Gudula Walterskirchen

 4.5 Sterne bei 10 Bewertungen

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Rezension zu "Mein Vaterland zertrümmert" von Gudula Walterskirchen

1918 – 2018
Sikalvor 7 Monaten

 

Mittlerweile sind 100 Jahre vergangen seit es einen bedeutenden Einschnitt in der österreichischen Geschichte gab. 1918 – ein Jahr, in dem sich vieles veränderte, ein Umbruchsjahr.

Die Autorin Gudula Walterskirchen dokumentiert in ihrem Buch „Mein Vaterland zertrümmert“ einen Ausschnitt dieses Jahres. Sie trug zum Teil unveröffentlichte Briefe, Tagebuchaufzeichnungen und Erinnerungen zusammen und versuchte ein Bild zu zeichnen, welches den verschiedenen Ansichten der Menschen gerecht wird. Nicht nur ein Ende der Monarchie, sondern auch ein Neuanfang wird bewertet. Nicht nur ein Zusammenbruch, ein Verlust des Krieges, auch Hoffnung auf Frieden und Gerechtigkeit. Viele verschiedene Themen werden in diesen sehr persönlichen Berichten beurteilt, über einiges können wir heute nur den Kopf schütteln, manches ist durchaus auch aus heutiger Sicht verständlich.

Das Buch ist in fünf Kapitel gegliedert:

Schlachtfelder und Kriegsleid – Berichte aus dem Grauen
Die Not an der Heimatfront
Heimwehr in den Untergang
Das Reich zerfällt
Neubeginn – Trauer und Hoffnung

Die Aufzeichnungen waren ursprünglich nicht für die Öffentlichkeit bestimmt und sind daher oft sehr persönlich. Sie wollen nicht rechtfertigen oder etwas beschönigen. Die Schreiber erzählen einfach von ihren Beobachtungen, ihrer Sicht der Dinge, was sie gesehen, was sie empfunden haben.

 

„So denke nicht nur ich, so denken wir hier alle. Wir fühlen uns in sadistischster Art schikaniert und da kann man von einem Mann nicht hoffen, dass er seine Pflicht so erfüllt, wie er es vielfach könnte. Mit solchen Truppen feiert man keine Siege.“ (Schütze Neumann)

 

Man merkt im Zeitverlauf wie sehr sich die Einstellung der Menschen dem Krieg gegenüber verändert, nicht nur bei den Soldaten und der Zivilbevölkerung. Auch bei den Obrigkeiten bemerkt man den Stimmungswechsel. Hier beschreibt die Autorin zwischen den Berichten immer wieder ihre Eindrücke und streut ihr Hintergrundwissen ein, so hoffte man bis Ende 1916 noch auf ein günstiges Ende des Krieges (für Österreich-Ungarn natürlich) und bereits Anfang 1917 kippte die Stimmung, was auch durch die immer schlechter werdende Versorgungslage verursacht wurde.

Als Mitarbeiter der obersten Führungsschicht schildert Schönburg-Hartenstein von den letzten Kriegstagen seiner Frau Johanna. Auch hier sieht man die Resignation und auch die Trauer, dass es das Vaterland vor dem Krieg in der Form nicht mehr geben wird. Er schildert aber auch sehr beeindruckend von dem Chaos, welches teilweise herrschte und von der Notwendigkeit zu improvisieren.

Die Historikerin Gudula Walterskirchen studierte Geschichte und Kunstgeschichte, ist als Autorin diverser Sachbücher über die Geschichte Österreichs bereits bekannt. Ihr Schreibstil ist angenehm zu lesen, sie schreibt leicht verständlich und fasst hier die unterschiedlichen Reaktionen der Menschen gut zusammen. Es liegt ihr fern, mit dem erhobenen Zeigefinger die politischen Querelen zu beurteilen, sondern sachlich und klar zu dokumentieren.

Die Berichte belegen deutlich, wie der Zerfall des Habsburgerreiches, des Schnitt von Monarchie zu Republik, aber auch das jeweilige persönliche Schicksal wahrgenommen wurde. Nicht nur Trauer und Resignation, eben auch Hoffnung und Zuversicht – je nach Stand, Besitz und politischer Einstellung. Die Autorin versucht hier ein Gesamtbild zu zeichnen, einen Querschnitt über sämtliche Bevölkerungsschichten. Sie beschreibt auch die Auswirkungen auf das weitere Leben und so manchen „Tick“, den der harte Kriegsalltag verursacht hatte.

Diese Erlebnisse aus „erster Hand“ erzählt, führen uns den Schrecken und das Elend des Krieges klar vor Augen. Wir sollen uns erinnern, daran denken, welche Auswirkungen Nationalismus und Hass hervorbringen können. Derzeit dürfen wir uns in Europa in Frieden und Sicherheit wiegen, es bleibt zu wünschen, dass wir diesen Schatz hüten und nicht als Selbstverständlichkeit hinnehmen.

Für dieses durchaus wichtige Zeitzeugnis vergebe ich gerne fünf Sterne.

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B

Rezension zu "Die blinden Flecken der Geschichte" von Gudula Walterskirchen

Gelungen
BooksAreGreatvor 10 Monaten

Gerade wenn man nicht so viel Ahnung von der Geschichte Österreichs zu dieser Zeit hat, ist das Buch interessant. Ich konnte Vieles lernen und habe auch Dinge richtig gestellt bekommen.

Die Autorin ist zum einen bemüht die historischen Fakten möglichst sachlich darzustellen und im nächsten Schritt darüber aufzuklären, wie diese historischen Ereignisse missbraucht wurden. Sie beleuchtet Geschehen und Personen wie Politiker kritisch und hinterfragt Handlungsmotive. Was sie aber nicht macht ist eine Sicht als „wahr“ oder „richtig“ darzustellen. Geschichte ist eben nicht etwas Einseitiges, was ganz klar ist, sondern sie wird durch verschiedene Farben und Schattierungen geprägt.

Der Titel „blinde Flecken“ passt meiner Meinung nach recht gut. Viele dieser historischen Begebenheiten und ihre Ausschlachtung ist bis heute noch nicht richtig dargestellt. Vielleicht kommt durch dieses Buch auf den ein oder anderen Aspekt mal wieder mehr Bedeutung zu.

Der Schreibstil hat mir insbesondere gefallen. Eine wirklich gut recherchierte Arbeit. Man merkt, wie viel Herzblut der Autorin in dem Buch steckt. Dabei geht sie mit der gebührenden Sachlichkeit vor, sodass man ihre Überlegungen nachvollziehen kann und ihr auch gerne in den Gedankengängen folgt.

Ein wirklich gelungenes Buch. 

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histerikers avatar

Rezension zu "Die blinden Flecken der Geschichte" von Gudula Walterskirchen

Ein sehr interessantes Buch
histerikervor 2 Jahren

Inhalt:
Die Zeit zwischen den Weltkriegen in Österreich ist immer noch sehr mit Mythen belegt. Die Autorin geht diesen Mythen nach.

Bewertung:
Ich kenne mich ganz gut mit der Geschichte aus, auch wenn gerade diese Zeit in Österreich nicht unbedingt dazu gehörte (was sich nach diesem Buch geändert hat, finde ich). Deswegen wollte ich dieses Buch lesen.
Das Buch ist vom Stil nicht wirklich einfach. Es ist mit Fakten voll gespickt und manchmal verliert man sich darin (vor allem, wenn man vorher keine Ahnung hatte). Deswegen ist es auf keinen Fall eine Lektüre für zwischendurch und auch kein Buch, was man nur so am Stück lesen kann. Aber das war auch im Großen und Ganzen das Einzige, was man dem Buch vorwerfen kann.
Die Autorin hat sehr gründlich recherchiert und versucht wirklich alle möglichen Facetten der Zeit darzustellen. Die Ereignisse werden möglichst neutral dargestellt und dann wird beschrieben, wie sie damals oder heute bewertet und teilweise sogar missbraucht werden. Und da leigt eindeutig die Stärke des Buches. Es wird einen wirklich deutlich und klar, dass Geschichte nicht Fakten sind. Sogar erst nach 80 Jahren kann man bestimmte Sachen nicht klären, man kann zwar bekannte Informationen darstellen, aber die Frage nach der Wahrheit kann nicht immer beantwortet werden. Das passt nicht zu allen Kapiteln, aber in einigen wird es wirklich deutlich. In allen Kapiteln wird aber eindeutig gezeigt, wie Geschichte für eigene Zwecke und für Parteien angepasst werden kann. In diesem Aspekt ist das Buch universell, auch wenn es nur ein Land in sehr kurzen Zeitspanne beschreibt.

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Gespräche aus der Community

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Verlag_Kremayr-Scheriaus avatar

Worum geht's?

Die Zwischenkriegszeit ist in Österreich auch heute noch eine ideologische Kampfzone. Berichte über den Schattendorf-Prozess und den folgenden Brand des Justizpalastes 1927 sind oft fehlerhaft, wichtige Fakten werden ausgelassen und Ereignisse einseitig dargestellt. Ähnliches gilt für die Februarkämpfe 1934, in denen die Gewalt zwischen den verfeindeten Lagern eskalierte.

Historikerin Gudula Walterskirchen präsentiert die unterschiedlichen Sichtweisen, Widersprüche, Lücken bzw. Unrichtigkeiten, analysiert die Quellen und fördert auch völlig Neues zutage. Brisant ist auch die Zeit des Dollfuß- und Schuschnigg-Regimes. Ständestaat wie Sozialdemokratie zielten auf den falschen Feind. Statt gemeinsam gegen den Terror des Nationalsozialismus zu kämpfen, bekämpften sie einander, mit fatalen Folgen: Die politisch geschwächte österreichische Politik hatte Hitlers Einmarsch nichts entgegenzusetzen.
Die blinden Flecken der Geschichte prägen den Diskurs bis heute: Es gibt keine gemeinsame Gedenkkultur zu den damaligen Ereignissen, Gedenkveranstaltungen sind immer auch politisch eingefärbt.


>> Informationen zum Buch


Gudula Walterskirchen

Dr.phil., geboren in Niederösterreich, ist Publizistin, Kolumnistin der Tageszeitung Die Presse, Historikerin und Autorin viel beachteter Bücher zur österreichischen Zeitgeschichte. Die Biografien von Engelbert Dollfuß und Ernst Rüdiger von Starhemberg sowie über den Adel im Widerstand wurden Bestseller.

Bewerbung zur Leserunde: 

Wenn ihr mehr wissen wollt, dann sagt uns, was euch an diesem Buch interessiert und auf welchen Plattformen ihr eure Rezension veröffentlichen werdet. Eine baldige Beteiligung an der Leserunde sowie das Schreiben einer Rezension sind gewünscht!

Natürlich sind auch alle LeserInnen mit einem eigenen Exemplar herzlich eingeladen, an unserer Leserunde teilzunehmen.

Wir freuen uns auf eure Teilnahme! 

> Besucht unsere Webseite! www.kremayr-scheriau.at
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B
Letzter Beitrag von  BooksAreGreatvor 10 Monaten
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