Die Geschichte beginnt also mit einem rätselhaften Mordfall. Doch es bleibt nicht bei einem Opfer! Immer wieder werden Männer auf ähnliche Weise getötet. Immer wieder finden sich kleine blaue Glassplitterbei ihnen. Die Ermittlungen führen Franz Stahlbaum und seinen Freund, den Arzt Dr. Titus Pyrner, zur Lungenheilanstalt Eichenheim. Dort gibt es Gerüchte über geheime Experimente an Patienten. Doch die beiden Ermittler stoßen auf eine Mauer des Schweigens – niemand will reden, viele scheinen etwas zu verbergen. Die Zeit drängt, denn der Täter könnte jederzeit wieder zuschlagen. Da kommen Resi und Salome, die beiden Verlobten der Herren Pyrner und Stahlbaum auf die Idee, sich in die Lungenheilanstalt einzuschleusen. Denn einer Frau öffnet man sich vielleicht eher als einem Beamten der Staatsgewalt...
Wieser gelingt es hier, wie in ihren anderen Romanen, das historische Graz lebendig werden zu lassen. Die Straßen, Gebäude und das gesellschaftliche Leben um 1900 sind anschaulich beschrieben. Man spürt die Stimmung der Zeit – von medizinischen Fortschritten bis zu den sozialen Spannungen. Der Plot ist gut durchdacht, so werden falsche Fährten gelegt und gelungene Plottwists sorgen für ein angenehmes Lesetempo wie für eine spannende Geschichte, die nie langweilig wird :-)
Auch mit ihren Figuren hat Gudrun Wieser alles richtig gemacht, denn sie wirken nicht nur sympathisch, sondern vor allen Dingen authentisch:
Franz Stahlbaum ist ein junger Untersuchungsrichter, der damit hadert aus einfachen Verhältnissen zu stammen und immer das Gefühl hat, sich beweisen zu müssen und nicht gut genug zu sein, vor allem nicht gut genug für Resi! Das macht den Kerl sehr sympathisch, auch wenn seine Bedenken völlig unbegründet sind. ;-)
Titus Pyrner ging mit Franz zur Schule. Damals waren sich beide nicht grün, aber mittlerweile schätzen beide den Umgang miteinander. Schließlich haben sie schon im letzten Buch einen Mörder dingfest gemacht :-) Titus ist Arzt, der sich im vorliegenden Roman endlich aus dem Schatten seines Vaters - ebenfalls Arzt! - kämpft! Eine sehr wichtige Entwicklung für ihn!
Die beiden Damen im Buch sind nicht weniger wichtig, sind es doch gerade die Frauen, die immer die wichtigsten Hinweise, Infos liefern, um ein Verbrechen aufzuklären. Allerdings hätte das in diesem Fall für Resi und Salome auch alles andere als glimpflich ausgehen können...
Alle anderen Figuren fand ich ihrer Rolle entsprechend sehr gut gezeichnet, egal, wie fies sie auch sein mögen ;-)
In "Grüne Mark und Weißer Tod" lag der Fokus der Handlung auf der Lungenheilanstalt Eichwald. ( Die gibt es nicht wirklich, steht aber sinnbildlich für alle Anstalten dieser Art, die es damals wirklich gab!). Da es damals noch nicht das Wissen von heute gab, kein Internet mit Dr. Google, nicht jeder Zugang zur wissenschaftlichen Literatur hatte oder gar das Verständnis für medizinische "Experimente" oder gar medizinischen Fortschritt, sind Gerüchte und Vorgehen in diesem Roman für viele Menschen damals nicht geheuer und Erzeugen Unverständnis und Angst. Ich fand es interessant, wie die Autorin mit diesem ethischen Thema umgegangen ist und Transparenz schaffte. (Sicherlich kann man nicht für alle Heilanstalten die Hand ins Feuer legen - für Eichwald schon ;-) ).
Ich bin mal wieder nur so durch die Seiten geflogen :-) Der angenehm leichte Schreibstil mit ein wenig Lokalkolorit im Ton macht es einem aber auch leicht :-) Da ich weiß, wie die Autorin spricht, habe ich mir das Buch mit ihrer Stimme im Kopf vorgelesen ;-) Ist das strange? Vielleicht! :-) Aber dadurch hatte ich eine Menge Spaß beim Lesen! :-) (Geht mir mit einer anderen österreichischen Autorin, die zufällig auch beim Emons Verlag veröffentlicht, auch so ;-) )
„Grüne Mark und Weißer Tod“ ist ein wunderbar gelungener historischer Kriminalroman für alle, die spannende Geschichten mit einem Schuss Geschichte mögen. Die Mischung ist perfekt gelungen und die Autorin verbindet Spannung, Atmosphäre, Wissen und interessante Figuren zu einem fesselnden Leseerlebnis.