Jane, das junge Dienstmädchen und Paul, Sohn aus reichem Hause, unterhalten eine Affäre. Am 30.Mai 1924 haben auch die Dienstmädchen frei, um zu ihrer Mutter zu fahren: Es ist Muttertag. Die Herrschaften, die Nivens (Janes Dienstherren), und die Sheringhams (Pauls Eltern) verbreden sich zum Lunch. Beim Picknick sind auch die Hobdays mit von der Partie, deren Tochter Emma in 14 Tagen mit Paul verheiratet werden soll. Eine arrangierte Ehe, um den finanziellen Schwierigkeiten in der Folge des 1.Weltkriegs entgegenzuwirken. Im Krieg sind auch Pauls Brüder gefallen.
Bevor er zu dem Treffen aufbricht, bittet Paul die Geliebte ins leerstehende Haus zu einer (letzten?) Verabredung und irgendwie herrscht eine eigenartige Stimmung, getrübt durch die baldige Hochzeit (das Ende der Affäre?). Irgendwie ist vieles an diesem Tag anders: Jane stellt ihr Fahrrad in der Einfahrt ab und Paul empfängt sie an der Tür, er lässt sich sehr lange Zeit zum sorgfältigen Ankleiden und bricht mit deutlicher Verspätung zu seiner Verabredung auf, Jane darf noch eine Weile im Haus verweilen. Die nutzt die Gelegenheit und wandelt nackt durch die Räume, lässt die Leser an ihren Gedanken teilhaben, danach unternimmt sie noch eine Art Fahrradtour ... als sie in ihr altes Leben zurückkehrt, muss sie erkennen, dass wirklich nichts mehr ist wie zuvor.
Beschrieben wird der einschneidende Tag einer jungen Frau, deren Leben als Waise unweigerlich in eine Stellung als Dienstmagd führt, deren Liebe zur Literatur, zum Erzählen und persönliche Entwicklung - kristallisiert auf diesen einen, weichenstellenden Tag im Mai - dazu führen, dass ihr Leben einen neuen Weg nehmen wird.
Viele Beschreibungen in dem Buch sind sehr poetisch, weil der persönlichen Entwicklung Janes so treffende Symbole zur Seite gestellt werden und es gelingt, eine wegweisende Entwicklung einer jungen Frau ungekünstelt auf einen einzigen Tag zu kristallineren. Das hat mir sehr gut gefallen! Die Freiheit, der sich Jane nach und nach mehr hingibt, ist nicht gekünstelt dargestellt, sondern authentisch und mit alltäglichen Bildern. Vom offene Fenster, an das sie tritt nachdem Paul gegangen ist bis zum warmen Fahrtwind, den sie beim Fahrradfahren genießt, als sie das Anwesen verlässt. Die Novelle arbeitet mit banalen Bildern ohne banal zu sein, wenn man Zeuge ist, wie Jane sich aus der ihr angedachten Rolle freischwimmt. Für alle Menschen um sie herum, scheint das Leben bzw. dieser Tag durchgeplant zu sein, nur die junge Protagonistin lässt sich treiben.
Was mir gut gefallen hat, ist das Setting im Dunstkreis des alten Landadels, umrahmt von dem leichten Gefühl eines typischen Frühlingstags, der so sehr im Kontrast steht zu all den Verlusten, die die Figuren bedrohen und an denen sie sich festzuklammern versuchen: Durch die Fotografien der gefallenen Brüder, durch die Hochzeit, durch das Verweilen im Haus, nachdem der Geliebte gegangen ist usw., obwohl nach dem ersten Weltkrieg die Welt eine völlig andere ist. Das ist die "Pastellversion" der wilden 20er Jahre bevor die Welt in die Katastrophen stürzt, die im zweiten Weltkrieg enden sollen.
Für mich ein sehr gelungenes Buch!




















