Gundula Müller-Wallraf

 3,3 Sterne bei 12 Bewertungen

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Meine Rezension zu "Das verräterische Herz und andere unheimliche Geschichten"

Meine Meinung

Seit ein paar Jahren bin ich auf den Geschmack von Kurzgeschichten zur herbstlichen Gruselzeit gekommen und da ist es nun höchste Zeit, einen Griff zu den klassischen Erzählungen des Genre-Vaters Edgar Allen Poe zu wagen.

In der illustrierten Ausgabe »Das verräterische Herz und andere unheimliche Geschichten« aus dem Knesebeck Verlag finden sich passend zu den vier Erzählungen »Das verräterische Herz«, »Die Heilmethoden von Doktor Teer und Professor Feder«, »Die längliche Kiste« und »Die Tatsachen im Fall Valdemar« schaurig-schöne Illustrationen von Gris Grimly ein.

Die Texte von Edgar Allan Poe wurden für diese Ausgabe gekürzt, da ich jedoch die Originalfassung der Geschichten nicht kenne, kann ich leider keine Aussage dazu treffen, in wieweit der Textumfang zusammengeschrumpft ist. Für mich boten die Erzählungen genügend Spielraum, um in die schauderhaften Szenerien einzutauchen. Jede der Erzählungen bietet einen besonderen Schreckensmoment auf, der sich unterschwellig anbahnt und sich im Wahnsinn der Charaktere oder der Situation zu erkennen gibt.

Meine Lieblingsgeschichte in dieser Ausgabe ist »Die Heilmethoden von Doktor Teer und Professor Feder«, in der ein junger Mann eine psychiatrische Heilanstalt besucht um einen Einblick in die modernen und umstrittenen Heilmethoden zu erlangen und dabei regelrecht in ein Irrenhaus des facettenreichen Wahnsinns stolpert. Dicht gefolgt von der Titelgebenden Erzählung »Das verräterische Herz«, in der ein Mörder von seinen Schuldgefühlen zu Wahnvorstellungen getrieben wird, die ihn schlussendlich entlarven werden.

Sehr imponiert hat mir die dichte Atmosphäre, die Edgar Allen Poe mit wenigen Sätzen zu erwirken vermag und die Leser genau in dieser Dichte einhüllt und gefangen nimmt. Der Meister der schaurigen Erzählung kommt dabei ganz ohne Blutbäder aus und setzt ganz auf subtile Horrormomente. Dabei spielt der Tod ebenso eine tragende Rolle wie ein Griff in die psychologische Wunderkiste.

Gris Grimly trägt mit seinen überspitzten Zeichnungen dazu bei, den Wahnsinn der einzelnen Charaktere auf Papier zu bannen und damit den Gruseleffekt von Poes Erzählungen noch zu verstärken. Daraus entsteht eine absolut faszinierende Gesamtkomposition, die zum Verweilen einlädt.

Fazit

Edgar Allen Poes Erzählungen eindrucksvoll durch die düsteren und verrückten Illustrationen von Gris Grimly in Szene gesetzt.

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© Bellas Wonderworld; Rezension vom 18.10.2019   


Das verräterische Herz und andere unheimliche Geschichten

In diesem Buch sind vier Graphic Novel Geschichten. Es handelt sich um originale Stories von Edgar Allan Poe. Gezeichnet sind sie echt gut. Nachgeschrieben, an die Bilder angepasst und in die heutige Sprache übertragen sind die Texte ebenfalls gut. Besonders die vierte Geschichte hat mir richtig gefallen. Wer Poe mag, Comics oder Graphic Novel Zeichnungen, sich gern gruselt oder einfach mal ein neues Genre ausprobieren mag, sollte dieses Buch auf jeden Fall lesen. Es lohnt sich wirklich, macht Spaß und ist spannend. Vor allem für zwischendurch ist dieses Buch toll, da man es in einem Rutsch durchlesen kann, oder jede Geschichte für sich in einzelnen Häppchen. Ich würde das Buch wieder lesen, kann es also empfehlen. Altersmäßig würde ich es für ab 12-Jährige einstufen. Eigentlich ist es aber eher für Erwachsene gedacht, denke ich. Vor allem für Poe-Kenner und Liebhaber.

Gruselklassiker im Comic-Gewand – die Illustrationen sind allerdings Geschmacksache

Inhalt:

Das Buch enthält vier Kurzgeschichten von Edgar Allan Poe, die von Gundula Müller-Wallfraf neu übersetzt und von Gris Grimly umfangreich illustriert wurden.


Enthalten sind:

- Das verräterische Herz
- Die Heilmethoden von Doktor Teer und Professor Feder
- Die längliche Kiste
- Die Tatsachen im Falle Valdemar

Mein Leseeindruck

1. Die Erzählungen:

Den Erzählungen merkt man ihr Alter von mehr als 150 Jahren natürlich deutlich an, sie ziehen beim Lesen aber auch heute noch in den Bann und haben eine starke Dynamik. Thematisch kreisen alle vier Geschichten um die Themen „Wahnsinn“ und Tod.

Trotzdem haben die Geschichten meiner Meinung nach eine sehr unterschiedliche Qualität:
„Das verräterische Herz“ konnte mich immer noch fesseln, obwohl ich die Geschichte schon kannte: Ein Ich-Erzähler berichtet über seinen vermeintlich perfekten Mord und die Art und Weise, wie er sich schließlich doch verrät. Es ist meiner Meinung nach die stärkste Geschichte der Sammlung und eindeutig das „Zugpferd“ in dieser Zusammenstellung.
Auf „Das verräterische Herz“ folgt die - wie ich finde - schwächste der vier Erzählungen. So wie der Titel „Die längliche Kiste“ eher nichtssagend daherkommt, entwickelt sich auch die Geschichte. Der Protagonist trifft auf einer Schifffahrt einen alten Bekannten, in dessen Gepäck sich eine große längliche Kiste befindet, und beginnt zu rätseln, was es mit der Kiste auf sich haben könnte und was sie enthält. Erst eine Havarie des Schiffs lüftet das Geheimnis – das leider nicht besonders originell ist und sich schon von Anfang an erahnen lässt.
Nach den ersten beiden düsteren Geschichten kommen „Die Heilmethoden von Doktor Teer und Professor Feder“ ganz anders daher: Ein Protagonist  besucht eine psychiatrische Heilanstalt, um die dort angewandte neue Behandlungsmethode kennenzulernen – und trifft auf eine sehr skurrile Ansammlung von Menschen, die die Anstalt leiten. Diese Erzählung ist zwar sehr komödiantisch angelegt, aber leider auch sehr früh durchschaubar.
Einen guten und gruseligen Abschluss bilden dann „Die Tatsachen im Falle Valdemar“: Hier wird ein Sterbender hypnotisiert. Was das für Folgen hat, ist auch heute noch originell zu lesen.

2. Die Illustrationen:

Gris Grimlys Zeichenstil ist durchaus zum Thema passend und unterstützt die Dynamik der Geschichten – leider trifft er aber überhaupt nicht meinen Geschmack. Mir gefallen weder die Figuren noch die Farbgebung, und ich finde die Ausgestaltung sehr flüchtig. Hinzu kommt die sehr einheitliche Gestaltung, die wohl als verbindendes Element zwischen den Erzählungen gedacht ist. Gerade dieser einheitliche Stil wird, wie ich finde, den sehr unterschiedlichen Erzählungen aber eben nicht gerecht.

3. Die Neuübersetzung:

Die Textpassagen hier sind sehr stimmig. An einer Stelle hätte ich mir allerdings eine kurze Übersetzererläuterung gewünscht, da der Begriff „Mesmerismus“/“mesmerisieren“ im Deutschen doch sehr „unüblich“ ist und mir nicht klar ist, warum die Übersetzerin hier nicht einfach das verständlichere Wort „Hypnose“ bzw. „hypnotisieren“ verwendet hat.
Inwieweit ansonsten Kürzungen oder Änderungen gegenüber Original und bisherigen Übersetzungen vorliegen, kann ich leider nicht beurteilen, da mir die anderen Texte nicht zum Vergleich vorliegen.

Meine Leseempfehlung:

Für Jugendliche und Erwachsene, die gerne Klassiker bzw. klassische Gruselliteratur oder Comics lesen und sich mit Gris Grimlys Zeichenstil anfreunden können

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