Guðmundur Óskarsson Bankster

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Inhaltsangabe zu „Bankster“ von Guðmundur Óskarsson

Es ist das Jahr 2008. Die Finanzkrise erschüttert das isländische Bank-wesen, Island steuert auf die Staatspleite zu. Ohne vorherige Ankündigung verliert Markús über Nacht seinen Job bei seiner Bank. Völlig perplex angesichts der Tatsache, dass künftig der Verzehr von foie gras bei Kerzenschein in ferne Vergangenheiten verbannt sein soll und dass 24 Stunden täglich ohne Arbeit bewältigt werden müssen, stürzt Markús in eine schwere Lebenskrise. Seine Lebensgefährtin Harpa verliert ebenfalls ihre Stelle als Bankerin, nimmt aber sofort einen Job als Aushilfslehrerin an. Dass sie ihn immer wieder vorsichtig auf seine Ar-beitssuche anspricht, macht die Sache für ihn nicht besser. Auch ein kurzer Ausflug in die aufkeimende isländische Bürgerbewegung hilft nicht weiter. Markús klammert sich an sein Tagebuch, dem er seine Beobachtungen zur Lage der Nation anvertraut. Er scheint sich in seiner neuen Rolle zunehmend einzurichten. Doch Harpa hat ein Geheimnis, und als sie ihn von einem Tag auf den anderen verlässt, wird sein Leben erneut auf den Kopf gestellt. Banker und Gangster: Das Schicksal des Liebespaares Markús und Harpa, die für die größten isländischen Banken arbeiten und beide während der Wirtschaftskrise 2008 ihre Arbeit und Zukunft verlieren.

Mit seinem einnehmenden isländischem Humor und einem liebevollen Blick für seine Protagonisten erzählt Óskarsson von der persönlichen Krise eines jungen Mannes, dessen Leben durch die weltweite ökonomische Krise aus den Fugen gerät. Es ist zugleich das eindrucksvolle Porträt einer fortschrittsverwöhnten und profitgierigen Gesellschaft, deren ökonomischer Optimismus und blinder Wachstumsglaube jäh erschüttert werden.

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  • Rezension zu "Bankster" von Guðmundur Óskarsson

    Bankster

    bücherelfe

    10. November 2011 um 13:55

    Erfolgsverwöhnt sind sie, die beiden Protagonisten im vorliegenden Roman. Markús und Harpa sind verlobt und entsprechen dem, was man vor einigen Jahren noch salopp als DINKS - double income, no kids – bezeichnet hat. Aber die Zeiten ändern sich drastisch und wer im Jahr 2008 bei einer isländischen Bank arbeitet, dessen berufliche Zukunft kennt nur eine Richtung: Abwärts. Die beiden werden fast zeitgleich arbeitslos. Der anfänglich durchaus vorhandene Galgenhumor vergeht den beiden bald. Harpa scheint mit der neuen Situation besser zurecht zu kommen und findet rasch einen Job als Vertretungslehrerin. Markús hingegen versinkt in einem Meer von Frust und lässt sich in einen wabernden Nebel der Orientierungslosigkeit ziehen. Wie soll er seinem Umfeld auch erklären, was er selber nicht so recht versteht. Die Tage ziehen sich wie Kaugummi, zäh und langsam. Wofür überhaupt noch aufstehen? Auf Anraten eines Kollegen fängt er an, Tagebuch zu führen; und genau das lesen wir mit „Bankster“. Notizen aus dem Leben, wie Markús es sieht. Mit seinem Notizbuch schleicht er im Schildkrötentempo durch die Tage und verliert sich in Nebensächlichkeiten während seine Welt ringsum zusammenbricht. Die Paarbeziehung gerät ins Wanken. Guðmundur Óskarsson hat selber in der Zeit von Islands Bankenkrise bei einer Bank gejobbt. Wie viel von ihm in Markús steckt, weiss ausser ihm wohl niemand. Die Schilderungen von Ich-Erzähler Markús wirken jedenfalls sehr authentisch. Ich habe das Buch in einem Rutsch an einem sonnigen Tag auf der Terrasse gelesen und es hat mich trotz Sonne immer mal leicht gefröstelt und ich hätte fast wetten können, dass die Buchseiten nicht weiss, sondern leicht gräulich sind.... Fazit: Authentisch, schwer verdaulich und gerade darum empfehlenswert.

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  • Rezension zu "Bankster" von Guðmundur Óskarsson

    Bankster

    WinfriedStanzick

    07. September 2011 um 09:15

    Dieser in Island schon 2009, also noch mitten in den Wirren der Finanzkrise, veröffentlichte Roman des 1978 geborenen Schriftstellers Gudmundur Oskarsson hat dort noch im gleichen Jahr den begehrten isländischen Literaturpreis gewonnen. Es ist ein im Oktober 2008 begonnenes und im April 2009 beendetes Tagebuch des jungen und bislang äußerst erfolgreichen Bankers Markus. So wie auch andere seiner Kollegen, die die letzten Jahren wie die Made im Speck gelebt haben und unendlich viel Geld scheffelten, verliert auch Markus Anfang Oktober 2008, ohne jede vorherige Ankündigung, seinen Job bei einer irischen Bank. Sein Freund Vesteinn, der gerade über die politischen Konflikte in der Sturlungerzeit promoviert und recht sorgenfrei nach wie vor lebt, weil er nicht viel zu verlieren hat, empfiehlt Markus „Tagebuch zu schreiben, um in diesen verrückten Zeiten das Leben in den Griff zu kriegen, man geriete so leicht aus dem Gleichgewicht und würde pessimistisch.“ Markus befolgt seinen Rat und dokumentiert sein neues Leben. Auch seine Freundin Herpa verliert kurze Zeit darauf ihre Stelle als Bankerin, doch sie kommt damit anders und schneller zu recht als Markus. Während Markus sich an sein Tagebuch klammert und mehrmals in der Woche mit seinen Eltern telefoniert, die auf dem Land wohnen, und ihn mit Lebensmittelsendungen bei Laune halten wollen, nimmt Herpa sofort eine Stelle als Aushilfslehrerin an. Da sein Gehalt noch einige Zeit weiter gezahlt wird, sieht Markus auch keinen Anlass, sich schnell um Arbeit zu kümmern. Stattdessen vertieft er sich in sein Tagebuch. Aus ihm erfahren wir einiges über eine fortschrittsverwöhnte und profitgierige Gesellschaft, deren junge Mitglieder schnell aufstiegen und hart gefallen sind. Wir lesen von Menschen, deren ökonomischer Optimismus und blinder Wachstumsglaube jäh erschüttert wurden. Nicht nur Markus selbst rutscht in eine Krise, in der er sich aber einzurichten scheint. Da auch die Beziehung zu Herpa darunter leidet, die aber das nicht hinnehmen will, sagt sie Mitte Januar 2009 harte Worte, die, ohne dass es Markus merkt, ankündigen, was geschehen wird. „Mach dir das mal klar – es ist fast zwölf Uhr an einem Dienstag mitten im Winter, ein so normaler Tag, wie man ihn sich nur vorstellen kann, und wir sitzen hier in der Küche und trinken Kaffee und futtern Kekse. Das wäre normal, ja sogar unglaublich nett, wenn wir sechzig und in Rente wären. Den ganzen Tag vor uns und so. Wir müssten sechzig sein und kurz vor einer Frühlingstädtereise stehen, vielleicht nach Wien, da sind wir noch nie gewesen, und wir müssten heute Abend zu unseren Kindern fahren, sie besuchen und es genießen, unsere Enkel zu verwöhnen. Wir können nicht gerade mal dreißig, ausgebildet und arbeitslos sein. Ich glaube das nicht, Markus. All die Dinge um uns herum, diese Wohnung, all die Sachen, die Ratenzahlungen, das hat nichts mehr mit unserem Leben zu tun. Mir wird übel von der Aussicht aus dem Wohnzimmerfenster.“ Schon hier spürt der Leser Herpas Absetzbewegungen und tatsächlich verlässt sie ihn bald darauf und zieht aufs Land. Markus klagt seinem Tagebuch, versucht sich mit Büchern abzulenken und landet doch immer wieder bei seinem eigenen voller Wehmut und Jammer. Dennoch entwickelt er sich im Laufe der Tagebuchnotizen zu einem sensiblen Beobachter mit feinen Antennen für die Sorgen anderer Menschen. „Bankster“ ist ein lebensnahes Porträt zweier junger Menschen, deren gesamte Lebensplanung durch die Bankenkrise aus den Fugen gerät. Der Autor fühlt sich insbesondere in seinen männlichen Protagonisten sensibel ein. Es ist ein melancholisches Buch, an dessen Ende man den Gedanken hat, der männliche Protagonist könnte, obwohl er es noch längst nicht selbst wahrnehmen kann, aus seiner durch die Finanzkrise verursachten Arbeitslosigkeit mehr gewonnen und gelernt haben, als er selbst für möglich hält.

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