"Troja, später Nachmittag" von Gregor Sander habe ich als Hörbuch gehört, eindrucksvoll eingelesen von Max von Pufendorf und Maria Hartmann. Es zeigt uns den Menschen Heinrich Schliemann mit all seinen Ecken und Kanten.
Schon als Kind begegnet Heinsrich Schliemann in seiner Heimat Ankershagen in Mecklenburg der "Ilias", die ihn nicht mehr loslässt. Er wächst in einer Pfarrersfamilie auf, der Vater schlägt ihn. Schon früh träumt er davon, Troja zu finden. Er lernt Sprachen, wird Kaufmann und erreicht über die verschiedensten Stationen schließlich die Gegend, in der er Troja vermutet. Dabei lassen ihn die Gedanken an seine Jugendliebe Minna Meincke nicht los, der er immer wieder Briefe schreibt und zu der der Kontakt nie ganz abreißt.
Wir begleiten Schliemann in diesem Roman durch sein Leben von der Kindheit bis zu seinem Tod. Bereits als Jugendliche hat mich Archäologie fasziniert, was auch der Grund war, zu diesem Hörbuch zu greifen. Ich habe mich für den Menschen Schliemann interessiert, über das hinaus, was Wikipedia, das Buch "Götter, Gräber und Gelehrte" und Goggle zu bieten hat. Dabei hat mir die Geschichte um das Entdecken Trojas nicht wirklich neue Erkenntnisse gebracht. Die menschliche Seite Schliemanns hat mir diesen Mann allerdings nicht sympathisch gemacht. Er ist besessen von seinem Wunsch, Troja zu finden, was ihm ja auch schließlich gegen viele Widerstände gelingt. Genauso besessen ist er aber auch von seiner . Jugendliebe Minna, was sich besonders im letzten Kapitel des Romans aus der Sicht von Minna zeigt. Für eine Heirat mit ihr kommt er zu spät. Während er seine Karriere vorantreibt, ist sie in der Zwischenzeit bereits verheiratet. Schliemanns Leben wird bestimmt von Ehrgeiz. Geld ist ihm wichtig, er betont im Verlauf des Romans immer wieder, wie reich er ist und zu was er es gebracht hat. Glücklich scheint er erst zu sin, als er Troja entdeckt. Wir erfahren Schliemanns Geschichte überwiegend aus seinen Erzählungen und aus Briefen. Das diese natürlich subjektiv gefärbt sind, ist normal. Was der Autor selbst dazu beigetragen hat, kann ich leider nicht beurteilen. Ein eventuell vorhandenes Nachwort des Autors ist im Hörbuch nicht vorhanden. Spätestens im letzten Kapitel hat Schliemann bei mir endgültig an Ansehen verloren., wenn man dem Autor glauben darf. Der Unterschied zwischen Fiktion und Tatsache fällt schwer. Was wäre das für ein Mensch gewesen, der nur sich selbst sieht. Seine beiden Ehefrauen betrachtet er auch eher als "Mittel zum Zweck", eine wegen seines Ansehens, die andere als Gehilfin bei den Ausgrabungen.
Die Sprache des Buches hat mir gut gefallen, sie ist fein nuanciert, ich war immer mittendrin im Geschehen. Die Sprechenden haben einen guten Teil dazu beigetragen, dran zu bleiben. Besonders Max von Pufendorf, der auch den Hauptanteil des Romans liest, spricht in verschiedenen Stimmlagen und trägt damit viel zum Gelingen des Hörbuchs bei. Dass er dabei auch in verschiedene Sprachen und auch ins Plattdeutsche wechselt, zeigt seine Qualität als Sprecher.
Auch wenn mir der Roman ein gutes Stück des rosaroten Erinnerungsscheins um die Person Schliemann genommen hat, der Blick auf den Menschen hinter dem Entdecker Trojas hat sich gelohnt. Ich empfehle den Roman gerne weiter, von mir bekommt er 4 Sterne! Eine Empfehlung an Lesende mit Interesse an Archäologie und die Menschen dahinter . Ich empfehle hier besonders, das Hörbuch zu hören!

















