"Frau auf bloßen Füßen" ist das erste Werk, das ich von der ruandischen Schriftstellerin Scholastique Mukasonga las. Die Autorin verarbeitet darin ihre eigene Familiengeschichte. Im Kern geht es um den Konflikt zwischen Hutu und Tutsi und den Völkermord an vielen Menschen.
Die Autorin blickt zurück auf das Leben in Stefanias Haus: ein Leben voller Liebe und Geborgenheit; einem Ort, wo die Töchter unbekümmert sein konnten. Stefania ist die Mutter der Autorin. Ihr wird mit diesem Roman ein Denkmal gesetzt, da sie stets bemüht war, ihre Töchter vor wirtschaftlicher Not , dem Verlust des kulturellen Erbes der Tutsi und v.a. einem gewaltsamen Tod zu schützen.
Leider ist die Autorin Mukasonga die einzig Überlebende der Familie. Sie erinnert sich an das karge Leben in Südruanda in den 60er Jahren. Man spürt den Stolz auf die Tutsi-Kultur und die Schwierigkeiten, sich auch angesichts europäischer Einflüsse ein eigenes Leben aufzubauen.
Ich habe das Buch sehr gerne gelesen. Der Schreibstil der Autorin ist sehr angenehm. Man lernt viel über die Kultur der Tutsi, deren Alltag, Besonderheiten wie Feste und Rituale beispielsweise. Allein deswegen ist der Roman sehr lesenswert. Das besondere Verdienst der Autorin sehe ich darin, dass sie gegen das Vergessen des ruandischen Völkermords anschreibt und so einen wichtigen Beitrag zur Förderung einer Erinnerungskultur leistet. Gerne werde ich weitere Werke der Autorin lesen.

