Gunnar Decker

 4.5 Sterne bei 22 Bewertungen
Autor von Hermann Hesse, Franz von Assisi und weiteren Büchern.

Lebenslauf von Gunnar Decker

Gunnar Decker, 1965 in Kühlungsborn geboren, wurde in Religionsphilosophie promoviert. Er lebt als Autor in Berlin, veröffentlichte vielfach gelobte Biographien unter anderem zu Hermann Hesse, Gottfried Benn und Franz Fühmann sowie das Geschichtsbuch »1965. Der kurze Sommer der DDR«. 2016 wurde er mit dem von der Berliner Akademie der Künste verliehenen Heinrich-Mann-Preis ausgezeichnet. Zuletzt erschien »Ernst Barlach – Der Schwebende. Eine Biographie.«

Quelle: Verlag / vlb

Neue Bücher

Zwischen den Zeiten

 (1)
Neu erschienen am 22.09.2020 als Hardcover bei Aufbau Verlag.

Alle Bücher von Gunnar Decker

Sortieren:
Buchformat:
Cover des Buches Hermann Hesse (ISBN: 9783446238794)

Hermann Hesse

 (5)
Erschienen am 27.02.2012
Cover des Buches Vincent van Gogh (ISBN: 9783882217476)

Vincent van Gogh

 (3)
Erschienen am 01.03.2009
Cover des Buches Franz von Assisi (ISBN: 9783827500618)

Franz von Assisi

 (3)
Erschienen am 26.09.2016
Cover des Buches Gottfried Benn. Genie und Barbar (ISBN: 9783746623696)

Gottfried Benn. Genie und Barbar

 (2)
Erschienen am 15.02.2008
Cover des Buches Die Fledermaus (ISBN: 9783946334330)

Die Fledermaus

 (2)
Erschienen am 13.03.2018
Cover des Buches Rilkes Frauen oder Die Erfindung der Liebe (ISBN: 9783746623023)

Rilkes Frauen oder Die Erfindung der Liebe

 (2)
Erschienen am 01.11.2006
Cover des Buches 1965 (ISBN: 9783446247352)

1965

 (1)
Erschienen am 16.03.2015
Cover des Buches Ernst Barlach - Der Schwebende (ISBN: 9783827501066)

Ernst Barlach - Der Schwebende

 (1)
Erschienen am 18.11.2019

Neue Rezensionen zu Gunnar Decker

Neu

Rezension zu "Zwischen den Zeiten" von Gunnar Decker

Ein Kompendium der letzten Kunst- und Kulturjahre der DDR
Judithavor 5 Tagen

Ich bin einige Jahre älter als Gunnar Decker, für mich war „1965 – der kurze Sommer der DDR“, das Jahr, das Decker im gleichnamigen Buch beschreibt, der Beginn meiner Rezeption von Kunst, Kultur, Literatur, Film und auch ganz besonders von DDR-(Kultur-)Politik. 

Aufgewachsen in einem „kulturaffinen“ Elternhaus begegnete ich frühzeitig den von Gunnar Decker in seinem neuen Buch charakterisierten und beschriebenen Künstlern und Kunstwerken. Der Begriff Buch ist in diesem Fall aber vielleicht nicht ausreichend, ich würde es ein Kompendium der späten DDR-Kunst- und Kulturszene nennen, aber es ist auch eine Art Geschichtslesebuch. „Zwischen den Zeiten“ ist ein Teilzitat von Christa Wolf, aber es birgt für mich eigentlich einen noch größeren Zeitraum. Die gesamte DDR-Zeit lag zwischen den Zeiten, beginnend spätestens 1946 mit der Vereinigung von KPD und SPD, endend frühestens mit dem Tag der Wiedervereinigung 1990. Dazwischen gab es kulturelle Klassen- und Gewissenskämpfe, die oftmals in die Irre und manchmal sogar ins Gefängnis, in den Tod oder in die BRD führten.

Beginnend mit dem Prolog hatte ich erhebliche Schwierigkeiten, den Gedankengängen Deckers zu folgen. Per se sind offenbar für ihn Westdeutsche mit dem Siegerblick ausgestattet, Ostdeutsche hingegen fühlen sich per se verraten und verkauft. Mein Eindruck ist ein anderer, Decker sieht es aus der Perspektive des verkannten Wissenschaftlers an der Humboldtuniversität. Ich sehe es aus der Perspektive eines von (politischen) Zwängen befreiten Menschen. Das heißt nicht, dass mir die Bananen und Apfelsinen in den Schoß geworfen wurden, aber ich wurde – manchmal nach heißen Diskussionen – als gleichwertige Person auch von „Westlern“ anerkannt, die vor mir kaum je einen „Ossi“ gesehen hatten. So ging mir also das „Wiedervereinigungs-Bashing“ im Vorwort gehörig auf die Nerven.

Ich habe mich trotzdem an den umfangreichen Inhalt herangetastet und einige interessante Aspekte gefunden, die mir noch nicht geläufig waren. Zum Beispiel mit Markus Wolfs „Troika“ habe ich mich nie beschäftigt, umso mehr aber mit Konrad Wolf. Da ich in den 1970er Jahren im Ostberliner Verlagswesen tätig war, sind mir viele der Geschichten um die Schriftsteller und Künstler und um ihre Werke oft schon bekannt gewesen. Trotzdem ist die Fülle der zusammengetragenen Details beeindruckend, aber auch etwas erdrückend. 

Decker also spezialisiert sich in diesem Buch auf die späten Jahre der DDR. Da er sich nun nicht nur mit der Kunst- und Kulturszene in der DDR beschäftigt, sondern sich auch um die gesamte DDR-Geschichte dieser Periode kümmert, bleibt es nicht aus, dass er das Thema Wirtschaftspolitik aufgreift und sich sehr ausführlich mit dem Phänomen Gorbatschow/Perestroika auseinandersetzt. Auch hier findet Decker nicht in jedem Fall meine Zustimmung, aber ich überlasse es jedem Leser selbst, hier eine Position zu finden. Diese Rezension soll ja nicht in einen politischen Diskurs ausarten. Eines aber möchte ich anmerken, den Satz „Wir sind das Volk“ und die Montagsdemos in Leipzig erwähnt Decker in keinem Satz. Und die sollten „Zwischen den Zeiten“ eigentlich nicht fehlen, denn sie sind ein Ausdruck freier Meinungsäußerung, die die DDR bis dato nicht kannte.

Zäsur in den Endjahren der DDR war eindeutig die Biermann-Ausbürgerung und der nachfolgende Exodus von DDR-Künstlern. Manche haben den Absprung geschafft, wie Manfred Krug, andere sind auf der Strecke geblieben, wie Jurek Becker. Die Geschichte jedes einzelnen ist es wert, ausführlich betrachtet zu werden. 

Gunnar Decker fügt den DDR-Künstlerbiografien dann noch einige wichtige (?) sowjetische Künstlerbiografien hinzu. Ja, sie hatten Einfluss, aber nicht auf die Masse, die klappte beim Anblick von „Russenfilmen“ meist das Visier herunter. Bulgakows Buch „Der Meister und Margarita“ ist in der DDR ebenso wenig Allgemeingut geworden wie Abuladses Film „Die Reue“.

Wiederbegegnet bin ich im Buch Walter Janka, für mich war das Buch „Schwierigkeiten mit der Wahrheit“ tatsächlich, wie in der Kapitelüberschrift von Decker genannt: Das geistige Signal der Wende. Dieses kleine Buch hat mich damals umgehauen, damit war die DDR in meinem Kopf „gestorben“ – schon vor der Wende und der Wiedervereinigung, die zum Glück nicht mehr lange auf sich warten ließ.

Etwas verwundert war ich beim Lesen, dass Gunnar Decker nicht die Gunst der Stunde packte und in den Stasiarchiven nach Details der Beobachtung und Bespitzelung der DDR-Künstler suchte. Obwohl schon sehr ausführlich in seinen Beschreibungen, hätte er hier sicher noch die eine oder andere Anekdote beisteuern können. Aus meiner Sicht gab es kaum einen Künstler in der DDR (egal ob Schriftsteller, Maler, Bildhauer oder Regisseur…), der nicht ausgeforscht wurde. Dass auch einige selbst für die Staatssicherheit arbeiteten, versteht sich leider fast von selbst. 

Trotzdem sollte man beim Lesen dieses Buches nicht vergessen: nicht jeder Künstler war ein Dissident oder gegen die DDR eingestellt, und nicht jeder war schlecht, nur weil er sich anpasste und mit dem Rücken an der Wand blieb. Die Kunst- und Kulturszene der DDR war ein weites Feld, Gunnar Decker hat versucht, es zu beackern. Wirklich eine immense Fleißarbeit!

Zum Schluss noch ein Blick auf Wolfgang Mattheuers „Jahrhundertschritt“, den Decker im Prolog sehr interessant beschreibt. Für mich ist dieses Kunstwerk seit vielen Jahren auch Ausdruck der Grenzen überschreitenden Kunst! Zuerst sah ich es auf der Kunstausstellung in Dresden 1987, dann sah ich es in der 1990ern jeden Tag vor dem Eingang meiner Arbeitsstätte gegenüber vom Berliner Zoo und seit in Potsdam das Barbarini-Museum eröffnet hat, begegnet der weit ausschreitende Mann mir immer wieder. Dass ich einen Abguss vor ein paar Tagen im Kunstmuseum Moritzburg in Halle am Eingang zur Dauerausstellung wiedertraf, freute mich immens. Mattheuer hat die Grenzen überschritten, ein Bein hier, ein Bein da, so gehört dem Jahrhundertschritt die Welt.

Leseempfehlung für diejenigen, die sich für DDR-Literatur und DDR-Geschichte interessieren.

#ZwischendenZeiten #NetGalleyDE

Kommentieren0
1
Teilen

Rezension zu "Ernst Barlach - Der Schwebende" von Gunnar Decker

Wundervoll komplexe und erklärend literarisch lebendig geschriebene Biografie
HEIDIZvor 7 Monaten

Mit zahlreichen Abbilungen seiner Werke und Fotografien aus seinem Leben ist dieses Buch textlich und fotografisch ein echter Leckerbissen. Ich konnte noch keine solche komplexe Biografie dieses mir lieben Künstlers lesen, wie diese, die mich zu 100 Prozent überzeugt hat.

Das 20. Jahrhundert wird in Barlachs Leben lebendig - er ist ein recht widersprüchlicher Mensch, der mich als Künstler immer wieder begeistert und nun endlich konnte ich ihn in diesem Buch nicht nur künstlerisch, sondern auch als Mensch kennen lernen.

Man kann einsteigen, wenn man noch keine Ahnung hat von Barlach oder das Buch lesen, wenn man seine Werke mag und kennt. Es gibt in dieser Biografie so vieles zu entdecken, sie deckt auf, beantwortet Fragen, zieht das Leben Barlachs in den Sog des 20. Jahrhunderts und verbindet beides verständlich und nchvollziehbar. Der Autor analysiert für meine Begriffe komplex und schreibt kraftvoll und obwohl sachliche Biografie dennoch mit erzählerischem Talent, welches mir während des Lesens sehr gut gefallen hat. man steigt spannend und aufschlussreich in die Handlung ein und erfährt das Leben Barlachs auch wirklich lebendig.

Das Buch ist in 10 Kapitel gegliedert. Man spürt, dass der Autor intensiv recherchiert hat - es ist wirklich ein Genuss, dieses Buch zu lesen.

Kommentieren0
0
Teilen

Rezension zu "Franz von Assisi" von Gunnar Decker

Ausstieg aus dem Immer-schneller-und-immer-mehr.
JulesBarroisvor 4 Jahren

Franz von Assisi: Der Traum vom einfachen Leben - Gunnar Decker, 432 Seiten, Siedler Verlag (26. September 2016), 26. 09. 2016, 26,99 €, ISBN-13: 978-3827500618

 „Was für einen Anfang wagt da einer!“ (Seite 69). Dieser Satz, den Gunnar Decker über das Auftreten des 28-jährigen Franz von Assisi vor Papst Innozenz III. sagt, könnte auch über den Amtsantritt von Jorge Mario Bergoglio stehen, als er sich am 13. März 2013, zum 266. Bischof von Rom gewählt, einen neuen Namen gab: Franziskus I. und damit auch ein völlig neues Programm in der katholischen Kirche auflegte. (siehe dazu auch seine Enzyklika Laudato si`)

Gunnar Decker, der Berliner Religionsphilosoph, nimmt uns in seinem neuen Buch mit auf eine ebenso lehrreiche wie unterhaltsame Zeitreise ins Mittelalter, als der Bettelmönch Franz von Assisi nichts weniger wollte, als Welt und Kirche zu verändern.

Francesco, geboren als Sohn des reichen und einflussreichen Tuchhändlers Pietro Bernadone geboren, kennt beide Seiten: Reichtum, Macht und Vergnügungen der oberen Gesellschaftsschicht und Armut und Verzweiflung der vielen Zurückgelassenen und Ausgestoßenen. Schnell erkennt er die Fehlentwicklungen von Reichtum (Kapitalismus) und vor allem der weltlichen Macht der Kirche.

Wie wurde aus dem bürgerlichen Lebemann Giovanni Battista Bernadone der asketische Bettelprediger Franziskus? Und was wurde aus seiner Vision von einem Leben in der Nachfolge von Jesus Christus?

Neben einer äußerst klugen und kenntnisreichen Biographie, mit sehr guten Informationen aus primären Quellen und sehr interessanten sekundären Quellen, liefert Gunnar Decker das farbige und plastische Bild eines Mannes, dessen Strahlkraft alle konfessionellen und zeitlichen Unterschiede überwindet und gerade in den Zeiten eines Turbokapitalismus und des Überdrusses, Halt und Zuflucht bietet. 

Für mich besonders interessant sind in diesem Buch zwei Aspekte:

Einmal der Einfluss Franz von Assisis auf Kunst und Kultur, von Boccaccio, G.K. Chesterton, Luise Rinser, Hermann Hesse, Rilke bis zu Steven Spielberg, die sich zu allen Zeiten immer wieder mit seiner Botschaft auseinandersetzen, die uns Antworten auf die Fragen gibt, die wir auch heute an das Leben stellen.

Zum anderen die Reaktionen der Amtskirche, die als die wahren Mächtigen in der Kirche seine Reformbewegung ausbremsen, die vergleichbar ist mit dem Kampf, den verschiedene Kreise der Kurie heute gegen Papst Franziskus I. führen. Wer wird siegen? Das kirchliche Establishment oder der unkonventionelle neue Papst?

Eine insgesamt lohnende Lektüre, die ebenso viel Kenntnisse vermittelt wie sie Lesevergnügen bereitet.

Hier geht es direkt zum Buch auf der Seite des Siedler Verlages

https://www.randomhouse.de/Buch/Franz-von-Assisi/Gunnar-Decker/Siedler/e474383.rhd

Fragen Sie in Ihrer örtlichen Buchhandlung nach diesem Buch. Wenn Sie in meiner Gegend „Landkreis Merzig-Wadern“ leben, dann wenden Sie sich an die Rote Zora: http://www.rotezora.de

Kommentieren0
2
Teilen

Gespräche aus der Community

Neu
Starte mit "Neu" die erste Leserunde, Buchverlosung oder das erste Thema.

Community-Statistik

in 44 Bibliotheken

auf 7 Wunschzettel

von 4 Lesern aktuell gelesen

Was ist LovelyBooks?

Über Bücher redet man gerne, empfiehlt sie seinen Freunden und Bekannten oder kritisiert sie, wenn sie einem nicht gefallen haben. LovelyBooks ist der Ort im Internet, an dem all das möglich ist - die Heimat für Buchliebhaber und Lesebegeisterte. Schön, dass du hier bist!

Mehr Infos

Buchliebe für dein Mailpostfach

Hol dir mehr von LovelyBooks