Der Dichter der Familie

von Grégoire Delacourt 
2,9 Sterne bei27 Bewertungen
Der Dichter der Familie
Bestellen bei:

Neue Kurzmeinungen

Positiv (7):
Isadors avatar

Keine leichte Sommerlektüre. Aber von der Sprache her ein typischer Delacourt!

Kritisch (10):
Isaoperas avatar

Leider nicht mein Geschmack, in Ansätzen spannend, aber schon sehr deprimierend...

Alle 27 Bewertungen lesen

Auf der Suche nach deinem neuen Lieblingsbuch? Melde dich bei LovelyBooks an, entdecke neuen Lesestoff und aufregende Buchaktionen.

Inhaltsangabe zu "Der Dichter der Familie"

Mit sieben Jahren schreibt Édouard sein erstes Gedicht. Wie charmant! Die Familie ist entzückt, von jetzt an steht fest: Édouard ist der Dichter der Familie. Doch für ihn beginnt damit der unaufhaltsame Abstieg: Die Jahre vergehen, und vergebens versucht er diesen einen Moment reiner Liebe und Bewunderung wiederauferstehen zu lassen. Nichts will ihm gelingen: Er wählt die falsche Frau und muss machtlos zusehen, wie seine Familie zerbricht. Statt Schriftsteller wird er Werbetexter, trotz seiner Erfolge fühlt er sich als Versager. »Schreiben heilt«, hat sein Vater immer gesagt – wird Édouard schließlich die Worte finden, die ihn und seine Liebsten zu heilen vermögen?

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783455404685
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Fester Einband
Umfang:240 Seiten
Verlag:Atlantik Verlag
Erscheinungsdatum:18.07.2017

Rezensionen und Bewertungen

Neu
2,9 Sterne
Filtern:
  • 5 Sterne2
  • 4 Sterne5
  • 3 Sterne10
  • 2 Sterne9
  • 1 Stern1
  • Sortieren:
    evafls avatar
    evaflvor einem Jahr
    Kurzmeinung: Schwere, französische Kost, lesenswert.
    Wir sangen es mit ganzer Seele, aber kein einziger Klang drang aus unserer Kehle.

    Schon als Kind wird Édouard zum Dichter der Familie gekürt, sein erstes Gedicht rührt die Familie, sie ist begeistert von diesem talentierten Jungen. Folglich fällt es ihm schwer, wirklich wieder zu schreiben, denn die Bewunderung und Liebe, die ihm dadurch entgegen gebracht wurde, sie fehlt fortan. So verläuft sein Leben nicht optimal, er scheitert, weil die Familie zerbricht, wird Werbetexter. Schafft er es doch irgendwann, die Worte zu finden, die ihn und seine Liebsten heilen können?

    Vom Autoren hatte ich bereits „Die vier Jahreszeiten des Sommers“ gelesen, entsprechend war ich hier nun gespannt, wie dieses Buch so ist, sich die Geschichte entwickelt.

    Auch in diesem Buch legt Grégoire Delacourt sehr viel Wert auf eine ausdrucksstarke, teilweise auch wieder poetische Sprache. Das Buch lässt sich angenehm lesen, es ist aber auf gar keinen Fall mal eben schnell gelesen. Ein anspruchsvolles Buch, das für mich gelegentlich verworren war, hinsichtlich mancher Schilderungen bzw. Erläuterungen/Erklärungen. Von den Worten her war es so, dass man merkt, dass es teilweise in den 70er und 80er Jahren spielt. So ist durch das Werbetexter-Dasein von Èdouard öfter mal die Rede von verschiedenen Firmen – die mir nicht unbedingt etwas gesagt haben. Ansonsten hatte ich hier das Gefühl, dass nicht unbedingt immer wieder französische Begriffe auftauchen. Orte natürlich, aber Begriffe nicht. In dieser Hinsicht war es also gut zu lesen.

    Die Geschichte an und für sich ist generell dramatisch, das kann man nicht anders sagen. Sie hat mich durchaus gut unterhalten, hat aber oft auch auch zum Nachdenken angeregt bzw. war so anspruchsvoll geschrieben, dass man manche Passagen mehrfach lesen musste. Zwischendurch hat mir immer mal wieder der Zusammenhang gefehlt bzw. war es für mich einfach nicht interessant – oder vielleicht auch einfach gerade zu schwere Literatur. Es ist ja nicht so, dass es sich hier um ein durch und durch fröhliches, locker-leicht geschriebenes Buch handelt. Dementsprechend hat es länger gedauert, dieses Buch zu lesen, ich musste auch eine Pause einlegen, einfach weil es kurzzeitig nicht mehr interessant für mich war.

    Ab dem letzten Drittel lief es wieder rund mit dem Buch und mir, es wurde wieder interessanter, es war spannend zu lesen, was sich hier wie weiter entwickelt – was sich in Sachen der Literatur und der Liebe tut.

    Für mich war es erneut eine interessante Lektüre, eine durchaus sehr anspruchsvolle aber eben auch, ein schweres Stück. Es war nicht gänzlich mein Fall bzw. war mir teilweise einfach zu schwer bzw. nicht fesselnd genug.
    Von mir gibt es für dieses Buch 3 von 5 Sternen und eine Empfehlung.

    Kommentieren0
    2
    Teilen
    raven1711s avatar
    raven1711vor einem Jahr
    Leider sehr deprimierend

    Rezension Grégoire Delacourt - Der Dichter der Familie

    Klappentext:
    Mit sieben Jahren schreibt Édouard sein erstes Gedicht. Wie charmant! Die Familie ist entzückt, von jetzt an steht fest: Édouard ist der Dichter der Familie. Doch für ihn beginnt damit der unaufhaltsame Abstieg: Die Jahre vergehen, und vergebens versucht er diesen einen Moment reiner Liebe und Bewunderung wiederauferstehen zu lassen. Nichts will ihm gelingen: Er wählt die falsche Frau und muss machtlos zusehen, wie seine Familie zerbricht. Statt Schriftsteller wird er Werbetexter, trotz seiner Erfolge fühlt er sich als Versager. »Schreiben heilt«, hat sein Vater immer gesagt – wird Édouard schließlich die Worte finden, die ihn und seine Liebsten zu heilen vermögen?

    Meinung:
    Meine Freunde war groß, als ich in der Herbst-Verlagsvorschau den neuen Roman von Grégoire Delacourt entdeckte, war sein zuletzt erschienener Roman Die vier Jahreszeiten des Sommers doch eines meiner Lesehighlights 2016.
    Nun lernt man Édouard kennen, der im zarten Alter von 7 Jahren sein erstes Gedicht schreibt und fortan als der Dichter der Familie angesehen wird. Ein schweres Los, das fortan auf Édouards Schultern lastet und ihn sein Leben lang begleiten wird. Die Ehe seiner Eltern ist am Wackeln, seine Familie zerbricht nach und nach, und auch im Erwachsenenleben scheint er einen Fehlgriff nach dem anderen zu machen, immer auf der Suche nach dem Glück.
    Der Einstieg in das Buch gestaltete sich schwierig und es wurde auch nicht wirklich besser. Ich fand kaum Zugang zu Édouard oder seiner Familie, die Schwermut der Geschichte deprimierte mich regelrecht und die Lesefreude ließ auf sich warten. Delacourts Geschichten haften ja immer eine leichte Melancholie an, hier aber treibt er es leider zu sehr auf die Spitze, so dass die Geschichte schwer und zäh wird, trotz einer Seitenzahl von gerade mal 240 Seiten.
    An und für sich war die Thematik durchaus interessant, leider hat mich der Roman diesmal nicht abholen können. War es der falsche Zeitpunkt für mich für diesen Roman? Ich weiß es nicht. Mir bleibt hier nur die Hoffnung, dass das nächste Buch von Grégoire Delacourt mich wieder finden wird, dann vielleicht nicht mehr ganz so schwermütig, mit etwas mehr Zuversicht und seinem gewohnt poetischen Erzählstil

    Fazit:
    Der Dichter der Familie lässt mich leider etwas enttäuscht zurück. Zu schwermütig und zu depressiv erzählt, zu wenig Zugang zu seinen Protagonisten stellte sich ein. Der erhoffte Wow-Effekt blieb leider aus und hat mich etwas ernüchtert zurück gelassen. Da konnte auch Delacourts poetischer Sprachstil mich nicht drüber hinweg trösten. Vielleicht wieder beim nächsten Buch...
    Von mir gibt es 2,5 von 5 Punkten.
    Vielen Dank an den Atlantik Verlag für das Rezensionsexemplar.

    Kommentieren0
    1
    Teilen
    19angelika63s avatar
    19angelika63vor einem Jahr
    Kurzmeinung: Dieses Buch ist traurig, deprimierend und melancholisch zugleich. Man könnte es als modernes Märchen bezeichnen, denn am Ende wird alles gut
    Eine Familie

    Klappentext
    Als der kleine Édouard sein erstes Gedicht schreibt, ist seine Familie gerührt und begeistert von dem talentierten Jungen. Von jetzt an steht fest: Édouard ist der Dichter der Familie. Doch für ihn beginnt in diesem Moment der unaufhaltsame Abstieg: Die Jahre vergehen, und vergebens versucht er diesen einen Moment reiner Liebe und Bewunderung wiederauferstehen zu lassen. Nichts will ihm gelingen: Er wählt die falsche Frau und muss machtlos zusehen, wie seine Familie zerbricht. Statt Schriftsteller wird er Werbetexter, trotz seiner Erfolge fühlt er sich als Versager. >Schreiben heilt<, hat sein Vater immer gesagt - wird Édouard schließlich die Worte finden, die ihn und seine Liebsten zu heilen vermögen?



    "Wann weiß man, dass man liebt? Am Abend oder am Morgen? Wenn es noch Zeit ist oder schon zu spät?
    (...)
    Geliebt werden, bevorzugt werden, derselbe Kampf. Dieselbe Feigheit. Wir weiden uns alle an dem Verlangen des anderen nach uns. Keine Liebe dabei. Bloß das Verlangen nach dem Verlangen des anderen." (Seite 60)


    Als Kind schreibt Édouard einen einfachen Reim. Und schon ist die komplette Familie aus dem Häuschen und sieht in ihm einen potentiellen Dichter. Doch die Familie hat keine Ahnung welchen Druck sie damit auf Édouard ausüben. Immer auf der Such nach den richtigen Worten für einen Roman oder ein Gedicht findet er alles Mögliche, nur nicht den Erfolg den seine Familie sich für ihn erhofft. Er in seinen Augen ständig falsche Entscheidungen, obwohl er als Werbetexter sehr erfolgreich ist. Doch er glaubt den Ansprüchen seiner Familie nicht zu genügen.

    Dies ist nicht, wie ich zuerst glaubte ein neuer Roman von Delacourt. Nein, dieser Roman erschien bereits 2011. Mit diesem Roman hat er debütiert  und in Frankreich dafür einige Preise bekommen.

    "Der Dichter der Familie" ist wieder ein Buch, das die Leserschaft spaltet. Viele finde es nicht gut, da es nicht an "Die vier Jahreszeiten des Sommers" heranreicht. Ich sehe das ein bisschen anders, nämlich unter dem Aspekt des Debüts. Delacourt hat mit diesem Buch ein sehr schönes Debüt geschrieben. Eines, welches man tiefer betrachten muss und sollte.

    Da ist der in meinen Augen sehr schüchterne Édouard. Er lebt in einer Familie, die Probleme hat. Die Eltern lieben sich nicht mehr und stehen kurz vor der  Trennung. Sein Bruder ist krank und landet später in der Psychiatrie. Und seine Schwester hängt irgendwie dazwischen. Dann schreibt Édouard ein paar Zeilen, die sich reimen und schon feiert ihn die Familie als großen Schriftsteller, nichtsahnend, dass sie ihn damit unter Druck setzen, ein erfolgreicher Schriftsteller zu werden. Édouard scheint an diesem Druck zu zerbrechen. Letztendlich zerbricht die ganze Familie.

    Delacourt zeigt mit einer sehr weichen und melancholischen Art auf, was die Erwartungen der Eltern an ihre Kinder anrichten können. Was mit Kindern und späteren Erwachsenen geschieht, die ihr Leben lang nach Anerkennung und Liebe der Eltern/ Familie lechzen ...

    In meinen Augen ein wundervolles Buch, dass die Strukturen einer Familie aufzeigt.  Sicherlich ein anderes Buch als "Die vier Jahreszeiten des Sommers", aber auf jeden Fall ein Delacourt, wenn auch früher,  und  lesenswert.

    "Man muss gesehen haben, wie seine Eltern sich prügeln, um zu begreifen, dass ein Kind den Wunsch entwickeln kann zu sterben." (Seite 32/ 33)

    Kommentare: 4
    10
    Teilen
    Kleine8310s avatar
    Kleine8310vor einem Jahr
    Der Dichter der Familie

    "Der Dichter der Familie" ist ein Roman des Autors Grégoire Delacourt. Für mich war dieses Buch, das erste des Autors und da ich die Geschichte, vom Klappentext her, ganz vielversprechend fand, hoffte ich, dass auch der Inhalt ein paar schöne Lesestunden bereiten würde ...


    In dieser Geschichte geht es um den Protagonisten Édouard. Der kleine Junge schreibt mit sieben Jahren sein erstes Gedicht und die ganze Familie ist begeistert davon. Ab diesem Zeitpunkt steht klar fest, dass Édouard der Dichter der Familie ist. Doch für den Protagonisten beginnt damit ein unverhoffter Abstieg, der sein ganzes Leben überschatten soll. 

     

    Viele Jahre versucht Édouard, dass Gefühl der Liebe und Begeisterung, welches ihm damals entgegengebracht wurde erneut zu erreichen und stößt dabei an seine Grenzen. Auch sein Wunsch seine Familie durch seine eigenen Worte heilen zu können zerplatzt und die Familie bricht auseinander. Wird sich die Aussage seines Vaters, dass "Schreiben heilt" dennoch für ihn bewahrheiten können?

    Der Einstieg in diesen Roman ist mir leider nicht so gut gelungen. Das lag zunächst einmal an dem sehr episodischen und sprunghaften Schreibstil von Grégoire Delacourt. Mir persönlich, wurden direkt zu Beginn viel zuviele Themen eingebracht, aber keines so, dass ich mich auch auf die Inhalte einlassen konnte. Es wirkte auf mich, wie ein aufzählen von Ereignissen, was sich nach einer Eingewöhnungszeit nicht ganz schlecht lesen liess, da der Autor den Fokus mehr auf den Protagonisten legt, aber gefesselt hat mich die Geschichte nicht.

     

    Die Ausarbeitung der Charaktere war recht gelungen, auch wenn keiner von ihnen ein Sympathieträger/eine Sympathieträgerin für mich war. Der Protagonist konnte mich leider von allen am wenigsten überzeugen, da mir die emotionalen Momente nicht authentisch genug waren. Eine gewisse Melancholie finde ich nicht schlecht, aber hier war es zuviel des Guten, vorallem im Kontext mit Themen, die hier so gar nicht hinpassen wollten.

     

    Die Thematik des Dichtens und des Schreibens wird immer mal am Rande erwähnt, aber es geht mehr um einzelne Schicksale innerhalb einer Familie und nicht um die Thematik, die ich mir vom Klappentext versprochen hatte. Was mich am meisten gestört hat war, dass der Autor sehr vulgär und teilweise einfach unpassende Beschreibungen abliefert, die mich einfach nur noch angewiedert haben. Was haben solche extremen Sex-Szenen, in einem Roman zu suchen? Hinzu kam ein, in meinen Augen, sehr respektloser "Witz" wo es um die Thematik einer Vergewaltigung geht, was, für mich, gar nicht in Ordnung geht. Sarkasmus und Ironie sind mir nicht fremd, aber manchen Themen sollte man schon mit ein bisschen mehr Respekt und Anstand begegnen. 

    Positiv: 

    * ein nettes Cover

     

    Negativ: 

    * ich habe mir von der Beschreibung eine ganz andere Geschichte versprochen

    * die Inhalte sind teilweise auf sehr grenzwertige und grenzüberschreitende Art 

       beschrieben und die Sprache war mehr als nur vulgär

    * mir fehlte beim Protagonisten eine deutliche Entwicklung  

    * der Schreibstil ist knapp und episodisch, was den Lesefluss nicht recht zustande 

       kommen lässt

    * trotz emotionaler Themen kam bei mir kein wirkliches Gefühl an

     

    "Der Dichter der Familie" konnte mich von den Inhalten und der Sprache des Autors absolut nicht überzeugen. Ich habe mehrfach überlegt nicht mehr weiterzulesen, mochte das Buch, im Rahmen einer Leserunde, aber nicht abbrechen. Für mich wird es kein weiteres Buch des Autors geben und ich kann dieses auch leider nicht empfehlen.

     

    Kommentieren0
    5
    Teilen
    Isadors avatar
    Isadorvor einem Jahr
    Kurzmeinung: Keine leichte Sommerlektüre. Aber von der Sprache her ein typischer Delacourt!
    Wortgewaltig und vom Inhalt berührend

    Edouard erfindet in seiner jungen Kindheit einen eigenen Reim, den er seinen Eltern präsentiert. Seit diesem Zeitpunkt ist er für alle nur noch "der Dichter der Familie". Die Familie ist jedoch völlig kaputt - der Vater war im Algerienkrieg, der Großvater in Mauthausen, der kleine Bruder ist verstummt...

    Und so geht auch Edouards Leben weiter. Er heiratet eine Frau, die nicht seine große Liebe ist, und die von ihm erwartet, dass er ein Buch schreibt. Es herrscht eine große Traurigkeit in seinem Leben, aus der er sich nicht befreien kann.

    Dieses Buch ist trotz seines farbenfrohen leichten Covers alles andere als eine leichte Sommerlektüre. Die Traurigkeit zieht sich wie ein roter Faden durch den gesamten Roman. Trotzdem gefällt mir wie immer auch hier der wortgewaltige Schreibstil des Autors, der das Lesen zum Genuss macht!

    Obwohl ich das Buch schon vor einigen Wochen beendet habe, wirkt es noch in mir nach. Ich empfehle es Lesern, die nicht immer nur von rosaroten Welten lesen möchten.

    Kommentieren0
    2
    Teilen
    katze267s avatar
    katze267vor einem Jahr
    Kurzmeinung: Das Schicksal eines Mannes der von Kind an versucht, die in ihn gesetzten Erwartungen zu erfüllen, ein Dichter zu werden, sehr melancholisch
    Melancholischer Roman über unerfüllte Erwartungen

    Edouard verfasst als Siebenjähriger ein nettes Gedichtchen und von nun an erwartet seine Familie, dass er sich später zu einem berühmten Dichter entwickelt. Doch er kann diese Erwartungen nicht erfüllen,auch nicht die seiner Freundin und späteren Ehefrau Monique, die in ihm einen erfolgreichen Buchautor sehen will. Er ist und bleibt ein Verlorener, Getriebener, ständig fremd bestimmt und unglücklich, die Vorstellungen seiner Familie nicht wahr machen zu können. Zu diesem schon freudlosen Leben kommen noch die Trennung seiner Eltern und der behinderte Bruder. Insgesamt strahlt der ganze Roman eine andauernde Trostlosigkeit und Melancholie aus.

    Sogar die sich einstellenden beruflichen Erfolge Edouards als Webetexter und die Geburt seiner Tochter, werden nicht als glückliche Ereignisse dargestellt, die depressive Grundstimmung bleibt. Einige Abschnitte des Romans, insbesondere eine Affäre Edouards mit einer Kollegin, werden zudem in einem recht vulgären Sprachstil beschrieben, was mich, besonders nach den früheren Büchern des Autors negativ überraschte.

    Erst das Ende des Romans bringt hoffnungsfrohe Aspekte sowohl für Edouard als auch für seine Eltern und versöhnte mich etwas mit dem sonst durchgehend „Tristesse“ ausstrahlenden Roman.


    Kommentieren0
    4
    Teilen
    Simi159s avatar
    Simi159vor einem Jahr
    keine leichte Lesekost

    Von Grégoire Delacourt hatte ich im vergangenen Jahr sein Buch „ Die vier Jahreszeiten des Sommers“ gelesen. Seine Sprache, die Bilder, die in meinem Kopf entstanden, seine Charaktere haben mich verzaubert. Denn so klar und und sich verspielt berührten seine Worte und ich war dementsprechend neugierig, wie sein neues Buch ist.

    „Der Dichter der Familie“ geht es um  Édouard, der in Dekaden, 70er-80er-90er Jahre, sein Leben und das seiner Familie erzählt. 

    Als kleiner Junge schrieb er lustige Reimgedichte, wurde von allen in der Familie dafür gelobt und bekam im Zuge dessen den „Stempel“ Dichter. Seine Eltern sahen in ihm einen großen Dichter - Geschichtenerzähler -Schriftsteller. Und fortan versucht an diesen Erfolg anzuknüpfen und erreicht ihn doch nie…

    Fazit:

    Schade, so recht anknüpfen an „Die vier Jahreszeiten des Sommers“ und die gleichen Gefühle entstehen lassen kann dieses neue Buch des Autors leider nicht. 

    Dafür ist die Erzählweise, die abgehakte in den Zusammenhängen ist, und die Sprache zu nüchtern und schnörckelos.

    Man sieht dem Erzähler immer wieder beim Scheitern zu, bei seiner Suche, die nie zu Enden scheint. Obwohl Édouard Talent hat, einen Blick für Personen und Zusammenhänge, was sich im Erfolg bei seinen Werbesprüchen zeigt, doch sein Traum Schriftsteller zu sein, ein eigenes Buch zu schreiben, erfüllt sich nie.

    Er ist ein Suchender, der geliebt werden möchte und nie diese Liebe zu bekommen scheint, weder von seinen Eltern noch von seinen Frauen.

    Als Leser hat man es schwer, zum Einen in den Text hinein zu kommen und zum Anderen mit den Figuren warm zu werden. Denn die Charaktere erschließen sich einem erst am Ende, wenn man den Buchdeckel schließt.

    Alles in allem keine leichte Sommerlektüre, sondern schwer lesbare Herbst - Winter-Ware.


    Von mit gibt es 3 STERNE.

    Kommentieren0
    0
    Teilen
    SharonBakers avatar
    SharonBakervor einem Jahr
    Anders als erwartet. Dramatisch & trotzdem gut ...

    Édouard ist sieben, als er sein erstes Gedicht schreibt und der Familie vorträgt. Begeistert, mit viel Lob und Applaus nehmen sie es auf und in dem Augenblick steht fest, er wird später Schriftsteller. Doch so leicht sind vorformulierte Träume nicht. Édouard scheitert, in der Liebe, als Schriftsteller und irgendwie scheint ihn dieses Schicksal, in die Wiege gelegt, denn seine Umgebung zerbricht, in viele Einzelstücke. Wie soll er da nur ans Schreiben denken und warum, wird das immer von ihm verlangt? Sein Vater meinte mal zu ihm, „Schreiben heilt“, davon hat er bis jetzt nichts gemerkt und fühlt sich in seinem eigenen Leben als Versager. Was macht dieser Traum aus ihn? Findet er wirklich nie die richtigen Worte? Und folgt nicht nach einem Abstieg auch wieder der Aufstieg?
    Letztes Jahr habe ich mein erstes Buch von diesem Autor gelesen und mit „Die vier Jahreszeiten des Sommers“ konnte er mich total überzeugen. Ein richtiges Sommerbuch, zum entspannen und genießen. Natürlich wünschte ich mir dieses gleiche Wohlgefühl bei dieser Geschichte und der Klappentext sorgte für Vorfreude und liess auf großes Lesevergnügen hoffen. Ob mich der Autor auch dieses mal begeistern konnte, erzähle ich euch jetzt.

    Im Mittelpunkt des Buches steht Édouard, der älteste Sohn von drei Kindern. Auf dem ersten Blick scheint es eine ganz normale Familie zu sein, aber der Schein trügt. Es ist alles andere als leicht. Der Vater war im Krieg, und als er wieder nach Hause zurückkehrte, wurde er sofort mit seiner Jugendliebe verheiratet. Sein wohl bedeutendster Satz im Leben, ist wohl „Mach den Mund auf, sonst entscheiden andere dein Leben“ und das, zieht sich durch die ganze Geschichte. Verpasste Chancen, schlechte Planung, unerfüllte Sehnsüchte und Depressionen beschreiben diese Familie. Das Drama schleicht sich leise an und wütet dann Schlag auf Schlag. Tja, und Édouard mittendrin. Er ist da leider wie sein Vater, lässt vieles geschehen, was er gar nicht möchte, weil er nicht die richtigen Worte findet. Überhaupt sucht er die richtigen Buchstaben und statt diese zu finden, ist er der gutmütige Tropf, der dann die Verantwortung trägt. Dabei könnte sein Leben gar nicht so schlecht verlaufen, statt Schriftsteller, ist er nämlich Werbetexter geworden und das ziemlich erfolgreich. Aber trotzdem fühlt er sich als Versager, da er das Buch, von dem alle reden, immer noch nicht veröffentlicht hat.

    Die ganze Geschichte handelt eigentlich von Träumen, Hoffnung und Sehnsüchte, die sich alle nicht erfüllen und einige dran zerbrechen. Es sind die Wünsche, die man sich im Leben ersinnt und an denen man zerbricht. So wünscht sich die Mutter Liebe, der Vater sein Leben und eine Tochter, einen Märchenprinzen oder Édouard sein Buch. Oft sind es eigene ersponnene Träume, oder die in die Wiege gelegten. Allerdings haben beide was gemeinsam, sie machen das Leben nicht einfach und manche sollen eben nie in Erfüllung gehen.

    Grégoire Delacourt nimmt sich hier einer traurigen Geschichte an, und obwohl ich sein Blick in das realistische Leben mag, war die Melancholie und die dramatische Steigerung schon recht überraschend und machte beim Lesen unglaublich wehmütig. Er erzählt nämlich nicht allein die Geschichte dieses jungen Mannes, sondern einer ganzen Familie und diese ist einfach schrecklich traurig. Der Anfang ist noch recht beschwingt, aber schnell kommt die Wende, Internat, Klinik, Scheidung, ungewollte Heirat, und wenn man aus dieser hinabschleife, ausbrechen möchte, schlägt auch noch das Schicksal zu. Édouard‘s Geschichte lehrt uns einfach, nicht immer an allen fest zuhalten, auch mal auf den Tisch zu hauen und statt die richtigen Worte zu suchen, einfach überhaupt was zu sagen.

    Dabei benutzt der Autor leichte, sogar fast zarte Töne. Er haucht seinen Figuren Liebe ein und so leidet man, einfach schrecklich mit. Dabei verwendet er auch ganz gern gezielte Kosenamen, die einen manchmal etwas verwirren, es aber mit jeder weiteren Seite charmanter machten. Tja, und obwohl es recht schwermütig ist, habe ich es gern gelesen. Die Art des Erzählens und seine Figuren wachsen einen einfach ans Herz. Man leidet zwar furchtbar mit und möchte gern eingreifen, gibt aber auch nicht auf zu hoffen. Ich fand es wieder toll zu lesen, wünschte mir aber, dass er uns noch ein bis zwei Kapitel mehr gegönnt hätte, um die aufgewühlte Seele wieder träumen zu lassen.

    Der Dichter der Familie ist eine ruhige und dramatische Familiengeschichte, die sehr sensibel, aber auch mit vielen Schicksalsschlägen erzählt wird und uns zeigt, dass Träume zwar wichtig sind, wir sie aber nicht immer einhalten können im Leben. Es ist nämlich immer Zeit, Neue zu erträumen.

    Kommentieren0
    1
    Teilen
    Patnos avatar
    Patnovor einem Jahr
    Bedrückendes Intermezzo

    Auch ich wollte endlich einmal einen "Grégoire Delacourt" lesen. Die Gelegenheit bot sich mit dem neuen Roman "Der Dichter der Familie", der im Juli 2017 beim Verlag Hoffmann und Campe veröffentlicht wurde.

    Im zarten Kindesalter von sieben Jahren schreibt Édouard ein kleines Gedicht und seine Eltern sind von ihrem talentierten Jungen ganz begeistert. Der Dichter der Familie war geboren! Doch für Édouard ist es wohl mehr Fluch als Segen. Nichts läuft glatt in seinem Leben, er heiratet die falsche Frau, die Ehe seiner Eltern zerbricht und statt Schriftsteller, wird er Werbetexter. Édouard fühlt sich als Versager und immer hört er die Worte seines Vaters "Schreiben heilt". Wird es ihm letztendlich gelingen, seinem Namen als Dichter der Familie doch noch gerecht zu werden?

    Der Einstieg in das Buch fiel mir echt schwer. Ich quälte mich ein wenig durch die Seiten. Eigentlich mag ich es poetisch und gefühlvoll, aber hier wirkte alles so abgehackt und gestelzt.
    Ab der Mitte des Buches hatte ich mich endlich an den Schreibstil gewöhnt, der dann mitunter ins Derbe und Vulgäre ausuferte. Einen solch ungewöhnlichen, von krassen Gegensätzen geprägten Schreibstil, habe ich noch nicht gelesen. Zweifelsohne beherrscht der Autor sein Handwerk und natürlich spürt man den französischen Einschlag. Es gab einige Stellen, die mir richtig gut gefallen haben.
    Anderseits ist Delacourts Geschichte voller Melancholie, durchzogen von falschen Erwartungen und Enttäuschungen. Das wirkte bedrückend auf mich. Spannung suchte ich vergebens.
    Obwohl die Figuren mit ihren Eigenheiten und Emotionen gut dargestellt sind, fand ich irgendwie keinen Bezug zu ihnen.
    Da waren also diese Eltern, die meinten einen Wunderknaben geschaffen zu haben und ihm schon frühzeitig falsche Träume suggerierten. Ihre Beziehung geht in die Brüche und für Édouard wird es schwierig mit der Situation umzugehen.
    Er ist ein phlegmatischer Typ, der sich kaum oder nur schwer aus seiner misslichen Lage befreien kann. Das Ehedrama scheint sich bei ihm zu wiederholen. Obwohl er z.B. von Anfang an weiß, dass ihn mit Monique keine wirkliche Liebe verbindet, heiratet er sie. Manchmal habe ich gedacht, er beschwört das Unglück geradezu herauf. Ich hätte ihm etwas mehr Kraft und Energie gewünscht, denn so hat mich der Roman einfach nur runtergezogen und ich habe mich gefragt, wer so etwas wirklich lesen möchte?
    Am Ende kann man schließlich von einer positiven Tendenz sprechen. Zumindest hat Édouard letztendlich seine Berufung gefunden und ich war zufrieden, dass der Roman nur 200 Seiten umfasste.

    Fazit: Sehr spezieller Lesestoff, der die Leserschaft spalten dürfte. Mein Geschmack war es leider nicht, daher empfehle ich, es mit Vorsicht zu genießen!

    Kommentieren0
    11
    Teilen
    SABOs avatar
    SABOvor einem Jahr
    "Schreiben heilt!"

    Grégoire Delacourt - Der Dichter der Familie
     
    "Mit sieben Jahren schreibt Édouard sein erstes Gedicht. Wie charmant! Die Familie ist entzückt, von jetzt an steht fest: Édouard ist der Dichter der Familie. Doch für ihn beginnt damit der unaufhaltsame Abstieg.."

    Mit sieben Jahren schreibt der kleine Édouard seinen ersten "Vierzeiler", mit acht Jahren hat er bereits die erste Schreibblockade, mit neun fliegen ihm keine Reime mehr zu, er ist wie einer, der zu früh Talent hatte und mit zehn hat er Probleme in der Schule.

    Das zu früh umjubelte Familiengenie scheint fast daran zu verzweifeln, es entzweit die Familie. Die Freude, die Édouard seinem Vater damals machte, wandelt sich in eine Depression, der Vater verlässt die Familie.
    Die Mama hingegen blüht auf, ihre Schönheit erwacht und der Auszug des traurigen Ehemannes wirkt wie ein Jungbrunnen und sie genießt das Single-Leben in vollen Zügen. Es ist, als wirke sich Édouards fallendes Geschick auf das Glückseiner Familie aus.
    Édouard kommt in ein Internat, dem ein strenger und verbitterter Jesuitenpater vorsteht. Immer wieder nimmt er Édouard seine Bücher weg und indiziert sie.
    Édouard rächt sich mit Schmähschriften.
    Die Psychoanalyse kommt in Mode und Édouard verpasst die ersten kurzen Röcke von Cacharel. Der Therapeut schweigt zurück und verschreibt ihm Valium, Édouard fühlt sich dumpf und motivationslos.
    Sechs Jahre Internat in einem Jesuitenkolleg machen aus einen ehemals fröhlichen Jungen einen gebildeten Ignoranten, der die Jahre in nie erlebten Ereignissen misst. Von Jimi Morrison, den Paten, der freizügigen Mode der 70ger bis zu den BeeGees und sogar den Tokyo Tapes der Scorpions.
    Er bedauert, weder die Geburt von U2 noch The Clash miterlebt zu haben, noch die Beatles "gesehn" zu haben.

    Édouard ist ein erwachsener Mann und die richtigen Worte haben in ihm noch immer kein Zuhause gefunden, sein Roman liest sich wie ein Irrgarten und wird abgelehnt. Er ist enttäuscht und weiß nicht, wie er den Heimweg zu seiner erwartungsvollen Familie antreten soll, er lässt sich solange in wehmütigen Nichtgedanken treiben, bis der letzte Zug einfährt..

    Es liest sich mit Leichtigkeit und Distanz zu den Figuren, typisch französisch, in Charakter und Handlung. Eine unbefangene Schwermut und immerwährende Sehnsucht.
    Wie bei jedem Delacourt, fängt man erst einmal an zu lesen, gerät man in einen Sog, der einem erst auf der letzten Seite wieder ausspuckt.
    Wer Delacourt mag, wird sich von Édouard und seiner Familie berührt fühlen.
    Ich mag ihn..

    Kommentieren0
    11
    Teilen

    Gespräche aus der Community zum Buch

    Neu

    Starte mit "Neu" die erste Leserunde, Buchverlosung oder das erste Thema.

    Was ist LovelyBooks?

    Über Bücher redet man gerne, empfiehlt sie seinen Freunden und Bekannten oder kritisiert sie, wenn sie einem nicht gefallen haben. LovelyBooks ist der Ort im Internet, an dem all das möglich ist - die Heimat für Buchliebhaber und Lesebegeisterte. Schön, dass du hier bist!

    Mehr Infos

    Buchliebe für dein Mailpostfach

    Hol dir mehr von LovelyBooks