Grégoire Delacourt Wir sahen nur das Glück

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Inhaltsangabe zu „Wir sahen nur das Glück“ von Grégoire Delacourt

Eine glückliche Familie? Ein Vater, der über den Wert seines Lebens nachdenkt. Eine Mutter, die einen anderen Mann liebt. Ein Sohn, der am liebsten auf einem Motorrad bis ans Ende der Welt fahren würde. Und eine Tochter, die trotz allem an Liebe und Vergebung glaubt ... Grégoire Delacourt erzählt von den verborgenen Winkeln der Seele und den Umwegen, die schließlich doch noch zum Glück führen.

Wie unglaublich gut kann ein Buch eigentlich sein?!

— PaulaAbigail
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  • Wir sahen nur das Glück

    Wir sahen nur das Glück
    Fantasie_und_Träumerei

    Fantasie_und_Träumerei

    29. December 2015 um 16:49

    Antoine ist von seinen Eltern nie wirklich geliebt worden. Sein Vater unfähig solch starken Gefühle zum Ausdruck zu bringen, seine Mutter nicht in der Lage sie zu entwickeln. Sie hat es wenigstens mal versucht, doch dann kam der Tod einer ihrer Zwillinge dazwischen und sie wusste keinen anderen Ausweg, als die Flucht anzutreten. Feige hat sie ihre Kinder zurückgelassen bei einem Mann, der sich mit Feigheit bestens auskennt, denn die Feigheit ist es, die ihn davon abhält, Gefühle zuzulassen. „Ohne die Liebe einer Mutter gedeiht man krumm. Wächst man schief.“ Antoine und seine Schwester – der Zwilling, der noch lebt – sind die Zurückgebliebenen. Verlassen von der Liebe, die Eltern ihren Kindern geben sollten, leben sie in einer Art Symbiose. Dann lernt Antoine eine Frau kennen. Schön, wild, scheinbar mutig. Schnell brennt er für sie, doch ebenso schnell erlöschen die Flammen, in denen sie gemeinsam getanzt haben. Antoine ist wieder derjenige, der zurückbleibt. Doch nun gibt es eine Tochter, die er liebt. Bei einem späteren Versuch wieder eine Familie zu werden, denn irgendwann soll sich der Kreislauf aus familiärer Zerrüttung mal lösen, kommt noch ein Sohn hinzu. Antoine wäre so gern ein guter Vater. Doch hemmt ihn das Gefühl, es nicht zu können. Er traut seiner Zuneigung nicht, traut sich selbst nicht und begeht eine Tat von schockierender Brutalität. „Im Krieg und in der Liebe ist alles erlaubt“ so ein berühmtes Zitat Napoleons. Aber was ist erlaubt, wenn Liebe fehlt? Wenn ein Kind aufwächst, ohne die Liebe der Eltern? Was macht das aus ihm? Antoine hat nie die Liebe erfahren, die er benötigt hätte. Weder von seinem Vater noch von seiner Mutter. Wie soll er lieben erlernen, wenn er der Liebe nie begegnet ist? Wie soll er sie weitergeben? Es entsteht ein Kreislauf, der sich über mehrere Generationen erstreckt. Entrinnen kaum möglich. Oder doch? Welchen Weg gibt es heraus aus diesem Teufelskreis, der das Leben kalt und leer werden lässt? „Man wächst schlecht ohne den Schatten einer Mutter. Man wächst schief. Man wird zum Dornenstrauch.“ Als Pädagogin mit psychologischem Hintergrundwissen, fallen mir mehrere Wege ein. Wege, die steinig und beschwerlich sind und möglicherweise erst nach Jahren und in folgenden Generationen Erfolg zeigen. Der Weg, den Delacourt für seinen Protagonisten gewählt hat, hat mich umgehauen. Wie ein Faustschlag in die Magengrube, so dass eine bedrückende Übelkeit in mir aufstieg, als ich die entscheidenden Worte gelesen habe. Und doch ist sein Weg ebenso realistisch wie die anderen Möglichkeiten, die bestehen. Wenn ich von realistisch rede, dann meine ich nicht, dass es der richtige Weg ist, dass es aber eben ein Weg ist, den Menschen, denen Liebe fehlt, einschlagen. „Mein Vater hatte wahrscheinlich niemanden geliebt, und unter all dem Unglück, das er mir vererbt hat, war vielleicht auch dieses: die Unfähigkeit, sich lieben zu lassen. Seine größte Schwäche und fortan auch die Schwäche von uns allen.“ Delacourt ist für mich ein Meister der Worte. Er versteht sie gekonnt einzusetzen, mit ihnen zu jonglieren, Leser zu verzaubern. Gefühle mitten ins Herz zu schreiben. Fein, poetisch, leise. Ganz ohne Schnörkel. In „Wir sahen nur das Glück“ besonders bedrückende Szenen, ganz ohne Dramatik und Theatralik. Ganz einfach so wie sie sind. Traurig, bewegend, ergreifend. „Warum begegnet man denen, die uns gefehlt haben, gerade dann, wenn man sie verliert?“ Dass Delacourt in „Wir sahen nur das Glück“ so zuschlägt, habe ich nicht erwartet. Eine Handlung, die mich schockiert hat. Die mich das Buch für kurze Zeit zur Seite legen ließ, um Luft zu holen. Durchzuatmen und mich dem zu stellen, was folgen würde. Trotz all der Traurigkeit, die im Buch mitschwingt, all der Ohnmacht, mit der Antoine belegt ist und die sich wie all die in der Geschichte mitschwingenden Gefühle auf den Leser überträgt, ist es auch ein Roman, der Hoffnung einen Raum bietet. Der ihr mehr und mehr erlaubt an die Oberfläche zu treten und zu zeigen, dass es immer einen Ausweg gibt und dass die Chance den Teufelskreis der Generationen zu durchbrechen für jeden zur Verfügung steht.

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  • Die wirklich wichtigen Dinge

    Wir sahen nur das Glück
    michael_lehmann-pape

    michael_lehmann-pape

    28. August 2015 um 13:10

    Die wirklich wichtigen Dinge Da lebt man. Einfach so. Geht doch. Man ist sogar, wie Antoine, zumindest im eigenen Empfinden, einer, der „was zu sagen hat“. Der „bewertet“. Kein Grund, zu viel über sich nachzudenken, läuft, passt. Frau, Kindern, die Arbeit bei der Versicherung. Er setzt den Wert von „humanen“ Schäden fest, er ist der, der den Wert anderer Menschen auf Heller und Pfennig festlegt. „Dreißig – vierzigtausend, wenn sie überfahren wurden, zwanzig – fünfundzwanzigtausend, wenn sie ein Kind sind. Etwas mehr als hunderttausend, wenn sie in einem Flugzeug sitzen, das ihr Leben mit zweihundertsiebenundzwanzig anderen zugleich vernichtet“. Ganz normal für Antoine, so ist das Leben, da denkt er nicht weiter drüber nach. Genau das wird er aber müssen im Lauf der Ereignisse. Zum einen in der Überprüfung dessen, was tatsächlich jene Werte sind, die ein Leben bestimmen und zum anderen in der Überprüfung seines eigenen Wertes, in der Bilanz für seine Jahre, seinen Haltung. „Ich wollte nicht nach Hause und die Leere meines Lebens wiederfinden“. Diese Satz findet der Leser fast zu Beginn und wird dann bildkräftig, ruhig und den einzelnen Lebensverästelungen Antoine´s breit nachgehend von Dealcourt hinein geführt in dieses zunächst „Bilderbuchleben“ eines erfolgreichen Menschen der Mittelschicht. Zumindest einen, der den äußerlich vorgezeichneten Weg des „kleinen Glücks“ und der saturierten Haltung hervorragend verinnerlicht hat. „Ich werde dafür bezahlt, so wenig wie möglich zu bezahlen, weder Herz noch Mitgefühl zu haben. Ich bin nicht berechtigt, dem Schiffbrüchigen die Hand zu reichen, in mir gibt es keine Nettigkeit“. Eine verinnerlichte Haltung zum Leben, die unversehens einen hohen Preis kosten wird. Dieses so festgefügt, so klar, so sicher wirkende Leben löst sich unter seinen Händen auf. Von der Frau verlassen, die Arbeit verliert er, all das Äußere an Sicherheitsnetz bricht weg. Und Antoine steht vor den Trümmern des eigenen Lebens und wird zur Abrechnung mit sich selbst gezwungen, gerät immer tiefer in den Taumel einer wild sich befreienden Emotionalität, einer Verzweiflung, intuitiven Erkenntnissen, denen er kaum standhalten kann. Auch wenn Delacourt natürlich seinem Antoine jegliches denkbare Unbill zunächst passieren lässt, an keiner Stelle wirkt seine Erzählung unwirklich oder übertrieben. Mehr und Mehr enthüllt er in seiner sehr flüssigen, sehr verständlichen und emotional dichten Sprache in dieser Romanfigur zugleich auch einen Spiegel. In dem jeder Leser beginnt, selbst die Fragen nachzuvollziehen. Dieses „nicht schätzen“ zwischenmenschlicher Dinge. Dieses energiereichen Anstrengungen an Orten, die am Ende nicht für das Lebensglück entscheiden, während da, wo es wichtig und wesentlich gewesen wäre, bei der Liebe, bei den Kindern, ein Vakuum sich auftut, ein schmerzliches Versagen, eine Art langjährigen Desinteresses vor seine Augen tritt. „Mehr Schein als Sein“, das ist, was zu Tage tritt. Gepaart mit einer Blindheit und Mitleidlosigkeit den anderen, der Welt gegenüber. Mehr Fassade als Geliebter, Ehemann, Vater, Freund, Mensch. Und die bittere Erkenntnis (vielleicht noch nicht zu spät für ihn), dass es Substanz braucht und ein reines Rollenspiel im Leben auf Dauer bei den wirklich wichtigen Momenten nicht dauerhaft ausreichen wird. „Um mich zu erinnern, dass ich noch ein Herz habe“. An dieser Stelle beginnt zumindest das Erkennen über die eigene Person. Mit unliebsamen Folgen für seinen Job, aber mit wichtigen Folgen für Antoine, den Menschen. Schritt für Schritt führt Delacourt durch diese persönliche Hölle, die tatsächlich ganz unten enden wird, wenn die eigenen Kinder irgendwann mit Erleichterung (und Freude) feststellen: „und dann hat Mama mitgeteilt, dass du raus bist…. Es war, als wärest du tot“. Und ein rundes Happy End, eine geläuterter Mann, der wieder in die Arme seiner Familie sinkt, so einfach wird das nicht werden. Obwohl „geläutert“ und „Familie“ gerade für das Ende der Geschichte eine, die entscheidende Bedeutung haben werden. Ein intensives und nachwirkendes Ende, in dem Delacourt noch einmal ein Ausrufezeichen für den wirklichen Kern und die wirkliche Quelle des Lebens in einem Menschen setzt, den er in diesem Roman auch sprachlich und im Wechsel des Stils hervorragender vor dem Leser offenlegt. Eine sehr empfehlenswerte, emotional treffende, nachdenklich stimmende, aufrüttelnde Lektüre.

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