Golnaz Hashemzadeh Bonde

 4,1 Sterne bei 14 Bewertungen

Lebenslauf von Golnaz Hashemzadeh Bonde

Erfolgsgeschichten einer engagierten Migrantin: Die 1985 in Iran geborene Autorin Golnaz Hashemzadeh Bonde wuchs in Schweden auf, nachdem sie als Kind mit ihren Eltern aus ihrer Heimat fliehen musste. In Stockholm absolvierte sie ein Studium an der dortigen School of Economics, das sie 2005 abschloss. Dabei erlangte sie für ihre herausragenden Leistungen den damals von Goldman Sachs verliehenen Titel „Global Leader“ für die international 50 besten Absolventen eines Jahrgangs von 100 teilnehmenden Universitäten. Geprägt von ihrer eigenen Erfahrung als Migrantenkind gründete sie die gemeinnützige Organisation „Inkludera Invest“, die über die Beteiligung sozial engagierter Unternehmen Projekte gegen Ausgrenzung und mehr Integration von Zuwanderern finanziert. Ihr Romandebüt gab die zeitweilig auch als McKinsey-Beraterin tätige Betriebswirtin im Jahre 2012 mit dem Roman „She is not me“, der ebenso autobiografische Züge aufweist wie ihr 2018 in deutscher Übersetzung erschienenes zweites Buch „Was uns bleibt“. Golnaz Hashemzadeh Bonde lebt mit Tochter und Ehemann in Stockholm, wo sie neben ihrer Tätigkeit als Direktorin ihrer Investmentgesellschaft als Autorin und Lektorin tätig ist.

Alle Bücher von Golnaz Hashemzadeh Bonde

Cover des Buches Was bleibt von uns (ISBN: 9783312010899)

Was bleibt von uns

 (13)
Erschienen am 20.08.2018
Cover des Buches Was bleibt von uns (ISBN: 9783442718771)

Was bleibt von uns

 (1)
Erschienen am 14.06.2021

Neue Rezensionen zu Golnaz Hashemzadeh Bonde

Cover des Buches Was bleibt von uns (ISBN: 9783312010899)B

Rezension zu "Was bleibt von uns" von Golnaz Hashemzadeh Bonde

Bewegend, aufwühlend, unbedingte Leseempfehlung
buchlesenliebevor 3 Monaten

„Ich möchte meinen Herzschlag behalten. Ich möchte ihn für mich selbst haben, und ich will ihn selbst tragen und möchte nicht nur als Schatten im Körper eines anderen existieren, in der Erinnerung eines anderen” (S.35).

Der 60jährigen Nahid bleibt nicht viel. Nur die traurige Gewissheit, dass sie bald sterben wird. Unheilbar an Krebs. Ihr Leben war und ist geprägt von Verlusterfahrungen. Vor 40 Jahren floh sie mit ihrem vor kurzem verstorbenen Mann Masood und ihrer mittlerweile erwachsenen Tochter Aram aus dem Iran nach Schweden. Ließ ihre Heimat, ihre Mutter und Familie zurück, verlor den Glauben an die iranische Revolution 1979, in dessen Zuge bei einer Demonstration ihre jüngste Schwester spurlos verschwunden ist. Und Nahid verlor auch das Vertrauen in das Leben, in sich selbst, in die Liebe und in ihre Mitmenschen.

Konfrontiert mit dem nahenden Tod, lässt die Ich-Erzählerin schonungslos ehrlich in Vorwärts- und Rückwärtsblenden ihr Leben Revue passieren. Oft unfähig zur realen liebevollen und empathischen Kommunikation auf Augenhöhe, erzählt Nahid ihrer Tochter in Gedanken von ihren Ängsten, ihrer unstillbaren Lebenssehnsucht, von den schmerzlichen Fluchterfahrungen, dem Leben im Exil sowie der Aufgabe ihrer Ideale, Träume und der Hoffnung auf wahrhafte Freiheit. Sie berichtet von häuslicher Gewalt, den grauenhaften Erlebnissen während der iranischen Revolution, ihren nagenden Zweifeln an der Mutterrolle und ihrer unfassbaren Einsamkeit.

Eine Sympathieträgerin ist Nahid nicht. Aufgrund ihrer leidvollen Erfahrungen hat sie sich zu einer ambivalenten, zerrissenen, bindungsunfähigen und narzisstischen Persönlichkeit entwickelt, die ihre eigenen unerfüllten Wünsche auf ihre Tochter projiziert und zunächst kaum Zugang zu ihren Gefühlen findet. Schreit dadurch im übertragenen Sinn doch eigentlich nur stumm um Hilfe und Zuwendung. Nur peu á peu öffnet sich Nahid im Romanverlauf ihren Gefühlen, lässt Anzeichen von Demut erkennen. Können Mutter und Tochter wieder zueinander finden? Sich „einander bleiben", wenn alles verloren scheint? 

Der Roman von Golnaz Hashemzadeh, die wie ihre Protagonistin aus dem Iran geflohen und in Schweden aufgewachsen ist, liest sich wie im Rausch. Er besticht durch eine schnörkel- und erbarmungslose Sprache sowie eine gekonnte psychologische Figurenzeichnung mit allen Facetten des menschlichen Seins im Rahmen der geschilderten Erfahrungen. Das Lesen schmerzt ungemein, bewegt, verstört an vielen Stellen und wühlt innerlich auf. Aber auch im positiven Sinn. Für mich ein Lesehighlight und eine unbedingte Empfehlung.

Übersetzt aus dem Schwedischen von Sigrid C. Engeler.

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Rezension zu "Was bleibt von uns" von Golnaz Hashemzadeh Bonde

Golnaz Hashemzadeh Bonde - Was bleibt von uns
RenaMvor 3 Monaten

Diesem Buch muss man sich stellen, muss es aushalten. Denn es tut weh, es ist aggressiv, es verstört. Die Autorin, als Kind aus dem Iran nach Schweden geflohen, schont ihre Leserinnen nicht. Sie eröffnet vielmehr einen ungewohnten, einen gewöhnungsbedürftigen Blick auf Krankheit und Tod.

Der Klappentext führt hier eher in die Irre. Im Grunde geht es um die Bewältigung von und den Umgang mit der Nachricht, bald sterben zu müssen. Das ist es, was der Protagonistin und Ich-Erzählerin Nahid widerfährt. Nahid, im Iran geboren und aufgewachsen, lebt heute, sie ist sechzig Jahre alt, in Schweden. Sie wohnt allein, ihre Tochter Aram lebt in einer Beziehung mit dem Schweden Johann. Als Nahid von ihrer Ärztin die Nachricht bekommt, sie habe nicht mehr lange zu leben, wirft sie das völlig aus der Bahn. Sie kann das nicht verarbeiten, sie ist wütend, auf alles und jeden. Nahid will nicht sterben, sie will, dass die Ärzte alles in ihrer Macht Stehende tun, um ihr Leben zu retten. Nahids Zorn richtet sich auch besonders gegen Aram, diese Tochter, die ihr nicht nahe ist, die, in Nahids Augen, zu wenig besorgt ist um ihre Mutter, die zu wenig weiß über Nahids Geschichte.

Diese Vergangenheit, all das, was in Iran geschah, als Nahid Medizin studieren wollte und in die Revolution verwickelt wurde, davon hat sie ihrer Tochter nie erzählt. Nun, in der ihr laut den Ärzten gering bemessenen Restlebenszeit, erinnert sie sich daran, bruchstückhaft, erratisch, schmerzhaft und schonungslos. Sie erinnert sich an Masood, ihre erste Liebe und der Vater Arams, an seine Hingabe an die Sache der Revolution und an seine Gewalt gegen sie und das Kind. Sie denkt an ihre kleine Schwester, die während einer Demonstration spurlos verschwand und sie denkt an ihre Mutter, die sechs Töchter aufzog, und mit der sie immer wieder versucht, zu telefonieren. Dazwischen kämpft sie gegen alle und alles, stößt Ärzte und ihre Tochter brutal vor den Kopf. Nahid will sich nicht abfinden mit ihrer Krankheit, weiß nicht, wohin mit ihrem Zorn und ihrer Verzweiflung.

Hier wird nichts beschönigt, nichts idealisiert. Anders als in vielen Romanen und Filmen, in denen die Krebspatienten heldenhaft dem Tod ins Auge sehen, zeigt Bonde in ihrem Buch schonungslos, was die Krankheit mit dem Patienten macht und wie das Umfeld der Betroffenen mit einbezogen wird. Es schmerzt, das zu lesen, es erschüttert, aber es ist viel ehrlicher als die Romantisierung solcher Situationen.

Das macht es nicht leicht, die Protagonistin zu mögen, mit ihr zu sympathisieren, Mitgefühl zu empfinden. Sie ist ungerecht, aggressiv, sie wird von ihrer Wut ebenso zerfressen wie von der Krankheit. Die Leserin kann Verständnis empfinden, Sympathie für Nahid fällt da schon schwerer.

Die Lektüre dieses außergewöhnlichen Romans lässt einen nicht unberührt, wirkt noch eine ganze Zeit nach. Es sollte mehr solche ehrlichen Bücher geben.

 Golnaz Hashemzadeh Bonde - Was bleibt von uns
aus dem Schwedischen von Sigrid C. Engeler
btb, Juni 2021
 Taschenbuch, 219 Seiten, 12,00 €

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Rezension zu "Was bleibt von uns" von Golnaz Hashemzadeh Bonde

Verschwundene Wurzeln
reneevor einem Jahr

"Was bleibt von uns" ist ein Buch über eine Frau, über ein Leben, über einen Lebensweg, in einer Sprache/in einer Schreibe, die einschlägt wie eine Bombe, roh, treffend, eindringlich, ergreifend. Aber ebenso auch düster und etwas abstoßend. Und deswegen auch nachdenklich machend. Und auch einzigartig und anders. Hat mir gefallen. Sehr sogar! Hier habe ich ein Buch gelesen, welches die Gemüter spaltet, denn die Autorin hat sich wirklich alle Mühe gegeben einen Charakter zu zeichnen, der nicht gefällt, der abstößt. Dennoch fragt sich der geneigte Leser: Warum ist diese Frau so abweisend, eckig, teilweise egoistisch? Und beim Lesen zeigen sich viele Punkte die nachdenklich machen. Wie ist das zum Beispiel, wenn man gewalttätigem Verhalten ausgesetzt ist und nicht die Möglichkeit hat/sieht, dieser Gewalt zu entkommen? Verändert das die Betroffenen nicht, kann so ein Geschehen nicht verhärten? Wie ist das mit der Schuld, mit der Schuld/Mitschuld am Tod eines geliebten Menschen? Auch das verändert sicher. Noch dazu, wenn die eigene Familie, also die Menschen, die dich lieben, ähnlich denkt. Wie ist das mit der Entwurzelung, dem Fehlen jeglicher familiärer Bindungen? Auch das verändert sicher. Nur Telefongespräche mit deinen Lieben sind noch möglich, die ab und an stattfinden, in denen aber auch nicht frei geredet werden kann, da die Familie in einem Land/in einem Regime lebt, dem man entflohen ist. Also kommt auch noch eine Angst um deine Lieben hinzu. Wie lebt man dann? Und zu guter Letzt noch die sprachliche und kulturelle Schwelle in einem neuen Land. Was kostet das alles? Was macht das mit den Betroffenen? Und vor allem, wie lange dauert es bis man neue Wurzeln schlägt? Oder gelingt dies erst nachfolgenden Generationen? Und entfremdet diese unterschiedliche Sozialisation nicht die Menschen? Kommunikation könnte helfen, ja. Aber kann man immer und über alles reden? Und wird man auch verstanden? Und dann noch eine erschreckende Diagnose, eine Krankheit, die auch verändert, kann sie doch auch das Hirn betreffen. Wann fangen also die Veränderungen an, die Veränderungen des kranken Menschen? Und auch hier darf man nicht vergessen, Stress ist eine Ursache. Was also im Leben von Nahid ist schuld an der Diagnose? Und diese heftige Geschichte wird von Golnaz Hashemzadeh Bonde auch noch hervorragend und eindringlich und klangvoll beschrieben! Dieses Buch strotzt nur so von Sätzen, die treffen, die sich ins Hirn brennen, die nachdenklich machen. Auch wenn die Protagonistin eher abstößt, ist es doch ein buch, dass einschlägt wie eine Bombe. Auch wenn ich weiß, dass diese Protagonistin nicht jedem gefallen wird, nicht jedem gefallen muss. Denn Aram, ihre Tochter, muss wirklich einiges aushalten. Ich habe mir sehr gewünscht, dass Nahid etwas aus ihrer Haut heraus kann. Aber die Tochter Aram versteht ihre Mutter, zumindest klang das so für mich, und wenn sie sie versteht, kann das der geneigte Leser doch auch. ...

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Golnaz Hashemzadeh Bonde wurde am 01. Mai 1983 in Iran geboren.

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