Gregor Schöllgen Krieg

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Inhaltsangabe zu „Krieg“ von Gregor Schöllgen

Die Konflikte der letzten 100 Jahre – wie sie entstanden, wie sie miteinander zusammenhängen

Wer die komplexe und konfliktreiche Gegenwart begreifen will, muss die Vergangenheit verstehen. Die Geschichte der letzten 100 Jahre ist die Geschichte miteinander verbundener, weltumspannender Kriege. Der namhafte Historiker Gregor Schöllgen schildert anschaulich die wichtigsten Konflikte und Konfliktlinien, die das Geschehen auf der Welt bis heute bestimmen. Ausgehend von der Russischen Revolution 1917, die die Grundlage für die globalen Auseinandersetzungen der folgenden Jahrzehnte legte, beschreibt er die vielfältigen Gesichter des Krieges: Revisionen und Interventionen, Raub und Annexion, Säuberung und Vernichtung, Flucht und Vertreibung bis in unsere Tage. Zeitweilig fror der Kalte Krieg die alten Konflikte der nördlichen Halbkugel ein, die Kriege fanden anderswo statt. Damit ist es vorbei. Kriegerische Auseinandersetzungen sind uns allen wieder näher gerückt.

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  • Nüchtern, knapp und temporeich formuliert

    Krieg

    michael_lehmann-pape

    20. November 2017 um 12:36

    Nüchtern, knapp und temporeich formuliertIm Kern vermittelt Schöllgen dem Leser nicht nur einen Blick auf das das letzte Jahrhundert bis in die Gegenwart hinein, dass ununterbrochen eine Abfolge von Kriegen verschiedenster Natur war. Sondern mehr noch, Motivation und vielleicht auch Anlass des Werkes mag dem Leser durch die fast lapidar klingende „Gleichsetzung“, zumindest hohe Ähnlichkeit der „Gemengelage“ der Gegenwart zu jener in der Zeit zwischen dem ersten und dem zweiten Weltkrieg vor Augen stehen, wenn er sich den einzelnen, je knapp titulierten Kapiteln des Werkes zuwendet.In dem, vorweggesagt, Schöllgen jeder Gefahr trotzt, einfache Formeln, eingängige Lösungen oder andere „to do Listen“ gegen „den Krieg“ zu formulieren.Nüchtern und knapp, dennoch die Tiefe der jeweiligen in den Blick genommenen Konflikte ausloteten, sehr verständlich in der Sprache und klar in der Botschaft lässt Schöllgen die Weltkriege, den „dritten, kalten Weltkrieg“, die Putsche, Säuberungen und die massiven Fluchtbewegungen Revue passieren, verweist auf „Verniedlichungen“ wie das Wort „Intervention“ für ausgewachsene Kriege oder „Annexion“ als unverhohlene Drohungen, wie auch das „Guerilla-Wesen“ und schlichter Raub als „Krieg“ enttarnt werden und Mord immer und zu jeder Zeit einfach auch „Mord“ genannt werden muss.Mit der klaren, geschichtlichen Zäsur des „Untergangs des Sowjetreiches“, das Schöllgen als Datum der „Aufkündigung“ des „Waffenstillstandes im dritten, kalten Weltkrieg“ klassifiziert und damit die Gegenwart aus der Geschichte heraus ein deutliches stückweit verständlich zu erklären versteht. Dass mit dem Ende dieses Waffenstillstandes auch die klare Position der beteiligten Kräfte eines „eigentlich nie wieder“ begonnen hat, sich aufzulösen, zeigt nur eine klare Entwicklungslinie hin zum mehr und mehr wider „offenen Säbelgerassel“ der Gegenwart. In der die fragilen Geleichgewichte der zweiten Hälft des 20. Jahrhunderts in Wanken geraten und Haltungen des Protektionismus, des nationalen Getöses, der Autokraten Schritt für Schritt wieder salonfähig werden.Mit drohenden Gefahren, die sich nicht im Reich der Fantasie abspielen, sondern sich eben aus ähnlichen Haltungen und Entfaltungen in der Geschichte, eben aus der Zeit vor dem ersten und vor dem zweiten Weltkrieg, bestens ablesen lassen.Dass die nachfolgende Generation jener politischen Kräfte, die aus eigenem Erleben die Vernichtungskraft von Ideologien kannten und jenes „nie wieder“ in breiten Teile zur Maxime ihres Handelns ausgerufen hatten, sich von diesen Erfahrungen anscheinend weiter und weiter entfernen, dass die Traumata von Afghanistan für das Sowjetreich und von Vietnam für die Vereinigten Staaten nicht nachhaltiger zu einer intensiven und breiten Friedensarbeit führen, sondern im Gegenteil die Fronten wieder auch in Richtung „Waffenkraft“ sich zu verhärten scheinen, dass ist die große Gefahr der Gegenwart, die Schöllgen minutiös im Rückblick auf die Geschichte der Kriege der letzten hundert Jahre vor Augen führt.Was in der Form Schöllgen dadurch gelingt, dass er Vergangenheit und seine Ideen für die Gegenwart miteinander verwebt. Bestens nachzulesen, wenn Schöllgen die nicht stattfinde Reform der UNO als Problem anführt und eine solche Reform als Schlüssel für die Zukunft der Menschheit und des Planeten fast herbeischreiben will. Wie im „Krieg gegen den drohenden ökologischen Kollaps“ zeigen die gemeinsamen Resolutionen und vielfach zu weichen Kompromisse in der Regel erst Wirkung, „wenn die Katstrophen nicht mehr zu verhindern, sondern nur noch zu begrenzen sind“.Eine Reform, die dringend im Sicherheitsrat zu beginnen hätte und in der Schöllgen durch das gesamte Buch kontrastierend gegenüberstellt, was eben geschieht, wenn einzelne nationale Interessen oder solche individueller „Führungspersonen“ als Richtlinie des Handelns gesetzt werden (es folgt eben Krieg in jedweder Form) oder wenn auf der anderen Seite „gemeinschaftliche Interessen“ selbst mit mühseligsten Verhandlungen als Leitlinie gesetzt werden können (am Beispiel des „Ozonloches“ bestens nachzuvollziehen).Selbst in der Zeit der „Teilung der Welt“, die Schöllgen ab 1955 als wesentliches Merkmal der Gesellschaften (Ost-West und Nord-Süd) darstellt, galten Haltungen und unausgesprochene Regeln, die ein fragiles Gleichgewicht weitgehend garantierten.„Und damit es dabeiblieb, hielten sich beide Seiten an Spielregeln, die nicht formuliert werden mussten“.Das Schöllgen der so oft vorgeschobenen Doktrin, „Sicherheit ist nicht alles, aber ohne Sicherheit ist alles nichts“ gar nicht widerspricht, sondern sich in seiner Bilanz auf die Suche nach möglichen und nötigen Sicherheitsdoktrin für die Gegenwart begibt, rundet das Buch am Ende in bester Form ab.Am Ende aber bleibt es, wie es immer war. Vorsichtig optimistisch formuliert Schöllgen, dass nur mit „Vernunft“ und der Erkenntnis und weiteren Entfaltung „übergeordneter und gemeinsamer Interessen“ oft (noch) Schlimmeres verhütet wurde und nur mit diesen beiden Instrumenten weiterhin Schlimmeres verhütet werden kann. Was natürlich politischer Kräfte immer wieder bedarf, die sich von Vernunft statt Emotion und von einem übergeordneten Blick statt von engem Denken leiten lassen. Die Tendenz der Gegenwart scheint in eine andere Richtung zu deuten. Es bleibt zu hoffen, dass die nüchterne Darstellung und die überzeugende Bilanz Schöllgens breites Gehört finden.

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