Guenther Krass Phoenix aus dem Viertel Vol.1

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Inhaltsangabe zu „Phoenix aus dem Viertel Vol.1“ von Guenther Krass

Phoenix aus dem Viertel Vol.1 ist kein Kindergeburtstag und kein Schlagermove. Hier kommt kein Eiermann, hier fallen auch keine Löcher aus dem Käse, hier fallen die Bullen ins Haus ein! Der einzige Schlager, den man in diesem Viertel aus dem Effeff kennt, schreibt sich mit A-Umlaut! Phoenix aus dem Viertel Vol.1 erzählt von einer Mutter in einem Südhamburger Arbeiterviertel, die sich in den Siebzigerjahren in Hamburg St. Georg die Nächte als Animierdame um die Ohren schlägt, um ihre Kinder durchzubringen. Mit einem Rocker liiert, feiern beide über mehrere Dekaden eine Dauerparty, die am Ende würdevoll hätte in Flammen aufgehen dürfen. Anfang der Siebzigerjahre kommen die Nachbarsfrauen zum Schminken ins Haus, dann die Rocker mit wilden Partys, In den Achtzigerjahren hocken die ersten Junkies bei der Mutter auf der Couch und in den Neunzigerjahren werden die Toten gezählt. Prädikat: Besonders krass!

So krass! Wo König Alkohol regiert, hat höchstens noch sein Lakai Gewalt was zu melden. Eine Milieustudie, brutal, schonungslos.

— Buchstabenliebhaberin
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  • Ein Leben im Rausch

    Phoenix aus dem Viertel Vol.1

    Buchstabenliebhaberin

    30. August 2015 um 18:51

    Wie geht es wirklich zu in sozialen Brennpunkten? Wie sind die Alkis vom Trinkerbrunnen, aus der zugequalmten Eckkneipe zu Hause? Sind die grobschlächtigen Möbelpacker wirklich so prollig, so besoffen, so hart? Guenther Krass (welche ein Pseudonym, und ganz bestimmt ist es eins!) plaudert aus dem Nähkästchen. Aus einem Hamburger Problemviertel, dass regelmäßig mit Schlagzeilen aufwartet, die alle den Geschichten dieses Buches verdammt ähneln. Es gibt sie, diese Menschen, deren Leben ein einziger Rausch, eine große, wilde Party ist. Alleinerziehende Mütter, deren Kinder schnell lernen, selbstständig zu werden. Die genau wissen, wann sie sich lieber nicht bemerkbar machen. Und die sich um die kleineren Geschwister kümmern und die Wohnung aufräumen. Die besoffenen Eltern wecken? Niemals! Es ist ein ganz eigener Mikrokosmos, und Fremde sind schlecht beraten, sich dort lieb Kind machen zu wollen. Fragen werden nicht gern beantwortet, wer nervt, "dem wir die Festplatte mit der Faust oder einem harten Gegenstand neu formatiert" (Zitat aus dem Buch, finde die Stelle nicht!). Guenis Mutter ist da keine Ausnahme, wenn ihr was nicht passt, knallt´s. Zu geil die Geschichten mit dem Staubsaugervertreter und dem Freier - wer nichts verträgt, wird ausgenommen wie eine Weihnachtsgans und behält, wenn er Glück hat, alle Zähne an Ort und Stelle. "Mama hatte den total besoffenen Freier den Kneipenhyänen überlassen, denn nach so einem Beutezug war sie zu vergleichen mit einer Löwin, die in der afrikanischen Steppe den Hauptteil der Beute für sich beanspruchte und erst davon abließ, nachdem sie satt war. Die Hyänen waren in diesem Fall die Kneipenbesitzer, die über die restlichen Ressourcen herfielen und dem Beutetier das letzte bisschen Geld aus dem Rippen rissen."(S. 42) Ja, der Mund bleibt einem öfter offen stehen beim Lesen. Vor Staunen, vor Schreck, vor Ekel. Das perfide - ich kenne Menschen aus diesem Stadtviertel, die so reden. Ich kannte schon Frauen, die so ähnlich lebten wie Guenis Mutter. Diese Gesellschaft ist nur eine Hand breit weit weg. Und doch so fern. Gueni kommt "von da wech", seine Sprache ist ein Kauderwelsch aus Gossensprache und intellektuellen Einsprengseln. Er ist belesen, intelligent, kreativ und witzig - und seine Herkunft schimmert durch, lässt sich nicht verleugnen. Was er ja auch zu keiner Sekunde macht. Vol. 1 endet mit einer eher belanglosen Geschichte vom erwachsenen Gueni beim Film. Ich will wissen, was seine Mutter und die Rockerkumpels machen, die Geschwister! Mein Fazit: Ein unbekanntes Juwel, was mir da auf dem Flohmarkt in die Hände fiel. Das Buch definitiv so ungewöhnlich und derbe wie sein Cover. Eine kreuzehrliche Milieu-Geschichte. Vielleicht können wir lange nach einem tieferen Sinn suchen, was den sogenannten White Trash betrifft. Vielleicht gibt es keinen. Es ist, wie es ist. Eine eigene Welt. Nicht meine. Echt nicht. Muss es aber auch nicht. Auch wenn es mir schwer fällt, sie so stehen zu lassen. Heieieiei.

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