Golnaz Hashemzadeh Bonde

 5 Sterne bei 4 Bewertungen
Autorin von Was bleibt von uns.

Lebenslauf von Golnaz Hashemzadeh Bonde

Erfolgsgeschichten einer engagierten Migrantin: Die 1985 in Iran geborene Autorin Golnaz Hashemzadeh Bonde wuchs in Schweden auf, nachdem sie als Kind mit ihren Eltern aus ihrer Heimat fliehen musste. In Stockholm absolvierte sie ein Studium an der dortigen School of Economics, das sie 2005 abschloss. Dabei erlangte sie für ihre herausragenden Leistungen den damals von Goldman Sachs verliehenen Titel „Global Leader“ für die international 50 besten Absolventen eines Jahrgangs von 100 teilnehmenden Universitäten. Geprägt von ihrer eigenen Erfahrung als Migrantenkind gründete sie die gemeinnützige Organisation „Inkludera Invest“, die über die Beteiligung sozial engagierter Unternehmen Projekte gegen Ausgrenzung und mehr Integration von Zuwanderern finanziert. Ihr Romandebüt gab die zeitweilig auch als McKinsey-Beraterin tätige Betriebswirtin im Jahre 2012 mit dem Roman „She is not me“, der ebenso autobiografische Züge aufweist wie ihr 2018 in deutscher Übersetzung erschienenes zweites Buch „Was uns bleibt“. Golnaz Hashemzadeh Bonde lebt mit Tochter und Ehemann in Stockholm, wo sie neben ihrer Tätigkeit als Direktorin ihrer Investmentgesellschaft als Autorin und Lektorin tätig ist.

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Was bleibt von uns

Was bleibt von uns

 (4)
Erschienen am 20.08.2018

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Rezension zu "Was bleibt von uns" von Golnaz Hashemzadeh Bonde

Frausein, Muttersein, Fremdsein
Petrisvor 3 Monaten

Das Cover:
Auf dem Cover ist eine schöne Frau zu sehen, sie sieht nachdenklich aus, vielleicht sogar traurig. Ihre Lippen sind geschminkt, die Augenbrauen gezupft, dunkles Haar umrahmt das Gesicht. Es wirkt wie ein realistisches Gemälde oder wie ein mit Spezialeffekten bearbeitetes Foto, die Farben gedeckt. Darüber in weißer und gelber Schrift in altmodischer Schriftart der Name der Autorin und der Titel des Buches.
Auf mich wirkt das elegant und sehr ansprechend.

Die Geschichte:
Nahid ist 60 (Ist sie die Frau auf dem Cover? Für mich, ja!) und hat Krebs im Endstadium, nichts mehr zu machen, Zeit gewinnen, den Tod hinausschieben. Ihre Tochter will sie unterstützen, doch Nahid weist sie zurück, verletzt sie, aber vielleicht war das ja schon immer so.
Nahid kam als junge Frau mit ihrem Mann Masood und der kleinen Tochter Aram als Flüchtling vor der Iranischen Revolution nach Schweden, nachdem sie den Ernst der Lage erkannt hatten, Freunde waren gestorben, die geliebte kleine Schwester Noora auf einer Demo, zu der sie sie mitnahmen vermisst, die Liebe zu Masood schnell gestorben, nachdem er sie schlägt und misshandelt.

Die Themen:
Es sind so viele Themen, die hier mitschwingen. Familie, Flucht, Fremdsein, Traumen, Misshandlungen in der Ehe, Mutterschaft,… Und das alles ergibt eine unglaublich berührende und vielschichtige Geschichte.

Die Sprache:
Schlicht, aber poetisch würde ich sie beschreiben. Sehr ehrlich, hart auch, aber ebenso sinnlich. Ein Genuss, dem Stil der Autorin zu folgen.

Fazit:
Keine einfache Geschichte, ein Roman mit Ecken und Kanten, sehr ehrlich, manchmal unerträglich, aber zutiefst menschlich. Ich habe ihn geliebt und jede Zeile mit Spannung und Vergnügen genossen!

Kommentare: 3
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KirstenWilczeks avatar

Rezension zu "Was bleibt von uns" von Golnaz Hashemzadeh Bonde

Einfach nur großartig
KirstenWilczekvor 3 Monaten

Die Welt mit anderen Augen sehen - für mich Anspruch und Verdienst der Literatur. Dem Anspruch genügt „Was bleibt von uns“ von Golnaz Hashemzadeh Bonde in nachgerade vorbildlicher Weise. Den Mehrwert dieses großartigen Romans habe ich als Leserin sehr dankbar, aber nicht minder beschämt eingestrichen.

Was ist das Großartige an diesem Werk?

Golnaz Hashemzadeh Bonde hat eine Geschichte zu erzählen, die mit ihr zu tun hat, mit ihrem Leben, ihrer Herkunft. Diese Geschichte ist von existenzieller Dringlichkeit. Sie muss unter ihrer Last erzählt werden. Sie entfaltet eine Wucht, die ergreifend ist.

Sie erzählt von Geflüchteten und ihrer Rettung, die auch ihre Verkehrung ins Gegenteil, die Verdammnis, in sich birgt: die eigene Verdammnis, weil man Menschen, die man liebt, zurückließ; die Verdammnis der anderen, die sich zurückgelassen fühlen, und schließlich derer, die ihre Heimat mit den Neuankömmlingen nicht teilen wollen und deswegen ihr Befremden in Worten oder Taten adressieren.

Es ist die Geschichte von Nahid, einer Iranerin, die als erste Frau in ihrer Familie Medizin studieren kann. Dann kommt Ruhollah Musawi Chomeini aus dem Pariser Exil zurück. Die Islamische Revolution beendet das Regime des Schahs Reza Pahlavi. Die Studenten, unter ihnen auch Nahid und der Marxist Masood, ihr Freund, demonstrieren gegen den Ajatollah. Tausende werden verfolgt, gefoltert und getötet. Unter den Toten sind ihre Freunde. Unter den Vermissten ist Nahids Schwester Noora, die sie unbedingt zu einer Demonstration begleiten, und die Nahid nicht abhalten wollte. Die Vierzehnjährige bleibt spurlos verschwunden – eine Schuld, die Nahid sich nie vergeben wird. Nahid und Massod heiraten. Doch einen Weg zurück in die Normalität gibt es nicht. Die Verfolgungen gehen weiter. Sie tauchen ab und leben mit ihrer kleinen Tochter Aram im Untergrund. Als die Maschen immer enger werden und die Entdeckung droht, fliehen sie mit gefälschten Pässen nach Schweden. Dort leben sie in einer Flüchtlingsunterkunft, später in einem sozialen Brennpunkt, aus dem sie herauswollen. Sie arbeiten und arbeiten, Nahid als Krankenschwester und Altenpflegerin, und schaffen es. Die Familie erwirbt ein Reihenhäuschen in gutbürgerlicher Lage.

„Was bleibt von uns“ ist die Geschichte einer glücklichen Integration, könnte man meinen. Doch das ist sie nicht. Nahid hat in Schweden nicht ihre Heimat gefunden, aber der Krebs in ihr seine. Sie kämpft dagegen an und erzählt am Ende ihre Geschichte ein paar Blättern Papier. Die eigentliche Adressatin ist Aram. Nahid gelingt es nicht, mit ihrer Tochter über all das zu sprechen, was sie zu der hat werden lassen, die sie ist: eine desillusionierte, reflektierte Frau, hart im Nehmen, auch im Hinnehmen der Schläge ihres Mannes, von dem sie geschieden wird und der inzwischen verstorben ist. Immer wieder enden Gespräche mit Vorwürfen der Mutter an die Tochter, die von ihrem schwedischen Lebensgefährten Johan selbst eine Tochter erwartet. Es ist ein schwieriges Verhältnis zwischen beiden. Nahid wünscht die Nähe ihrer Tochter, stößt sie aber immer wieder ab. Die Rückschau Nahids ist so entwaffnend ehrlich, so präzise, dass man es kaum aushält. Sie ist auch voller Poesie, dass man am Ende um diesen Menschen trauert, weil er einen so nahekommen lässt.

Bemerkenswert ist die Gabe der jungen Autorin so glasklar auf den Punkt zu formulieren, dass man sich an der Schliffkante schneiden kann. Noch beeindruckender ist ihre Fähigkeit und Empathie, Nahids Weg durch alle Phasen der Erkrankung in den Strebeprozess ohne jeden melodramatischen Schwulst zu beschreiben. Trotz all der Schwere der verhandelten Themen schließt der Roman dennoch nicht hoffnungslos: „Sie würden unsere Lieder singen, unsere Lieder würden nie aussterben.“

Wieso beschämte mich die Lektüre?

Es sind Sätze wie diese:

„Ich denke an die großen Bäume draußen auf der Insel. Ich denke, dass mein Enkelkind nicht wie ich werden wird. Sie wird ein Kind von Wurzeln sein, nicht von Sand. Sie darf dort leben, wo sie geboren wird. Mit tief in die Erde reichenden Wurzeln. Ich denke, dass ich das geschaffen habe. Ich habe dafür gesorgt, dass meine Enkelin sowohl Freiheit wie Wurzeln haben kann. Meine Flucht hat das ermöglicht.“

Was wissen wir schon, wir, die wir Wurzeln schlagen durften? Wir könnten wissen, wenn wir wollten. Ich weiß jetzt: Ich bin ein Baum. Neben mir ist Platz für andere. Zusammen sind wir ein Wald. Ein mächtiger Wald, ein Lebens- und Schutzraum.

Kommentare: 1
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aus-erlesens avatar

Rezension zu "Was bleibt von uns" von Golnaz Hashemzadeh Bonde

Aus Fehlern lernen
aus-erlesenvor 4 Monaten

Die Straße der Hoffnung ist ein steiniger Pfad. Die wenigen ebenen Abschnitte sind mit Mut, Entbehrungen und Verlust geteert. Diese Erkenntnis muss Nahid seit Jahrzehnten begehen. Anfang der 80er war sie der Stolz der Familie. Als Frau im Iran war sie Medizinstudentin. Als sie Masood kennenlernt engagiert sie sich politisch. Sie demonstriert gegen die islamische Revolution. In ihrer Unbekümmertheit und dem felsenfesten Glauben daran, dass ihr Aufruhr vom Erfolg gekrönt sein wird, nimmt sie eines Tages ihre kleine Schwester Noora mit auf eine dieser Demonstrationen. Doch alles läuft aus dem Ruder, Noora verschwindet auf Nimmerwiedersehen. Saber, Verbündeter und Freund wird zu Tode gefoltert. Weggefährten werden verhaftet, und niemand wird wieder etwas von ihnen hören. Nahid und Masood müssen fliehen. Schweden wird ihr neues Zuhause. Den erhofften Neuanfang erleben beide mit der Geburt ihrer Tochter Aram.
Die Rahmenhandlung, die Golnaz Hashemzadeh Bonde in ihrem ersten auf Deutsch erschienenen Roman skizziert, scheint auf den ersten Blick ein typischer Fluchtroman zu sein. Doch Nahid treibt etwas anderes um. Mittlerweile hat sie mehr als die Hälfte ihres Lebens gelebt, gehofft. Aram ist nun selbst erwachsen und erwartet ihr erstes Kind, eine Tochter. So wie Nahid nur Schwestern hatte – im Iran gelten männliche Nachkommen immer noch als größerer Segen als Mädchen. Ein Mädchen, ein Hoffnungsschimmer. 
Den hat Nahid dringend nötig. Sie weiß, dass ihre Tage gezählt sind. Ihre Wurzeln sind so weit entfernt, dass sie selbst nur schwer akzeptieren kann, eine Heimat zu besitzen. 
Doch ist sie selbst Heimat. Und zwar des Krebses. Er hat von ihr Besitz ergriffen. Ihre Mutter kann ihr nicht beistehen. Sie lebt immer noch im Iran. Und ist immer noch verbittert über Nahids Weggang. Ganz zu schweigen vom Verlust des Nesthäkchens Noora. 
Nahid versucht ihrer Tochter das zu geben, was sie selbst nie hatte. Hoffnung. Geborgenheit. Doch Aram ist in der Vergangenheit zu einer Art Projekt geworden. Nahid kann nur Ratschläge geben. Liebe und Geborgenheit flackern nur sporadisch auf. Darunter leidet Aram. Während der Krebs immer weiter voranschreitet, wächst in Aram neues Leben heran. Und Nahid kann nur noch einen Gedanken hegen: Als Großmutter von dieser Welt zu gehen.
„Was bleibt von uns“ ist ein intensiver Roman, der sich wie ein wohlwollender Virus unter die Haut setzt und im Herzen ein neues Zuhause findet. Nahid, ihre Mutter und ihre Tochter sind Frauen, die vom Verlust gezeichnet sind, die Gewalt am eigenen Körper (und der Seele) erfahren mussten und dennoch hoffnungsvoll in die Zukunft schauen. Wehmut, mal mehr, mal weniger, schwingt in ihrem Leben immer mit ohne dabei den Takt anzugeben. 

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Golnaz Hashemzadeh Bonde wurde am 01. Mai 1983 in Iran geboren.

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