Gudrun Lerchbaum Lügenland

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Inhaltsangabe zu „Lügenland“ von Gudrun Lerchbaum

Ein packender, ein atemloser Polit-Thriller Es ist ein Schuss, der das Leben der Soldatin Mattea für immer verändert. Von ihr selbst abgefeuert trifft er eine Freundin und Mattea muss fliehen, ausgerechnet am Tag ihrer Hochzeit. Doch wohin in einem inzwischen rechtspopulistisch regierten Staat Österreich, der seine Bürger lückenlos überwacht? Zum ersten Mal findet sich die regimetreue Mattea auf der Seite der Rechtlosen wieder. Als sie auch noch mit einer untergetauchten Revolutionärin verwechselt wird, ist das ganze Land hinter ihr her. Doch ausgerechnet die Widerstandsbewegung springt ihr nun bei. Matteas Weltbild gerät ins Wanken. Die europäische Politik hat in der Flüchtlingsfrage versagt. Rechtspopulisten haben die Macht übernommen und Österreich zu einem hoch technologisierten Überwachungsstaat geformt, in dem niemand mehr frei ist. Ein Zustand, mit dem die Soldatin Mattea eigentlich ganz gut zurechtkommt. Als sie am Vorabend ihrer Hochzeit eine Freundin im Drogenrausch erschießt, muss sie fliehen. Plötzlich gehört Mattea zu den »Wertlosen«, zu denen, die außerhalb der Gesellschaft stehen und sie wird erbarmungslos gejagt. Es ist die innere Zerrissenheit von Mattea, die zwischen blinder Regimetreue und der Auflehnung gegen offensichtliches Unrecht schwankt, die diesen Polit-Thriller zu etwas ganz Besonderem macht.

Hinreißend atemloser Thriller mit Tiefgang. ich liebe die widerspenstige Heldin Mattea!

— SaraK
SaraK

Eine erschreckend wahrscheinliche Version der Zukunft - ich sag nur: Demokratur... Unbedingt lesen!

— DunklesSchaf
DunklesSchaf

Hoffentlich nur Fiktion

— bk68165
bk68165

Ein Polit-Thriller, der auf Grund seiner Aktualität sehr beklemmend ist.

— camilla1303
camilla1303

Ein großartiger Entwurf einer Zukunft, die wir unter keinen Umständen zulassen sollten

— KirstenD
KirstenD

Aktuell, brisant, aufrüttelnd.

— VeroG
VeroG

Eine Revolutionärin wider Willen: Überzeugender Zukunfts-Politthriller über ein autoritär regiertes Österreich.

— Gulan
Gulan

Starker Polit-Thriller!

— Janosch79
Janosch79

Ein außergewöhnlicher Polit-Thriller über ein rechtspopulistisches Regime!

— SarahV
SarahV

Ein Polit-Thriller, der einem die Gänsehaut über den Rücken laufen lässt

— Bellis-Perennis
Bellis-Perennis

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  • Eine ruppige REbellin

    Lügenland
    SaraK

    SaraK

    31. October 2016 um 19:23

    Die Inhaltsangabe haben schon andere geliefert und ich würde sowieso empfehlen, dieses Buch unvorbereitet zu lesen. Der wahnwitzige und seltsamerweise gerade deshalb so glaubwürdige Plot entfaltet dann erst volle Wirkung. Das Ungewöhnlichste ist die Heldin, die anfangs voll unsympathisch rüberkommt und sogar eine Freundin (versehentlich?) tötet und durch ihre Entwicklung einfach jeden auf ihre Seite zieht. Man kann sich extrem gut vorstellen, selbst in eine Lage zu geraten, wo man den ganzen Druck nicht mehr aushält und ausrastet. Aber dann wieder zurückzufinden und mit der eigenen Tat klarzukommen und noch dazu seine politischen Glaubenssätze komplett über den Haufen zu werfen und einen guten Weg zu finden ... Hammer!Und über die politischen Verhältnisse, über das was uns droht, wenn Rechtsextreme an die Regierung kommen, muss man auch nochmal neu nachdenken. An manches hätte ich gar nicht so gedacht ...

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  • Lesechallenge Krimi gegen Thriller 2016

    kubine

    kubine

    Die Lesechallenge Krimi gegen Thriller geht auch 2016 weiter! Du liest gerne Krimis und kannst so bekannte Ermittler wie Miss Marple oder Commisario Brunetti locker mit Deiner Spürnase abhängen? Oder liegen Dir eher rasante Thriller, bei denen Du schon mal die Nacht zum Tag machst? Dann mach doch mit bei unserer Teamchallenge Krimi gegen Thriller. Welches Team schafft es, die meisten Bücher zu lesen? Wir sind gespannt. Welche Bücher zählen? Als grobe Einteilung soll dabei die Angabe der Verlage dienen. Hat der Verlag es als Thriller eingeordnet, zählt es als Thriller (auch wenn man nach dem Lesen einen anderen Eindruck hat). Bei Krimis ist es ebenso. Alle Arten von Krimis zählen, egal ob historischer Krimi, Regionalkrimi oder Tierkrimi. Es gibt sicher Bücher, bei denen das am Anfang nicht so klar ist. Im Zweifel würden sie dann bei beiden Teams gezählt. Die Regeln: 1. Entscheide Dich für ein Team!2. Die Challenge beginnt am 01.01.2016 und endet am 31.12.2016. Alle Bücher, die im Zeitraum vom 01.12.2015 bis 31.12.2016 erscheinen zählen, auch Neuauflagen , sofern die 2016 erscheinen.Eine Liste mit Neuerscheinungen 2016 die natürlich auch ergänzt wird, findet ihr hier: http://www.lovelybooks.de/buecher/krimi-thriller/Bestseller-Krimis-und-Thriller-2016-1201869567/#userlistglanzente war so lieb, und hat für jedes Team auch nochmal Listen mit den jeweiligen Neuauflagen erstellt. Ihr findet sie hier: http://www.lovelybooks.de/buecher/krimi-thriller/Krimiliste-Lesechallenge-Krimi-gegen-Thriller-2016-1208200397/ http://www.lovelybooks.de/buecher/krimi-thriller/Thrillerliste-Lesechallenge-Krimi-gegen-Thriller-2016-1210040822/3. Zu jedem gelesen Buch wird eine Rezension geschrieben. So kann sichergestellt werden, dass das Buch auch gelesen wurde. Der Link zur Rezi bei LB muss mit angegeben werden. Um die Spannung aufrecht zu erhalten, bitte den Link zur Rezi per PN an mich! Jede PN wird von mir kurz beantwortet, so dass ihr da eine Bestätigung habt, dass sie auch ankam. 4. Auch fremdsprachige Bücher dürfen für die Challenge gezählt werden. Hier muss nur ebenfalls der Erscheinungstermin in den oben genannten Zeitraum fallen. 5. Man kann zu jeder Zeit einsteigen bzw. aufhören. Gelesene Bücher zählen dann ab dem Einstiegsmonat. 6. Wie viele Bücher das jeweilige Team im Monat geschafft hat, wird jeweils Anfang des Folgemonats bekannt gegeben.  Unter allen, die sich an der Challenge aktiv beteiligen, wird am Ende des Jahres eine kleine Überraschung verlost. 7. Mit dem Beitritt zur Challenge erklärst Du Dich mit den oben genannten Regeln einverstanden. Sie haben sich bewährt und werden nicht mehr geändert. Viel Spaß und viel Erfolg! Auf vielfachen Wunsch darf hier geplaudert werden: http://www.lovelybooks.de/thema/Plauderthread-zur-Lesechallenge-Krimi-gegen-Thriller-1077848718/ Team Krimi:  Athene100776  lesebiene27  krimielse  Mira20  glanzente  hasirasi2  Mercado  Bellis-Perennis  Katjuschka  yari  Talitha  Lesezeichen16  dorli  sommerlese  Antek  clary999  wildpony  ChrischiD  janaka  claddy  danielamariaursula  danzlmoidl  buecherwurm1310  tweedledee  Xanaka  Barbara62  mabuerele  TheRavenking  Postbote  buchratte  DaniB83  Maddinliest  Nele75  Lesestunde_mit_Marie  sansol  bibliomarie  claudi-1963  Schalkefan  mistellor Gela_HK MissWatson76 Leserin71 (Matzbach) LibriHolly Wedma Caroas gaby2707 elmidi susawal81 agi507 Shanna1512 Paulamybooksandme DonnaVivi Bambisusuu Gelesene Bücher Januar: 72Gelesene Bücher Februar: 122Gelesene Bücher März: 163Gelesene Bücher April: 111Gelesene Bücher Mai: 180Gelesene Bücher Juni: 128Gelesene Bücher Juli: 112Gelesene Bücher August: 163Gelesene Bücher September: 111Gelesene Bücher Oktober: 147Gelesene Bücher November: 137Gelesene Bücher Dezember: 145 Zwischenstand: 1591 Team Thriller:  Floh  KruemelGizmo  Kasin  Meteorit  AberRush  Leseratz_8  Nisnis  eskimo81  Mone80  lenicool11  lord-byron  hm65  marinasworld  calimero8169  Buchgeborene  MelE  rokat  Inibini  Thrillerlady  BookfantasyXY  zusteffi  DeinSichererTod  krimiwurm  parden  MeiLingArt  DerMichel  Naden  DieNatalie  kn-quietscheentchen  Bjjordison  Artemis_25  heike_herrmann  Nenatie  Claudia-Marina  MissRichardParker  Landbiene   Janosch79  Filzblume  dieFlo  fredhel  (crumb)  Peanut1984 Anni84 kawaiigurl schuermio LillySymphonie little-hope Frenx51 BeaSurbeck Viertelkind Vreny Buecherseele79 ChattysBuecherblog Queenelyza Igela Ambermoon Insider2199 Buchraettin JuliB Helene2014 chipie2909 LisaMariee JoanStef melanie1984 Lisa0312 Gelesene Bücher Januar: 29Gelesene Bücher Februar: 49Gelesene Bücher März: 79Gelesene Bücher April: 69Gelesene Bücher Mai: 98Gelesene Bücher Juni: 60Gelesene Bücher Juli: 149Gelesene Bücher August: 42Gelesene Bücher September: 193Gelesene Bücher Oktober: 118Gelesene Bücher November: 90Gelesene Bücher Dezember: 99 Zwischenstand: 1075

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    • 3931
    kubine

    kubine

    01. October 2016 um 18:18
  • Tu felix Austria - sieht so deine Zukunft aus?

    Lügenland
    Havers

    Havers

    23. September 2016 um 21:16

    Es ist ein erschreckendes Bild, das die Östereicherin Gudrun Lerchbaum in ihrem Politthriller „Lügenland“ vor den Augen des Lesers ausbreitet. Im Gegensatz zu den Dystopien, die viele ihrer Autorenkollegen entwickeln, verzichtet sie aber darauf, die Handlung in einer fiktiven Umgebung zu inszenieren, sondern wählt ihr Heimatland als passenden Hintergrund aus. Passend, weil dort Rechtspopulismus eine gewisse Tradition hat. Passend, weil die Politik im Zuge der Flüchtlingskrise ihr hässliches Gesicht gezeigt und auf Abschottung gedrängt hat. Passend, wenn man sich das Chaos um die Bundespräsidentenwahl anschaut, deren wahrscheinliches Ergebnis man gar nicht vorstellen mag. „Lügenland“ spielt in der nahen Zukunft. Die Alpenrepublik ist zu einem diktatorischen Überwachungsstaat geworden, der von Rechtspopulisten regiert wird. Alles natürlich zum Wohl des Volkes, dem man Sicherheit durch Kontrolle suggeriert, und dies überall und rund um die Uhr. Das Volk fügt sich, zumindest diejenigen, die unter diesen Verhältnissen aufgewachsen sind. Wie Mattea, die gehorsame Soldatin, die im Begriff ist, zu heiraten. Um Liebe soll es in dieser arrangierten Ehe nicht gehen, vielmehr um die Zeugung und Aufzucht treuer Untertanen. Glücklicherweise ergeben sich manchmal Chancen für Veränderungen, die man so nicht erwartet. Für Mattea ist es der Tod ihrer Freundin, den sie verursacht hat. Aus Furcht vor den Konsequenzen ergreift sie die Flucht, wird „wertlos“, weil sie nicht mehr von Nutzen für das Regime ist. Sie ist quasi eine „Vogelfreie“, denn alles, worauf sie ihr bisheriges Leben gegründet hat, soll für sie plötzlich keine Bedeutung mehr haben. Nicht weil sie es so möchte, sondern weil die Institutionen dies nach ihrem Regelverstoß es so entschieden haben. Fliehen um der Bestrafung zu entgehen, scheint ihre einzige Option. Aber selbst das ist nahezu unmöglich, da sie einer Terroristin bis aufs Haar gleicht. Doch dieser Umstand bedeutet gleichermaßen Glück im Unglück, denn deren Gesinnungsfreunde erweisen sich als Retter in der Not, sind sie doch überzeugt davon, die verschollene Mitstreiterin im revolutionären Kampf vor sich zu haben. Solidarität und Hilfe von Menschen, die ihr ein Leben lang als Feinde präsentiert wurden – es scheint, ob für Mattea der ideale Zeitpunkt gekommen wäre, um alte Strukturen zu hinterfragen… Österreich als Orwellscher Überwachungsstaat und eine junge Frau, deren Wertesystem in Schwanken gerät, nachdem sie sich auf der „falschen“ Seite wiederfindet – es ist ja nicht so, dass solche Verhältnisse komplett aus der Luft gegriffen sind. Nun gut, vielleicht ist der eine oder andere Aspekt sogar bereits in Europa zu finden, man denke nur an die allgegenwärtigen Kameras in den Hauptstädten. Oder die Terrorhysterie  in den Vereinigten Staaten, mit der jede Schweinerei von staatlicher Seite zu rechtfertigen ist. Oder Nordkoreas Kim Jong Un, dessen Bildnis auch niemand entkommen kann, auch wenn es (noch) nicht als Hologramm durch die Städte flackert. Gudrun Lerchbaum schildert diese Verhältnisse der schönen neuen österreichischen Welt erschreckend anschaulich. Gleichzeitig zeigt sie aber auch die Zerrissenheit der Menschen, die in und mit einem solchen System leben und plötzlich anfangen, dessen Werte zu hinterfragen. Beeindruckend und erschreckend, routiniert geschrieben und thematisch mit George Orwells „1984“ und Aldous Huxleys „Schöne neue Welt“ vergleichbar. Lesen!

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  • Austrias Katniss Everdeen

    Lügenland
    Gulan

    Gulan

    16. September 2016 um 16:31

    Eine Schelmin will ich sein, keine Heilsfigur. Wenn sich jetzt gleich noch jemand meldet, der mich über den Mondsee hat wandeln sehen, dann schreie ich. Besser noch: Ich schieße den Erstbesten nieder, lasse mich neben der Leiche fotografieren und aus ist es mit der Dualität. Alles, um wieder wenigstens einen Faden in der Hand zu halten, ein wenig Kontrolle darüber zu gewinnen, was man in mir sieht. Wenn ich schon Ina sein muss, nicht Mattea sein darf. Alles Quatsch natürlich. Ich habe nicht mal eine Waffe. Die Enge in der Brust treibt mich zum Fenster. Ich reiße es auf, möchte schreien und darf nicht. (S. 334-335) Mattea verbringt ihren Junggesellinnen-Abschied mit ihren alten Freundinnen Julia und Kati am Donauufer mit Alkohol und Drogen. Morgen wird Mattea ihren Dienst bei der Miliz beenden und mit der Hochzeit ihre vaterländischen Pflichten erfüllen. In Mattea kommen alte, negative Gefühle gegenüber Kati wieder hoch. Als sie von einem bewaffneten Mann der Bürgerwehr bedroht werden, versucht Kati diesen zu beschwichtigen. Mattea zieht hingegen ihre Dienstwaffe – und erschießt Kati. Einen Tag später auf der Hochzeit erklärt Julia Mattea, dass sie sie gerade bei der Miliz verraten hat. Mattea muss Hals über Kopf fliehen. Wie es der Zufall will, wird gerade die Oppositionelle Ina Matusek per öffentlichem Fahndungsaufruf gesucht und Mattea sieht ihn verblüffend ähnlich. Im Zug Richtung Linz bietet ein Mann ihr seine Hilfe an. Doch Mattea wird in eine Falle gelockt, vergewaltigt und begeht ihren zweiten Mord. Ihre Flucht geht weiter, immer wieder wird sie mit Ina Matusek verwechselt, auch nachdem die echte Ina offiziell bereits festgenommen wurde. Als Mattea schließlich Kontakt zu einer oppositionellen Gruppe kommt, befürchtet sie, dass sie im Falle einer Enttarnung ihrer Legende als Ina keine Hilfe mehr erhält. Doch als dies eintrifft, wird Matteas Potenzial schnell erkannt und ausgenutzt. Sie soll weiterhin als Ina Matusik auftreten und als volksnahe Revolutionärin den Kanzler und seine Regierung destabilisieren. Es geschah, als die Leute begannen, ihre Gärten zu verminen, um sich und ihre Vorräte zu schützen. In den Unruhezeiten während des Zerfalls der Union war es auf einmal kein so großes Glück mehr, mit Kindern am Stadtrand zu wohnen. [...] Wie Gewitterwolken hingen Misstrauen, Angst und die Erwartung einer Katastrophe, eines großen Krieges, über unserer Kindheit, ohne dass wir ihnen mehr Bedeutung zugemessen hätten, als der Gefahr eines kräftigen Regenschauers. Es ist ja dann auch nicht zum ganz großen Desaster gekommen. Nicht zu dem jedenfalls, auf das alle gewartet hatten. Gerade noch rechtzeitig hatten die Aufrechten die Macht übernommen und das Land gereinigt, jeden Einzelnen in die Pflicht genommen, Grenzen gezogen, Zäune errichtet. (S. 13) Autorin Gudrun Lerchbaum, geborene Wienerin, hat in ihrem Roman die aktuellen Krisen auf die Spitze getrieben und eine rechtspopulistische Einheitsregierung die Macht in Österreich übernehmen lassen. Das Ganze spielt in einer nicht genau bezifferten, aber nicht allzu fernen Zukunft. Die Autorin setzt futuristische Elemente auch äußerst sparsam ein. Die von ihr beschriebene austrofaschistische „Demokratur“ ist (trotz modernster technischer Überwachungsinstrumente) insgesamt auch ziemlich retro: Spielen mit den Ängsten, Bürgerwehren, Milizen, Abschottung, Ausweisung von Ausländern, entartete Kunst, Frauen an den Herd, Propaganda-Parolen, Indoktrination, Todesstrafe. Und während die unterdrückte Opposition die sozialen Netzwerke nutzt, setzt der Kanzler noch aufs Staatsfernsehen. Klingt irgendwie bekannt und wenig zukunftsträchtig. Dennoch ist man sich nicht sicher, ob sich die Geschichte nicht genauso wiederholen könnte. Erzählt wird diese Dystopie aus der Sicht von Mattea, eine junge, unsichere Frau, die sich aber mit ihrer Rolle im System mehr oder weniger arrangiert hat. Ihr Vater war auch ein Aufständischer, wurde aber früh verhaftet und starb im Gefängnis. Mattea ist weitgehend unpolitisch, glaubt aber an die Propaganda der Regierung, fühlt sich trotzdem unfrei und eingeschränkt. Mit der Einwilligung in die Heirat und der Aussicht auf Kinder glaubt sie, sich dem unmittelbaren Druck entziehen zu können. Doch dann erschießt sie ihre alte Rivalin Kati in einer Mischung aus Rausch und Affekt. Auf der Flucht kommen ihr ihre bei der Miliz erworbenen Fähigkeiten zugute. Mattea kokettiert mit ihrer verwechselten Identität Ina Matusek. Sie verliebt sich in den Aufständischen Tom und gerät dadurch immer weiter in eine innerliche Zerrissenheit. Denn auch die Opposition hat ihre Pläne mit ihr, sie kann nicht einfach sie selbst sein, sondern muss weiter ihre Rolle spielen. Und so wird sie widerwillig zu Austrias Katniss Everdeen. Erfreulicherweise verzichtet Gudrun Lerchbaum auf ein allzu ausgeleiertes Gut-/Böse-Schema (wobei die Bösen zumeist tatsächlich böse sind). Dies beginnt mit der Auswahl ihrer Protagonistin, die innerhalb der ersten Seiten direkt einen Mord begeht. Und auch wenn die politischen Ziele der Opposition selbstredend demokratisch sind, gibt es unter ihnen auch Intriganten, Opportunisten und Verräter. Und bei aller solidarischen Agenda gilt auch für sie: Der Zweck heiligt die Mittel. „Lügenland“ ist ein spannender Zukunfts-Politthriller, der mich vor allem in der Wahl seiner zerrissenen und ambivalenten Hauptfigur überzeugt. Nicht völlig überzeugt war ich von der Ausgestaltung des autokratischen Regimes (das war mir zu konventionell) und vom Showdown am Schluss, der mir zu wenig plausibel erschien. Aber alles in allem eine lesenswerte Lektüre, den man auch als Ruf der Kassandra in Zeiten der Krise deuten kann.

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    • 8
  • Inafizierung: Lügenland - Gudrun Lerchbaum

    Lügenland
    DunklesSchaf

    DunklesSchaf

    08. September 2016 um 20:31

    Erschreckend, beklemmend, düster. Zurzeit befinde ich mich in der Stimmung,  um des Öfteren einen Blick in die Zukunft zu wagen. Technologische Neuerungen, politische Veränderungen, ökologische Einflüsse – egal, welches Buch man hier heranzieht, die Zukunft ist dunkel. Zappenduster um genau zu sein. Und das Schlimme daran ist, wir reden hier nicht von weit entfernten Zukunftsszenarien mit Aliens oder Robotern oder von einer weit, weit entfernten Zukunft. Nein, es geht um Blicke in eine nahe Zukunft. Blicke, die noch unsere jetzige Gegenwart im Gepäck haben und uns aufzeigen, wie die Welt sich entwickeln könnte, wenn wir Gedanken, Strömungen und Ideen, die hier und jetzt bestehen, weiter verfolgen. Und genau so verhält es sich auch mit Gudrun Lerchbaums Politthriller “Lügenland”. Es ist ein sehr naher Blick in die Zukunft, den man sich erschreckend gut vorstellen kann. Mattea Inninger, vor kurzem noch Soldatin, feiert mit zwei Freundinnen ihren letzten Abend in Freiheit, bevor sie in eine arrangierte Ehe schlittert, als sie bei einem Vorfall ihre Freundin erschießt. Von der anderen Freundin verraten, muss sie fliehen. Im rechtspopulistischen Österreich, welches eine vollständige Überwachung über seine Bewohner installiert hat, keine einfache Sache. Sie wird eine „Wertlose“, jemand, der kein elektronisches Armband mit Ausweis, Geld und Telefon mehr besitzt, jemand der wertlos für den Staat ist. (Un)Glücklicherweise sieht Mattea auch noch der im ganzen Land gesuchten Terroristin Ina Matusek sehr ähnlich, so dass sich ihre Flucht um einiges erschwert – aber auch erleichtert. Sie taucht bei den Revolutionären unter – als Ina Matusek. „Ob kunstverseucht, ob bipolar, ob süchtig oder unfruchtbar – die rechte Waffe in der Hand macht euch zum Teil der Heldenschar!“ (S. 11) Europa ist zerbrochen, Österreich hat seine Grenzen mit einer Mauer abgeschottet. Jegliche Nicht-Österreicher wurden vertrieben, jeder trägt ein Armband und ist damit jederzeit auffindbar. Der Präsident ist überall sichtbar, als Hologramm oder in den Gedanken der Menschen. Dieses Österreich hat es geschafft, die Propaganda von Hitler nochmal zu toppen und diese Sprüche in den Gehirnen ihrer Bewohner zu installieren und zu automatisieren. „Es heißt Demokratur und nicht Diktatur […] und sie hat uns den Arsch gerettet, knapp vor dem Untergang des Abendlandes“ (S. 105) Man darf nicht unterschätzen, dass das Leben in einer Diktatur, ehm, Verzeihung, natürlich Demokratur Sicherheit und Schutz verspricht und Kontrolle gewährt. Natürlich ist das nur der schöne Schein, doch das Leben in Österreich ist für deren Bewohner normal, man hält sich an die Regeln, bestätigt mit einem Spruch und dient dem Vaterland. So wie Mattea: erst als Soldatin, nun als gute Ehefrau, bald als Mutter. Was mich oft an Protagonisten von Zukunftsromanen stört, ist, dass sie relativ schnell und konsequent gegen das System aufbegehren, auch wenn sie es vorher akzeptiert haben, denn dies lässt sie unglaubwürdig und wankelmütig erscheinen. In Mattea begegnet man zuerst der getreuen Soldatin, die für ihr Vaterland kämpft und die Propaganda im Schlaf beherrscht, die den Kanzler und die Demokratur mit harschen Worten verteidigt. Doch ihre ungewollte Flucht und ihr Unterschlupf bei den Revolutionären zeigt ihr die Schattenseiten der gut funktionierenden Maschinerie und das Umdenken beginnt. Langsam und mit vielen Rückschlägen – sogar noch sehr spät im Buch fragt sie sich, ob sie die Revolutionäre nicht lieber verraten soll und in den Schoss des Landes zurückkehren soll. Ihre Gedanken fechten Grundsatzdiskussionen aus und es fällt ihr schwer, die Wahrheiten, die sie erfährt, zu verarbeiten oder die Leichtigkeit, mit der die Revolutionäre nicht ansprechbare Themen diskutieren, zu verkraften. Dieser Kampf, die jahrelange Indoktrination zu durchbrechen, untermauert ihre Zwiespältigkeit und wirkt unglaublich realistisch. Es steht quasi immer auf der Kippe, so dass man nie weiß, wie Mattea in einer Situation entscheidet. Noch glaubwürdiger wird sie für mich durch die Tatsache, dass sie ihre Freundin erschießt. So unglaublich dies klingt, aber es macht sie menschlicher, es verleiht ihr Tiefe und macht sie somit zu einem Menschen, der eben nicht nur gut oder böse ist, sondern viele Seiten hat. Man mag sie dafür vielleicht nicht unbedingt mögen, aber man respektiert sie, man glaubt ihr. Das Rahmen ist beklemmend, die Protagonistin unglaublich realistisch und der Sprachstil? Sehr eindringlich und das nicht nur, weil die Autorin ihr Buch mit Propaganda-Sprüchen gepfeffert hat, sondern weil es einen zwingt, gemeinsam mit Mattea darüber nachzudenken. Nachzudenken, wie eine Zukunft aussieht, die von den Rechten bestimmt wird, die einem die Kontrolle über das eigene Leben nur vorgaukelt, die Errungenschaften der Globalisierung verpuffen lässt. Keiner will in Schubladen gestopft werden und trotzdem etikettieren wir jeden Menschen und ordnen ihn in Kategorien: Mann, Frau, weiß, schwarz, deutsch, chinesisch…. Solange wir hier nicht dazu gelernt haben, ist es unbedingt notwendig, dass es Autoren wie Gudrun Lerchbaum gibt, die uns vor Augen führen, wohin unsere Engstirnigkeit uns führen kann. Lernen wir was draus. Machen wir es anders, vielleicht besser, aber auf jeden Fall anders. Und zwar jetzt, nicht erst in der Zukunft. „Die Geschichte hat vielfach bewiesen, dass Mauern keine langfristigen Lösungen sind. Jede Mauer wurde irgendwann überrannt oder niedergerissen, meist nach wenigen Jahren oder Jahrzehnten, manchmal erst nach Jahrhunderten. Grenzen, Nationen, Rassen, das sind überholte Kategorien in einer Welt, die man innerhalb von zwei Tagen umrunden kann.“ (S. 281) Fazit: Auch wenn es erst September ist – „Lügenland“ wandert schon mal unverrückbar in meine Top 5 für 2016. Das Buch ist nicht nur ein beklemmender Blick in die Zukunft, sondern auch die Protagonistin war ganz nach meinem Gusto. Unbedingt zugreifen, lesen und darüber nachdenken. Absolute Leseempfehlung!

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  • Hoffentlich nur Fiktion

    Lügenland
    bk68165

    bk68165

    05. September 2016 um 17:58

    Mattea steht kurz vor ihrer Hochzeit. An dem letzten Abend vor der Hochzeit feiert sie noch einmal mit ihren Freundinnen Kati und Julia. Eine Pille, jede Menge Alkohol und ein Schuss. Nichts ist mehr wie es war. Kati ist tot! Kurz nach der Trauung muss Mattea fliehen. Aber wohin ohne Ausweis? Immerhin überwacht der Staat Österreich seine Einwohner lückenlos. Mattea versucht sich bis zu ihrer Oma durchzuschlagen. Dort erfährt sie einiges über die Widerstandsbewegung, deren auch ihr Vater angehörte. Ihre Oma verrät ihr den ein oder anderen guten Tipp. Wird Mattea die entsprechenden Leute ausfindig machen können? Aber es gibt da zwischenzeitlich noch ein ganz anderes Problem. Mattea wird mit einer flüchtigen Revolutionärin verwechselt: Ina. Und so langsam weiß Mattea manchmal selber nicht mehr, wer sie ist. Wird sie ihren Weg finden? Und wie wird es für Österreich und seine Einwohner weitergehen?Mir hat das Buch ganz gut gefallen. Sehr erschreckend fand ich, wie schnell sich die Lage in einem Land eigentlich ändern kann. Das gibt einem schon zu denken! Sehr gut und einfühlsam ist die Situation von Mattea beschrieben, ihre Ängste und ihr Wunsch nach ein bisschen Normalität. Manchmal kann Mattea auch ein ganz schöner Hitzkopf sein. Das finde ich sehr sympathisch. An manchen Stellen muss ich aber auch zugeben, war mir das Buch ein bisschen zu abgedreht. Manchmal dachte ich, ich habe gerade eine bekannte Triologie in den Händen, die schon verfilmt wurde. Aber die eine oder andere Ähnlichkeit beim Thema lässt sich hier nicht leugnen. Ich gebe dem Buch auf jeden Fall 4 Sterne.

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  • Österreich in der nahen Zukunft? Ein beklemmender Polit-Thriller

    Lügenland
    camilla1303

    camilla1303

    04. September 2016 um 18:06

    „Es ist ein Schuss, der Matteas Leben von Grund auf verändert. Von ihr selbst abgefeuert trifft er eine Freundin und Mattea muss fliehen, ausgerechnet am Tag ihrer Hochzeit. Doch wohin in einem rechtspopulistisch regierten Staat Österreich, der seine Bürger lückenlos überwacht? Mit einem Mal findet sich die regimetreue Mattea auf der Seite der Rechtlosen wieder. Als sie auch noch mit einer untergetauchten Revolutionärin verwechselt wird, ist das ganze Land hinter ihr her. Doch ausgerechnet die Widerstandsbewegung springt ihr nun bei. Matteas Weltbild gerät ins Wanken.“, so der Klappentext zum Buch.Der Polit-Thriller „Lügenland“ von Gudrun Lerchbaum ist 2016 im Pendragon Verlag erschienen und der Blick in eine beklemmende Zukunft, denn der Polit-Thriller der von einem rechtspopulistisch regierten Staat Österreichs handelt, ist aktueller denn je. Die EU ist im Zuge der Flüchtlingskrise zerbrochen, in Österreich herrscht ein rechtspopulistisches Regime mit einem Kanzler, der über Hologramme überall präsent ist. Propaganda, Überwachung, Kontrolle sind die Grundpfeiler des Regimes und sogar die Kinderzahl wird dank arrangierter Ehen in die Höhe getrieben. Die Protagonistin Mattea ist eine Bürgerin, die sich jedes Regime wünschen könnte. Von Kindheit an durch das Regime geprägt hat sie nie gelernt selbstständig zu denken und das Regime zu hinterfragen. Weil sie aber einer untergetauchten Revolutionärin ähnlichsieht, wird sie ungewollt selbst zur Ausgegrenzten und Teil des Untergrunds. Im weiteren Verlauf des Buches, muss Mattea ihre eigenen Überzeugungen hinterfragen und herausfinden, wer sie wirklich sein möchte.Die Autorin schafft es, mögliche Geschehnisse der Zukunft durch einen einfachen, aber eindringlichen Schreibstil, sehr realistisch darzustellen, ohne dabei zu übertreiben. Sehr gut hat mir auch gefallen, dass sie den Widerstandskämpfern, den sogenannten „Zecken“ nicht nur positive Eigenschaften gibt. Denn es existiert nicht nur schwarz oder weiß, es steckt in jedem Menschen etwas Gutes und etwas Böses. Und auch die „Guten“ opfern für ihre eigenen Überzeugungen ohne Rücksicht auf Verluste.Auch wenn es sich im Polit-Thriller nicht um die Realität, sondern um ein fiktives Österreich handelt, wirkt die Szenerie zwischenzeitlich so real, dass ich mehr als einmal ein beklemmendes Gefühl während des Lesens hatte. Dieses Unbehagen verstärkt sich, wenn ich an die bevorstehende Wiederholung der Bundespräsidentenstichwahl denke, von der ich inständig hoffe, dass sich meine Mitbürger nicht für einen rechtspopulistischen Kandidaten entscheiden, der diese fiktive Welt noch ein kleines Stück realer machen könnte. Am liebsten würde ich laut in die Welt rufen: „Wehret den Anfängen“, wenn diese Worte nur Gehör finden würden.Lügenland ist ein fesselnder Polit-Thriller, der vor allem in der jetzigen Situation Europas mehr als lesenswert und aktuell ist. Meiner Meinung nach wäre das Buch eine tolle Pflichtlektüre für den Unterricht.

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  • ein Blick in die Zukunft?

    Lügenland
    Frenx51

    Frenx51

    30. August 2016 um 20:46

    Österreich ist ein anderes Land geworden, ein Land der Überwachung, das Andersdenkende und Ausländer ausschließt und einen Kanzler hat, der einem Diktator gleicht. In diesem Land lebt auch Mattea, die sich so mehr oder weniger damit anfreunden muss. Sie steht kurz vor ihrer Hochzeit mit einem Mann, den sie nicht liebt, der aber gut zu ihr passen soll. Hauptgrund der Ehe ist für Mattea, dass sie endlich aus der Miliz austreten kann. Doch plötzlich ändert sich ihr Leben, als sie am Polterabend mit ihren Freundinnen trinkt und Drogen nimmt und dabei, mehr oder weniger ausversehen eine Freundin erschießt. Nun ist sie auf der Flucht, ihr Leben ändert sich schlagartig und sie muss mit neuen Herausforderungen umgehen, z.B. dass sie von nun an eine Zecke ist, die von der Gesellschaft ausgeschlossen wird und dass sie mit einer, landesweit gesuchten, Terroristin verwechselt wird. Diesen und weiteren Schwierigkeiten muss sich Mattea nun stellen.Die Autorin hat mit ihrem Buch einen wirklichen Polit-Thriller erschaffen, der einem Gänsehaut bereitet, wenn man sich all die beschriebenen Szenarien vor Augen führt und dann merkt, dass all das wirklich auch eintreten kann. Sie versucht wachzurütteln ohne dabei zu ermahnen. Durch ihren Schreibstil schafft sie eine wahre Spannung, die durchweg aufrecht erhalten wird. Sie beschreibt die Dinge verständlich, realistisch und vor allem sehr ehrlich und direkt. Teilweise etwas hart, aber genau richtig für die Welt in einem neuen Österreich.Die Hauptprotagonistin Mattea ist dabei eine sehr eigenen Persönlichkeit. Oft ein bisschen brutal, sucht sie sich ihren besten Weg durch das Chaos und muss dabei die ein und andere Schwierigkeit überstehen. Doch sie bleibt oft auch sehr distanziert, auf ihr Leben bedacht und zeigt erst später ein gewisses Maß an Empathie und Nähe. Aber ich glaube genau diese Figur brauchte es, für den Inhalt und die Spannung, denn eine liebenswerte und sehr sympathische Person kann einfach niemand sein, der sich gegen das System wendet und für die eigene Freiheit kämpft.Das Buch hat mir sehr gefallen, da es zum Nachdenken anregt und ich hoffe dass dieses Buch von vielen Menschen gelesen wird, in der Hoffnung etwas zu bewegen und damit ein solches Leben weder in Österreich noch in Deutschland eintrifft. Ein Buch, dass von vorne bis hinten begeistert, spannend ist und mögliche Geschehnisse sehr gut darstellt, ohne zu übertreiben. Es soll zum Nachdenken anregen und überzeugt, auch wenn man nicht so politisch involviert ist.

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  • Ein beklemmender, großartig erzählter Polit-Thriller

    Lügenland
    KirstenD

    KirstenD

    30. August 2016 um 12:03

    Gudrun Lerchbaums Polit-Thriller „Lügenland“ spielt im Österreich der nahen Zukunft, in der die EU im Zuge der Flüchtlingskrise zerbrochen ist. Das Land schottet sich ab, und eine rechtspopulistische Regierung macht sich den technischen Fortschritt zunutze, um das Volk fast lückenlos zu überwachen. In diesem bis ins kleinste Detail glaubwürdigen Setting einer sog. „Demokratur“ muss die Protagonistin Mattea - eine durch das System charakterlich deformierte, unkritische junge Soldatin - plötzlich vor der Staatsmacht fliehen, da sie im Rausch eine Freundin erschossen hat.Obwohl Mattea als unsympathische Frau gezeichnet ist, verfolgt man ihre Flucht mit Spannung, denn die überzeugende literarische Ausgestaltung des menschenverachtenden Überwachungsstaates, in dem Freiheit und Individualität keinen Platz haben, trägt die Geschichte spielend über vierhundert Seiten.Als Mattea auf ihrer Flucht mit einer untergetauchten Widerstandskämpferin verwechselt und von den revolutionären „Zecken“ versteckt wird, beginnt ein originell eingefädeltes Verwirrspiel, in dessen Verlauf Mattea ihre eigenen Überzeugungen, ihre eigene Identität suchen muss. Keine leichte Aufgabe für sie, denn Gudrun Lerchbaums Roman kommt ohne den moralischen Zeigefinger aus und weist auch den Vertretern des Widerstands durchaus nicht nur positive Eigenschaften zu.Die eigenwillige, streckenweise schroffe Sprache des Romans steigert das Gefühl der Beklemmung, derer man sich vom ersten bis zum letzten Kapitel nicht erwehren kann.Fazit: Ein großartiger Entwurf einer Zukunft, die wir unter keinen Umständen zulassen sollten. Unbedingt lesenswert!

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  • Willkommen in dem Land von Morgen, vielleicht, vielleicht auch nicht

    Lügenland
    pat_meeresbrise

    pat_meeresbrise

    24. August 2016 um 19:09

    Schon einmal vorgestellt, wenn sich die aktuelle politische und gesellschaftliche Situation verschlechtert und AFD und NPD oder die Erzkonservativen an die Macht kommen? Willkommen in einem Szenario, was unheimlich, aber leider vorstellbar ist und kommen könnte. Klappentext: „Es ist ein Schuss, der das Leben der Soldatin Mattea für immer verändert. Von ihr selber abgefeuert trifft er eine Freundin und Mattea muss fliehen, ausgerechnet am Tag ihrer Hochzeit. Doch wohin in einem inzwischen rechtspopulistisch regierten Staat Österreich, der seine Bürger lückenlos überwacht? Zum ersten Mal findet sich die regimetreue Mattea auf der Seite der Rechtlosen wieder. Als sie auch noch mit einer untergetauchten Revolutionärin verwechselt wird, ist das ganze Land hinter ihr her. Doch ausgerechnet die Widerstandsbewegung springt ihr nun bei. Matteas Weltbild gerät ins Wanken.“ Ich finde, dass dieser Klappentext so gut beschreibt, was in der Geschichte vor sich geht, ohne, dass irgendetwas verraten wird. Zwar denkt man, man weiß, worum es geht, und dann kommt alles wieder ganz anders. Der Schreibstil der Autorin ist „einfach“, aber unheimlich prägnant und bringt es gleichzeitig auf den Punkt, doch gleichzeitig auch wieder nicht. Es sind Spielräume da und Punkte zum Nach- und Weiterdenken gegeben. Gleichzeitig wird die Geschichte um Mattea immer verwirrender. Als Leser weiß man dann nicht mehr, wer wer ist und so weiter. Es ist gleichzeitig eine Geschichte vorhanden und gleichzeitig weiß man nicht mehr, ob das alles noch so genau stimmt und die Wahrnehmung da einen nicht trügt- oder die Wahrnehmung von Mattea (?) trügt. Es macht Angst es zu lesen und zu wissen, dass es genau so sein könnte. Das Buch konnte ich nicht aus der Hand legen und es zeigt auf, was es mit den Leuten anstellt, die der Meinung der Regierung sind ohne zu hinterfragen. Und diejenigen, die hinterfragen, ich glaube, das könnt ihr euch selber beantworten. Es gibt nur noch richtig oder falsch. Kein grau. Nichts dazwischen. Hoffen wir nur, dass es zu etwas nie kommen wird und wir davon nur in Büchern lesen werden. 

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    • 2
  • Außergewöhnlicher Politthriller, leider aktuell

    Lügenland
    VeroG

    VeroG

    23. August 2016 um 20:59

    In einer gar nicht so entfernten Zukunft wird aus "Nie wieder" ein "Noch einmal mit Gewalt". Intellektuelle Flachwurzler übernehmen die Regierung, geben den Ton an und machen die Gesetze, die jede Individualität, jedes selbstständige Denken fast unmöglich machen. Die ideologischen Sprüche für und gegen alles sind offensichtlich an vertraute Propaganda der Ausländer-raus-Parteien angelehnt. Personenkult um den „Kanzler“ inklusive. Da man dem möglicherweise intelligenteren Volk nicht trauen kann, überwachen Drohnen und Kameras allerorten das Geschehen.Selbstverständlich sind die Grenzen rundum geschlossen und Reisen in andere Länder unmöglich, mit Ausnahme von Kriegseinsätzen.Vor diesem Hintergrund beginnt die Geschichte Matteas, an ihrem letzten Tag als Soldatin. Sie ist keine sympathische Heldin. Von Kindheit an indoktriniert, plappert sie nach, was ihr vorgekaut wird. Sie trabt brav im allgemeinen Trott mit, ohne sich viel dabei zu denken. Doch plötzlich ändert sich ihre Welt dramatisch und sie selbst ist eine Ausgegrenzte, weil sie einer untergetauchten Revolutionärin ähnelt. Auf der Flucht dringt sie Schicht für Schicht in die Lügengebäude der Regierung ein, weil sie die Auswirkungen am eigenen Leib erfährt. Sie muss allerdings feststellen, dass auch die sogenannten Guten, hier die „Zecken“, Menschen manipulieren, ja sogar Unschuldige opfern, wenn es ihrer Sache dient.All dies erzählt Gudrun Lerchbaum herrlich unaufgeregt und mit einem guten Schuss trockenem Humor, wobei einem oft das Grinsen im Hals stecken bleibt. Diesem Thriller kann man sich nicht entziehen, denn wenn man Nachrichten guckt und sieht, was rund um Österreich, in der Türkei, aber auch in Österreich selbst täglich passiert, dann stellt man voll Grauen fest, dass wir die Einbahnstraße in die Richtung „Demokratur“ wohl schon längst betreten haben.Empfehlung: Dringend lesen. Und in Schulen sollte dieses Buch zur Pflichtlektüre erklärt werden.

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  • Österreich als rechtspopulistischer Überwachungsstaat der Zukunft

    Lügenland
    lesefreude_book

    lesefreude_book

    22. August 2016 um 19:39

    Die Politik ist mit der Flüchtlingskrise überfordert. Die Grenzen sind dicht und Österreich ist zu einem rechtspopulistischen Überwachungsstaat geworden. Mattea ist brave Soldaten und regimetreu. Doch eine innere Zerrissenheit der Auflehnung gegen allzu offensichtliches Unrecht, bereitet ihr Schwierigkeiten. Ihre Hochzeit soll das Ende der Armeezeit einläuten. Als Mattea am Vorabend ihrer Hochzeit unter Alkohol- und Drogeneinfluss eine Freundin erschießt muss sie fliehen. Wann genau Gudrun Lerchbaums Polit-Thriller spielt, weiß man nicht. Blickt man auf die aktuellen Geschehnisse in der Welt, kann diese Zeit schneller kommen als uns lieb ist. Die technischen Überwachsungsmöglichkeiten gäbe es theoretisch bereits jetzt alle. Dass alle Menschen ein digitales Armband tragen, mit dem sie sich ausweisen können, aber auch geortet werden, klingt für mich nicht so unwahrscheinlich. Verpackt ist das Ganze natürlich noch mit einigen Spaßfunktionen, wie beispielsweise der Möglichkeit Emails zu empfangen und senden. Die Geschichte wird in der Ich-Erzählperspektiv aus Sicht von Mattea erzählt. Das Präsens sorgt dafür, dass sich der Leser schnell involviert fühlt. Lerchbaums Schreibstil ist geradlinig, ohne Wertung und lässt auch einen Hauch von Humor nicht vermissen. Dennoch hielt sich die Spannung aufgrund der ständigen Beschreibungen der Flucht in Grenzen. Dies mag allerdings auch daran liegen, dass ich Fluchtgeschichten generell etwas skeptisch gegenüber stehe. Zu oft wiederholt sich das Muster – entkommen, durch die Gegend wandern, Schwierigkeiten tun sich auf, entkommen und es geht von vorne los. Fazit: Ein Polit-Thriller der jeden Tag wahr werden könnten. Zu oft beobachte ich, dass Menschen gedankenlos nachblabbern anstatt selbst zu reflektieren. Der erste Schritt um den Weg für gefährliche Mitläufer freizumachen. Verstört ruft man sich immer wieder ins Gedächtnis, dass die Geschichte in Österreich spielt und nicht in einem weit entfernten Land. „Lügenland“ ist es allemal wert gelesen zu werden. Und nicht vergessen nach der Lektüre zu reflektieren und versuchen zu verstehen wie es soweit kommen konnte!

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  • Blick in eine beklemmende Zukunft

    Lügenland
    irismaria

    irismaria

    21. August 2016 um 11:49

    Österreich in naher Zukunft: die EU ist zerbrochen, in Österreich regiert eine rechtspopulistische Partei mit einem Kanzler, der überall als Hologramm präsent ist. Es gibt eine starke Überwachung und die Kinderzahl soll durch arrangierte Ehen erhöht werden. Ausländer sind rar geworden und wer mit der Regierung nicht zufrieden ist, wird als Zecke verunglimpft. In diesem bedrückenden Szenario spielt der Polit-Thriller „Lügenland“ von Gudrun Lerchbaum. Im Mittelpunkt der Geschichte steht die junge Mattea, die ihrem Milizdienst durch eine Hochzeit entkommen wird. Doch beim Junggesellinnenabschied erschießt sie ihre Freundin und flieht. Da sie der ebenfalls flüchtigen Widerstandskämpferin Ina Matusek ähnelt, kommt es zu Verwechslungen und Mattea bekommt Kontakt zum Untergrund, wo sie mit regimekritischen Gedanken konfrontiert wird. Die Geschichte ist spannend und das geschilderte Szenario beklemmend, aber leider nicht unrealistisch. In der neuen Demokratur werden Anklänge zur NS-Zeit sichtbar. Spannend finde ich die Darstellung der Personen, die sehr ambivalent ist. Mattea ist nicht die sympathische Heldin auf der Flucht, sondern eine Getriebene, die eigentlich dem neuen System zustimmt und nur durch unglückliche Umstände in den Untergrund geht. Ich kann „Lügenland“ sehr empfehlen, nicht als leichten Pageturner, sondern als Thriller, der nachdenklich macht.

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  • EIN Statement zur aktuellen politischen Lage in Thriller-Form!

    Lügenland
    Janosch79

    Janosch79

    19. August 2016 um 18:33

    Als ein echter Polit-Thriller mit Mehrwert kann "Lügenland" bezeichnet werden. Mich konnte dieses Buch mehr als begeistern.Inhalt: Die europäische Politik hat in der Flüchtlingsfrage versagt. Rechtspopulisten haben die Macht übernommen und Österreich zu einem hoch technologisierten Überwachungsstaat geformt, in dem niemand mehr frei ist. Ein Zustand, mit dem die Soldatin Mattea eigentlich ganz gut zurechtkommt. Als sie am Vorabend ihrer Hochzeit eine Freundin im Drogenrausch erschießt, muss sie fliehen. Plötzlich gehört Mattea zu den »Wertlosen«, zu denen, die außerhalb der Gesellschaft stehen und sie wird erbarmungslos gejagt. "Lügenland" ist kein gewöhnlicher Thriller, den man "einfach" so runter liest, sondern hier wird sachte der Finger gehoben, um auf aktuelle Misstände hinzuweisen. Auch wenn das gesamte Szenario in Österreich spielt, so wäre dies auch in Deutschland denkbar.Gudrun Lerchbaum verwendet dabei eine äußerst eindringliche Sprache und rüttelt den Leser damit mächtig auf. Das Buch schockt, reißt mit, geht unter die Haut und fesselt bis zum Schluss. Der Sprachstil kommt völlig anders daher und passt hervorragend zu diesem Geschehen.Dabei ist die Hauptprotagonistin und Doppelmörderin Mattea hervorragend gezeichnet. Sie befindet sich auf der Flucht vor Rechtspopulisten und wahrscheinlich auch ein wenig vor sich selbst. Sie wirkt oftmals zerrissen in ihrem eigenen Handeln und Denken, aber versucht immer wieder eine Lösung für ihre Probleme zu finden. Vielleicht hat sie mich deshalb auch so beeindruckt. "Lügenland" ist ein Buch, das man lesen sollte. Nicht nur als politisch interessierter Leser, sondern hier gäbe es auch einmal eine ungewöhnliche und spannende Schullektüre, die den Deutschunterricht sicher bereichern würde. Ich kann dieses Buch absolut empfehlen, weil dieses politische Statement in literarischer Form mehr als nachwirkt. 

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    • 4
  • Ein außergewöhnlicher Polit-Thriller über ein rechtspopulistisches Regime!

    Lügenland
    SarahV

    SarahV

    16. August 2016 um 23:50

    Spannend bis zum letzten Satz! Mit Lügenland ist Gudrun Lerchbaum ein packender, atemraubender und hochbrisanter Polit-Thriller gelungen, der unter die Haut geht. Die Geschichte um Matteas Flucht vor einem rechtspopulistischen Regime ist unheimlich fesselnd und überrascht mit etlichen Wendungen. Die Szenerie schockiert: Propaganda, Überwachung, Kontrolle,.... Die Darstellung eines rechtspopulistisch regierten und hoch technologisierten Überwachungsstaates ist der Autorin hervorragend gelungen. Auch wenn Gudrun Lerchbaum in ihrer Erzählung eine fiktive Welt schafft, wirkt sie so real, dass mich beim Lesen oftmals ein beklemmendes Gefühl ereilt hat.  Die Geschichte lebt besonders von einem eigenwilligen Erzählstil. Auch wenn man sich als LeserIn möglicherweise zunächst an diese stilistisch etwas außergewöhnliche Schreibweise gewöhnen muss,trifft dieser genau den Ton der Geschichte: Charakter der Protagonistin und die auf ihrer Flucht herrschende Atmosphäre werden auf diese Weise authentisch dargestellt. Lügenland ist ein fesselnder Polit-Thriller, der begeistert und vor dem Hintergrund einiger gesellschaftlicher Entwicklungen lange nachhallt.

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