Mal wieder ein Buch das mich gefordert hat, nicht wie so viele andere heute durch die Zahl der Seiten. Es kommt mir immer öfter so vor, als meinten Autoren, "gewichtig" bezöge sich auf Gewicht, also 500 Seiten und drüber. Doch das nur am Rande... Tavares schreibt einen kurzen Roman, 240 Seiten, kurze Kapitel, schnell gelesen...aber nicht schnell vergessen. Personen werden eingeführt, man verlässt sie wieder, folgt anderen. Der Leser merkt recht schnell dasdie Figuren zusammenhängen, miteinander verknüpft sind. Es sind allesamt "beschädigte" Menschen, entweder schon äußerlich, mit körperlichen Behinderungen, mit Sprachfehlern, aber auch so genannte "Normale" bei denen die "Beschädigung" im Denken, in der Wahrnehmung der Welt besteht. Ein Blick in ein erst fremdes Universum, das mir beim lesen aufdringlich nah kam. Ein Buch das nicht alle Fragen beantwortet, sondern Fragen stellt, also Literatur.
Gonçalo M. Tavares
Lebenslauf
Quelle: Verlag / vlb
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Neue Rezensionen zu Gonçalo M. Tavares
Mylia irrt durch die Straßen auf der Suche nach einer Kirche. Sie wird sterben, so viel sagen zu Mindest die Ärzte. Unter Schmerzen ruft sie Ernst an, einen Mann den sie eigentlich vergessen wollte. Denn er kannte sie während der Zeit in der Nervenklinik, damals als ihr Mann Theodor sich von ihr getrennt hat. Ihr Mann, der nun ihren Sohn für sie groß zieht.
Ich muss zugeben, dass ich zunächst befürchtete dieses Buch werde unlesbar, zu komplex um es zu genießen. Doch damit lag ich falsch. Es ist literarisch, aber auch fesselnd, trotz der Sprünge in der Zeit der Handlung und von Figur zu Figur. Beim Lesen dachte ich häufiger, dieses Buch ist das was dabei entstehen würde, wenn José Saramago Veronika beschließt zu sterben schreiben würde. Dann dachte ich allerdings, es ist so viel mehr als das.
Die Kapitel folgen unterschiedlichen Charakteren, die zunächst nichts miteinander verbindet, welche Tavares jedoch mit Fortschreiten der Handlung zunehmend miteinander verflicht. Diese Komplexität der Beziehungen entsteht jedoch graduell und so verliert der Leser nie den Faden, wie ich anfangs befürchtet hatte, sondern das Gelesene gewinnt noch an Tiefe, durch die verschiedenen Dimensionen, welche ihr hinzu gefügt werden.
Die Handlung an sich ist trist, die Figuren psychotisch, verbraucht oder paranoid – wenn nicht sogar alles auf einmal. Der Buchrücken sagt ‘Kafka-esk’ und obwohl ich Kafka bisher nicht gelesen habe, werde ich einfach mal annehmen, dass es stimmt. Denn Tavares erzeugt in seinem Roman eine düstere Stimmung in der die Charaktere gegen einen Strom der Trostlosigkeit und Selbstzerstörung anzuschwimmen versuchen und das nicht immer erfolgreich.
Für mich hat dieser Roman also genau das richtige Maß an Ernsthaftigkeit um mir dauerhaft im Gedächtnis zu bleiben. Angenehme Unterhaltung ist ja schön und gut, doch freue ich mich hier ein Buch entdeckt zu haben, welches mich während und nach der Lektüre fordert und zudem noch ein Musterbeispiel an beeindruckender literarischer Expertise darstellt, ohne dabei moralisierend oder sprachlich kompliziert zu werden.
Ich bin beeindruckt und erschüttert, ein wunderbares, aber auch sehr ernstes Buch.
Mylia irrt durch die Straßen auf der Suche nach einer Kirche. Sie wird sterben, so viel sagen zu Mindest die Ärzte. Unter Schmerzen ruft sie Ernst an, einen Mann den sie eigentlich vergessen wollte. Denn er kannte sie während der Zeit in der Nervenklinik, damals als ihr Mann Theodor sich von ihr getrennt hat. Ihr Mann, der nun ihren Sohn für sie groß zieht.
Ich muss zugeben, dass ich zunächst befürchtete dieses Buch werde unlesbar, zu komplex um es zu genießen. Doch damit lag ich falsch. Es ist literarisch, aber auch fesselnd, trotz der Sprünge in der Zeit der Handlung und von Figur zu Figur. Beim Lesen dachte ich häufiger, dieses Buch ist das was dabei entstehen würde, wenn José Saramago Veronika beschließt zu sterben schreiben würde. Dann dachte ich allerdings, es ist so viel mehr als das.
Die Kapitel folgen unterschiedlichen Charakteren, die zunächst nichts miteinander verbindet, welche Tavares jedoch mit Fortschreiten der Handlung zunehmend miteinander verflicht. Diese Komplexität der Beziehungen entsteht jedoch graduell und so verliert der Leser nie den Faden, wie ich anfangs befürchtet hatte, sondern das Gelesene gewinnt noch an Tiefe, durch die verschiedenen Dimensionen, welche ihr hinzu gefügt werden.
Die Handlung an sich ist trist, die Figuren psychotisch, verbraucht oder paranoid – wenn nicht sogar alles auf einmal. Der Buchrücken sagt ‘Kafka-esk’ und obwohl ich Kafka bisher nicht gelesen habe, werde ich einfach mal annehmen, dass es stimmt. Denn Tavares erzeugt in seinem Roman eine düstere Stimmung in der die Charaktere gegen einen Strom der Trostlosigkeit und Selbstzerstörung anzuschwimmen versuchen und das nicht immer erfolgreich.
Für mich hat dieser Roman also genau das richtige Maß an Ernsthaftigkeit um mir dauerhaft im Gedächtnis zu bleiben. Angenehme Unterhaltung ist ja schön und gut, doch freue ich mich hier ein Buch entdeckt zu haben, welches mich während und nach der Lektüre fordert und zudem noch ein Musterbeispiel an beeindruckender literarischer Expertise darstellt, ohne dabei moralisierend oder sprachlich kompliziert zu werden.
Ich bin beeindruckt und erschüttert, ein wunderbares, aber auch sehr ernstes Buch.
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