldina (und dem österreichsichen Kaiserhaus) verschwiegen, dass Dom Pedro an Epilepsie leidet und ungebildet ist, während Leopoldina hoch gebildet ist, mehrere Sprachen spricht und viel lieber Naturforscherin geworden wäre.
Gloria Kaiser zeichnet in ihrer Romabiografie ein Bild einer Frau, die versucht das Beste aus ihrem Schicksal zu machen. Die Gelegenheit, zu zeigen was in ihr steckt, bietet sich um 1820 als Brasilien auf Grund zahlreicher Revolten zu zerfallen droht. Sie unterzeichnet an Stelle von Pedro, der sich als zu schwach und zaudernd erweist, den Staatsratbeschluss für die Unabhängigkeit Brasiliens vom Mutterland Portugal und nimmt damit entschlossen die Geschicke Brasiliens in die Hand. Damit verzichtet gleichzeitig und endgültig auf eine Rückkehr nach Europa.
Die Rettung der Krone für Pedro bleibt unbedankt. Pedro, nun zum brasilianischen Kaiser gekrönt nimmt sich die intrigante Domitila zur Mätresse, die Leopoldina in kürztester Zeit entmachtet. Ohnmächtig und ohne Rückhalt von Freunden muss Leopoldina zusehen, wie sie ins Abseits gestellt wird. Selbst das „Nadelgeld“ wird ihr von Domitila und ihrem Clan vorenthalten. Die Frau, die an der Unabhängigkeit Brasiliens soviel Anteil hatte, stirbt nicht ganz dreißigjährig an den Folgen einer Fehlgeburt.
Heute wird Dona Leopoldina, wie sie Brasilien genannt wird, hoch verehrt. Zahlreiche Schulen, Pflanzen und sogar eine Biersorte sind ihr zu Ehren benannt.
Fazit:
Wer gerne mehr über eine der vielen „verkauften Töchter Habsburgs“ lesen will, ist hier goldrichtig. Gerne gebe ich dieser gelungenen Romanbiografie 5 Sterne.





