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Rezension zu "Der reichste Mann der Weltgeschichte" von Greg Steinmetz

Wucherer oder Vorbild?
h3nn1ngvor 2 Jahren

Greg Steinmetz hat mit „Der reichste Mann der Weltgeschichte“ eine sehr lesenswerte, nachvollziehbare und lehrreiche Biographie des Jakob Fugger vorgelegt.
http://wirtschaftsbuch.net/fugger-biographie-steinmetz/

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R_Mantheys avatar

Rezension zu "Der reichste Mann der Weltgeschichte" von Greg Steinmetz

Mit Hochrisikogeschäften zur politischen grauen Eminenz seiner Zeit
R_Mantheyvor 2 Jahren

Vor 500 Jahren lebten in Deutschland zwei völlig unterschiedliche Männer, die beide den Lauf der Geschichte nachhaltig verändert haben. Bei Luther scheint das unbestreitbar, denn er war der Initiator der Reformation und der Kirchenspaltung. Seine Bibelübersetzung hatte großen Einfluss auf die Entwicklung der deutschen Sprache. Luther besaß einen Feind, den er eigentlich nicht kannte, aber zurecht für die graue Eminenz der deutschen Politik zu seiner Zeit hielt. Dieser Mann hieß Jakob Fugger, und war der größte Finanzier und reichste Unternehmer seiner Zeit in Europa. Von seinem Geld waren deutsche Kaiser und Fürsten abhängig. Jeweils zwei deutsche Städte tragen den Beinamen dieser beiden tief verfeindeten Männer. Fuggers Geburtsstadt Augsburg und sein ehemaliger Besitz Weißenhorn heißen "Fuggerstadt". Luthers Geburtsort Eisleben und Wittenberg, die Stadt, an deren Kirchpforte er seine Thesen anschlug, nennt man "Lutherstadt". 

Während man sich über Luther in Deutschland wohl einig ist, trifft das auf Fugger nur bedingt zu. An ihn erinnert man sich vor allem wegen der sogenannten Fuggerei, einem sozialen Wohnprojekt, das Jakob Fugger gründete und unverschuldet in Not geratenen Menschen nahezu mietfrei so lange zur Verfügung stellte, bis sie wieder auf die Beine gekommen waren. Dieser Anspruch gilt auch heute noch. Doch tatsächlich kann man das lediglich als Randerscheinung seines Lebens ansehen. Heute wäre Fugger dem Zeitgeist entsprechend sicher bei vielen nicht weniger verhasst als zu Beginn des 16. Jahrhunderts. Denn Jakob Fugger war unfassbar reich und wohl der einflussreichste Mann seiner Zeit, der zunächst nicht zum Adel gehörte. 

Sein Leben und sein Werk  hat  Greg Steinmetz sich vorgenommen in diesem Buch zu beleuchten. Das gelingt ihm nach meinem Empfinden auch recht gut, wenngleich man auch zahlreiche Kritikpunkte nicht verschweigen kann. Dass US-Amerikaner fasziniert von extrem reichen Leuten sind, ist kein Geheimnis. Wenn diese Menschen vor langer Zeit lebten und dennoch angeblich reicher waren als alle Reichen heute, dann reizt das Leute wie Steinmetz offenbar besonders. Doch die angeblichen fast 300 Milliarden Euro nach heutiger Rechnung, die Fugger besessen haben soll, sind eine Hochrechnung, deren Sinnhaftigkeit und Genauigkeit man durchaus bezweifeln kann. Der Autor setzt Fuggers Reichtum auch ins Verhältnis zum damaligen Bruttosozialprodukt. Auch das ist sehr zweifelhaft, weil einfach die Datenlage zu Beginn des 16. Jahrhunderts für uns rückwirkend etwas schwer zu ermitteln sein dürfte. 

Leider enthält das Buch keinen Stammbaum der Fuggers dieser Zeit, was das Lesen nicht immer erleichtert. Jakob Fugger war zwar der Enkel eines Bauern, doch er kam in einer nicht gerade armen Familie von Händlern als eines der jüngeren Kinder zur Welt. Als junger Mann wurde er von seiner Familie zur Ausbildung ins deutsche Handelskontor nach Venedig geschickt. In einer der mächtigsten Städte dieser Zeit lernte Fugger das Handels- und Bankgeschäft. Später wurde er nach Rom gesandt. Als er seine Aufgaben dort erledigt hatte, beorderten ihn seine älteren Brüder nach Österreich. Dort sollte er den aufstrebenden Bergbau als neues Geschäftsfeld der Tuchhändlerfamilie erkunden. Jakob Fugger bewies dabei ein außerordentliches Geschick in jeder Beziehung. Bald darauf stieg er als Kreditgeber des Erzherzogs Sigmund ein, nachdem andere dankend abgewunken hatten. Sigmund war der Besitzer (für damalige Verhältnisse) großer Bergwerke, die in Fuggers Blickfeld geraten waren. Sigmund brauchte das Geld stets sofort und vermachte im Gegenzug Silber aus seinen Bergwerken zu Discountpreisen an Fugger, was der wiederum mit einer enormen Gewinnspanne weiterverkaufte. 

Was hier klein angefangen hatte, entwickelte sich im Folgenden zu einem der grundlegenden Geschäftsmodelle Fuggers. Oft mit dem Risiko des finanziellen Fiaskos behaftet, ging Fugger stets aufs Ganze und setzte wie ein moderner Banker auf die Hebelwirkung von Fremdkapital. Auf diese Weise kam er recht bald in den Besitz großer Silbermengen und schuf sich so auch ein Monopol auf Kupfer und andere Metalle. Dies gelang, weil Fugger mit dieser Art von Geschäften auch sehr schnell der Hauptfinanzier des deutschen Kaisers Maximilian wurde. Je reicher er wurde, um so mehr politischen Einfluss besaß er. Ähnlich wie heute führte die Verschwendungssucht der Herrschenden sie in die finanzielle Abhängigkeit von Bankern. 

Mit seinem Netz aus "Faktorein" in fast ganz Europa konnte er auch unter Umgehung von riskanten Geldtransporten schnell finanziell aushelfen. Diese Geschäftssitze schufen nebenbei auch ein dichtes Informationsnetz. Da auch damals schon ein Informationsvorsprung bares Geld bedeutet, vereinfachte und vervielfachte diese revolutionäre Herangehensweise seine Geschäfte. Fugger führte auch wie keiner vor ihm eine vernünftige Buchführung und eine für die damalige Zeit unbekannte Art des Controllings ein. 

Das alles und reichlich viel Zeitgeschichte kann man in diesem Buch nachlesen. Leider bleibt manches in diesem Buch nur vage. Der Großteil des Textes befasst sich mit den im Prinzip immer gleichen Rohstoffdeals Fuggers und seine enorme politische Einflussnahme. Seine übrigen Bankgeschäfte oder das Unternehmen als Ganzes werden kaum beleuchtet. Vielleicht liegt es daran, dass über Fuggers Geschäfte im Detail nicht allzu viel bekannt ist. Noch weniger scheint über Fuggers Charakter oder gar seine Gedankenwelt überliefert zu sein. Und selbst wenn es anders wäre, so dürften sich in 500 Jahren Dichtung und Wahrheit bereits erheblich vermischt haben. Ob einige Aussagen des Autors auf diesem Gebiet tatsächlich der Wahrheit entsprechen, wird deshalb nicht zu überprüfen sein. Mitunter erwies sich der Text auch als sehr sprunghaft. Figuren werden nicht immer so eingeführt, dass man ihre Rolle im Geschehen tatsächlich versteht. Auch die Bildauswahl erweist sich als nicht besonders aussagekräftig. Manchmal merkt man, dass hier ein Amerikaner für Amerikaner schreibt. Einige Vergleiche versteht man nur, wenn man die US-Wirtschaftsgeschichte kennt. Und gelegentlich scheint auch eine gewisse historische Naivität beim Autor durch. 

Dennoch erweist sich das Buch insgesamt als informativ und lehrreich, besonders wenn man über Jakob Fugger bisher noch nicht viel gelesen hat. Sein Neffe Anton, der von Jakob mit Bedacht als sein Nachfolger ausgewählt wurde, vervielfachte den Fuggerschen Besitz fast schon ins Gigantische. Heute erweist sich der Stammbaum der Fugger (die Lilienlinie, aus der Jakob entstammt) als unüberblickbar. Darauf geht der Autor am Ende kurz ein. 

Was mich an diesem Buch besonders fasziniert hat, waren die historischen Parallelen. Nimmt man einige der im Text zitierten Aussagen damaliger Revolutionäre wie Luther oder Müntzer, so könnten sie fast aus der heutigen Anti-Banken-Szene stammen. In 500 Jahren hat sich die Welt nicht wirklich grundlegend geändert. 

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