Gloria Naylor

 4,2 Sterne bei 20 Bewertungen
Autor*in von Linden Hills, Mama Day und weiteren Büchern.

Lebenslauf

Gloria Naylor (1950–2016), geboren in New York, studierte Anglistik und African-American Studies. Ihr Debütroman Die Frauen von Brewster Place erschien 1982, weitere Romane und Erzählungen folgten. Ihr vielschichtiges Werk kreist um das Leben Schwarzer, um ihre Kämpfe und Hoffnungen, in einer Welt, in der Weißsein alles bedeutet. Für ihre Werke erhielt sie u. a. den American Book Award und den National Book Award. Sie unterrichtete Literatur und Kreatives Schreiben an verschiedenen amerikanischen Universitäten.

Quelle: Verlag / vlb

Neue Bücher

Cover des Buches Linden Hills (ISBN: 9783293710214)

Linden Hills

 (9)
Erscheint am 08.09.2024 als Taschenbuch bei Unionsverlag.

Alle Bücher von Gloria Naylor

Cover des Buches Linden Hills (ISBN: 9783293710214)

Linden Hills

 (9)
Erscheint am 08.09.2024
Cover des Buches Die Frauen von Brewster Place (ISBN: 9783293209503)

Die Frauen von Brewster Place

 (2)
Erschienen am 12.09.2022
Cover des Buches Mama Day (ISBN: 9783293209756)

Mama Day

 (2)
Erschienen am 13.03.2023
Cover des Buches Mama Day (ISBN: 1439513589)

Mama Day

 (1)
Erschienen am 10.07.2008
Cover des Buches Die Frauen von Brewster Place (ISBN: 9783426080122)

Die Frauen von Brewster Place

 (1)
Erschienen am 01.05.1991
Cover des Buches Bailey's Cafe (Vintage Contemporaries) (ISBN: 9780679748212)

Bailey's Cafe (Vintage Contemporaries)

 (0)
Erschienen am 31.08.1993

Neue Rezensionen zu Gloria Naylor

Cover des Buches Die Frauen von Brewster Place (ISBN: 9783293209503)
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Rezension zu "Die Frauen von Brewster Place" von Gloria Naylor

Die Sackgasse
EmmaWintervor 6 Monaten

Brewster Place ist durch eine Mauer vom lebendigen Teil der Gegend getrennt. Wortwörtlich stecken die Einwohnerinnen in einer Sackgasse fest. Wer hier lebt, ist in fast allen Fällen nicht freiwillig hier, sondern kann nirgendwo anders hin, es ist die Endstation. In einzelnen Kapiteln stellt die Autorin das Schicksal von sieben Frauen in geraffter, auf die zentralen Elemente reduzierte Weise vor. Das sind bittere Schicksale, die die Frauen hier zu einer Gemeinschaft gemacht haben. Mattie Michael aus Tennessee, die Jahrzehnte lang ein eigenes Haus besessen hatte, ist hier ebenso gestrandet wie ihre Jugendfreundin Etta, die viel mehr vom Leben wollte als diese Sackgasse. "Wenn ich diese Straße hineingehe, so dachte sie, werde ich es nie wieder hinausschaffen." (S. 102) Mattie schenkt die Autorin die größte Aufmerksamkeit, sie verbindet die Geschichten miteinander und spendet Trost und Hoffnung für die Frauen in Brewster Place.

Die Männer kommen in diesem Roman ziemlich schlecht weg. Beim Lesen wird man richtig wütend. Klar haben sie oft keine Perspektive, aber die Frauen strampeln sich ab, versuchen alles und die Männer kommen nur als brutal, faul und gleichgültig um die Ecke.

Der wohl überlegt aufgebaute Roman hat mich sehr bewegt. Er zeigt schlimme Seiten, verspricht aber auch Hoffnung. Das hat auch mit der schönen Sprache von Gloria Naylor zu tun, die sehr bildhaft ist. Es ist kein Wohlfühlbuch, es ist tief traurig, grausam und schonungslos. Nichts für den Urlaub oder zum Entspannen. Es öffnet den Blick auf eine Welt, die zeigt, was es bedeutet, als schwarze Frau seinen Platz im Leben zu suchen, unter den schwierigsten Bedingungen.

Cover des Buches Mama Day (ISBN: 9783293209756)
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Rezension zu "Mama Day" von Gloria Naylor

Auch harte Zeiten haben weiche Seiten
aus-erlesenvor einem Jahr

Liest man „Mama day“ wie einen Reisebericht, ist man im Nu bereit alles stehen und liegen zu lassen, um den Süden der USA zu bereisen. Und sei es nur, um zu erkunden, ob es hier denn wirklich so aussieht wie es beschrieben ist. Denn hier muss das Paradies sein.

Liest man „Mama Day“ mit dem gebührenden Respekt für Schicksale, rührt einen die Geschichte zu Tränen. Eine Insel, zu Louisiana gehörend, die wahrhaft zu einem Paradies geworden ist für diejenigen, die unter der Knute ihre Herren, Jahrzehnte, Jahrhunderte litten.

Liest man „Mama Day“ ganz unvoreingenommen, hat man alles richtig gemacht. Die Erzählkunst ist überwältigend und findet kein Ende. Der Anfang prasselt wie ein erfrischender Regen überfallartig über einen herein. Und zwischendrin ist Cocoa. Wie jedes Jahr verbringt sie den Sommer nicht im stickigen New York, sondern auf der Insel Willow Springs. Hier herrscht mit Strenge und Sanftmut Mama Day – womit klar sein dürfte, dass es sich bei diesem Buch nicht um das erbarmungswürdige Winseln nach einem passenden Muttertagsgeschenk handelt, womit aber nicht gesagt ist, dass dieses Buch kein ideales Muttertagsgeschenk ist.

Sommer in Willow Springs – das ist so sicher wie das Amen in der Kirche. Doch dieses Jahr ist alles anders. George ist mit von der Party. Cocoas Freund. Und mit ihm schwindet die sorgenfreie Zeit auf der Insel auf sonderbare Weise.

Irgendwo zwischen Mystik und knallhartem Überlebenskampf findet das buch seine Mitte. Beharrliche Legenden der Vergangenheit reißen alte Wunden auf und bilden neue Narben. Mama Days Großmutter scheint der Schlüssel zu allerlei aufgeworfenen Fragen zu sein. Denn das Problem ist, es gibt nicht nur eine Legende. Im Dutzend billiger – vereint im Mythos, dass vor ewigen Zeiten hier ein Mord geschah. Hinterhältig, kalkuliert, bedacht. Aber warum soll man in alten Wunden wühlen, wenn das Ergebnis für die meisten ertragbar ist?

Gloria Naylor ist die Neuentdeckung der vergangenen Jahre. Mit einem Fingerschnipp reißt sie den Leser in eine Welt über die wenig bekannt ist. Black community kann man es nennen. Zur Vereinfachung der Sachlage sicher nicht der schlechteste Ansatz. Dennoch ist dies weniger von Belang als man annimmt. Denn Neid und Missgunst sind community-übergreifend. Nach „Die Frauen vom Brewster place“ und „Linden hills“ beweist die Autorin eindrucksvoll, dass einfühlsame Literatur immer wieder kehrt und niemals eine bloße Modeerscheinung ist.

Cover des Buches Linden Hills (ISBN: 9783293005853)
lesehorizonts avatar

Rezension zu "Linden Hills" von Gloria Naylor

Eine interessante neue Stimme afro-amerikanischer Literatur
lesehorizontvor 2 Jahren

Immernoch gibt es zahlreiche blinde Flecken gerade was die afroamerikanische Literatur betrifft. Einige Stimmen konnten sich Gehör verschaffen, wie beispielsweise James Baldwin, Toni Morrison, Zora Neale Hurston und Alice Walker. Diese Literaturen geben Einblick in die Lebenswelten von Menschen mit schwarzer Hautfarbe und tragen zur Erweiterung des vorherrschenden Tunnelblickes bei. Aus erster Hand erfahren LeserInnen mehr über Rassismus sowie über damit verbundene Aspekte wie Unterdrückung, Armut, Gewalt und gesellschaftiche Marginalisierung. 

Gloria Naylor schrieb ihren Roman "Linden Hills" bereits im Jahr 1985, wurde jedoch erst jetzt ins Deutsche übersetzt. Es ist das große Verdienst des Unionsverlages, hier eine sehr interessante Autorin entdeckt zu haben, deren Werk nun einer interessierten Leserschaft zugänglich gemacht werden kann. Gloria Naylor verdient es, endlich eine Stimme zu bekommen, von der ich hoffe, dass sie viel Gehör finden wird. Warum? Ich denke, dass diese Autorin mit ihrem stark gesellschaftskritischen Blick in "Linden Hills" gängige und weit verbreitete Denkstrukturen und vor allem Dualismen hinterfragt und so einen differenzierten Blick ermöglicht, der über schwarz-weiß Logiken hinaus geht. 

Worum geht es also in "Linden Hills"? Als Kernthema kann man sicherlich die Dynamik des Strebens nach gesellschaftlichen Aufschwung bezeichnen - jedoch eben in einer Welt, wo Schwarze unter sich bleiben und die Möglichkeit dazu haben. Seit 1920 sorgten unterschiedliche Generationen der Nedeeds mit dem Erwerb eines Stückes Land und ausgefeilten Pachtverträgen dafür, Schwarzen nicht nur eine Heimat zu geben, sondern einen Ort zu schaffen, der ihnen Aufstiegsmöglichkeiten eröffnen sollte, die ihnen anderenorts verwehrt blieben. Linden Hills ist ein Hügel, von dem diverse Straßen ausgehen, die ausschließlich von Schwarzen bewohnt werden. Nach dem Vorbild der Weißen gibt es durchaus auch dort eine gewisse Rangordnung, die auf die Schattenseiten einer angestrebten paradiesischen Welt verweist, denn dieses scheint nicht jedermann offen zu stehen. 

All dies erfahren wir durch die Perspektive zweier jugendlicher Männer, Willie und Lester, die kurz vor Weihnachten auf der Suche nach Gelegenheitsjobs sind, um Geschenke kaufen zu können. Sie arbeiten für die verschiedenen Bewohner von Linden Hills, halten deren Einfahrten sauber und lassen uns an ihren Beobachtungen zu den Bewohnern teil haben. Sie sind die beiden Hauptprotagonisten des Romans.

Zentral ist aber auch die Figur des aktuellen Luther Nedeeds, der das Werk der Vorgänger-Generationen auf "Linden Hils" weiter führt und so seinen Stempel aufdrückt. Dennoch setzt er die Traditionslinie der Familie fort, indem auch er als Bestatter tätig ist und sich an patriachalen Vorstellungen orientiert, denen zufolge die Ehefrau weiß zu sein und einen Sohn zu schenken hat. Mehr möchte ich eigentlich an dieser Stelle nicht über den Roman verraten, um dem interessierten Leser das Vergnügen seiner literarischen Entdeckungsreise nicht zu schmälern.  

Zugegeben, ich brauchte meine Zeit um in diesen Roman hineinzufinden. Zum einen lernt man zunächst eine ganze Reihe von Personen kennen und muss sich erst mal zurechtfinden. Zum anderen gibt es aber auch keine stringente Handlung, die schrittweise entfaltet wird. Als ich mich jedoch etwas eingelesen hatte, war ich von Linden Hills und dem Leben dort sehr angesprochen. Sehr gut gefällt mir, wie Naylor mit gängigen Klischees über Schwarze und Weiße bricht und stattdessen Differenzen in der schwarzen Community selbst thematisiert. Einen solchen Roman habe ich zuvor noch nicht gelesen. Es macht für mich den besonderen Reiz des Romans aus und verleiht dem Ganzen eine gehörige Portion Gesellschaftskritik. Auch die Verpackung ist sehr ansprechend, denn die Sprache der Autorin ist sehr ausdrucksstark. 

Innerhalb der Leserunde, in der ich das Buch las, wurde ich auf weitere Aspekte aufmerksam gemacht, die ich selbst mangels Vorwissen nicht entdeckt hätte, so etwa der Bedeutung von Dantes Inferno. Dennoch bin ich auf der Aufassung, dass man diesen Roman auch gewinnbringend ohne eine solche Vorkenntnis lesen kann. Ich empfehle "Linden Hills" mit Nachdruck und freue mich darauf, weitere Werke der Autorin für mich zu entdecken. 

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