Graham Swift

 3,9 Sterne bei 194 Bewertungen
Autor von Ein Festtag, Da sind wir und weiteren Büchern.

Lebenslauf

Graham Swift, geboren 1949 in London, arbeitete nach dem Studium in Cambridge und York zunächst als Lehrer. Seit seinem Roman >Waterland< gehört er zu den erfolgreichsten Schriftsteller der britischen Gegenwartsliteratur. Sein Roman >Letzte Runde< wurde 1996 mit dem Man Booker-Prize ausgezeichnet. Swift favorisiert unzuverlässige Erzähler und zentrale Themen sind Funktionen der Erinnerung und die Verknüpfung von persönlicher Erinnerung und Weltgeschichte.

Alle Bücher von Graham Swift

Cover des Buches Ein Festtag (ISBN: 9783423254106)

Ein Festtag

(52)
Erschienen am 19.07.2019
Cover des Buches Da sind wir (ISBN: 9783423148023)

Da sind wir

(45)
Erschienen am 17.09.2021
Cover des Buches Letzte Runde (ISBN: 9783423143806)

Letzte Runde

(18)
Erschienen am 01.02.2015
Cover des Buches Das helle Licht des Tages (ISBN: 9783423134644)

Das helle Licht des Tages

(14)
Erschienen am 01.06.2006
Cover des Buches Nach dem Krieg (ISBN: 9783423284622)

Nach dem Krieg

(9)
Erschienen am 17.04.2025
Cover des Buches Wasserland (ISBN: 9783423140539)

Wasserland

(3)
Erschienen am 01.12.2011
Cover des Buches Im Labyrinth der Nacht (ISBN: 9783423141970)

Im Labyrinth der Nacht

(6)
Erschienen am 01.03.2013
Cover des Buches Wärst du doch hier (ISBN: 9783423143189)

Wärst du doch hier

(2)
Erschienen am 11.01.2024

Neue Rezensionen zu Graham Swift

Cover des Buches Ein Festtag (ISBN: 9783423254106)
Sanne54s avatar

Rezension zu "Ein Festtag" von Graham Swift

Sanne54
Mothering Day

Jane, das junge Dienstmädchen und Paul, Sohn aus reichem Hause, unterhalten eine Affäre. Am 30.Mai 1924 haben auch die Dienstmädchen frei, um zu ihrer Mutter zu fahren: Es ist Muttertag. Die Herrschaften, die Nivens (Janes Dienstherren), und die Sheringhams (Pauls Eltern) verbreden sich zum Lunch. Beim Picknick sind auch die Hobdays mit von der Partie, deren Tochter Emma in 14 Tagen mit Paul verheiratet werden soll. Eine arrangierte Ehe, um den finanziellen Schwierigkeiten in der Folge des 1.Weltkriegs entgegenzuwirken. Im Krieg sind auch Pauls Brüder gefallen.

Bevor er zu dem Treffen aufbricht, bittet Paul die Geliebte ins leerstehende Haus zu einer (letzten?) Verabredung und irgendwie herrscht eine eigenartige Stimmung, getrübt durch die baldige Hochzeit (das Ende der Affäre?). Irgendwie ist vieles an diesem Tag anders: Jane stellt ihr Fahrrad in der Einfahrt ab und Paul empfängt sie an der Tür, er lässt sich sehr lange Zeit zum sorgfältigen Ankleiden und bricht mit deutlicher Verspätung zu seiner Verabredung auf, Jane darf noch eine Weile im Haus verweilen. Die nutzt die Gelegenheit und wandelt nackt durch die Räume, lässt die Leser an ihren Gedanken teilhaben, danach unternimmt sie noch eine Art Fahrradtour ... als sie in ihr altes Leben zurückkehrt, muss sie erkennen, dass wirklich nichts mehr ist wie zuvor.


Beschrieben wird der einschneidende Tag einer jungen Frau, deren Leben als Waise unweigerlich in eine Stellung als Dienstmagd führt, deren Liebe zur Literatur, zum Erzählen und persönliche Entwicklung - kristallisiert auf diesen einen, weichenstellenden Tag im Mai - dazu führen, dass ihr Leben einen neuen Weg nehmen wird.


Viele Beschreibungen in dem Buch sind sehr poetisch, weil der persönlichen Entwicklung Janes so treffende Symbole zur Seite gestellt werden und es gelingt, eine wegweisende Entwicklung einer jungen Frau ungekünstelt auf einen einzigen Tag zu kristallineren. Das hat mir sehr gut gefallen! Die Freiheit, der sich Jane nach und nach mehr hingibt, ist nicht gekünstelt dargestellt, sondern authentisch und mit alltäglichen Bildern. Vom offene Fenster, an das sie tritt nachdem Paul gegangen ist bis zum warmen Fahrtwind, den sie beim Fahrradfahren genießt, als sie das Anwesen verlässt. Die Novelle arbeitet mit banalen Bildern ohne banal zu sein, wenn man Zeuge ist, wie Jane sich aus der ihr angedachten Rolle freischwimmt. Für alle Menschen um sie herum, scheint das Leben bzw. dieser Tag durchgeplant zu sein, nur die junge Protagonistin lässt sich treiben.


Was mir gut gefallen hat, ist das Setting im Dunstkreis des alten Landadels, umrahmt von dem leichten Gefühl eines typischen Frühlingstags, der so sehr im Kontrast steht zu all den Verlusten, die die Figuren bedrohen und an denen sie sich festzuklammern versuchen: Durch die Fotografien der gefallenen Brüder, durch die Hochzeit, durch das Verweilen im Haus, nachdem der Geliebte gegangen ist usw., obwohl nach dem ersten Weltkrieg die Welt eine völlig andere ist. Das ist die "Pastellversion" der wilden 20er Jahre bevor die Welt in die Katastrophen stürzt, die im zweiten Weltkrieg enden sollen.


Für mich ein sehr gelungenes Buch!



Cover des Buches Nach dem Krieg (ISBN: 9783423284622)
Nosimis avatar

Rezension zu "Nach dem Krieg" von Graham Swift

Nosimi
12 mal Leben nach exiztentiellem Schmerz und Verlust

Graham Swift erzählt in einer eindringlichen und verdichteten Sprache 12 Geschichten vom alltäglichen Leben nach Extremsituationen, denen Menschen ausgesetzt waren. Es geht um die Folgen, die Krieg und Terror auf Menschen haben, sei es erst kurz nach Beendigung der Kampfhandlungen oder viele Jahrzehnte später. In einem Zeitraum von nach den Weltkriegen bis in die Pandemiezeit erzählt der Autor Lebensgeschichten in wenigen Worten, die sich alle auf die eine oder andere Weise darauf beziehen, was Krieg und andere Ausnahmezustände mit ihnen gemacht hat, was übrig bleibt, was verletzt wurde und was die Erinnerungen beherrscht. Es sind Traumata, die eingegraben bleiben und auch weitergegeben werden, Urängste, die uns alle in unserem Innersten bewegen. Dabei gelingt es durch die einfühlsame Sprache, große emotionale Tiefe zu schaffen und die Geschichte eines ganzen Menschenlebens anhand wenig Handlung, aber durch viele Emotionen zu erzählen. Dazu trägt in der deutschen Übersetzung auch die enorme Sprachtiefe der deutschen Übersetzerin Susanne Höbel bei. Eine große Herausforderung gerade ich Hinblick auf die Kürze der Erzählungen, doch hier sitzt jedes Wort.
In den Geschichten setzt man sich als Lesender mit Fragen der Schuld wie in „Der Nächstbeste“, mit Einsamkeit und Verlust wie in „Erröten“ und „Schönheit“ und mit der Frage nach dem Timing wie in „Feuerwerk“ auseinander. Ein Leben trotz oder in Gegenwart von Krieg und Bedrohung zu führen und auch bei aller Gefahr für Leib und Leben noch Mensch zu bleiben und über ganz alltägliche Dinge entscheiden zu müssen, lässt uns die eigene Sterblichkeit bewusst werden und über eigene Erfahrungen mit Krieg und anderen Ausnahmezuständen nachdenken. Und doch gelingt es dem Autor bei aller Trauer und Schmerz durch fast alle Geschichten eine Brise der Hoffnung, des Mutes und der Positivität wehen zu lassen. Es ist das Zusammenspiel der alltäglichen Situation zusammen mit den extremen Erfahrungen, die die Geschichten so eindringlich machen. Keine Heldentaten, keine großen Gesten, aber viel Emotion, Gefühle und Subtext.
Sowohl sprachlich, als auch inhaltlich überzeugt der Erzählband auf allen Ebenen und lädt zum Nachdenken, zum eigenen Reflektieren über die Erfahrungen und Verletzungen im Leben ein. Eine absolute Leseempfehlung!

Cover des Buches Nach dem Krieg (ISBN: 9783423284622)
M

Rezension zu "Nach dem Krieg" von Graham Swift

M.Lehmann-Pape
Gewaltsame Wendepunkte des Lebens

Es sind keine Biographien im eigentlichen Sinne, die Graham Swift in seinen 12 Erzählungen erzählt. Es stammt aus seiner Feder. 

Aber es sind 12 Perspektiven, die sprachlich hervorragend, sacht, mit Tiefe, anrührend und mit viel Freude an der Lektüre einen emotionalen Einblick in „ganze Leben“ zu geben vermögen, die durch die Nemesis der Menschheit seit Beginn ihrer Existenz, Gewalt und Aggression, im Großen wie im Kleinen, Veränderungen, Trauma, Einsichten oder Trotz hervorgebracht haben.

 

In all dem ist das verbindende Element, dass am Ende der Lektüre deutlich und klar, fassbar und fühlbar im Raum steht, wie einschneidend, am Ende belastend und weitgehend gar sinnlos, diese aggressive, nur den eigenen Vorteil mit den Mitteln von Macht und Gewalt suchende Haltung des Menschen bittere Schneisen in die Leben der Menschen zieht.

 

Wobei diese „überwältigenden“ Mittel, denen der einzelne Mensch meist ohnmächtig gegenübersteht, nicht unbedingt ausschließlich in Waffengewalt oder offenen Kriegen bestehen. Auch feine zwischenmenschliche Formen von „Kriegen“ finden ihren Platz in diesen Sachten, feinen Geschichten, die, ohne laut zu werden, die Narben herausarbeiten, die emotional in Menschen verbleiben.

 

Wie bei Dr. Cole, der auf menschenleeren, ruhigen Straßen in der Zeit der Corona-Pandemie unterwegs ist. Fahrten, die seine Erinnerungen wach werden lassen, „die heftig und ungebeten auf ihn hereinstürzten“. 72, im Ruhestand eigentlich und, vor allem, einsam. In Erinnerungen an seine Krankheiten als Kind, an das Scharlach zu seinem 10. Geburtstag und was dies alles für seinen weiteren Lebensweg ausgelöst hat.

 

Oder wie schnell so eine Verärgerung in das „Paradies des Urlaubs auf Zypern“ einziehen kann. Dabei war es nur ein kleiner Streich, wie ihn Kinder eigentlich gerne und oft am Strand machen, der den romantischen Urlaub des Paares mit einer dunklen Wolke versehen.

 

Wobei daneben auch handfeste „Kriegsgeschichten“ stehen, wie die Büchners, des ehemaligen deutschen Offiziers, der einem englischen Soldaten begegnet, auf der Suche nach dem Schicksal seiner jüdischen Verwandten im Deutschland. Jahre nach dem Krieg. Meisterhaft führt Swift Leser und Leserinnen darin in die Verstrickungen von Schuld, emotionaler Unsicherheit und Trotz und ein „gegeneinander Aufrechnen“, was alles im Inneren der Figuren vonstatten geht.

 

Oder das Erleben von Verlusten, tödliche Krankheit, Suizid eines lieben Menschen und das brutale Eindringen von Schmerz und Trauer, gespiegelt an den hoffnungsvollen Erinnerungen für Kind und Enkel zu Beginn deren Lebens.

 

Bis der Kreis sich in der letzten Geschichte schließt und sacht die immense Bedeutung des „Bombentodes“ der Eltern im zweiten Weltkrieg für das zurückgebliebene Kind in dessen hohen Alter vor Augen gelegt wird.

 

Ein nachdrücklicher Blick auf Menschen „nach Katastrophen“, auf tiefliegende Wut in Teilen, wie ebenso tiefer, unstillbarer, teils lebenslanger Trauer um Verluste.

 

Wunderbar erzählt und emotional dicht.

Gespräche aus der Community

LovelyBooks lädt auch im Jahr 2020 zu spannenden Challenges ein.

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Die anspruchsvolle Gegenwartsliteratur ist natürlich 2020 wieder dabei!

Liest du gerne Bücher mit Niveau?
Dann ist diese Challenge genau das Richtige für dich.


15 anspruchsvolle Romane möchten wir vom 01.01.2020 bis 31.12.2020 lesen.

Es gelten nur Bücher - Gegenwartsliteratur -, die in diesem Zeitraum erscheinen (Ersterscheinungen) und an diesem Beitrag angehängt sind.
Auch Neuauflagen – 2020 erschienen - von Klassikern.

Die Regeln:

Melde dich mit einem kurzen Beitrag hier im Thread an.

Einstieg ist jederzeit möglich. Und du kannst dich jederzeit wieder abmelden. Du verpflichtest dich zu nichts.

Schreibe bitte zu jedem Buch, das du für die Challenge gelesen hast, eine Rezension bei LovelyBooks, und verlinke diese in einem einzigen Beitrag in diesem Thread. Dieser Beitrag, wird von mir unter dem entsprechenden User-Namen in der Teilnehmerliste verlinkt. Das wird dein Sammelbeitrag für deine Rezensionen sein.

Es gelten nur Bücher (Achtung: keine Hörbücher, keine Bildergeschichten, keine Graphic Novels), die an diesem Beitrag angehängt sind!

Bitte beachten: Die Liste der Bücher erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

Nimmst du die Herausforderung an?

Unter allen Teilnehmern, die es schaffen, 15 Romane mit Niveau bis zum 31.12.2020 zu lesen und zu rezensieren, wird ein tolles Buchpaket verlost.

Natürlich mit den passenden Büchern zum Thema.

Ich freue mich auf viele Anmeldungen!

Teilnehmer:

anna_m

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bookflower173

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Zum Thema
965 Beiträge
Dajobamas avatar
Letzter Beitrag von  Dajobama

Ertauscht.... Aber mach dir keinen Kopf, ist nicht so schlimm! Kann ich sicher tauschen!

Zusätzliche Informationen

Graham Swift wurde am 04. Mai 1959 in London (Vereinigtes Königreich) geboren.

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