Graham Swift

 3.8 Sterne bei 83 Bewertungen
Autor von Ein Festtag, Letzte Runde und weiteren Büchern.

Lebenslauf von Graham Swift

Graham Swift, geboren 1949 in London, arbeitete nach dem Studium in Cambridge und York zunächst als Lehrer. Seit seinem Roman >Waterland< gehört er zu den erfolgreichsten Schriftsteller der britischen Gegenwartsliteratur. Sein Roman >Letzte Runde< wurde 1996 mit dem Man Booker-Prize ausgezeichnet. Swift favorisiert unzuverlässige Erzähler und zentrale Themen sind Funktionen der Erinnerung und die Verknüpfung von persönlicher Erinnerung und Weltgeschichte.

Alle Bücher von Graham Swift

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Ein Festtag

Ein Festtag

 (27)
Erschienen am 20.07.2018
Letzte Runde

Letzte Runde

 (17)
Erschienen am 01.02.2015
Das helle Licht des Tages

Das helle Licht des Tages

 (12)
Erschienen am 01.06.2006
Im Labyrinth der Nacht

Im Labyrinth der Nacht

 (6)
Erschienen am 16.12.2010
Wasserland

Wasserland

 (2)
Erschienen am 01.12.2011
Schwimmen lernen

Schwimmen lernen

 (2)
Erschienen am 01.05.2009
England und andere Stories

England und andere Stories

 (2)
Erschienen am 22.04.2016
Ein Festtag: Roman

Ein Festtag: Roman

 (1)
Erschienen am 05.05.2017

Neue Rezensionen zu Graham Swift

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Barbara62s avatar

Rezension zu "Ein Festtag" von Graham Swift

Eine, die doch zum Ball geht
Barbara62vor einem Jahr

Das hätte es unter den strengen Augen von Mr Carson, Butler auf Downton Abbey, nicht gegeben: ein sieben Jahre währendes Verhältnis zwischen einem jungen Dienstmädchen und dem Erben des Nachbarguts. Doch erstens sind wir bei Ein Festtag, dem Roman oder besser der Novelle von Graham Swift, in der Grafschaft Berkshire und nicht in Yorkshire, und zweitens sind nach dem Ende des Ersten Weltkrieges die Regeln der englischen Klassengesellschaft tief erschüttert. Auf drei benachbarten Gütern sind die meisten Söhne im Krieg geblieben und das Personal in Upleigh bzw. Beechwood House ist auf je eine Köchin und ein Dienstmädchen zusammengeschrumpft. So kann das Dienstmädchen Jane Fairchild von Beechwood, wo Mr und Mrs Niven seit dem Tod ihrer Söhne alleine leben, sich jahrelang heimlich mit dem einzig verbliebenen Erben von Upleigh, Paul Sheringham, an verschwiegenen Orten treffen, zunächst für Geld, doch als es „ernst“ wird nur noch als Freundin und Geliebte.


Der 30. März 1924 soll der krönende Höhe- und Schlusspunkt werden. Traditionell haben an diesem Muttertag alle Dienstboten einige Stunden frei, um sie mit ihren Müttern zu verbringen. Ihre Herrschaft trifft sich derweil in der Stadt, um die bevorstehende arrangierte Ehe Pauls zu bereden. Upleigh steht daher leer und Paul kann Jane, die als Findelkind keine familiären Verpflichtungen hat, zu sich einladen, um sich anschließend mit seiner Verlobten zu treffen. Zum ersten Mal kann Jane ihr Rad vor dem Haus abstellen und durch das Hauptportal eintreten, das Paul ihr wie ein Butler öffnet. Und nicht nur das: Als Paul schließlich das Haus nach dem erotischen Spiel verlässt, kann sie nackt durch die Räume streifen und eine Freiheit genießen, die sie nie hatte, nun aber auch nicht so leicht wieder aufgeben wird.


Jane Fairchild, geboren 1901, wird am Ende fast 100 Jahre alt werden, wird 19 Bücher schreiben, darunter unverblümt sexuelle, eine gefeierte Schriftstellerin werden, aber sie wird sich von den fragenden Reportern nie entlocken lassen, was wir Leser erfahren: wann genau sie zur Schriftstellerin wurde. Als Findelkind im Waisenhaus aufgewachsen, hat sie nur eine elementare Schulbildung genossen und mit 14 ihre erste Stelle als Dienstmädchen angetreten. Doch ihr Interesse für Bücher, vor allem Abenteuerromane für Jungen, darf sie dank der Großzügigkeit ihres Dienstherrn in der Bibliothek des Herrenhauses stillen und Bücher werden ihr zur „Grundfeste ihres Lebens“. Der ebenso furiose wie tragische Tag im März 1924 wird zum Wendepunkt ihres Lebens.


Das Aschenputtel-Motiv „Und du sollst doch zum Ball gehen“ hat Graham Swift, einer der großen zeitgenössischen englischen Autoren, seinem kleinen Roman, den ich weniger als Liebes-, denn als Emanzipations- und Bildungsgeschichte gelesen habe, als Motto vorangestellt. Die Episode am Muttertag 1924 ist der Dreh- und Angelpunkt, in Wiederholungen erzählt, darum herum wird in kurzen Sequenzen das komplette Leben Janes und der Wandel der englischen Gesellschaft in den 1920er-Jahren zusammengefasst. Obwohl ich mir letzteres noch etwas ausführlicher gewünscht hätte, kann ich das elegant geschriebene Buch mit der wunderschönen Ausstattung und dem passenden Cover sehr empfehlen.


http://xn--mit-bchern-um-die-welt-wlc.de/graham-swift-ein-festtag/

 

Kommentare: 1
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miss_mesmerizeds avatar

Rezension zu "Ein Festtag" von Graham Swift

Graham Swift - Ein Festtag
miss_mesmerizedvor einem Jahr

Wie alle Hausmädchen hat auch Jane Fairchild am Muttertag des Jahres 1924 frei. Nur hat sie keine Mutter, zu der sie fahren könnte; als Kind ausgesetzt, wuchs sie in einem Heim auf, bevor sie ihre erste Anstellung aus Hausmädchen annahm. Doch an diesem Tag hat sie etwas vor, sie wird sich mit Paul Sheringham treffen, dem Sohn eines befreundeten Ehepaares ihrer Arbeitsgeber, den Nivens. Es wird vermutlich eines der letzten Treffen mit Paul sein, denn in zwei Wochen wird er Emma Hobday heiraten, ein Mädchen, das aus denselben Kreisen stammt und eine angemessene Gattin sein wird. Paul hat sie gebeten zu ihm zu kommen, ganz offiziell auch den Vordereingang zu benutzen. Ihr Treffen wird etwas Besonderes werden, das spürt Jane und ahnt noch nicht, dass sie diesen Tag in ihrem ganzen Leben nicht mehr vergessen wird.

Graham Swift zählt zu den bedeutendsten britischen Gegenwartsautoren, seine Romane erhielten zahlreiche Literaturpreise, unter anderem den Booker Prize, den James Tait Black Memorial Prize und „Ein Festtag“ (Im Original „Mothering Sunday“) wurde mit dem Hawthornden Prize, einem der ältesten britischen Literaturpreise, ausgezeichnet.

Bemerkenswert an der Erzählung fand ich vor allem den Stil, den Swift findet. Der ganze Text erscheint sprachlich geradezu aus der Zeit gefallen und passt ganz hervorragend in das Jahr 1924, in dem die Handlung angesiedelt ist. Dabei gelingt ihm eine stilistisch bemerkenswerte Vermischung zwischen Introspektion der Protagonistin und zeitlichen Brüchen, die immer wieder in eine ferne Zukunft springen und ein Licht auf das werfen, was Jane erwarten wird, wenn dieser Tag vorbei und diese Episode ihres Lebens abgeschlossen ist.

Trotz zahlreicher Wiederholungen und Schleifen, minutiösen Detailbeschreibungen und bei realistischer Betrachtung sehr wenig Handlung bleibt der Roman immer lebendig und wird nie langatmig. Es ist dieser eine entscheidende Moment im Leben von Jane, der sich einbrennt und eine Wendung herbeiführt. Noch ist für sie alles wie gehabt, die Welt draußen ist jedoch schon einen Schritt weitergegangen, was sie noch nicht weiß. Der Leser ahnt schon, was sich zugetragen haben muss, gönnt Jane aber diese kurze Pause, die die Standesunterschiede aufhebt und ihr einen Vorgeschmack auf ihr späteres Leben gibt. Ein Leben, in dem sie viel von sich offenbaren wird, aber nicht diesen Tag im März 1924.

Graham Swift konnte mich mit diesem Roman, eher eine Novelle, vollends überzeugen. Sein Schreibstil erinnert an Ian McEwan, ebenso unaufgeregt kann er intensiv beschreiben, was seine Figur bewegt. Das Hörbuch wird von Iris Berben gelesen, was sehr gut zur reifen rückblickenden Jane passt, die die notwendige Lebenserfahrung und Weitsicht hat zu wissen, was man offenbart und was man besser als Gemeinsinns für sich bewahrt. 

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fuxlis avatar

Rezension zu "Ein Festtag" von Graham Swift

Leise Literatur mit Tiefgang
fuxlivor einem Jahr

Eines gleich vorweg: Wer Action erwartet oder seine Bücher nur auf Handlung liest, sollte die Finger von diesem Buch lassen.
Dieses Buch lässt sich Zeit. Dem Autor ist es viel wichtiger, den Moment auszukosten und zu beschreiben, als die Handlung voranzutreiben. Das ganze kleine Buch - es ist ein relativ kurzer Text - ist ein einziger innerer Monolog von Jane Fairschild. Dementsprechend springt die Handlung hin und her, dreht sich im Kreis, kehrt immer wieder zu früher gesagtem (gedachtem?) zurück. Dafür findet Swift eine sehr schöne Sprache. Bei der Gelegenheit sei gleich auch ein großes Lob an Susanne Höbel ausgesprochen, die den Text so wunderbar und behutsam ins Deutsche übersetzte. Einzig in den erotischen Szenen hätte ich mir mehr Einfühlsamkeit gewünscht. Wobei ich zugegebenermaßen nicht weiß, ob nicht auch im Original die Begriffe ins Plumpe abrutschen, sobald es aufreizend wird. Um so verwunderlicher ist das Ganze, weil die Handlung nicht von der jungen Jane erzählt wird, die damals ein einfaches Dienstmädchen war und die Welt der Bücher gerade erst für sich entdeckte. Es ist vielmehr die neunzigjährige Jane, die inzwischen eine gefeierte Autorin erotischer Bücher ist.
Schade ist auch, dass das Buch einfach plötzlich endet. Zugegeben, Gedanken plätschern vor sich hin und finden nie ein wirkliches Ende - niemand kann plötzlich aufhören zu denken. Ein etwas bewußterer Schlusspunkt wäre jedoch schön gewesen.

Aber mal abgesehen davon: Dies ist leise Literatur mit viel Tiefgang. Literatur ohne große Höhepunkte und nervenaufreibende Spannung, aber das hat der Autor so auch nicht gewollt.
Ein Wohlfühlbuch, das den Leser nachdenklich zurücklässt.

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Zusätzliche Informationen

Graham Swift wurde am 04. Mai 1959 in London (Vereinigtes Königreich) geboren.

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auf 21 Wunschlisten

von 2 Lesern aktuell gelesen

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