Einerseits oberflächlich, nüchtern und wissenschaftlich, anderseits immer mit einem liebenvollen Blick Details und bis auf wenige Ausnahmen sich mit dem jeweiligen Land identifizierend schafften die Autoren ein Werk, in dem man gerne nachblättert und schmökert. Die Bilder sind fantastisch und die tabellarische Übersicht mit statistischen Daten zum jeweiligem Land ist sehr anschaulich.
Dass ein politisches Geographiebuch schon bei Herausgabe veraltet ist, ist naheliegend und so sind eine Reihe von Daten nicht mehr aktuell. Störend empfand ich das allerdings nicht.
Lediglich 3 Faktoren sind mir unangenehm aufgefallen und wirken sich negativ auf meine Bewertung aus:
1. Man bemerkt, dass die Herausgeber Engländer sind.
An sich ist das natürlich noch nicht negativ, die (sonst zielführende) Oberflächlichkeit geht beim Beitrag über Großbritannien aber völlig verloren, sodass sich die Autoren in Beschreibungen verlieren, die sie aufgrund ihrer Befangenheit als besonders wichtig erachten.
Den Beitrag über Österreich fand ich gerade aufgrund der Oberflächlichkeit fast rührend - man merkt ganz einfach die größere Distanz bei der Betrachtung.
2. Das Buch ist preist den Kapitalismus und wertet dadurch nicht vollzogene Liberalisierungen und Marktorientierung als prinzipiell negativ.
3. Zumindest einer der Autoren (und vermutlich auch ein Lektor, weil dem hätte es auffallen müssen) scheinen noch im 19. Jahrhundert zu leben: beim Beitrag über St. Vincent und die Grenadinen findet sich die Formulierung „[...] empfingen ihn die wilden Kariben [...]". Wer heutzutage noch von „Wilden" spricht, tut mir persönlich nur leid.
Trotz dieser negativen Punkte, sind es vor allem die positiven Eindrücke, die hängen geblieben sind.
Also: das Buch ist durchaus empfehlenswert.

