Gunna Wendt Franziska zu Reventlow. Die anmutige Rebellin

(4)

Lovelybooks Bewertung

  • 6 Bibliotheken
  • 0 Follower
  • 2 Leser
  • 2 Rezensionen
(4)
(0)
(0)
(0)
(0)

Inhaltsangabe zu „Franziska zu Reventlow. Die anmutige Rebellin“ von Gunna Wendt

Die mitreißende Biographie einer eigenwilligen Lebenskünstlerin. Ihre Bewunderer nannten sie heidnische Madonna, Hetäre, Femme Fatale, Skandalgräfin. Franziska zu Reventlow gehört zu den schillerndsten Figuren des Fin de Siècle. Früh kehrte sie ihrer Familie den Rücken, rebellierte gegen die Konventionen des Kaiserreichs. Sie war Schriftstellerin und Lebensvirtuosin, erotisches Genie und alleinerziehende Mutter, Adlige und Bohemienne. Gunna Wendt erzählt dieses außergewöhnliche Frauenleben neu – wunderbar lebendig, sinnlich, szenisch.

Stöbern in Biografie

Am Ende der Welt ist immer ein Anfang

Leider nicht das erwartete unterhaltsame Lebens- und Reiseabenteuer, sondern teils schwere Schicksalskost und zu viel Spirituelles.

Lunamonique

Dichterhäuser

Ein großartiges Geschenk an alle, die Literatur & ihre Dichter lieben/besser kennenlernen wollen. Diese Fotos! Ein wahres Fest fürs Auge!

Wedma

Penguin Bloom

Inspiriert einfach...

WriteReadPassion

Und was machst Du so?

Eine interessante Lektüre, die dazu führt, die eigene Biografie und Berufswahl zu hinterfragen.

seschat

Gegen alle Regeln

Sehr persönlicher Bericht, der nahe geht.

miss_mesmerized

Von Beruf Schriftsteller

Ein sehr lesenswerter Einblick in das Leben des berühmten Schriftstellers Haruki Murakami - nicht nur für Bibliophile!

DieBuchkolumnistin

  • Rezensionen
  • Leserunden
  • Buchverlosungen
  • Themen
  • Rezension zu "Franziska zu Reventlow. Die anmutige Rebellin" von Gunna Wendt

    Franziska zu Reventlow. Die anmutige Rebellin
    sarahkolumbus

    sarahkolumbus

    02. May 2011 um 17:46

    Franziska Gräfin zu Reventlow - Skandalgräfin, Freiheitssuchende und Schriftstellerin in der Zeit der Münchner Boheme, deren kühnstes Werk wohl ihr Leben war. Sie ist eine freiheitshungrige junge Frau, die ihre großbürgerliche Herkunft gegen die Boheme-Existenz eintauscht. Damit einher gehen Schulden und Gläubiger; immer wieder probiert sie neue Berufe und Lebensformen aus um ihr Leben in München zu finanzieren - ihr Dasein eine wirtschaftliche Krise. Mit Kurzgeschichten und ihrer Arbeit als Übersetzerin hält sie sich über Wasser. Sie will Malen. Sie will Schreiben. Sie will die Kunst. Ihr Protest richtet sich gegen alles Bürgerliche und Konventionelle. In künstlerischer Selbstverwirklichung ist sie immer auf der Suche nach dem nächsten Freiheitsrausch oder einem erotischem Abenteuer. Sie will rauschhaftes Glück und sieht ihr Dasein als Fest, als Tanz. Gunna Wendt rekonstruiert Franziska zu Reventlows Lebenslauf anhand von Tagebucheinträgen, Briefwechseln und ihren autobiografischen Romanen und erzählt in drei Abschnitten das mutige Leben der freiheitsliebenden Rebellin. Kunstvoll verstrickt Wendt verschiedene liebevoll ausgesuchte Zitate zu einer eindrucksvollen Biografie, die inspiriert und zum Nachdenken anregt.

    Mehr
  • Rezension zu "Franziska zu Reventlow. Die anmutige Rebellin" von Gunna Wendt

    Franziska zu Reventlow. Die anmutige Rebellin
    HeikeG

    HeikeG

    12. August 2008 um 15:07

    Die Grenzgängerin oder Rastlose Lebendigkeit - Auf der Suche nach freieren, ungebundeneren Lebensformen - "Die Jugend gibt Anlass zur Sorge. Das ist nichts Neues. 'Die Jugend von heute' war immer schon ein Codewort für alles, womit die Nachwachsenden den Erwachsenen Verdruss bereiten. Neu ist freilich, worüber die Jugendforscher seit einigen Jahren die Stirn in Falten legen. Man spricht von einer 'beunruhigenden Normalisierung'. Die Jugend ist ihren professionellen Beobachtern nicht mehr zu rebellisch, sondern zu angepasst." ("DIE ZEIT" Nr. 33 vom 11.08.2005). Ganz anders eine Frau, über die Rainer Maria Rilke vor über 100 Jahren schrieb, dass ihr "Leben eins von denen ist, die erzählt werden müssen." Und er setzte noch hinzu "... und ich glaube, dass man es vor allem jungen Menschen erzählen muss, die das Leben anfangen wollen und nicht wissen wie." Gunna Wendt, die bereits über mehrere Künstlerinnen wie Maria Callas oder Liesl Karlstadt Biografien schrieb, hat den Versuch unternommen, hinter die allgemein allzu oberflächlich wahrgenommene Fassade einer "Rebellin" und einer der schillerndsten Frauen der Schwabinger Künstlerszene des ausgehenden 19. und jungen 20. Jahrhunderts zu schauen und einer Frau gerecht zu werden, deren Lebensdaten mit denen des Deutschen Kaiserreiches identisch sind (1871-1918). Franziska Gräfin zu Reventlow (getauft als Fanny Sophie Auguste Liane Adrienne Wilhelmine Comtesse zu Reventlow) - schon allein der Name weckt Assoziationen. Münchner Boheme fällt sofort ein. Aber auch "ein Leben in Freiheit: ungebundene Liebe, erotische Abenteuer, eine freie Schriftstellerexistenz, Wohngemeinschaft und ein Kind ohne Vater.", berichtet Gunna Wendt in ihrem Prolog. Mit vielen Zuschreibungen wurde die Reventlow bedacht: "Heidnische Madonna, moderne Hetäre, Virtuosin des Lebens, grande Amoureuse, Schleswig-Holsteinische Venus, tolle Gräfin, Königin der Boheme, the woman who did, Ikone moderner Weiblichkeit - die Liste (...) ist lang, und sie wird ständig fortgeführt." Gunna Wendt löst sich von diesen zum Teil falschen, den klaren Blick verzerrenden Bildern und Klischees. Sie blickt nicht nur oberflächlich auf diese anmutig-mutige, eigenwillige und künstlerisch begabte, auf jeden Fall bewundernswerte Frau. Entstanden ist eine überaus interessante, mitreißende und unterhaltsam geschriebene Biografie. Die Autorin versucht in Reventlows Innerstes vorzudringen und entdeckt dabei nicht immer nur eine Femme Fatale, sondern ebenso einen äußerst zerrissenen und glückssüchtigen Menschen, der sich stets eines zur Maxime gemacht hat, was kennzeichnend für ihr ganzes Leben sein sollte: "Ich will überhaupt lauter Unmögliches aber lieber will ich das wollen, als mich im Möglichen schön zurechtlegen." "Immer dominierte die Leidenschaft vor der Vernunft." Für ihre behutsame Annäherung an Franziska zu Reventlow zieht die Autorin deren Tagebücher, ihren umfangreichen Briefverkehr sowie ihre Romane, Essays und Geschichten zu Rate. Vor allem die Kinder- und Jugendjahre rekapituliert sie aus deren autobiografischem Roman "Ellen Olestjerne". Der Leser erfährt von dem schwierigen, traumatischen Verhältnis zu ihrer Mutter, die mit Härte, Unverständnis und vor allem Lieblosigkeit das unbändige Mädchen in starre, vorgezeichnete Bahnen lenken will. Doch gegen die öde Tugendhaftigkeit, die verlogenen traditionellen Moralvorstellungen rebelliert die blitzgescheite und begabte Tochter - die in den Husumer Jahren mit Theodor Storm und Ferdinand Tönnies befreundet war - schon früh. Der in seinem "Zarathustra" die transzendenten Werte als Fiktion entlarvende Nietzsche und Ibsens Bühnendramen, die die traditionellen Lebensformen radikal in Frage stellen, sind ihre großen Vorbilder. Franziska "verschreibt sich dem Teufel". Sie rebelliert, was wiederum diverse "erzieherische Maßnahmen" nach sich zieht. Mit achtzehn verlässt sie ihre kleinbürgerliche Welt im hohen Norden, um "ihr Innerstes vor anderen in Sicherheit zu bringen". Nach erfolgreichem Examensabschluss als Lehrerin flieht sie 1893 in den aufstrebenden Süden, nach München, um sich zur Malerin ausbilden zu lassen. Hier im Stadtteil Schwabing, dem "Wahnmoching", der "Massensiedlung von Sonderlingen" - das die Reventlow in ihrem Schlüsselroman "Herrn Dames Aufzeichnungen oder Begebenheiten aus einem merkwürdigen Stadtteil" anschaulich beschreibt und wo durchaus Parallelen zur sechzig Jahre späteren Hippie-Bewegung zu erkennen sind - findet sie endlich die geeignete geistig-künstlerische Umgebung für sich. Mit emotionalem Überschwang stürzt sie sich ins neue Leben, publiziert bald im berühmt-berüchtigten "Simplicissimus", der von Albert Langen und Theodor Heine gegründeten satirischen Wochenzeitschrift und beginnt an ihrem ersten Roman zu arbeiten. "Das Spannende, Glanzvolle verbindet sich mit dem Trostlosen, Verzweifelten" "Sie hatte viel zu geben, vor allem sich selbst, und immer dominierte die Leidenschaft vor der Vernunft." Zahlreiche Männerbekanntschaften kreuzen ihre Bahn, die sich wie das "who is who" der damaligen Künstlerszene lesen: zum Beispiel Ludwig Klages, Karl Wolfskehl, Erich Mühsam, Stefan George, Edgar Jaffé. Zwei Ehen, eine Scheidung, permanente materielle Not, die sie gar durch Prostitution zu lindern sucht und Krankheit bestimmen fortan ihr sinnliches, aber freies Leben. "Das Spannende, Glanzvolle verbindet sich mit dem Trostlosen, Verzweifelten.", stellt Gunna Wendt treffend fest. Der 1897 geborene Sohn Rolf, verleiht ihr zwar etwas Stabilität, bildet einen Haltepunkt und eröffnete der Mutter den Zugang zu ihrer eigenen Kindheit, aber der Ruhelosen wird auch München nicht die seelische Heimat, die sie sucht. 1918 stirbt Franziska zu Reventlow bei einem Fahrradunfall. Nicht das "Skandalpotential" der "Rebellin" arbeitet Gunna Wendt in ihrer sorgfältig recherchierten Biografie, die durch große Liebe zum Detail besticht, heraus, sondern sie lotet Franziska zu Reventlows Leben behutsam aus und zeichnet ein sensibles und vor allem stimmiges Bild einer lebensgierigen und -mutigen Frau. Gunna Wendt nimmt ihr keineswegs die Identität, sondern sie unterstreicht sie liebevoll und mit großer Achtung. Den Worten Erich Mühsams, dass sie einer der "innerlich freiesten und natürlichsten Mensch", denen er je begegnete sei, "gleichmäßig ausgezeichnet von höchstem weiblichen Charme, gepflegtester geistiger Kultur, kritischster Klugheit, anmutigstem Humor und vollkommenster Vorurteilslosigkeit", glaubt man nach diesem Buch sofort. Auch wenn Franziska zu Reventlows Leben sicherlich ihr kühnstes Werk war, so entstand doch ganz "nebenbei" "mehr der Not und den Zufällen geschuldet und von der literarischen Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt, ein schmales Oeuvre, das zunehmend ironischer und souveräner von Liebe, Boheme und Geld erzählt.", so die Autorin. Auf jeden Fall ist Lust auf die Werke dieser viel zu früh verstorbenen Frau geweckt. Eine kurze zusammenfassende Chronik, ein Literaturverzeichnis und 26 eingestreute Abbildungen, die beweisen, dass die Gräfin mit zunehmendem Alter immer sinnlicher und attraktiver wurde, komplettieren diese wunderbare Biografie. Fazit: Gunna Wendt zeichnet anhand zahlreicher Quellen ein stimmiges Bild einer rast- und ruhelosen Frau, die sich weder einer Autorität noch familiären und gesellschaftlichen Ansprüchen unterwarf, obwohl es sicher bequemer gewesen wäre. "Aber Bequemlichkeit war nie ihr Lebensideal." Eine wohltuend dezent bleibende, keinesfalls sich nur an der Oberfläche bewegende Herausarbeitung einer faszinierenden, ausdrucksstarken und sinnlichen Frau, die das Bild der Schwabinger Boheme zu Beginn des 20. Jahrhunderts entscheidend mitprägte.

    Mehr