Graeme Macrae Burnet

 4.4 Sterne bei 77 Bewertungen
Autor von Sein blutiges Projekt, Der Unfall auf der A35 und weiteren Büchern.

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Rezension zu "Der Unfall auf der A35" von Graeme Macrae Burnet

Kurzweilig und unterhaltsam
Lilith79vor einem Monat

Den Roman "Der Unfall auf der A35" habe ich auf meine Leseliste genommen, da ich auf sehr unterschiedliche Rezensionen dazu gestoßen bin. Den Ausschlag zum Lesen hat dann auch tatsächlich eine sehr negative Rezension gegeben, die bemängelte, dass es sich bei dem Roman keineswegs um einen Krimi handeln würde. Auch sonst war die Leserin oder der Leser nicht überzeugt.
Da ich zwar sehr gerne Krimis lese, aber es in dem Genre doch eher selten Innovationen zu entdecken gibt, war ich dadurch neugierig auf einen Krimi der nicht einem typischen entspricht. Außerdem fand ich Cover und Klappentext ansprechend.

Hauptfiguren des Buches sind der französische Polizist Georges Gorski und der 17 jährige Teenager Raymond. Beide leben in der elsässischen Kleinstadt Saint Louis. Gorski ist dort Polizeichef, hat aber Probleme mit dem Selbstwertgefühl, seinem Privatleben, seinen Kollegen (und dem Alkohol).
Raymond ist der Sohn des Anwalts Bertrand Barthelme. Dieser kommt am Anfang des Buches durch einen angeblichen Unfall auf der A35 ums Leben. Eigentlich würde der Fall zu Akten gelegt werden, denn nichts daran scheint verdächtig. Aber Bertrands attraktive Ehefrau bittet Gorski um Nachforschungen und da er sich von ihr angezogen fühlt, fängt er an auf eigene Faust zu ermitteln. Raymond findet im Schreibtisch seines verstorbenen Vaters einen Zettel mit einer unbekannten Adresse in einer nahegelegenen Kleinstadt und fängt ebenfalls an sich auf die Spurensuche zu machen.
 
Die Kritik, dass das Buch kein Krimi sei, kann ich durchaus nachvollziehend, denn der Kriminalfall steht in dem Buch keineswegs im Vordergrund.
Stattdessen beschäftigt es sich ausführlich mit dem Innenleben der beiden ziemlich problembelastenden Charaktere Gorski und Raymond. Düster und negativ wirkt das Buch dadurch aber nicht, denn es hat einen sehr leisen schwarzen Humor und vor allem die (auch sexuellen) Irrungen und Wirrungen des pubertierenden Raymonds sind sehr unterhaltsam zu lesen. So würde ich das Haupttheme des Buches eher als Charakterstudie zweier Männer, die mit ihrem Leben und ihrer Position in der von ihnen eher verhassten Kleinstadt Saint Louis nicht zurechtkommen sehen. Mich hat es aber überhaupt nicht gestört, was aber vielleicht auch daran liegt, dass ich durch die vorher gelesenen Rezensionen "vorgewarnt" war und dem Buch deswegen gegenüber sehr offen eingestellt war.

Der Schreibstil ist sehr flüssig und direkt und dadurch sehr kurzweilig zu lesen und der Autor vermittelt glaubwürdig, dass das Buch in einem Frankreich vor einigen Jahrzehnten spielt (wann genau konnte ich nicht so richtig fassen, aber aus den Informationen zu schließen die über die Lebensgeschichte des Vaters preis gegeben werden habe ich eine Handlung geschlossen, die ca. Ende der 1970er oder Anfang der 1980er Jahre spielt).

Auch die Geschichte rund um den Autor und das Setting des Buches ist durchaus spannend. Wer sich dafür interessiert, sollte (erst nach Lektüre des Buches) gerne einmal Google bemühen.

Insgesamt fand ich das Buch kurzweilig, unterhaltsam und kreativ und für mich war es deswegen eine gute Wahl.

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Rezension zu "Der Unfall auf der A35" von Graeme Macrae Burnet

kein konventioneller Krimi
yellowdogvor einem Monat

Wer Burnets großartigen Roman „Sein blutiges Projekt“ kennt, weiß, dass ungewöhnliche Stilmittel zu erwarten sind und kein konventioneller Krimi.


Der eigenbrötlerische Kommissar Georges Gorski passt jedoch bestens ins typische Krimibild, genau wie seine verhaltene Ermittlungsarbeit.

Der Unfall mit einem toten Autofahrer, den er untersucht, führt ihn auf die Spuren des Toten und dessen Geheimnisse. Der Sohn des Toten, Raymond, steht ebenfalls oft im Mittelpunkt des Geschehens.


Kommissar Gorskis Privatleben ist aus der Spur, seine Frau hat ihn mit Tochter verlassen, ob sie zurückkehrt ist ungewiss.


Mich begeistern die Beschreibungen des Alltags der Menschen und wie sich der Autor hierfür viel Zeit lässt. Sie sind detailreich, aber nicht übertrieben.

Burnet lässt den Leser oft in die Gedanken seiner Figuren blickén. Auch die Dialoge funktionieren gut.

Die erzeugten Stimmungen sorgen dafür, dass man einen wirklich spannenden Plot nicht vermisst.

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Rezension zu "Der Unfall auf der A35" von Graeme Macrae Burnet

Unbekannter Vater
walli007vor 2 Monaten

Bei einem Unfall auf der A 35 stirbt der angesehene Anwalt Betrand Barthelme. Der Polizeichef des kleinen französischen Ortes Saint-Louis Inspektor Georges Gorski wird zum Unfallort gerufen. Alles scheint unauffällig, eine Beteiligung Dritter ist nicht erkennbar. Doch Gorski hat die schwierige Aufgabe, den Angehörigen die Todesnachricht zu überbringen. Zu seinem Erstaunen scheinen weder die Witwe noch der 17jährige Sohn des Opfers sehr betroffen zu sein. Dennoch bittet Lucette Barthelme den Beamten, die näheren Umstände des Unfalls zu ermitteln. Denn eigentlich hätte ihr Mann sich mit Freunden seines Clubs treffen sollen und dazu wäre eine Fahrt auf der Autobahn nicht nötig gewesen.


Eigentlich gibt es nichts zu ermitteln und doch sind die Umstände dieses Todesfalls etwas seltsam. Gorski, der in seinem eigenen Team ein Außenseiter ist, der gerne mal dem Alkohol zuspricht und der vielleicht nicht von ungefähr von seiner Frau getrennt ist, fängt an, nachzubohren. Dabei bekommt er eine unerwartete Konkurrenz vom Sohn des Verstorbenen. Zufällig entdeckt dieser eine Anschrift im Schreibtisch seines Vaters und fängt an, eigene Nachforschungen anzustellen. 


In diesem abgeschiedenen kleinen Örtchen gestaltet es sich schwierig, irgendwelche Sympathien zu entwickeln. Der verstorbene Vater war in seiner Zweckehe kaum vorhanden. Die Mutter wohl froh, versorgt zu sein, hat sich mit der Langeweile abgefunden. Und der Sohn Raymond ist zwar verständlicherweise schon aus der Bahn geworfen, das gibt ihm doch nicht das Recht, sich zu benehmen wie die Axt im Wald. Und schließlich der Inspector Gorski, der zwar eine echte Spürnase ist, der sich kein X für ein U vormachen lässt, aber doch etwas sehr viel an der Flasche hängt, selbst wenn man bedenkt, dass der Roman in den 1970ern angesiedelt sein dürfte. 


Obwohl es wie berichtet schwierig erscheint, Sympathieträger zu finden, kann man doch von diesem Buch nicht lassen. Die Geschichte fesselt einfach. Man ist einfach zu neugierig, was der Anwalt auf der Autobahn zu suchen hatte. Und es ist schon eine Nummer für sich, wie der Autor es schafft, das Geheimnis auch in seinen Auswirkungen nach und nach zu enthüllen. Graeme Macrae Burnet ist sicher ein Autor, den man sich merken wird.


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