Grit Poppe Andere Umstände

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Inhaltsangabe zu „Andere Umstände“ von Grit Poppe

Mila Rosin weiß schon seit ihrem dreizehnten Lebensjahr ganz genau, was sie will: ein Kind. Als sie mit ihrem Baby auf dem Arm durch San Francisco schlendert, scheint sie am Ziel ihrer Wünsche. Doch Mila ist auf der Flucht. Denn weil die Welt ganz und gar nicht ihren Tagträumen entspricht und die Männer ihren Herzenswunsch nicht erfüllen wollten oder konnten, hat sie die Gegebenheiten rabiat und skrupellos verändert und ihre Ziele auf nicht gerade alltägliche Art umgesetzt. Dabei hat sie doch eigentlich nur erledigt, was sie erledigen musste - und daher keinerlei Gewissensbisse.

Mordsspaß mit Hang zu tragikomischen Situationen und Absurdität und nur kleinen Längen.

— ConstanzeBudde
ConstanzeBudde
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    Andere Umstände
    ConstanzeBudde

    ConstanzeBudde

    26. September 2016 um 12:10

    Seit frühester Jugend schon wünscht Mila sich nichts sehnlicher als ein Kind. Um sich diesen Wunsch zu erfüllen, geht sie buchstäblich über Leichen. Bis sie schließlich mit ihrer Tochter in San Francisco landet, ist die Berliner Mauer gefallen und mehrere Männer auf mysteriöse Weise ums Leben gekommen. Aber auch in Amerika geht das Versteckspiel weiter, das Mila seit Jahren treibt. Mit 13 ist Mila in ihren Englisch- und Deutschlehrer verliebt und glaubt in ihm den Wunschvater für ihr Wunschkind gefunden zu haben. Pech nur für Mila, dass Herr Kraus bereits verheiratet ist und weder ihren Wunsch noch ihre Liebe teilt. Und Pech für Herrn Kraus, dass Mila kurz zuvor von ihrem Vater ein Messer geschenkt bekommen hat. Während Mila mit blutigen Händen im Kino sitzt, wird der Lehrer tot aufgefunden. Einige Zeit später stellt Mila sich als Babysitter bei der Witwe Kraus vor.Es sind Szenen wie diese, die den satirischen Charakter von Grit Poppes Roman offenbaren und den Leser mit einem Gefühl zwischen Entsetzen und Schmunzeln zurücklassen.Und obwohl einige Jahre nach Herrn Kraus sich auch Milas Uniprofessor als unwürdiger Samenspender erweist und deswegen sein Leben lassen muss (nicht bevor er noch ein Verhältnis mit der Witwe des Englischlehrers angefangen hat), kommt man als Leser nicht umhin, in gewisser Weise Sympathie für Mila zu empfinden. So perfide es klingen mag, durch Milas direkte Art, welche die Autorin in ihrem Erzählstil gekonnt aufgreift und in einfacher unverblümter Sprache darstellt, sind ihre Gedanken tatsächlich auf absurde Weise nachvollziehbar und logisch.Man ahnt beim Lesen, das Spiel, das Mila in Ostdeutschland begonnen hat, wird auch in den USA seine Fortsetzung finden. Aber davon erzählt der Roman nicht mehr, es gibt lediglich mehr oder weniger dezente Andeutungen, die Spielraum für fortsetzendes Kopfkino bieten. Schwierig sind in "Andere Umstände" mitunter die Nebenschauplätze und vielen Nebenfiguren, die oft nicht länger als für ein Kapitel eine Rolle spielen. Das betrifft hauptsächlich die vielen Ex-Frauen von Milas Vater und deren jeweilige Kinder, mit denen Mila im Laufe ihres Lebens mal mehr, mal weniger zu tun hat, und die manchmal ganz plötzlich verschwinden, und später wieder auftauchen. Dieses Personenpotpourri sorgt einerseits für Verwirrung und mitunter auch Längen im Roman, andererseits ist es auch unzweifelhaft Zeichen von Milas merkwürdigen Familienverhältnissen und Auslöser für ihren Pragmatismus; frei nach dem Motto "Ist der für mich wichtig? Sehe ich den nochmal wieder? Nein - okay, vergessen wir's."Als Leserin, die zu jung ist, um die DDR persönlich erlebt zu haben und auch keine Verwandte hat, die konkrete Erinnernungen mit dem "typisch Osten" verbinden, sind mir beim Lesen sicherlich auch einige Spitzen entgangen, einfach weil mir der Kontext fehlt. Klar, das "Bananenklisché" kenne ich, und die Idee jedes Kapitel mit einem Lebensmittel zu betiteln, fand auch ich witzig. Aber Szenen, die sich so, wie sie geschildert sind, vielleicht nur im Osten haben abspielen können, blieben für mich größtenteils im Verborgenen. Trotzdem ist "Andere Umstände" ein unterhaltsamer Roman, der mit Klischés spielt und dabei herrlich komische, verschrobene und liebenswürdige, schräge Charaktere entwirft. Wer einmal eine Mordsgeschichte, die kein Krimi ist, lesen möchte, sollte sich "Andere Umstände" auf jeden Fall zu Gemüte führen.

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