Gunnar Cynybulk

 3,7 Sterne bei 12 Bewertungen
Autor von Das halbe Haus, Strandparty und weiteren Büchern.

Lebenslauf von Gunnar Cynybulk

Gunnar Cynybulk wurde 1970 geboren und ist in Leipzig aufgewachsen. Mit vierzehn zog er nach Berlin und studierte Literatur, Geschichte und Philosophie. Er arbeitet in einem Verlag in Berlin. Mit „Das halbe Haus“ veröffentlichte er seinen ersten Roman.

Alle Bücher von Gunnar Cynybulk

Cover des Buches Das halbe Haus (ISBN: 9783832163235)

Das halbe Haus

 (9)
Erschienen am 16.11.2015
Cover des Buches Deadline (ISBN: 9783985680023)

Deadline

 (4)
Erschienen am 11.08.2021

Neue Rezensionen zu Gunnar Cynybulk

Cover des Buches Deadline (ISBN: 9783985680023)M

Rezension zu "Deadline" von Bov Bjerg

Verstörend (gut)
mixtapemaedchenvor 4 Monaten

Paula heißt die Heldin in Bov Bjergs erstem Buch. Sie lebt als freie Übersetzerin in Boston, überträgt Gebrauchstexte aus dem amerikanischen Englisch ins Deutsche. Ihre Auftraggeber hat sie nie gesehen, sie kommuniziert mit ihnen nur übers Internet.  Man ahnt – es stimmt etwas nicht. In  Bandwurmstakkato beschreibt Bov Bjerg, wie seine Heldin langsam entgleist. Sie überzieht die erste Deadline, wird von der Agentur gefeuert. Formlos, per E-Mail. 

Da ist sie schon unterwegs nach Deutschland zu ihrer Schwester, weil das Grab des Vaters aufgelassen werden soll, also nach 30 Jahren geöffnet und neu vergeben. Ihr Vater hat sich das Leben genommen. Diese Deadline wird in dem Roman aufgearbeitet. Ich muss sagen, die Sprache von Bjerg ist wieder fesselnd, faszinierend und zugleich skurril. 

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Cover des Buches Deadline (ISBN: 9783985680023)Y

Rezension zu "Deadline" von Bov Bjerg

Der Debütroman
yellowdogvor 4 Monaten

Der Debütroman


Der Roman erschien erstmals 2008. Es geht um Paula, Übersetzerin, übergewichtig, Ende 30, lebt in ihrer Wahlheimat, den USA.

Sie kehrt kurzzeitig aufgrund dem Grab ihres Vaters und der Krankheit ihrer Mutter nach Deutschland zurück und nimmt ein anderes Lebensgefühl wahr, das zeigt sich durch ein anderes Tempo, denn in den USA muss immer alles schnell gehen.

Immer wieder werden Merkmale der Zeit (im Jahr 2005) genannt. Auch das prägt das Buch.


Wahrnehmung steht im Vordergrund und Bov Bjerg findet die Sprache dafür, dem Ausdruck zu geben. Damit verbunden ist leicht kühle und etwas schwermütige Stimmung.


Bemerkenswert auch das Nachwort von Kanon-Verlag-GründerGunnar Cynybulk, das er aktuell für diese neue Buchausgabe geschrieben hat.


Vergleicht man Deadline mit Bov Bjergs letzten Roman Serpentinen, sieht man, dass er sich weiterentwickelt hat. Aber sein einmaliger Stil ist auch schon in Deadline in ausgeprägter Form vorhanden.


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Cover des Buches Deadline (ISBN: 9783985680023)B

Rezension zu "Deadline" von Bov Bjerg

Deadline
Buecherschmausvor 5 Monaten

Den jüngst erschienenen Roman Deadline des erfolgreichen Schriftstellers Bov Bjerg begleitet eine häufig erzählte Geschichte. 2008 als Debüt des Lesebühnenautors und Literaturinstitutabsolventen beim Mitteldeutschen Verlag in einer guten Auflage von 750 Exemplaren erschienen, verkauften sich davon lediglich 224. Die Restauflage, die bei der steigenden Bekanntheit des Autors spätestens nach seinem sehr erfolgreichen Roman Auerhaus (im vergangenen Jahr erhielt Serpentinen dann sogar eine Shortlist-Platzierung beim Deutschen Buchpreis), durchaus nochmal Beachtung hätte finden können, wurde bei einem Lagerbrand 2013 komplett vernichtet. Nun also die Neuauflage im neugegründeten Kanon-Verlag – wie passend.

Leser:innen von Auerhaus und Serpentinen werden durchaus bekannte Motive auch in Deadline wiederfinden, auch ein spezieller Bov Bjerg-Humor ist bereits da. Ansonsten ist der Debütroman experimenteller, vielleicht auch origineller und voller Sprachspielereien.

Ich-Erzählerin ist Paula, Donuts liebende, übergewichtige Übersetzerin von Gebrauchstexten, der wir zu Beginn in Boston begegnen. Hier lebt sie, sozial wenig eingebunden, von einer beruflichen Deadline zur nächsten hetzend. Dabei ist ihr Pünktlichkeit besonders wichtig. (Warum das so ist, erfahren die Leser:innen bestürzt erst gegen Ende des schmalen Romans.) Ausgerechnet nun aber, auf dem Weg in die schwäbische Heimat, wo auf dem Friedhof die Liegezeit des Vaters abläuft und Paula sich gemäß einer Familientradition um den zu entfernenden Grabstein kümmern muss, ausgerechnet jetzt kommt sie zu spät zum Flughafen und verpasst ihren Flug.

Der Zwangsaufenthalt in Boston führt dazu, dass Paula eine andere wichtige „Deadline“ verpasst – ihre Mutter erleidet kurz vor ihrer Ankunft einen Schlaganfall, wird zum Pflegefall und verstirbt schließlich. Es ist, auch das erfahren wir bestürzt, nicht Paulas erste verpasste „Deadline“.

Bov Bjerg spielt mit dem Motiv der Deadline – Abgabefrist, Lebensfrist, Frist für menschliche Beziehungen. Der Tod nimmt hier eine dominierende Rolle ein – wie in Auerhaus und Serpentinen. Bjerg spielt aber vor allem auch mit der Sprache. Nach eigenem Bekunden ist der Text inspiriert von Internet-Lyrik. Auflistung von Suchmaschinen-Ergebnissen, Aneinanderreihung von Bezeichnungen, Synonyme, die abgetrennt durch Senkrechtstriche treiben durch Paulas Bewusstseinsstrom. Dadurch erhält der Text eine ganz eigene Rhythmisierung und Musikalität.

Paula leidet unter einem von ihr so bezeichneten „Merkzwang“. Alle Dinge, die sie sieht, hört und fühlt, werden registriert, klassifiziert und katalogisiert. Das hat etwas absolut zwanghaftes. Alles zu kontrollieren, immer den Überblick zu behalten, keine Fehler zu machen, nicht zu spät zu kommen – dahinter steht eine sich selbst auferlegte Schuld.

Die Einbindung von Internet und einem irritierenden deutsch-englischen Business-Sprech Paulas ist sicher heute nicht mehr ganz so innovativ wie es vor fünfzehn Jahren war, dennoch wirkt der Text keineswegs angestaubt oder gealtert. Das liegt sicher daran, dass sie nur Stilmittel und nie Selbstzweck sind. Im Mittelpunkt von Deadline steht Paulas brüchige Existenz, die auf einer frühen traumatischen Begebenheit fußt.

Apropos „fußt“. Der Boden und seine Beschaffenheiten sind ein wichtiges, stets wiederholtes Motiv im Roman. Der Vater, von Beruf Steinmetz und Fertiger von Grabsteinen für die dörfliche Gemeinde, hat nach Auflösung der Grabstellen die abzutragenden Steine im eigenen Garten „recycelt“. Terrasse, Gartenwege, Schwimmbeckenumkleidung – für alles konnten die ehemaligen Grabmale verwendet werden. Gegen Ende treffen wir Paula, wie sie den abgetragenen Stein des Vaters bearbeitet. Ihren Namen einschreibt, nur um ihrer beider Namen gleich wieder zu löschen. Das eigentliche Ende bleibt einigermaßen nebulös. Was nur zu begrüßen ist.

Eine spannende Neuauflage. Wie schön, dass der Text nur vorübergehend seine „Deadline“ erreicht hatte und nun von neuem lebt.

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