Guido Steinberg Kalifat des Schreckens: IS und die Bedrohung durch den islamistischen Terror

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Inhaltsangabe zu „Kalifat des Schreckens: IS und die Bedrohung durch den islamistischen Terror“ von Guido Steinberg

Wann immer in der Welt islamistische Terroristen ihr Unheil anrichten, ist Guido Steinbergs Einschätzung gefragt. In seinem Buch erklärt der renommierte Terrorexperte die derzeit gefürchtetste islamistische Organisation – IS oder Islamischer Staat. Sie kam scheinbar aus dem Nichts und versetzte innerhalb kürzester Zeit eine ganze Region in Angst und Schrecken. Und mit der Enthauptung von Geiseln vor laufenden Kameras fordert sie den Westen heraus. Doch sind unsere Staaten überhaupt in der Lage, die von IS drohenden Übergriffe und Terroranschläge wirksam abzuwehren?
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    Kalifat des Schreckens: IS und die Bedrohung durch den islamistischen Terror

    R_Manthey

    12. August 2015 um 14:56

    Unter der Überschrift "Tugendterror im Innern" findet der Leser erst in der Mitte dieses Buches endlich eine Beschreibung dessen, was das vom Autor sogenannte Kalifat des Schreckens eigentlich ausmacht. Nach Ansicht des Autors geht es "... um einen grundlegenden Wandel des sozialen, kulturellen und ökonomischen Lebens nach dem Vorbild (beziehungsweise nach der salafistischen Sicht) der Gesellschaft zur Zeit des Propheten Mohammed." Und weiter: "Ihre Informationen zum Frühislam entnehmen sie einem eng umgrenzten Korpus an Texten: erstens dem Koran und zweitens der Sunna, das heißt der Sammlung der Überlieferungen über Aussagen und Taten des Propheten Mohammed (die sogenannten hadithe)." Was der Autor mit "einem eng umgrenzten Korpus an Texten" umschreibt, sind in Wirklichkeit die Grundlagen des Islam. Falls jemand also auf die inzwischen sehr beliebte Idee kommen sollte, dieses Kalifat und alles, was dort geschieht, hätten nichts mit dem Islam zu tun, dann sagt er uns also, dass der Islam nichts mit dem Koran und der Sunna zu tun haben würde. Der Koran ist aus der Sicht des Islam das Wort Gottes und kann von Menschen weder verändert noch interpretiert werden. Leider beschreibt der Autor das, was im Islamischen Staat gerade passiert nur auf wenigen Seiten. Und er tut das auch seltsam wertfrei und wenig detailliert. Die furchtbaren Zustände, die dort herrschen, kann man so kaum begreifen. Insofern führt der Titel dieses Buches etwas in die Irre, denn dem Autor geht es kaum darum, den wahren Schrecken des IS-Systems auszumalen. Vielmehr erklärt er recht langatmig und sehr detailliert den Weg dieser Gruppierung von den Anfängen einer sehr kleinen Gruppe, die zunächst in Afghanistan trainierte und dann über den Bürgerkrieg im Irak und Syrien sehr geschickt immer mehr Anhänger fand und schließlich die Macht in einem riesigen Gebiet übernahm. Noch nie hat es eine Terrororganisation mit einer solchen militärischen und finanziellen Ausstattung gegeben. Das Ergebnis des letzten amerikanischen Irak-Krieges und anderer Destabilisierungsbemühungen in der Region ist bei Lichte betrachtet also eine einzige Katastrophe. Merkwürdigerweise ist das gigantische Scheitern einer selbsternannten Weltmacht überhaupt kein Thema in diesem Buch und auch nicht in der aktuellen Diskussion. Wer sich für die komplizierte Geschichte des Islamischen Staates interessiert, findet in Steinbergs Text eine sonst seltene Informationsdichte. Steinberg zweifelt am Ende seines Buches an der Überlebensfähigkeit dieses Organisationsgebildes. Diesen Leuten würden sowohl die Mittel als auch die Fähigkeiten fehlen, ein Kalifat solchen Ausmaßes dauerhaft am Leben zu erhalten. Ob er damit recht hat, wird die Zukunft zeigen. Sehr seltsam sind allerdings Steinbergs Aussagen, durch diese Organisation würden dem Westen weniger Gefahren drohen als durch Al Qaida. Wenn man seinen Text aufmerksam liest, kann man auch zu genau der gegenteiligen Meinung kommen. Dort beschreibt er nämlich auch, wie es Leuten, deren Asylanträge in Deutschland und Österreich abgelehnt wurden, gelang, in Europa Mittel und Personal für den IS zu requirieren. Und das ziemlich unbehelligt. Wenn man die bei Steinberg nachlesbaren Methoden des IS kennt, muss man dann nicht befürchten, dass mit der gegenwärtigen unkontrollierten Einwanderungswelle auch noch mehr Leute eingeschleust werden, die in Europa für den IS arbeiten sollen? Im vierten Kapitel berichtet Steinberg nämlich, wie der IS im Irak systematisch und mit langem Atem zunächst kleine Zellen schuf, diese dann mit erfahrenen Kämpfern verstärkte, die nach genauen Plänen vorgingen und mit den entsprechenden Mitteln ausgestattet waren. Und erst als die Situation günstig war, enttarnten sie sich zu einer mächtigen Fraktion im irakischen Bürgerkrieg. Für den Westen kam diese Entwicklung völlig überraschend, wie man von Steinberg erfährt. Das zeigt doch nur, wie blind die westlichen Geheimdienste in Wirklichkeit sind. Ein weltweites Kalifat ist das Endziel aller Bemühungen, die den Muslimen von ihrem Propheten aufgetragen wurden. Wieso glaubt der Autor eigentlich, dass der IS, der offensichtlich in Europa genug Unterstützer besitzt, hier nicht genauso vorgehen wird wie im Irak, zumal er in seinem Kalifat nun auch noch für militärische Erfahrungen und eine scharfe ideologische Ausrichtung seiner Kämpfer sorgen kann, die anschließend nach Europa zurückkehren? Man muss schon ziemlich naiv sein, um zu glauben, dass ein einmal erfolgreiches Muster nicht wiederholt werden wird. Zusammengenommen ist dieses Buch eine sehr gute Informationsquelle über die Strukturen des IS, seine Vorgehensweise und seine Ziele. Unverständlich geblieben sind mir dagegen einige Schlussfolgerungen des Autors über die Strategie des Westens und die tatsächliche Gefahrenlage.

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