Grigori Rjaschski Moskau, Bel Étage

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Inhaltsangabe zu „Moskau, Bel Étage“ von Grigori Rjaschski

'Vielleicht lebt ja etwas Gutes von unseren Großmüttern und Großvätern in unseren Kindern und Enkeln weiter.' Ljudmila Ulitzkaja in ihrem Vorwort
Ein Jahrhundert russischer Geschichte durchströmt die Maisonettewohnungen in bester Moskauer Lage. Mit den Machthabern wechseln die Bewohner, nur Rosa Mirskaja, die Frau des Architekten Semjon Mirski, bleibt über all die Jahre mit Herzenswärme, gestärkten Tischdecken und jüdischem Gebäck der ruhende Pol im Leben der Mirskis und ihrer Nachbarn – über alle familiären Krisen und historischen Umstürze hinweg.
Gleich bei den Patriarchenteichen, dort, wo die Geschichte vom 'Meister und Margarita' ihren Ursprung nahm und wo heute Moskaus neue Mitte erwächst, steht der Inbegriff Moskauer Jugendstils, erbaut von Semjon Mirski, Architekt und angesehenes Mitglied der Akademie der Wissenschaften. Dort wohnt auch der Erbauer selbst mit seiner Frau, Rosa Markowna Mirskaja, in direkter Nachbarschaft zu den hohen Persönlichkeiten der Zeit.
Doch wer angesehen ist und wer nicht, ändert sich mit den Zeitläufen, und so verändert sich auch die Nachbarschaft der Mirskis zwischen den Jahren der Oktoberrevolution und dem Zusammenbruch der Sowjetunion mehrfach. Und auch in der Familie Mirski geraten die jüdischen Traditionen von einer Generation zur nächsten immer mehr ins Wanken, wäre da nicht der beharrliche Wille der Mutter, Groß- und Urgroßmutter Rosa, die mit unendlicher Geduld die Familie zusammenhält.
Angelehnt an die Geschichte der russisch-jüdischen Familie Ginzburg, der er selbst wie auch seine Cousine Ljudmila Ulitzkaja entstammt, entwirft Grigori Rjaschski ein lebendiges Panorama der russischen Gesellschaft im Wandel der Zeiten.

Eine russisch-jüdische Familiensaga, in der auch die Politik des 20. Jahrhunderts nicht zu kurz kommt.

— hannipalanni

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  • Rezension zu "Moskau, Bel Étage" von Grigori Rjaschski

    Moskau, Bel Étage

    beowulf

    13. September 2011 um 23:14

    Man könnte das Buch als Familienroman werten, auch als Roman über 100 Jahre russische Geschichte vom Anfang des 20. Jahrhunderts, bis zum Anfang des 21. Jahrhunderts, von der Zarenzeit bis zu den Revolutionen, Stalinismus und Umbruch Gorbatschov und dem Turbokapitalismus mit Russenmafia nach dem Zusammenbruch des Sowjetstaates. Könnte man, trifft es auch beides, aber beides eben nicht so ganz. Die Funktion der Zentralfigur teilen sich hier eine Frau, Jahrgang 1903, die wir als Leser an ihrem hundertsten Geburtstag im Jahr 2003 wieder auf der letzten Seite des Buches verlassen und ein Haus, gebaut 1903, von dessen Bewohnern die eine eben nur eine ist. Dieses Haus ist der feste Anker um das sich alles dreht und das alle Begehrlichkeiten beinhaltet, der feste Punkt in dem sich Leben abspielt und um den sich Leben dreht. Zu Zeiten von Wohnungsbewirtschaftung spielt so ein Haus eine nicht unwesentliche Rolle. Jugendstil, jede Wohnung eine Maisonettewohnung und in Moskau Zentrum. "Verführung mittels einer Wohnung im Stadtzentrum", lautet ein zentraler Satz. Gebaut hat das Haus der berühmte Architekt Semjon Mirski, er lebt dort mit seiner Frau Rosa, ein großbürgerliches jüdisches Ehepaar, dessen Schicksal durch die Zeitläufte Rjaschski beschreibt, insbesondere das von Rosa aber eben auch das aller Mitbewohner, die im Laufe dieses Jahrhunderts dieses Haus bewohnen und derer, die es aus den unterschiedlichsten Gründen auch verlassen müssen. Eine nicht unwesentliche Rolle spielt auch die Begegnung des berühmten Architekten Semjon Mirski in Paris mit einem talentierten unbekannten jungen Maler namens Pablo Picasso, in deren Verlauf der eine dem anderen einen Entwurf für eine Statue berichtigt, damit die Statik stimmt und der andere ein Bild verschenkt und widmet, dass die folgenden Jahre in der Wohnung der Mirskis an der Wand hängt. Ein Bild, das aufgrund seiner kubistischen Darstellung abstösst oder aufgrund seines Wertes Begehrlichkeiten schafft. Manches verwundert uns heute stark- wie sehr z.B. der Gegensatz hie jüdische Familie, hie Russen, sich durch die Jahrzehnte zieht, völlig unabhängig vom Gesellschaftssystem. Manches kommt bei aller Fremdheit wieder altbekannt vor, der Mensch ist eben immer Mensch egal wo oder unter welchen Umständen er lebt, zu großem fähig aber auch der Wolf des Menschen. Eine Warnung noch, 391 Seiten klingt eher überschaubar, das Buch ist aber recht klein gedruckt, liest sich also eher langsam, aber es lohnt sich unbedingt.

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