Graeme Macrae Burnet

 4.4 Sterne bei 75 Bewertungen
Autor von Sein blutiges Projekt, Der Unfall auf der A35 und weiteren Büchern.

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walli007s avatar

Rezension zu "Der Unfall auf der A35" von Graeme Macrae Burnet

Unbekannter Vater
walli007vor einem Tag

Bei einem Unfall auf der A 35 stirbt der angesehene Anwalt Betrand Barthelme. Der Polizeichef des kleinen französischen Ortes Saint-Louis Inspektor Georges Gorski wird zum Unfallort gerufen. Alles scheint unauffällig, eine Beteiligung Dritter ist nicht erkennbar. Doch Gorski hat die schwierige Aufgabe, den Angehörigen die Todesnachricht zu überbringen. Zu seinem Erstaunen scheinen weder die Witwe noch der 17jährige Sohn des Opfers sehr betroffen zu sein. Dennoch bittet Lucette Barthelme den Beamten, die näheren Umstände des Unfalls zu ermitteln. Denn eigentlich hätte ihr Mann sich mit Freunden seines Clubs treffen sollen und dazu wäre eine Fahrt auf der Autobahn nicht nötig gewesen.


Eigentlich gibt es nichts zu ermitteln und doch sind die Umstände dieses Todesfalls etwas seltsam. Gorski, der in seinem eigenen Team ein Außenseiter ist, der gerne mal dem Alkohol zuspricht und der vielleicht nicht von ungefähr von seiner Frau getrennt ist, fängt an, nachzubohren. Dabei bekommt er eine unerwartete Konkurrenz vom Sohn des Verstorbenen. Zufällig entdeckt dieser eine Anschrift im Schreibtisch seines Vaters und fängt an, eigene Nachforschungen anzustellen. 


In diesem abgeschiedenen kleinen Örtchen gestaltet es sich schwierig, irgendwelche Sympathien zu entwickeln. Der verstorbene Vater war in seiner Zweckehe kaum vorhanden. Die Mutter wohl froh, versorgt zu sein, hat sich mit der Langeweile abgefunden. Und der Sohn Raymond ist zwar verständlicherweise schon aus der Bahn geworfen, das gibt ihm doch nicht das Recht, sich zu benehmen wie die Axt im Wald. Und schließlich der Inspector Gorski, der zwar eine echte Spürnase ist, der sich kein X für ein U vormachen lässt, aber doch etwas sehr viel an der Flasche hängt, selbst wenn man bedenkt, dass der Roman in den 1970ern angesiedelt sein dürfte. 


Obwohl es wie berichtet schwierig erscheint, Sympathieträger zu finden, kann man doch von diesem Buch nicht lassen. Die Geschichte fesselt einfach. Man ist einfach zu neugierig, was der Anwalt auf der Autobahn zu suchen hatte. Und es ist schon eine Nummer für sich, wie der Autor es schafft, das Geheimnis auch in seinen Auswirkungen nach und nach zu enthüllen. Graeme Macrae Burnet ist sicher ein Autor, den man sich merken wird.


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Kathy30s avatar

Rezension zu "Sein blutiges Projekt" von Graeme Macrae Burnet

Düstere Geschichte
Kathy30vor einem Monat

Anhand des Titels und der Buchbeschreibung hätte ich mir das Buch schon gekauft, spricht es meinen Lesegeschmack doch sehr an.
Und ich wurde von meinem ersten Eindruck nicht getäuscht. Ich habe das Buch nahezu verschlungen und konnte es kaum aus der Hand legen.

Die Geschichte des 17-jährigen Roderick Macrae, der 3 Menschen tötete und in diesem Buch erzählt wie es dazu kam, hat mich sehr bewegt. Das traurige Schicksal der ganzen Familie hat mich sehr berührt. Durch den lebendigen Schreibstil habe ich mich mitten im Geschehen gefühlt.

Die Schreibweise erzeugt eine Spannung die bis zur letzten Seite anhält. Ich konnte das Buch nicht mehr aus der Hand legen bevor ich nicht wusste, wie die Geschichte um den jungen Roderick Macrae endet.


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heinokos avatar

Rezension zu "Der Unfall auf der A35" von Graeme Macrae Burnet

Viele Zigaretten, viel Alkohol
heinokovor 4 Monaten

Viele Zigaretten, viel Alkohol, sehr französisch

 

Nur wenige Kilometer von meinem jetzigen Wohnort verläuft die A35 im Elsass. Genau deswegen fand das Buch mein Interesse, zugegebenermaßen ein etwas seltsamer Grund für eine Leseentscheidung. Denn vom Autor hatte ich bislang nichts gehört und nichts gelesen. Aber vom Verlag dafür umso mehr.

 

In der Handlung geht es in der Tat um einen Autounfall auf der A35, nahe des verschlafenen Städtchens Saint Louis. Bertrand Barthelme, der Fahrer, ist nachts frontal gegen einen Baum gefahren und dabei umgekommen. Nicht besonders spektakulär. Aber da gibt es den schrulligen Kommissar Georges Gorski, der sich ein ganz eigenes Bild von dem Toten und seinem Vorleben macht. Und auch Barthelmes 17-jähriger Sohn Raymond beginnt, Geheimnissen im Leben seines verstorbenen Vaters auf die Spur zu kommen…

 

Langweilig ist es nicht, das Buch. Spannend ist es auch nicht. Seltsam ist es, und in seiner Seltsamkeit wiederum fesselnd. Wird eine fiktive Geschichte erzählt, eine Geschichte, die sich nur aus Vermutungen ernährt, oder lesen wir doch einen klassischen Kriminalroman mit der üblichen Aufklärung am Ende? Es bleibt verwirrend. An den etwas spröden Sprachfluss musste ich mich erst einmal gewöhnen, an die ausufernd geschilderten Barbesuche auch. Und an dieses endlos höfliche Miteinander unter Kollegen oder im Umgang mit Zeugen, diese konfliktvermeidenden Konversationen, die nie auf den Punkt kommen und doch erhellend sind. Weitschweifig wird erzählt. Bis ins letzte Detail versehene Schilderungen, mit scharfer Beobachtungsgabe wahrgenommen, füllen die Seiten und haben mir Einiges an Geduld abverlangt. Das Buch verhält sich oft seitenlang so, als wolle es gar nicht gelesen werden, als entziehe es sich dem Leser willentlich. Der Autor schafft es zum Beispiel, eine halbe Buchseite lang allein darüber zu referieren, welche Gedanken und Mutmaßungen ein offener Schnürsenkel bei Gorski hervorruft. Und entwickelt aus solchen Schilderungen heraus klammheimlich ein intensives Psychogramm des Betreffenden. Das ist kunstvoll, aber auch anstrengend.

Das Buch mutet mich an wie einer dieser französischen Spielfilme, die langsam, sehr langsam eine Geschichte in vielen Facetten erzählen, aber nicht wirklich von der Stelle kommen. Viele Zigaretten, viel Alkohol – und die Frage, wie ein Schotte so schreiben kann, als sei er ein Franzose, und zwar einer der alten Schule?


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