Ein Festtag

von Graham Swift 
4,0 Sterne bei7 Bewertungen
Ein Festtag
Bestellen bei:

Neue Kurzmeinungen

FrolleinJotts avatar

Wunderbare Geschichte eines Dienstmädchens in schöner Sprache erzählt und einfühlsam gelesen von Iris Berben. Ein Hörgenuss!

Alle 7 Bewertungen lesen

Auf der Suche nach deinem neuen Lieblingsbuch? Melde dich bei LovelyBooks an, entdecke neuen Lesestoff und aufregende Buchaktionen.

Inhaltsangabe zu "Ein Festtag"

England, 1924: Jane und Paul sind seit Jahren ein Liebespaar, aber im Verborgenen. Denn Paul kommt aus gutem Hause und Jane ist das Dienstmädchen vom Nachbaranwesen. An einem sonnigen Märzsonntag kommt es zu einem letzten Rendezvous. Schon bald wird Paul eine andere heiraten. Es ist Muttertag, Familie und Dienerschaft sind ausgeflogen und sie sind allein. Erstmals darf Jane das Gebäude durch das Hauptportal betreten, darf ihr Fahrrad einfach an die Hausmauer lehnen. Jane ahnt noch nicht, dass ihr Leben am Ende dieses Tages zu zerbrechen droht. Viele Jahrzehnte später blickt sie zurück und erzählt von dem Tag, ab dem alle Grenzen bedeutungslos wurden.

Ungekürzte Lesung mit Iris Berben
3 CDs | ca. 3 h 57 min

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783862319978
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Audio CD
Verlag:Der Audio Verlag
Erscheinungsdatum:05.05.2017
Das aktuelle Buch ist am 15.05.2017 bei dtv Verlagsgesellschaft erschienen.

Rezensionen und Bewertungen

Neu
4 Sterne
Filtern:
  • 5 Sterne2
  • 4 Sterne3
  • 3 Sterne2
  • 2 Sterne0
  • 1 Stern0
  • Sortieren:
    miss_mesmerizeds avatar
    miss_mesmerizedvor einem Jahr
    Graham Swift - Ein Festtag

    Wie alle Hausmädchen hat auch Jane Fairchild am Muttertag des Jahres 1924 frei. Nur hat sie keine Mutter, zu der sie fahren könnte; als Kind ausgesetzt, wuchs sie in einem Heim auf, bevor sie ihre erste Anstellung aus Hausmädchen annahm. Doch an diesem Tag hat sie etwas vor, sie wird sich mit Paul Sheringham treffen, dem Sohn eines befreundeten Ehepaares ihrer Arbeitsgeber, den Nivens. Es wird vermutlich eines der letzten Treffen mit Paul sein, denn in zwei Wochen wird er Emma Hobday heiraten, ein Mädchen, das aus denselben Kreisen stammt und eine angemessene Gattin sein wird. Paul hat sie gebeten zu ihm zu kommen, ganz offiziell auch den Vordereingang zu benutzen. Ihr Treffen wird etwas Besonderes werden, das spürt Jane und ahnt noch nicht, dass sie diesen Tag in ihrem ganzen Leben nicht mehr vergessen wird.

    Graham Swift zählt zu den bedeutendsten britischen Gegenwartsautoren, seine Romane erhielten zahlreiche Literaturpreise, unter anderem den Booker Prize, den James Tait Black Memorial Prize und „Ein Festtag“ (Im Original „Mothering Sunday“) wurde mit dem Hawthornden Prize, einem der ältesten britischen Literaturpreise, ausgezeichnet.

    Bemerkenswert an der Erzählung fand ich vor allem den Stil, den Swift findet. Der ganze Text erscheint sprachlich geradezu aus der Zeit gefallen und passt ganz hervorragend in das Jahr 1924, in dem die Handlung angesiedelt ist. Dabei gelingt ihm eine stilistisch bemerkenswerte Vermischung zwischen Introspektion der Protagonistin und zeitlichen Brüchen, die immer wieder in eine ferne Zukunft springen und ein Licht auf das werfen, was Jane erwarten wird, wenn dieser Tag vorbei und diese Episode ihres Lebens abgeschlossen ist.

    Trotz zahlreicher Wiederholungen und Schleifen, minutiösen Detailbeschreibungen und bei realistischer Betrachtung sehr wenig Handlung bleibt der Roman immer lebendig und wird nie langatmig. Es ist dieser eine entscheidende Moment im Leben von Jane, der sich einbrennt und eine Wendung herbeiführt. Noch ist für sie alles wie gehabt, die Welt draußen ist jedoch schon einen Schritt weitergegangen, was sie noch nicht weiß. Der Leser ahnt schon, was sich zugetragen haben muss, gönnt Jane aber diese kurze Pause, die die Standesunterschiede aufhebt und ihr einen Vorgeschmack auf ihr späteres Leben gibt. Ein Leben, in dem sie viel von sich offenbaren wird, aber nicht diesen Tag im März 1924.

    Graham Swift konnte mich mit diesem Roman, eher eine Novelle, vollends überzeugen. Sein Schreibstil erinnert an Ian McEwan, ebenso unaufgeregt kann er intensiv beschreiben, was seine Figur bewegt. Das Hörbuch wird von Iris Berben gelesen, was sehr gut zur reifen rückblickenden Jane passt, die die notwendige Lebenserfahrung und Weitsicht hat zu wissen, was man offenbart und was man besser als Gemeinsinns für sich bewahrt. 

    Kommentieren0
    5
    Teilen
    Claris avatar
    Clarivor einem Jahr
    Wie wir leben und Höhepunkte des Lebens feiern.

    An einem schönen Maitag im Jahr 1924 bestellt Paul seine Geliebte, das Dienstmädchen einer befreundeten Familie, in sein Elternhaus. Die beiden verleben einen lustvollen Morgen, während die gut situierte Familie von Paul einer Einladung zum Muttertag gefolgt ist. Paul und Jane genießen die Zweisamkeit einer stillen Stunde. Dann muss Paul fort, denn er wird in 14 Tagen heiraten. Er hat sich mit der Braut zum Mittagessen verabredet.

    Jane darf sich noch eine Weile in dem Herrenhaus vergnügen.
    Graham Swift lässt sie beschaulich durch das Haus schlendern, wo sie besonders an der Bibliothek hängen bleibt. Denn Jane liest für ihr Leben gerne!

    Graham Swift benutzt knappe Sätze, mit denen er die Szenen der sexuellen Vereinigung beschreibt. Sie sind eingebettet in ganz eigene Betrachtungen über das Leben und das Sein.

    Der Handlungsstrang ist kurz und übersichtlich. Jane lässt ihrer Fantasie freien Lauf und versucht sich das Treffen von Paul und seiner Braut vorzustellen. Der erste Teil der Erzählung ist ganz auf die sinnliche Begegnung der beiden Hauptprotagonisten ausgerichtet. Die Atmosphäre wirkt lebensnah und wird nahezu perfekt eingefangen. Die Schilderung von Herrschaft und Personal in den zwanziger Jahren in England ist eingebettet in die Begegnung von Paul und Jane.

    Man ahnt, wie Familien sich nach dem Ende des Ersten Weltkriegs fühlen, in dem zwei Söhne einer der befreundeten Ehepaare ihr Leben verloren. Die Nachkriegsschmerzen sind nicht überwunden.

    Das akute Geschehen ist in zwei kurze Tage gepresst. Es ist der Muttertag im Mai, an dem Personal und Arbeitgeber sich zu Ausflügen aufgemacht haben. Die linde Luft und das sommerliche Klima finden sich in poetischen Aussagen wieder. Sätze wie diese: „Primeln schossen aus dem Boden, Kaninchen hoppelten über das Feld“ ( S.125) versinnbildlichen in wenigen Worten, wie der Tag sich zeigt.

    Mit steter Steigerung beginnt eine subversive Geschichte, deren tragische Auswirkungen alle Beteiligten schwer trifft.

    Erst im letzten Drittel des schmalen Bändchens wird Jane als anerkannte Dichterin gefeiert.
    Mit klarer Sprache und flüchtigen Beschreibungen präsentiert uns G. Swift die andere Jane, die mit einem klugen Mann verheiratet war.
    Allmählich verwischt die Struktur, und es erscheinen Erzählstränge, von denen man nicht weiß, sind sie schon Ausdruck von Janes schriftstellerischer Arbeit oder betreffen sie ihre Biographie. Über der ganzen Erzählung hängt ein Schatten von Melancholie und eine Stimmung des Abschieds. Einzig Jane übersteht alle Unbilden und entwickelt sich zu einer außerordentlichen Persönlichkeit voller Witz und Humor. Von J. Conrads Romanen ist sie hingerissen. Er mag ihr Vorbild für ihre Wandlung zu Schriftstellerin sein.

    Graham Swift weiß seine Geschichte hinreißend und stringent zu erzählen. Wenngleich nur 140 Seiten lang ist die Erzählung voller intensiver Gedankenspiele und tiefschürfender Eindrücke, so dass man bis zur letzten Seite gebannt bleibt. Es gilt „der Tatsache treu zu sein, dass viele Dinge im Leben nie erklärt werden können.“

    Eine rare und lesenswerte Lektüre erwartet den anspruchsvollen Leser.

    Kommentieren0
    8
    Teilen
    S
    Starbucksvor einem Jahr
    Mutterloser Muttertag (Hörbuchrezension)

    Ein Dienstmädchen, ein junger Herr, eine gelegentliche Liebe, deren Ende in der bevorstehenden Hochzeit des jungen Herrn liegen wird – Graham Swift hat sich hier eines Themas gewidmet, das man schon viele Male gehört/gelesen hat. Aber der Handlungsverlauf ist hier ganz anders, als der Leser oder Zuhörer sich ausmalen konnte.

    Ich habe „Ein Festtag“, im Original eigentlich „Mothering Sunday“, also 'Muttertag', in einer neu erschienenen Hörbuch Version des DAV (der Audio-Verlag), gelesen von Iris Berben, gehört. Es handelt sich hier um eine ungekürzte Lesung auf 3 CDs mit einer Gesamtlaufzeit von 4 Stunden und 17 Minuten.

    Zum Inhalt: Jane Fairchild, ein Findelkind, ist Dienstmädchen, aber sie ist des Schreibens und Lesen gut mächtig und liebt Bücher. Im Jahr 1924, am Muttertag, ist das Haus leer und da sie keine Mutter besuchen kann, aber alle Dienstmädchen an diesem Tag frei haben, um ihre Mütter zu besuchen, kann Jane ihren Liebhaber Paul, einen feinen jungen Mann, treffen. Dieser wird bald standesgemäß heiraten. Es ist das letzte Mal, dass beide sich treffen....

    Der Leser lernt auch die ältere Jane kennen, die später Schriftstellerin geworden ist und auch diese Geschichte aus ihrem Leben in einem Buch verarbeitet hat. Aber der Handlungsverlauf geht einen ungewöhnlichen Weg, der nicht zu erwarten war und mich vielleicht auch nicht ganz zufrieden gestellt hat. Das Buch ist durchweg aus der Sicht der Jane Fairchild geschrieben.

    Bei „Ein Festtag“ handelt es sich um leise Literatur, um einen Roman, in dem eigentlich wenig passiert. Doch der Autor wählt seine Worte so kunstvoll und bedacht, und man hat hier oft das Gefühl, es handelt sich um einen älteren Roman, nicht um ein Werk aus dem 21. Jahrhundert. Der Roman ist ein schönes Spiel mit Worten und auch mit Gedanken; nur wenn es um die Erotik geht, sind die Begriffe leider sehr plump gewählt, was nicht ganz in das Gesamtbild des Werkes passt.

    Iris Berben scheint hierfür die perfekte Sprecherin; man kann gut zuhören, auch, wenn die Gedanken ob dieser vielen Gedanken des Dienstmädchens immer mal abschweifen. Allerdings finde ich es etwas merkwürdig, wie die Sprecherin 'Magnolienbaum' (mit nj) ausspricht, und bei „Lives of the Engineers“ hätte sie sich ja mal erkundigen können (sie spricht 'i' statt 'ei'), wie das mit diesem Wort im Englischen ist. Ansonsten handelt es sich um eine sehr gute Lesung.

    Dieses Buch/Hörbuch ist ganz schwierig mit Sternen zu bewerten. Die Sprache und der Anfang haben mir recht gut gefallen, aber das Buch entwickelt sich dann in eine ungewöhnliche Richtung, und ich wäre doch lieber bei der Dienstmädchen-Geschichte oder in dieser Zeit geblieben. Man muss dieses Hörbuch sicher zweimal hören, um es ganz erfassen zu können. Es gab auch Andeutungen, die mir noch nicht ganz klar sind. Vielleicht sind diese einfacher beim Lesen des Buches zu erfassen.

    „Ein Festtag“ ist ganz sicher gute Literatur ohne große Höhenpunkte und Spannung, aber das hat der Autor so auch nicht gewollt. Es lässt mich ein wenig unzufrieden und nachdenklich zurück, aber es hat mir beim Hören eigentlich sehr gut gefallen. Insgesamt vergebe ich daher vier Sterne, da mir noch irgendetwas fehlt. 

    Kommentieren0
    1
    Teilen
    FrolleinJotts avatar
    FrolleinJottvor einem Jahr
    Kurzmeinung: Wunderbare Geschichte eines Dienstmädchens in schöner Sprache erzählt und einfühlsam gelesen von Iris Berben. Ein Hörgenuss!
    Kommentieren0
    Stoneheavens avatar
    Stoneheavenvor 2 Monaten
    lesemauss avatar
    lesemausvor 4 Monaten
    Ein LovelyBooks-Nutzervor einem Jahr

    Gespräche aus der Community zum Buch

    Neu

    Starte mit "Neu" die erste Leserunde, Buchverlosung oder das erste Thema.

    Was ist LovelyBooks?

    Über Bücher redet man gerne, empfiehlt sie seinen Freunden und Bekannten oder kritisiert sie, wenn sie einem nicht gefallen haben. LovelyBooks ist der Ort im Internet, an dem all das möglich ist - die Heimat für Buchliebhaber und Lesebegeisterte. Schön, dass du hier bist!

    Mehr Infos

    Buchliebe für dein Mailpostfach

    Hol dir mehr von LovelyBooks