Gregor Schöllgen Willy Brandt

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Inhaltsangabe zu „Willy Brandt“ von Gregor Schöllgen

Willy Brandt hat es weit gebracht: Vom unehelichen Sohn aus dem Lübecker Arbeitermilieu bis zum Vorsitzenden der SPD und Chef der Sozialistischen Internationale, vom NS-Verfolgten und Ausgebürgerten zum Bundeskanzler und Friedensnobelpreisträger. Er war Liebhaber und Genussmensch, dreifacher Ehemann und vierfacher Vater, rastlos Reisender und Autor zahlloser Artikel und Bücher, ein Mann mit vielen Freundschaften, aber ohne Freunde, gesellig, aber einsam – ein Mensch voller Widersprüche. Dieser epochalen Biographie gelingt es, das vielschichtige Wesen des Mannes zu entschlüsseln und ihn uns nicht nur als Politiker, sondern vor allem als Mensch auf neue Weise nahe zu bringen. Der Historiker Gregor Schöllgen ist eine Koryphäe der Brandt-Forschung: Als Mitherausgeber des Nachlasses besaß er auch Zugang zu dessen privaten Papieren, die von ihm mitbetreute 'Berliner Ausgabe' (2000–2009) der Schriften Willy Brandts gilt als Meilenstein. Kein Biograph hat so viele bedeutende Weggefährten, Angehörige, Freunde und Antagonisten des großen Politikers persönlich befragt, darunter Egon Bahr, Rut Brandt, Hans-Dietrich Genscher, Helmut Kohl, Johannes Rau, Walter Scheel, Helmut Schmidt, Gerhard Schröder und Richard von Weizsäcker. (Quelle:'Fester Einband/13.08.2013')

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    Willy Brandt

    michael_lehmann-pape

    23. September 2013 um 09:02

      Das „Hauptproblem“ einer Biographie Willy Brandts formuliert der Historiker und Brandt-Kenner Schöllgen ebenso treffend im Buch, wie er im Gesamten eine anregend zu lesende und fundierte Betrachtung des Lebens Brandts vorlegt:   „Willy Brandt macht seinem Biographen das Leben schwer, weil er es ihm scheinbar leicht macht“.   Vielfach sind die Quellen zu Willy Brandt, vielfach aus seinen eigenen Betrachtungen und Notizen einzusehen. Brandt, der selbst schon 1972 als Bonmot seiner Frau berichtet, dass wohl „zuviel über oder von ihm erscheine“. Wenig andere Politiker der Gegenwart haben sich so umfassend über sich selbst geäußert, wie Brandt. Durchaus  mit System, denn Brandt hat vielfach Niederschriften und das Schreiben an sich zur Reflektion genutzt, gerade auch nach politischen Niederlagen und  damit einen ganz eigenen Verarbeitungsprozess durchlaufen. Was natürlich auch heißt, dass vieles gerade aus seiner eigenen Feder auch gefärbt, teils hoch subjektiv in der Darstellung sich vorfindet.   Aus diesen und der Vielzahl anderer Quellen einen soliden roten Faden zu stricken, aus den Gesprächen mit vielen Wegbegleitern Brandts „Fleisch“ an die Biographie Brandts zu bringen, dass ist Schöllgen durchweg gelungen, auch wenn er nicht unbedingt bahnbrechend Neues herausarbeitet (was auch kaum möglich ist bei der Vielzahl an Literatur über Brandt).   Gut arbeitet Schöllgen die prägenden Zeiten Brandts heraus, zeigt die Entwicklungslinien, die Brandts introvertierte und teils „innerlich einsame“ Haltung erklären. Einer, der geprägt war durch ein „einsam gegen den Strom“ schwimmen, der Exil erlebt hat, der „das Zentrum der Macht“ späterhin gar nicht einmal, anders als so manche andere, als „Krone seiner Existenz“ verstanden hätte. Und doch daran hing.   Dies ist eine Stärke dieser Biographie, dass sie die Entwicklungen des Menschen Brandt, die Entwicklung seiner Haltungen und politischen Einstellungen (auch späterhin noch konträr zu anderen Führungspersonen der SPD) verständlich nachvollzieht (wobei die fast legendäre „Parteifreundschaft“ zu Herbert Wehner natürlich im Buch nicht fehlt).   Ein Bild im Buch, das Brandt 1973 zeigt, ist eine der dichtesten bildlichen Darstellungen des Textes im Buch. Einer, der eine tief ermattende Last trägt. Dieses Bild (Seite 216) sollte der Leser einfach wirken lassen. Denn dennoch gilt, was Schöllgen formuliert:   „Verwunden hat er die Niederlage nie. Für den Rest seines Lebens macht Willy Brandt der Rücktritt vom Amt des Bundeskanzlers zu schaffen“.   Dialektisch ist das Verhältnis von Brandt zu Öffentlichkeit und Macht. Innerer Rückzug und offensives Genießen, kämpferisch und verletzt, mal vorangehend und dann wieder tagelang im Grübeln gefangen. Widersprüche in der Person, die zu einem guten Teil die Faszination des Mannes mit ausmachen und die Schöllgen in seinem sachlichen Tonfall ebenso vor Augen führt, wie die äußeren Stationen und das politische Ringen in, um  und durch Brandt.   Ein Ringen auch späterhin als „Vorsitzender mit hoher Integrationskraft“ und dennoch mit Helmut Schmidt in starker Reibung, die auch die Partei selbst vor Zerreißproben stellte.   „Und Brandt? Der rührt nicht nur keinen Finger, um der Entwicklung Einhalt zu gebieten, vielmehr sieht er, gelassen und wohl auch mit einer Spur innerer Genugtuung, dem Sturz des alten Rivalen entgegen.   Eine gut zu lesende, fundierte und Person und Werk erfassende Biographie.

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