Gnedt Dietmar

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Autor von Balkanfieber.

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Balkanfieber

Balkanfieber

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Erschienen am 29.01.2018

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Rezension zu "Balkanfieber" von Gnedt Dietmar

Vergeben, vergelten, vergessen – wer ist dazu bereit?
Sikalvor 9 Monaten

„Meine Lieben! So will ich euch ansprechen. Ihr zwei seid die Lieben meines Lebens. Ich diktiere meinem Vater Luciano diese Worte, weil ich selbst nicht mehr zu schreiben vermag. Ich fürchte, dass ihr nicht zur Versöhnung finden könnt. Das ist meine letzte verbliebene Sorge. Was man nicht mit Liebe betrachtet, hat man nicht erkannt! Könnt ihr euch erinnern?“

 

Die Venezianerin Maddalena Todesco ist die große Liebe zweier Männer – des österreichischen Diplomaten Christoph und des serbischen Musikers Lazar. Beide spielten in ihrem Leben eine wichtige Rolle und so schreibt sie – bereits wissend, dass ihr nicht mehr viel Zeit bleibt – jeweils einen Brief an Lazar und Christoph, darauf hoffend, dass die beiden zur Versöhnung finden und doch wissend, dass es vermutlich nicht so sein wird. Und es scheint, dass Maddalenas letzter Wunsch nicht in Erfüllung geht, schieben sich die beiden gegenseitig die Schuld am Tod der geliebten Frau zu. Als nicht nur der Konflikt zwischen den beiden Kontrahenten eskaliert, sondern auch der Vielvölkerstaat Jugoslawien in einer Katastrophe versinkt – spätestens jetzt erkennt man die politische Parabel, versteckt in einem Liebesdrama, das mit einem offenen Ende aufwartet. Tja, und auch hier kann man den Vergleich zur politischen Situation wagen…

 

Ich muss gestehen, dass mir der Autor Dietmar Gnedt völlig unbekannt war, was ich umgehend ändern werde. Er schreibt mit einer Leichtigkeit über schwerwiegende Themen ohne Dramatik oder Pathos die Überhand nehmen zu lassen.

 

Durch viele feine Verzweigungen entsteht in dem Roman ein filigranes Geflecht, das erst sehr verworren den Durchblick verhindert. Ganz langsam wird Schicht um Schicht abgetragen, werden Schleifen gezogen und mit Empathie eine Wahrheit hervorgekramt, die man vielleicht in der Art und Weise gar nicht hören möchte. Im Nachwort des Autors erfährt man seine tiefe Verbundenheit zum Balkan, seine Wertschätzung dem Land und seinen Respekt den Bewohnern gegenüber.

 

„Es gibt kein Volk, in dessen Geschichte nicht schreckliche Taten zu finden wären. Gerade wir Österreicher und Deutsche haben unsere Schreckensgeschichten noch sehr nahe vor Augen. Vielleicht zu nahe, um sie zu sehen? Mögen die Politiker aller Völker vor der eignen Türe kehren und nicht Steine auf andere Türen werfen.“

 

Ich finde, dem ist nichts hinzuzufügen – außer einer vollen Leseempfehlung für diesen außergewöhnlichen Roman für den ich sehr gerne fünf Sterne vergebe.

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