Gregor S.

 4 Sterne bei 3 Bewertungen
Autor von D-Day.

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D-Day

D-Day

 (3)
Erschienen am 10.08.2012

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Rezension zu "D-Day" von Gregor S.

Geschichte einer Depression
Babschavor 5 Jahren

Der Autor, der im Buch unter dem Pseudonym Gregor S. schreibt, ist ein 42-jähriger Banker in Wien. Nachdem er 1997 eine klinische Depression heil überstanden hatte, erwischt es ihn nach 14 Jahren Anfang 2011 wie aus heiterem Himmel erneut. Sein D-Day, sein „Decision-Day“, ist der 12. April 2011. Nach einer drei Monate andauernden tiefen Depression ist es der Tag, an dem er eine endgültige Entscheidung für oder gegen das Leben treffen will und muss. Hiervon berichtet das Buch in Form einer 24-stündigen, in analoge Kapitel unterteilten Chronologie. Am Ende schafft S. auch diesmal den Ausbruch aus seiner Krankheit, die ihn allerdings lebenslang latent begleiten wird.

S. ist der Typus des aalglatten Karrierebankers und konnte von daher mit seinem etwas selbstgefälligen Schreibstil als Person bei mir nicht so recht punkten. Die authentische Schilderung der Umstände seiner vollständigen Umklammerung durch die Krankheit weckt dann allerdings doch so einiges an Empathie, zumal das Buch, vor allem auch im medizinischen Bereich, kompetent verfasst und so interessant wie intensiv geschrieben ist. Die Lektüre bietet einen tiefen Einblick in eine grauenhafte, immer noch stigmatisierte Krankheit. 

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Rezension zu "D-Day" von Gregor S.

Rezension zu "D-Day" von Gregor S.
Sarlaschtvor 6 Jahren

Inhalt:
Gregor S. leidet an Depressionen, das ständige Gedankenkreisen zermürbt ihn. Es kommt der Tag, an dem er sich der Entscheidung stellt – leben oder sterben. 24 Stunden gibt er sich Zeit, er erlebt seinen D-Day, der ein Gefühlschaos in ihm auslöst, aber letztlich doch die Hoffnung siegen lässt, wenn auch die Entscheidung für das Leben noch nicht bedeutet, dass es ein einfacher Kampf gegen die Krankheit wird.
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Meine Meinung:
Ich war ein wenig skeptisch, ob der Autor wirklich auf 256 Seiten einen abwechslungsreichen Einblick in die Gefühlswelt eines Depressiven bietet kann, oder ob er sich in Wiederholungen verlieren würde. Meine Zweifel waren unberechtigt, sicherlich drehen sich die Gedanken zumeist um die selben Dinge, aber Gregor S. schafft es, sie immer wieder in ein anderes Wortkleid zu hüllen, was einen aufmerksam lest lässt, damit man auch nichts verpasst. Überrascht war ich wirklich von dem Schreibstil, bei Erfahrungsberichten ist mein Anspruch meistens nicht so hoch, weil bei diesen Büchern etwas anderes im Vordergrund steht. Das Buch zeigt aber, dass der Schreibstil durchaus außergewöhnlich sein kann. Manchmal poetisch, immer einen eigenen Zauber beinhaltend, war es neben den interessanten Teilen, auch noch sprachlich einnehmend.
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D-Day ist kein Selbsthilfebuch, darüber sollte man sich im Klaren sein. Wer an Depressionen leidet, wird hier keine Tipps oder Hilfe finden, sondern nur einen Bericht von einem Gleichgesinnten, der einen das Gefühl geben könnte, nicht mehr alleine dazustehen. Allerdings könnte es auch geschehen, dass die Beschreibungen einen noch tiefer in den Sprudel hineintreiben, deswegen sollte jeder selbst einscheiden, für wie stabil er sich hält.
Interessant dürfte das Buch für Angehörige sein, ist es doch oft schwer, der Gedankenwelt eines Depressiven zu folgen, oft herrscht da viel Unverständnis vor. Angehörige und Interessierte erhalten durch D-Day einen ungeschönten Einblick in die Welt der Depressionen, was hoffentlich hilft, ein wenig mehr Verständnis zu schaffen.
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Untergliedert ist das Buch in Stunden, es spielt sich alles innerhalb von 24 Stunden ab, für jede gibt es ein eigenes Kapitel. Dadurch bekommt alles eine eigene Dynamik, weil es erschreckend ist, wie ausgefüllt ein einziger Tag mit Gefühlen und Gedanken sein kann. Erschreckend, aber auch verdammt ehrlich.
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Einen Kritikpunkt gibt es allerdings – es werden im Buch viel zu viele Fremdwörter verwendet. Ein Erfahrungsbericht sollte jedermann zugänglich sein, hier wird einem das Lesen erschwert, weil viele, oft veralterte Ausdrücke, verwendet werden, was Lesefluss und Eindringlichkeit einfach an manchen Stellen stört.
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Fazit:
Ein großartiges Buch, was einen die dunkle Welt der Depression näherbringt und hoffentlich dafür sorgt, dass es in unserer Gesellschaft dafür mehr Verständnis gibt.

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Sophia!s avatar

Rezension zu "D-Day" von Gregor S.

Rezension zu "D-Day: 24 Stunden der Entscheidung. Mein Kampf gegen die Depression" von Gregor S.
Sophia!vor 6 Jahren

„Menschen, die sowohl eine Krebserkrankung als auch eine Depression durchgemacht haben, berichten, die Depression sei schlimmer gewesen. Denn es gibt kaum ein anderes Leiden, das mit so einem großen Verlust an Lebensqualität einhergeht.“
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Fassungslos lässt einen diese Aussage zurück. Welches extreme Zerstörungspotenzial das Krankheitsbild der Depression in sich trägt, wird den Lesern dieses Bandes schonungslos vor Augen geführt. Detailliert schildert Gregor S. die Symptomatik der Krankheit, bei der sich tagtäglich neue Tiefen auftun. Wie ein einziger, nicht enden wollender Horrortrip erscheint das alltägliche Erleben des Betroffenen, eine Aneinanderreihung zutiefst destruktiver Gedanken und Selbsteinschätzungen.
Dabei macht der Text unmissverständlich auf ein Faktum aufmerksam:
Depression ist keineswegs ein Zeichen mangelnden Intellekts! Denn der Betroffene ist hochgebildet, verfügt über mehrere Universitätsabschlüsse, sogar einen Doktortitel. Und dennoch wurde er aufs Heftigste von dieser Krankheit befallen, die sein Leben zu zerstören drohte.
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Glaubt man den Prognosen der WHO, wird die Depression im Jahr 2020 zu den häufigsten psychiatrischen Krankheiten weltweit gehören. Umso wichtiger ist es, Entwicklungsstadien der Krankheit zu kennen und Betroffene zu verstehen. Gerade auch vor dem Hintergrund der Stigmatisierung, die Patienten leider auch in unserer heutigen, aufgeklärten Zeit erdulden müssen. Würde Gregor S. unter einer vergleichbaren Krankheit fernab seines psychischen Zustandes leiden, wäre die Wahl eines Pseudonyms wohl kaum von Nöten gewesen. Doch die Depression ist, trotz der Erkenntnis fehlerhafter, biochemischer Vorgänge im Gehirn, immer noch negativ besetzt als Zustand der Schwäche.
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Viele Betroffene werden sich in seinen Schilderungen wiedererkennen, sich mit jedem Satz, jedem Wort identifizieren können. Der Zustand der Wertlosigkeit hat dabei viele Gesichter. Gregor berichtet über den Schmerz, andere lachen zu sehen und selbst den Grund der eigenen Traurigkeit nicht zu kennen, über das Gefühl des Verlorenseins, über körperliche Beschwerden und den inneren Druck, der alles unerträglich macht.
Zahlreiche Nebenwirkungen der Krankheit werden verständlich geschildert. Seien es Schuldgefühle, die Scham vor sich selbst oder die Angst vor dem Wachbleiben bei gleichzeitiger Unfähigkeit einschlafen zu können. Eindrucksvoll erlebt man die negativen Gedanken des Schlaflosen inmitten der Nacht. Gregor lebt in einer Beziehung, ist allerdings nicht mehr dazu in der Lage, positive Emotionen wie Liebe, Nähe oder Vertrauen wahrzunehmen. Trotz der Zweisamkeit fühlt er sich alleine und schließt Suizid nicht mehr aus. Dabei könnte er objektiv betrachtet, glücklich sein. Doch die Omnipräsenz der Krankheit raubt ihm jeden Lebensmut, mit der Zeit helfen “innere Ausflug in die heile Welt der Vergangenheit“ nicht mehr weiter. Gregor selbst empfindet sich als “Ambivalenz in Person. Nicht stimmig. Wertlos.“ Doch er gibt den Kampf gegen seine Krankheit nicht auf.
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Gregor S. litt bereits schon einmal unter Depressionen. Dieser Text ist der Erfahrungsbericht eines schlimmen Rückfalls 14 Jahre später. Plötzlich und unvermittelt wurde er als erfolgreicher Mensch Opfer dieser alles zerstörenden Macht. Ein Leben am Abgrund.
„Was ist nur los mit mir? Vor drei Monaten wurde meine innere Welt vom Nebel verschluckt.“
Hochinteressant sind in seiner tagebuchartigen Aufzeichnung vor allem auch die Rückblenden in eine unbeschwerte Zeit, in der er das Leben in vollen Zügen genießen und Glück empfinden konnte. Aber auch Rückblenden in die Zeit des ersten Ausbruchs der Krankheit bieten dem Leser allerhand Reflexionsstoff.
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Fazit: Das Buch ist ein wichtiger Beitrag, die Krankheit psychologisch zu verstehen. Darüber hinaus fungiert er als Orientierung und Halt für andere Betroffene. Gregors Empfindungen, sein Tagesablauf, seine Erlebnisse zeigen ihnen, dass sie in ihrem Denken und Fühlen nicht alleine sind, dass es Hoffnung geben kann. Hoffnung, den persönlichen D-Day entsprechend zu gestalten. Auch aus psychologischer Sicht ein hochinteressanter, wertvoller Text!
Überaus empfehlenswert!

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