Gunnar Ardelius

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Corsicanas avatar

Rezension zu "Die Liebe zur Freiheit hat uns hierher geführt" von Gunnar Ardelius

Nirgendwo etwas von Freiheit zu spüren
Corsicanavor 3 Jahren

Ende der 60er Jahre kommt eine schwedische Familie nach Liberia. Der Vater hat dort in einer schwedischen Bergbaufirma eine Stelle als Personalchef angeboten bekommen. Seine Frau und sein 16 jähriger Sohn kommen notgedrungen mit. Aber es wird keine spannende und schöne neue Erfahrung. Denn im Grunde genommen ist die Familie zerrüttet, alle drei kommen mit ihren Problemen im Gepäck nach Afrika - und können dort nicht ankommen und sich dort nicht wohlfühlen.

Der Vater wirkt seltsam haltlos und energielos - trotz seiner beruflichen Karriere. Vor kurzem hatte sich sein Vater umgebracht, Darunter leidet er. Und er wollte nach Afrika, weil er sich "nach dieser Finsternis" sehnt.

Die Ehefrau ist  wahlweise planlos, hysterisch oder depressiv. Sie ist chronisch unentschlossen, denn "nach jeder Entscheidung, die sie im Leben getroffen hatte, immer ein bisschen weniger von ihr übrig geblieben war". Sie trauert ihrem Liebhaber in Schweden hinterher, der sie vor kurzem verlassen hat. Und dies alles betäubt sie mit Tabletten. Mit den Einheimischen kommt sie gar nicht klar - und sie bemüht sich auch nicht darum - sie kreist nur um sich selbst.

Am normalsten wirkt noch der Sohn Marten, Er vermisst seine in Schweden zurückgelassene Freundin und ist  ansonsten auf dem Jugendlicher-Rebellen-Weg. Und so interessiert er sich als einziger für die Einheimischen und für deren Probleme - und kämpft damit auf Seiten der Minenarbeiter - und beschwört damit eine Katastrophe herauf....

Irgendwie hat mich dieses Buch nicht packen können. Die Protagonisten waren mir all zu unsympathisch - bis auf den Sohn,
der ein ganz normaler Jugendlicher zu sein schien. Etwas rebellisch - aber natürlich konnte er die Folgen seiner Handlungen noch nicht einschätzen.

Was mich jedoch beeindruckt hat, war der Einblick in die Geschichte Liberias. "Die Liebe zur Freiheit hat uns hierher geführt" ist das Motto Liberias. Der Staat wurde quasi von Amerikanern gegründet, die hierhin Tausende ihrer freigelassenen Sklaven verschifften. Ob als Geste der Wiedergutmachung oder eher weil man diese Menschen nicht als freie Bürger im eigenen Land haben wollte?

Jedenfalls führten sich diese freigelassenen Sklaven dann gegenüber der einheimischen Bevölkerung als neue Sklavenhalter auf. 



Liberia war zwar nie Kolonie - aber "Freiheit" gab es auch nie. Statt Kolonialherren kamen später ausländische Firmen, die das Erz abbauten und die Wirtschaft bestimmten. Und danach ein langer und blutiger Bürgerkrieg - der begann jedoch erst Ende der 80er Jahre.

Daher ist dieses Buch durchaus relevant als Zeugnis von Kolonialismus und Neo-Kolonialismus und  es wird aufgezeigt, dass Gewalt und Unterdrückung nur zu neuer Gewalt und weiterer Unterdrückung führen. 

Fazit: Geschichtlich interessant, sprachlich gut geschrieben. Aber düster und mit komplett haltlosen Protagonisten. Für mich persönlich eher eine Enttäuschung.






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Sikals avatar

Rezension zu "Die Liebe zur Freiheit hat uns hierher geführt" von Gunnar Ardelius

Hoffnung auf einen Neuanfang?
Sikalvor 3 Jahren

Hektor träumt vom beruflichen Aufstieg und erhofft sich diesen durch einen Auslandseinsatz in Liberia. Seine Frau Margret sowie Sohn Marten begleiten ihn mehr aus Pflichtbewusstsein als aus Überzeugung. Beide lassen in Schweden viel zurück: Margret ihren Geliebten, in dem sie mehr sieht als eine vorübergehende Affäre. Marten seine große Liebe Laura, die in seinen Erinnerungen und Träumen stark präsent bleibt.

In Liberia angekommen kämpfen die drei nicht nur mit den gleichen Problemen wie zuhause in Schweden – Hoffnungslosigkeit, Depressionen und Alltag – sondern müssen sich nun zusätzlich mit Skorpionen, Schlangen, Streik und kulturellen Unterschieden auseinandersetzen. Der Hausboy „Schlangenjunge“ wird Martens Bruder und beide interessieren sich für die Arbeitsbedingungen in der schwedischen Bergbaufirma für die Hektor arbeitet.
Als Hektor merkt, welche Zustände beim Erzabbau herrschen, wie versklavt die Arbeiter werden, dass sich die Polizei bestechen lässt und vor den Politikern gute Miene zum bösen Spiel gemacht wird, beginnt er immer mehr an seiner Funktion als Personalleiter zu zweifeln. Panik bricht aus, als Marten verschwindet …

Dass der Titel des Buches zugleich der „Grundsatz“ der Liberianer sein soll, ist schon etwas beklemmend. Zwar war Liberia nie eine Kolonie und den Kolonialherren unterworfen, doch kann von Freiheit in einer Diktatur wohl kaum die Rede sein.

Rassismus, die Überlegenheit der Europäer, Vorurteile gegenüber anderen Menschen und Kulturen, stehen im Focus.

Der Autor, Gunnar Ardelius, hebt in seinem Roman die Unterschiede zwischen Europäern und Afrikanern deutlich hervor. Sprachlich top und auf jeden Fall berührend, habe ich das Buch sehr genossen und kann es auf jeden Fall weiterempfehlen.

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ginnykatzes avatar

Rezension zu "Die Liebe zur Freiheit hat uns hierher geführt" von Gunnar Ardelius

„Wir können nicht gewinnen.“
ginnykatzevor 3 Jahren

„Wir können nicht gewinnen.“

Zum Inhalt:


In Göteburg hält Margret und Hektor nichts mehr. Die Familie ist nicht glücklich. Gerade hat Hektors Vater Selbstmord begangen und nun nimmt er das Jobangebot in der liberischen Mienenstadt Yekepa an. Marten, der siebzehnjährige Sohn, muss mit. Er ist gar nicht begeistert, kann sich aber nicht wehren.

So beginnt das Abenteuer der schwedischen Familie mit der Fahrt ins fremde Land. Die Anreise ist schon sehr anstrengend, aber die Firma hat für alles gesorgt. Selbst ein Schlangenjunge ist angestellt worden, der dafür sorgen soll, dass eben keine Gefahr auf dem Grundstück droht. 

Nun beginnt die eigentliche Geschichte. Margret ist total überfordert. Schon in Göteburg kam sie nicht wirklich mit ihrem Leben klar, aber hier, in dem heißen unbekannten Land mit den dunkelhäutigen Menschen, ist sie völlig überfordert. Der Schlangenjunge macht ihr Angst. Sie mag ihn nicht und beleidigt ihn ständig.

Hektor stürzt sich in seinen neuen Job und muss erfahren, dass nicht alle Liberianer begeistert vom neuen schwedischen Vorgesetzten sind. Nun denn, er lässt sich nicht so leicht einschüchtern, aber auch er stößt in der Hitze Liberias an seine Grenzen.

Einzig Marten fühlt sich hier doch recht schnell wohl und zu Hause. Er freundet sich mit dem Schlangenjungen an. Er trifft sich mit schwedischen Jugendlichen, die auch durch die Arbeit der Eltern hier her verschlagen wurden. Als er dann polizeilich auffällig wird, bricht alles um ihn herum zusammen.

Lest selbst, denn es gibt viele Dinge im Alltag der schwedischen Familie und ob sie dort lange bleiben, verrate ich Euch jetzt nicht. Lest selbst.

Fazit:

Der Autor Gunnar Ardelius nimmt uns in seinem Buch mit nach Liberia. Er beschreibt sehr genau, wie sich die Liberianer fühlen, wie sie leben und wohnen. Auch über die Unruhen und den großen europäischen Einfluss auf dieses Land, erfahren wir einiges.

Der Schreibstil ist flüssig lesbar und hat mir sehr gut gefallen. 

Die Protagonisten beschreibt Gunnar Ardelius mit sehr viel Feingefühl. Ich kann jetzt nicht sagen, dass ich einen persönlichen Lieblingscharakter hatte. Aber ich konnte mir die Personen gut vorstellen und habe vor allem mit dem Schlangenjungen mitgefühlt. 

Alles in allem ein sehr interessantes Buch, das viel über die Menschen und das Leben in Liberia erzählt.

Hier kommen von mir 4 Sterne und eine klare Leseempfehlung.



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