Grete Osterwald Ein Jude als Exempel

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Inhaltsangabe zu „Ein Jude als Exempel“ von Grete Osterwald

Im April 1942, mitten im Zweiten Weltkrieg, wird in dem Dorf Payerne in der Schweiz ein Viehhändler grausam ermordet: Die kleine Gruppe lokaler Nazis findet unter den Verlierern und Zukurzgekommenen regen Zulauf, ihre fanatischen Anführer fordern eine Tat als Fanal, damit die Bevölkerung merkt, woher der Wind der Zukunft weht. Ein Toter muss her, ein Jude, der Berner Familienvater Arthur Bloch kommt gerade recht. Das Buch führte in der französischen Presse zu einer ungeheuren Reaktion und ist nach "Der Vampir von Ropraz" Chessex' nächster aufsehenerregender Roman einer wahren Geschichte.

http://blog.lovelybooks.de/2010/03/12/jacques-chessex-mehr-als-ein-nachruf/

— Mr. Rail
Mr. Rail

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  • Rezension zu "Ein Jude als Exempel" von Grete Osterwald

    Ein Jude als Exempel
    Ricardo Caeiro Pessoa

    Ricardo Caeiro Pessoa

    28. January 2012 um 12:34

    In einer schneidigen und drängenden Sprache erzählt Chessex ein dunkles Kapitel Schweizer Zeitgeschichte. „Ich denke an die Nachfahren der Schuldigen, die oft zitiert werden. Sie sehen ein weiteres Mal dieses Drama auftauchen, für das sie nicht verantwortlich sind. ... Wir sind weit entfernt von jenen Zeiten, auch wenn wir das Gedächtnis an das Opfer und seine Familie respektieren“, sagte der Payerner Stadtpräsident Michel Roulin anlässlich des 2009 erschienenen Romans Un juif pour l'exemple (Ein Jude als Exempel) des französischsprachigen Schweizer Autors Jacques Chessex. In Frankreich hatte sich das Büchlein mit knapp 100 Seiten bereits nach kurzer Zeit rund 40.000 Mal verkauft und wurde von der dortigen Kritik gefeiert. Im Waadtland allerdings, v.a. in der Kleinstadt Payerne, dort wo der Autor geboren ist, wo er seine Kindheit verbrachte und wo sich die Geschichte des Romans über ein abscheuliches Verbrechen abspielt, rief er heftigen Protest hervor. Seit Frühjahr 2010 liegt Ein Jude als Exempel in der ausdrucksstarken Übersetzung von Grete Osterwald auf Deutsch vor. Chessex erzählt darin von einem dunklen Kapitel der Schweizer Zeitgeschichte: der Ermordung des jüdischen Viehhändlers Arthur Bloch am 16. April 1942 in Payerne. In jenen Tagen herrscht Hitlers Krieg in Europa, ein Krieg, der weit weg sei, wie „die meisten in Payerne” denken. Doch der Kleinstadt im „krönenden Wahrzeichen des Schweins“, die einst ihren Reichtum v.a. aus dem Handel mit Schweinefleisch und Tabak schöpfte, geht es schlecht. Die örtliche Bank macht pleite, mehrere Fabriken und Werkstätten verschwinden. Die „Krise der Dreißigerjahre dauert und tötet”. Der antisemitische Wahn der Nationalsozialisten fällt auch in der Gegend vermeintlicher Gemütlichkeit auf fruchtbaren Boden. Für den ehemaligen Pastor Philippe Lugrin ist die Ursache rasch ausgemacht: Schuld ist der Jude. Angestachelt von Lugrins antisemitischen Hasstiraden auf politischen Versammlungen der rechtsextremen Schweizer Frontenbewegung und in den Hinterstuben der Wirtshäuser entschließt sich in Payerne eine kleine Gruppe lokaler Nazis unter der Führung des Garagisten und „Möchtegern-Gauleiters” Fernand Ischi ein Exempel zu statuieren. Am 16. April 1942 ist wieder Markttag in Payerne. Auch der 60-jährige Berner Familienvater und weithin bekannte und erfolgreiche jüdische Viehhändler Arthur Bloch reist an. Unter dem Vorwand, ihm eine prächtige Kuh verkaufen zu wollen, wird er von Ischis Truppe in einen Stall gelockt, wo er niedergeschlagen, erschossen und anschließend wie ein Stück Vieh geschlachtet wird. Die Leichenteile stopfen sie in Milchkübel und versenken diese im Neuenburgersee. Die Täter werden bald darauf gefasst und zu langen Haftstrafen verurteilt. Jene, die sich zuvor „mit wachsender Genugtuung das Maul über die Juden“ zerrissen, sind dieselben, „die später beim Prozess, Fernand Ischi und seine Bande niederbrüllen werden“. Die Tat sollte ein Geburtstagsgeschenk für den „verehrten Führer“ sein, um sich dessen Gunst vor dem erwarteten Einmarsch zu sichern, gestanden die Verurteilten. In einer äußerst verdichteten Erzählform und auf nur wenigen Seiten gelingt Chessex, wofür andere mehrere hundert Seiten benötigten: In einer schneidigen und drängenden Sprache verknüpft er auf knappem Raum Fakten, Zeitgeschichte und Stimmungsbilder auf eine Weise, wie es nur Literatur vermag. Er entwirft ein perspektivisches Panorama des geistigen Klimas seiner Heimat zu jener Zeit und rührt damit nicht nur an einem historischen Trauma der Region, sondern verleiht einem persönlichen Bedürfnis Ausdruck, das auf seine Kindheit zurückgeht. Chessex war damals acht Jahre alt. Er kannte die Leute, saß u.a. in der Schule neben der ältesten Tochter von Ischi, hörte die „Nazilieder, die Hitlerrufe, die Fanfaren der Wehrmacht”, die aus den tönenden Lautsprechern den Marktflecken beschallten. Der Autor macht keinen Hehl aus dem autobiografisch geprägten Ich-Erzähler, der manchmal „mitten in der Nacht geplagt und verletzt aufwacht” und dann glaubt „jenes Kind zu sein, das er damals war und das den Seinen bohrende Fragen stellte”, wo „der Mann sei, den man ganz in der Nähe ermordet und zerstückelt habe” und „ob er wiederkäme”. Am 9. Oktober 2009 ist Chessex, der u.a. 1973 für seinen Roman L’Ogre (Der Kinderfresser) als erster Nicht-Franzose mit dem renommierten Prix-Goncourt ausgezeichnet worden ist, im Alter von 75 Jahren gestorben. Das kleine Buch Ein Jude als Exempel zählt jetzt schon zu den ganz großen seines in Deutschland leider noch wenig, weil nur vereinzelt übersetzten Werks.

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  • Rezension zu "Ein Jude als Exempel" von Grete Osterwald

    Ein Jude als Exempel
    Mr. Rail

    Mr. Rail

    13. March 2010 um 09:45

    "Man kann sich schon wundern, dass ein so umsichtiger Mann so wenig Gespür entwickelt gegenüber diesen dreien, dem verkrachten..., dem grobschlächtigen..., und vor allem gegenüber dem... Draufgänger, dessen Anblick ihn hätte beunruhigen müssen. Aber vor dem Tod gibt es keine Logik. Als Arthur Bloch den Stall in der Rue-à-Thomas betritt, weiß er nicht, spürt er nicht, dass er sich in die schlimmste Schlächterei begibt." Payerne im Waadtland ist ein kleiner, von Schweinezucht und Fleischhandel geprägter unbedeutender Marktflecken. Während sich der 2. Weltkrieg hauptsächlich jenseits der Schweizer Grenzen abspielt, geht es den Menschen schlecht, viele sind arbeitslos und die einzige Bank der Region geht Pleite. Eine kleine Gruppe lokaler Nationalsozialisten findet unter den Verlierern regen Zulauf und die fanatischen Anführer fordern eine Tat - ein Fanal in Vorbereitung auf die zukünftige Nazi-Herrschaft in der Schweiz. Ein Toter muss her, ein Jude, egal wer. Hauptsache das Exempel wird statuiert. Der unbescholtene Familienvater Arthur Bloch gerät unversehens ins Visier der Häscher. Sie lauern ihm heimtückisch auf, schlachten ihn wie ein Stück Vieh und versenken die Leichenteile im nahe gelegenen See. Nach einigen Wochen werden seine sterblichen Überreste von der Polizei gefunden und den Tätern wird der Prozess gemacht. Jacques Chessex (1934 - 2009) erlebte diese Tat als achtjähriger Junge. Sie hat ihn nie wieder losgelassen und in straffer komprimierter Weise beschreibt er eindringlich die Absurdität dieses schrecklichen Mordes. Der Autor erhebt sich und wird zum Ankläger, der genau realisiert, dass sich Geschichte jederzeit wiederholen kann, weil es immer wieder Menschen geben wird, die belustigt zuschauen, wenn grausames Unrecht geschieht. Hauptsache, sie sind selbst nicht betroffen und haben einen Sündenbock für ihr eigenes Versagen. Jacques Chessex starb, wie er schrieb - aufrecht und kämpfend, verteidigend und anklagend, während einer Veranstaltung in Yverdon-les-Bains. Details zum Autor und Hintergründe zu seinem Tod finden sie in meinem Artikel im Blog.Lovelybooks: http://blog.lovelybooks.de/2010/03/12/jacques-chessex-mehr-als-ein-nachruf/ "Ein Jahr später lässt Myria Bloch ihrem Mann einen Grabstein setzen. Gegen die Gewohnheiten der jüdischen Gemeinde Bern und gegen den Rat von Rabbiner Messinger lässt sie einen Spruch in den grauen Sandstein meißeln: GOTT WEISS WARUM..."

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