Gregor Eisenhauer weist schon in seiner Einleitung darauf hin, dass er uns mit seinem Buch das physische Altwerden nicht "ersparen" kann. Wenn wir freilich einigermaßen gesund sind und dies dank besonnener und bewusster Lebensführung auch bleiben, können wir gut achtzig, neunzig Jahre alt werden. Körperlich gebrechlich werden wir unaufhaltsam werden, der eine mehr der andere weniger. Wie aber sieht es mit unserem mentalen Altwerden aus? Können wir bis ins hohe Alter geistig fit und beweglich bleiben und wenn ja, wie soll das gehen? In sieben Kapiteln geht Eisenhauer diesen Fragen nach und bittet etwa Shakespeare und seinen König Lear, Miss Marple, König Salomon, Oscar Wilde oder Anna Karenina um Antworten. Und die fallen klug, weise, aber auch verschroben und spitzfindig aus. Für jeden sollte darunter etwas dabei sein, was den eigenen geistigen Alterungsprozesse verlangsamt, ihm entgegenwirkt und ihn am Ende bisweilen auch austrickst und zu einem gestiegenen mentalen Wohlbefinden führt.
Irgendwie hatte ich mir beim schnellen Reinblättern und mit der Lektüre des Klappentextes etwas anderes erwartet. Auch wenn diese Erwartungen nicht erfüllt wurden, enttäuscht hat mich die Lektüre aber auch nicht - ganz im Gegenteil. Ich wurde mehr als angeregt, auch mit zunehmendem Alter interessiert zu bleiben und mich mit neuen Ideen(welten) zu beschäftigen. Sich eben nicht durch das Leben und Gewohnheiten immer mehr betäuben zu lassen, sondern über und mit Hilfe von Literatur immer wieder Neues zu entdecken und auch selbst auszuprobieren. Ganz sicher keine neue Idee, aber die lebend gemachten Figuren der Weltliteratur sind dann doch abstoßende Gegen-Entwürfe, fordernde Coaches oder anfeuernde Trainer. Freude an der Literatur sollte der Leser aber auf jeden Fall schon mal grundsätzlich mitbringen.










